Kino Kritik: EIN MÜNCHNER IM HIMMEL – DER TOD IST ERST DER ANFANG
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Offizielle Synopsis: Taxifahrer und Münchner Original Wiggerl landet nach einem Autounfall im Himmel – aber statt Bier und Blasmusik gibt’s hier nur Soja-Manna und Yoga zu Harfenklängen. Ein Albtraum für den aufmüpfigen bairischen Dickkopf.
Damit im Himmel wieder Ruhe und Frieden einkehrt, schickt man ihn kurzerhand mit einer Mission zurück. Wenn er es schafft sein Karma-Konto auf Vordermann zu bringen, darf er auf der Erde bleiben.
Allerdings ist Wiggerls Tochter Toni die Einzige, die ihn jetzt noch sehen und hören kann. Für alle anderen ist er Luft. Seine Bitte, ihm zu helfen, schmettert Toni ab – schließlich hat sich ihr Vater zu Lebzeiten kaum um sie und ihre Mutter gekümmert. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis gelingt es Wiggerl schließlich wieder etwas Vertrauen zurückzugewinnen. Aber der Wettlauf gegen die Zeit ist noch nicht vorbei und Wiggerl dämmert so langsam, worum es bei seiner Mission eigentlich geht…
Kritik: Eins vorweg – es handelt sich bei EIN MÜNCHNER IM HIMMEL natürlich nicht um eine Verfilmung der Satire von Ludwig Thoma, unsterblich geworden durch die Rezitation Adolf Gondrells in Kombination mit Zeichentrick 1962:
Lujah, sog i!
David Dietl, auch in Sachen Verehrung eines fragwürdigen "Münchner Lebensgefühls" ganz der Papa, nutzt die Geschichte Thomas nur als Aufhänger für einen unsicheren Mix aus EIN ENGEL AUF ERDEN und DER HIMMEL ÜBER BERLIN (in diesem Fall halt DER HIMMEL ÜBER SCHWABING).
Ich bin mir sicher, in Interviews und Pressetexten wird man Phrasen wie "eine Liebeserklärung an die Isar-Metropole" dreschen und tapfer behaupten, der Film wäre nostalgisch einem München verbunden, an das sich nur die echten Münchner erinnern können, womit gemeint ist: ohne Grüne, ohne Zugereiste, ohne Döner, ohne N-(schreibe ich nicht mehr).
So wie der Wiggerl als Überbleibsel eines mythischen früheren, besseren Münchens heroisiert wird, so müht sich Regisseur Dietl, die ganze Stadt nicht als Postkarte zu präsentieren, sondern als Ansammlung von Altbauten, Hinterhöfen, Kneipen und Werkstätten, in denen die 70er nie zu Ende gegangen sind und in denen man problemlos eine neue Staffel von MONACO FRANZE drehen könnte.
Nur: es fühlt sich halt nicht echt an, nicht authentisch, nicht liebenswert. Wenn der Wiggerl ein "Münchner Original" ist, dann bescheißt ein "Original" demnach seine Freunde, schnorrt sich durchs Leben, vernachlässigt die Ex-Frau und die angeblich geliebte Tochter – und lernt auch zum Nachspann hin nix. Die ständige Behauptung, der Wiggerl habe das Herz am rechten Fleck und sei "eigentlich ein Guter", finde ich relativ unbelegt. Ein Oarsch, würde ich sagen.
Die Handlung dünn und vorhersehbar zu nennen, wäre zu viel der Ehre: Wiggerl muss irgendwie seine Scheiße auslöffeln, um am Ende im Himmel anzukommen. Wir wissen von Minute 1 an, dass ihm das egal ist, weil er viel lieber bei seiner Tochter und in seinem geliebten München bleiben möchte. Am Ende vergeigt er es zwar (irgendwie), darf aber dennoch bleiben (irgendwie). Und alle feiern ein Fest.
Die zu erwartenden Gaststars, die bekannten Dietl-Spezl, lockere Sprüche und zum Ende ein wenig Herzschmerz – dafür kommt erstaunlich wenig rum
Ich würde an dieser Stelle wieder über die Lethargie der deutschen Kinokomödie lamentieren – aber EIN MÜNCHNER IM HIMMEL immer noch ein Schimanski im Vergleich zum Haferkamp, der HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK ist.
Braucht ihr nicht verstehen, der Wortvogel referenziert mal wieder seine Jugend.
Fazit: Von der Inspiration zu weit weg, im Münchner Lokalkolorit zu blass, bei der Geschichte zu dünn – ein bemühter Versuch David Dietls, in die Fußstapfen des Papas zu treten, der wenig mehr ist als eine laue Sommerkomödie.
P.S.: David Dietl hat sich schon den nächsten Klassiker geschnappt – rieche ich da ein lukratives Geschäftsmodell?
Die 00er-Jahre haben ein Fax geschickt und möchten gerne ihr deppertes Titel-mit-Untertitel-Format zurückhaben.
Liegt das eventuell auch daran, dass der Film in weiten Teilen in Wien gedreht wurde? (oder bin ich da der Produktionsbeschreibung auf den Leim gegangen?)
Das würde erklären, warum ich außer in den Szenen, die sehr offensichtlich München showcasen sollen (Haus der Kunst, Leopoldstraße), kaum etwas erkannt habe. Es ist der alte Fluch von Koproduktion und Filmförderung, dass nicht gemacht wird, was filmisch notwendig ist, sondern was das Budget reinbringt.
Ach, noch eine Randnotiz.. Gekostet hat der Spaß wohl um die 7 Millionen Euro.
Also muss der Bumms ja ca 3-4x so gut wie ein Tatort sein.
Wie schon anderweitig hier geschrieben: Beim Trailer zu EMIL rollten sich mir die Fußnägel hoch.
Was sagt das über mich aus,das ich Haferkampf statt Schimanski bevorzuge.
Monaco Franze ging mir am Arsch vorbei.Ausser Karl Obermayer.Der war immer grandios.
Felmy for the win!