Streaming-Kritik: THE PUNISHER – ONE LAST KILL
Themen: Neues |USA 2026. Regie: Reinaldo Marcus Green. Darsteller: Jon Bernthal, Deborah Ann Woll, Jason R. Moore, Judith Light, Kelli Barrett, Addie Bernthal, Eduardo Campirano, John Douglas Thompson, Andre Royo, Mila Jaymes, Dónall Ó Héalaí
Story: Frank Castle hat fertig. Nach der Auslöschung der Gnucci-Familie ist jeder Lebenswillen aus seinem geschundenen Körper verschwunden. Er beerdigt seine Identität als Punisher und will Suizid begehen. Aber dann taucht Ma Gnucci auf, die todkranke Patriarchin des untergegangenen Mafia-Clans. Sie garantiert Castle ein schmerzhaftes Ende, in dem sie alle Gangster, Killer und Psychopathen von Little Sicily auf ihn ansetzt. Ihre "Rache" hat den überraschenden Effekt, dass in Frank Castle wieder etwas erwacht: Der Wunsch nach Bestrafung aller Kriminellen und Korrupten, die "sein" Viertel in ein apokalyptisches Schlachtfeld verwandelt haben. There will be blood…
Kritik: Es ist kurios, dass bisher gerade mal drei Marvel TV-Specials in fünf Jahren produziert wurden: WEREWOLF BY NIGHT, das GUARDIANS OF THE GALAXY HOLIDAY SPECIAL, und jetzt PUNISHER – ONE LAST KILL. Wobei "one last kill" die wohl tollkühnste Untertreibung der Marvel-Geschichte darstellt. "one hundred last kills" trifft es entschieden besser.
Denn wahrlich, P:OLK ist weniger ein (kurzer) Film als mehr die Wiedergeburt des Punishers, der zu Beginn noch lethargisch und depressiv durch das Chaos aus Drogen, Gewalt und Anarchie stapft, dann aber in der gnadenlosen Abschlachtung seiner Gegner eine geradezu alttestamentarisch anmutende Bestimmung findet.
Wie er es dem Daredevil einst erklärte: er macht keine Gefangenen. Wenn er mit ihnen fertig ist, bleiben sie liegen. Für immer.
Nach THE BEAR – "Gary" zeigt Jon Bernthal erneut, dass er der momentane "go to"-Darsteller für gebrochene Männlichkeit ist, für das Verzweifeln des Mannes an der Gesellschaft und sich selbst. Er ist der personifizierte Schmerz für sich und alle, die sich gegen ihn erheben. Leben kann er nicht, sterben auch nicht – aber töten.
Frank Castle ist John Rambo als Travis Bickle als Exterminator, der rot sieht.
Es verwundert nicht, dass Bernthal hier wieder Ko-Autor ist. Er hat sich den Punisher auf den vernarbten Leib geschrieben wie Mikey Berzatto in THE BEAR. Dazu gehört die erstaunliche Fähigkeit, seine Anti-Helden fast ohne "redeeming features" zu zeichnen und dennoch den Zuschauer auf ihre Seite zu bringen.
Nicht weniger beeindruckend ist Judith Light, die wir primär als die proper blonde Mama aus WER IST HIER DER BOSS? kennen. Sie spielt Ma Gnucci als einen von der multiplen Sklerose in ein Wrack verwandelten Rachegeist, der auf der eigenen Zielgeraden wenigstens sicher sein will, Blut für Blut gefordert zu haben.
Wie gesagt: das ist genau genommen kein Film. Es ist ein kurzer Ausschnitt, ein blutrünstig und perfekt choreographierter Wendepunkt in Franks Leben. Ähnlich wie kürzlich THE FURIOUS zeigt er, was mit heutigen Mitteln an Action möglich ist, welche Eleganz die Gewalt besitzen kann, welche Choreographie der Tod. Es ist ein "bullet ballet", ein Tanz aus Blut, Stahl und Schweiß.
P:OLK macht viele der frustrierenden MCU-Rohrkrepierer der letzten Jahre vergessen. Dass ausgerechnet die von Marvel zur Stärkung des eigenen Monopols gekillten Netflix-Miniserien zu Hoffnungsträgern inmitten der "superhero fatigue" werden, hat seine ganz eigene Poesie.
Wer den Punisher bisher ausgelassen hat, wird hier nicht andocken können. Wer allerdings den Netflix-Marvel-Miniserien bis zum Schluss die Stange gehalten hat, wird hier mit einer perfekten Wiedergeburt belohnt. Welcome Back, Frank.
Fazit: Ein blutrünstiges Massaker als TV-Special und die glorreiche Rückkehr des Punishers, der in Jon Bernthal seine perfekte Verkörperung gefunden hat. Das MUSS der Einstieg in eine neue Staffel sein – und ein Fingerzeig für Marvel, wie man den "lesser heroes" ohne Blockbuster-Größenwahn gerecht wird.
Ich bin Netflix immer noch dankbar für ihren Anteil an bewegtem Marvelmaterial. Daredevil & seine N.Y.-Connection. (Ja, auch die goldene Faust hatte, für mich, seine Daseinsberechtigung.)
Und Bernthal passt in den Castle wie die buchstäbliche "Faust aufs Auge".
(PS. Leerzeichen richtig setzen ist wichtiger als man denkt. "Faust aufsauge" ist ein Hamsterfilm ROFL)
Verdammt, ich hatte eigentlich mit Disney+ abgeschlossen, aber nachdem die neuen Daredevil-Staffeln gut sein sollen, Jessica Jones und die anderen Defenders auch wiederbelebt werden und der Punisher auch ordentlich fortgesetzt wird, muss ich es wohl doch wieder abonnieren
Musst du nicht, du musst nur herausfinden, wie das ohne Disney geht. 😉
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Mich hat verblüfft, wie gekonnt man alles in die kurze Laufzeit gepresst hat. Drama, charakterzeichnung und die große Action. Unbedingt mehr davon.
Boah, das wird krass mit dem Auffrischen der alten Folgen für mich und dem völligen "Neuansehen" für meine Tochter. Aus Mangel an Zeit haben wir nicht einmal die erste Daredevil-Staffel geschafft… Jetzt muss es DD komplett sein, Punisher – beide Staffeln und bald auch noch Jessica Jones? Wo soll ich bloss die Zeit hernehmen bzw. soll ich andere, neue Serien einfach auslassen?
Ich bin schwer begeistert.
Ich rauche nicht, brauche jetzt aber erst mal eine Kippe danach.