Kino Kritik: THE FURIOUS
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Offizielle Synopsis: Nachdem seine Tochter von einem skrupellosen Verbrechersyndikat entführt wird und die korrupte Polizei untätig bleibt, nimmt Wang Wei ihre Rettung selbst in die Hand. Auf seiner Suche trifft er auf den kompromisslosen Journalisten Navin, der seit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau einen persönlichen Feldzug gegen das Netzwerk führt. Getrieben von Verlust und Vergeltung geraten die beiden Männer in einen brutalen Strudel der Gewalt – und stellen sich einer übermächtigen Organisation, die keine Zeugen hinterlässt.
Kritik: Den Trailer zu THE FURIOUS habe ich während der Fantasy Filmfest Nights in Berlin ein halbes Dutzend mal gesehen – und mich wieder gefragt, warum SOWAS nicht auf dem Festival laufen kann. Wäre der Film womöglich zu unterhaltsam, zu bedingungslos dem Publikum zu Diensten? Ich meine, hey – da guckt keiner deprimiert in den Wald, auf dem Soundtrack gibt es kein jammerndes Cello, und der größte Erfolg des Helden ist nicht, dass er ein Beziehungstrauma überwindet – er erschlägt schlicht gefühlt an die hundert Bösewichte mit einem Hammer. This is why we can’t have nice things.
The FURIOUS ist mehr als ein Actionfilm – er ist eine Leistungsschau des asiatischen Martial Arts-Kinos, Stand 2026. Ein neuer Maßstab, den zu übertreffen für die nächsten Jahre schwer werden dürfte. Ein Brett von einem Spektakel von der ersten bis zur letzten Sekunde, fettfrei und Vollgas gebend. Fight-Choreographien wie Champagner und Kaviar, mit größtmöglicher Geschwindigkeit und einem körperlichen Einsatz der Beteiligten, dass ich die Schläge förmlich am eigenen Leib spürte.
Ich kann mich an keinen Actionfilm erinnern, dessen schiere Wut und Gnadenlosigkeit mich derart in den Sitz gepresst hat. Wäre ich ein Mädchen, ich hätte gekiekst.
Das ist JOHN WICK und TWILIGHT OF THE WARRIORS, UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING und THE RAID – und dann noch oben drauf.
THE FURIOUS schafft Dinge, die eigentlich unvereinbar sein sollten: er ist in seiner Härte und seiner Konsequenz gnadenlos, aber letztlich durch die klare Unterteilung in gut und böse nie zynisch oder menschenverachtend. Anders als viele andere aktuelle Filme lässt er seinen Helden das Heldentum und versucht nicht, seine Bösewichte zu relativieren. Das macht ihn trotz des massiven Splatters und des extrem hohen Bodycounts angenehm, teilweise sogar hoffnungsvoll.
Außerdem ist THE FURIOUS zwar realistisch in der Darstellung einer grausamen Welt, die in dunklen Slums ihre hilflosen Opfer sucht, aber gleichzeitig so überdreht, dass er einen comic-esken Drive aus den endlosen Duellen auf Leben und Tod zieht. Hier schlagen schmerzhaft Kämpfer aufeinander ein, die nach 20 Minuten nur noch aus Hackfleisch und Knochenmehl bestehen dürften.
Die Kampfchoreographie sucht dabei ihresgleichen und ist in einem Maße einfallsreich, dass ich mich teilweise an die Glanzzeiten des Hongkong-Kinos der späten 80er und frühen 90er erinnert fühle. Mitunter dürfte selbst Jackie Chan hier beeindruckt "Alder…!" in sein Popcorn murmeln. Ich vermisse die Zeiten, als so ein Film vermutlich in Deutschland als SUPERFIGHTER – ZWEI KNOCHENBRECHER MISCHEN DIE MAFIA AUF ins Kino gekommen wäre.
THE FURIOUS ist "the real deal", ein Film, der nach 90 Minuten endet und dann einfach weiter geht, immer sinnloser, brutaler, unbarmherziger. Ich verstehe jeden, der meint, dieses Chaos brächte irgendwann das eigene Fass zum überlaufen, aber ich war zu begeistert, um mich daran zu stören. Es gibt kein genug, es gibt kein zu viel.
Fazit: Ein unfassbar gnadenloser, brutaler, dynamischer, ausdauernder, atemloser, blutiger, mutiger, unberechenbarer, mitreißender, schmerzhafter, absurder, überzogener Schlägerfilm, der Fans begeistert und Nicht-Fans zu Fans macht. Ein Muss für jeden Actionfreund ohne Schmerzgrenze.
