19
Mai 2026

Cinema-Fundstücke

Themen: Facebook, Film, TV & Presse |

Ich habe vor ein paar Wochen mal einen Facebook-Takeout angestoßen, um alle geposteten Meinungen, Dateien und Chats zu sichern. Teilweise eine schmerzhafte Erfahrung, z.B. die endlosen langen Gespräche mit guten Freunden noch einmal zu lesen, die mittlerweile nicht mehr unter uns weilen.

Es finden sich aber auch kleine Preziosen, denn gerade am Anfang (so 2013/14) habe ich versucht, Facebook als Erweiterung meines Blogs zu sehen und dort Sachen zu posten, die im Umfeld von Social Media einen Mehrwert besitzen. Warum diesen "bonus content" nicht für den Wortvogel aufarbeiten?

2012 hatte ich meiner erste große Zeitschriften-Sammlung bei Ebay erstanden – 144 Ausgaben der CINEMA bis 1990. Kuriositäten habe ich beim Durchblättern mit meinem Smartphone fotographiert – es war ja noch nicht angedacht, die Hefte zu zerschneiden. Die Ausschnitte habe ich dann als CINEMA-Fundstücke ein paar Wochen lang auf Facebook veröffentlicht. Gehen wir das mal durch.

In den 80ern stellte die CINEMA gerne eine Frage des Monats, die man nicht nur von Wald & Wiesen-Lesern, sondern auch von den Profis der Branche beantwortet haben wollte. Massiv gestolpert bin ich bei der Frage "Was halten Sie von Fortsetzungen im Kino?" über die Antwort von Regina Ziegler, der vermutlich mächtigsten Produzentin, die dieses Land je hervorgebracht hat:

Ich versteh’s nicht. Fortsetzungen sind demnach "amüsante Abwechslung" und genuin eigenständige Produktionen, die "originell und einmalig" sein wollen, sind "großes Einerlei"? Ergibt das auf irgendeiner Ebene Sinn?

Das hier ist eine Skandalstory, über die ich sehr gerne mehr wüsste und über die in den online verfügbaren Archiven allerdings kaum etwas zu finden ist:

Es klingt wie das Drama um Susan "Vorvertrag" Stahnke.

Wenn ich mich recht erinnere, schwurbelte der CINEMA-Redakteur diesen Quatsch zu Franco Neros ANDRÉ SCHAFFT SIE ALLE zusammen:

Bonuspunkte-Abzug für zweimal "besteht darin" in einem Absatz.

Ich muss unterstellen, dass die in der CINEMA-Redaktion permanent besoffen oder bekifft waren. Die Alternative wäre nämlich, dass sie keine Ahnung hatten. Und das wäre mir sehr unangenehm.

Wofür wurden in den 80ern eigentlich unsere TV-Gebühren ausgegeben? Z.B. für mehrseitige aufwändige Einhefter in Kinozeitschriften, die mit albernen Cartoons letztlich nur darum bettelten, dass wir unseren Obulus für Aspekte und Sesamstraße entrichten. Hätte man DAS Geld nicht besser anlegen können?!

Die Gegenseite schlug entsprechend zurück und Alarm: DAS KINO MUSS LEBEN! Was nach der Logik der Verleiher und Betreiber primär bedeutete, dem wachsenden Angebot an TV-Programmen Verbote aufzuerlegen (keine Spielfilme am Freitag und am Samstag!). Die Unterzeichner sind die üblichen Verdächtigen:

Manchmal finden sich in den Leserbriefen die schönsten Kleinode:

Wo wir gerade bei Bronson sind – es wäre vermutlich einfach gewesen, die Bilder richtig zuzuweisen. Aber nicht annähernd so lustig.

Und nun zur Werbung. Ich habe nie eine Swatch besessen. Konnte ich mir nicht leisten, fand ich auch immer unmännlich. Allerdings wusste ich auch nicht, dass es Swatch-Uhren mit Geruch gab. Die hätte ich noch viel lieber nicht gehabt:

Bei den Kurzmeldungen der CINEMA trieb der Unsinn wilde Blüten und man kann sich aussuchen, ob Quatsch wie dieser aus einem englischen Revolverblatt abgeschrieben oder hausintern kackfrech erlogen wurde. Ich schrieb dazu:

Ich bezweifle, dass Prinzessin Margaret Boy George als "aufgedonnerte Hure" bezeichnet hat – so wie ich bezweifle, dass dieser "wie stets" in rosa Röcke gewandet war. Aber das mag so gewesen sein oder nicht so gewesen sein. Viel interessanter ist die Frage, wie man in Boy Georges' Replik eine "saftige Schimpfkanonade" reinlesen kann.

In ihrer Arroganz und ihrem überblasenen Stilwillen waren die 80er manchmal schon ehrlich zum Kotzen ("Campari? Was sonst?!"). Einen ganz besonders bunten Vogel schießt aber diese blasierte Schnösel ab, der für Tabak wirbt – das muss man wirklich in Ruhe lesen und genießen. "mexikanische Indianerstämme"?!

Über diesen Leserbrief eines Betroffenen habe ich vor 13 Jahren hier schon ausführlicher geschrieben. Lest den Kontext bittet dort nach.