P.S.: Weil ich gerade dran denken musste – kann mal jemand eine aktualisierte Neuauflage der MAD MISSION-Reihe in Auftrag geben?! Danke.
Witzig, von dem hatte ich vorhin im neuen Mortal Kombat-Verriss (der so klingt, als hättet ihr voneinander abgeschrieben) von David Hain zum ersten Mal gehört. Der Trailer sieht schon echt heftig aus
Ich finde es eher überraschend, wie angeblich professionelle Kritiker eine komplett konträre Meinung zum Film haben können.
Man fragt sich manchmal schon, ob manche Filme auf dem FFF nicht gezeigt werden, weil Rosebud sie nicht bekommen, oder weil sie nicht gezeigt werden SOLLEN. Auf der anderen Seite hatten wir mit "Kill" und "Marco" in letzter Zeit ja gleich 2 x Vertreter des ultrabrutalen, asiatischen "Action" Kinos. Diese beiden Inder waren schon ein derbes Brett, da konnte man nicht meckern.
Meine Vermutung bleibt, dass es eine Kombination aus Müdigkeit ist (man nimmt halt, was gerade schon bei den anderen Festivals wie TIFF und von den Verleihern angeboten wird), und eine generelle Unlust, "billige" Unterhaltung zu bieten, weil man einen hehren, aber letztlich zielgruppenfeindlichen Anspruch verfolgt, der "Problemfilme" bevorzugt.
Der kommt ja erst in mehr als einem Monat (glaub 18.6.) ins Kino. Will der Verleih da einen Hype-Train starten, nachdem man offensichtlich kein Review-Embargo durchsetzt?
Apropos gutes oder schlechtes Timing: Daß man "Nürnberg" in Deutschland und Österreich genau um den 8.Mai herum im Kino starten läßt, kann ich bis zu einem gewissen Grad schon verstehen, aber das ist knapp ein halbes Jahr nach dem Rest der Welt und gefühlt habe ich den Film per Youtube-Clips schon zur Hälfte gesehen…
Ich war auch überrascht, dass der Verleih kein Embargo gesetzt hat. Man hat uns natürlich gebeten, "soweit möglich" mit den Kritiken nah am Start zu bleiben, aber das ergibt keinen Sinn, weil jeder ein Interesse hat, "zuerst!" zu schrei(b)en.
Dann hoffe ich mal, dass eins der Kinos in meiner Nähe hier in Tschechien ihn auch ins Programm nimmt. Denn das klingt ja sehr nach meiner Tasse Tee!
Jimmy, die wahrscheinlichere Erklärung ist, dass die Zielgruppe eh schon Bescheid weiß dank Internet, da der Film schon länger Premiere hatte.
Und einen Hype-Train gibt es für Filme aus HK, CN, TW in Deutschland nicht.
Chinesische Filme werden hierzulande nur noch mit der Zange angefasst.
Im deutschen Kino lief mit einer Ausnahme seit Mitte September 2025 kein chin. Film im Kino. (Die Ausnahme war eine Einmalvorstellung anlässlich des chinesischen Neuen Jahres. Aber nur drei Tage vorher angekündigt.)
Dass "The Furious" für den 18. 6. überhaupt angekündigt ist, gleicht da einem kleinen Wunder. Wobei bisher nur dieser eine Tag angegeben wird. Es könte also auch nur eine Einmalvorstellung sein. Aber erst am 19.6. wissen wir, ob der Film wirklich flächendeckend in deutschen Kinos lief. Selbstverständlich ist das nicht.
Flächendeckend ist ja auch ein vager Begriff – für einen Film wie THE FURIOUS fände ich schon einen Start mit 50 Kopien erstaunlich.
Ja, das stimmt. Man sollte nicht zuviel erwarten. Bisher ist er nur bei UCI angekündigt.
Beim Schreiben des ersten Kommentars hatte ich den besten Jackie-Chan-Film seit zehn Jahren im Hinterkopf. Bei Plaion heißt er "Shadow Chase" und ist zwar auf BluRay mit deutscher Synchro erschienen, aber eben nicht im Kino wie z.B. in UK.
"Shadow Chase" lief für eine (1) Vorstellung in einem (1) Kino in Stuttgart beim WeirdWeekender. Das wars.
Generell ist die Behandlung chin. Filme in deutschen Kinos im Jahre 2026 mehr als fragwürdig. In allen Ländern rings um uns laufen diese Filme im Kino, nur hier werden sie boykottiert. Ich hätte zu gern gewusst, woran das liegt.