Manchmal hat man den Eindruck, dass die CINEMA Filme nicht versteht, aber auf Gedeih und Verderb die Zeilen füllen muss. Da kommt sowas bei raus:

DECODER war lange Zeit schwer zu finden. Mittlerweile habe ich ihn auf der langen Liste meiner "muss ich endlich mal gucken"-Streifen.

Nicht nur Verleiher und Hersteller von Konsumartikeln buchten in der CINEMA Anzeigenseiten – auch Vater Staat investierte Steuern, um das Zielpublikum zu erreichen. Die Aufklärung in Sachen AIDS durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ungefähr so cringe, wie zu erwarten war.

Ich habe an anderer Stelle schon darüber geschrieben, dass der CINEMA keine absurde Unterstellung fremd war, um aus branchenfremden Fotos und Meldungen ein paar Zeilen für die "Vermischtes"-Seite zu drechseln. Die knackige Prinzessin von Monaco in einem engen "Badeanzug"(?)? Ja, bitte. Muss man nur "vielleicht wird sie damit ja Filmstar" dranhängen, damit es ins Heft passt.

Die CINEMA war bei der Behauptung von Fakten so frech wie bei der Beschaffung von Bildern. So habe ich immer schon die Validität dieser Aufstellung angezweifelt:

Ich habe auch immer gerätselt, woher die krude Superman-Grafik stammt. Und siehe da, ein Neuzugang in meinem Archiv von 1973 gibt die Antwort:

Wir können entspannt unterstellen, dass die CINEMA die Grafik nicht lizensiert hat.

Wallraffs GANZ UNTEN sollte, aller berechtigten Kritik zum Trotz, immer noch Pflicht an Schulen sein, damit das Verständnis dafür, was investigativer Journalismus sein kann und soll, nicht verloren geht. An diesem Text hat mich vor allem fasziniert, wie schwierig es in den 80ern war, Dinge heimlich zu filmen:

Was hätte der Wallraff damals alles mit einem iPhone aufdecken können!

Ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, was für eine Quälerei hinter händisch gefertigtem Layout stand, und was für eine Mühe es macht, in schlechter Qualität angelieferte Bilder noch irgendwie druckfertig ins Heft zu heben. Oft klappt das nur so mittel – wie in diesem Fall, bei dem man Shots von Patrick Swayze und Laura del Sol zusammen montiert. Hatte Swayze den Kopf in ein Ofenrohr gesteckt? War er von Dämonen besessen?

Den hier haben wir ja mittlerweile ausführlich besprochen.

Vor fast exakt 13 Jahren schrieb ich dazu:

Manchmal reicht schon ein Cover – die 80er werden schlimmer, je länger sie her sind.

Dazu stehe ich auch heute noch.

Zu den Schlampigkeiten der CINEMA gehörte immer auch, dass man sich nicht auf einheitliche Schreibweisen einigen konnte/wollte:

Eine absolute Unsitte teilten sich CINEMA und BRAVO brüderlich: Um die Textmenge zu maximieren, wurden die Inhaltsangaben aus den Presseheften der Verleiher 1:1 übernommen. Das Problem: diese Inhaltsangaben beschrieben oft genug die Handlung des Films vom Anfang bis zum Ende, weil sie dem Redakteur eine Handreichung sein sollten und nicht zur vollständigen Veröffentlichung gedacht waren. Das führte dazu, dass CINEMA und BRAVO gerne mal die spannendsten Film spoilerten, bevor es das Wort Spoiler im deutschen Sprachgebrauch gab.

Hiernach kann man sich den  großartigen ANGEL HEART im Grunde schenken:

Hätten meine Kumpel und ich damals von dieser schändlichen Aktion gewusst – wir wären zum Marktplatz gefahren und hätten versucht, so viele Kassetten wie möglich vor der Walze zu retten. Nicht für den Horror – für die Freiheit der Kunst!

Man kann das alles launig bis schlampig finden, aber es gibt auch immer wieder Texte, für die man den CINEMA-Redakteuren auf die Schuhe kotzen möchte (u.a. hier). Die Spende von Hollywood-Requisiten für einen guten Zweck dergestalt zu einer "Verliererin des Monats"-Spalte zu drehen, gehört körperlich gezüchtigt.

Zum Videostart von STAR TREK: THE NEXT GENERATION Ende der 80er hat die CINEMA mal wieder einen echten Experten an die Schreibmaschine gelassen:

Keine 100 Jahre. Weder Pille, Scotty, noch Spock sind tot. Der Navigator heißt auch nicht "Zulu" und Sol Acht war eine Erfindung der alten ZDF-Synchro.

Michael Caine war 1985 52 Jahre alt. Es brauchte keine größere Recherche, um darauf zu kommen, dass er nicht den YOUNG SHERLOCK HOLMES spielen würde.

Gemeint ist natürlich die Holmes-Komödie WITHOUT A CLUE.

Bei diesen "News" weiß man nicht mal theoretisch, wie das gehen sollte:

Es erschüttert mich ein wenig, dass jemand bei der CINEMA geglaubt haben muss, dass man für DALLAS Sex- und Gewaltszenen gedreht hat, die es nicht in den Endschnitt schafften. Uns dass man daraus irgendwie einen "Kinofilm" schnippeln könne. Spannend ist aber auch die Frage: haben die Leser sowas geglaubt?

Eine Weile lang fasste die CINEMA die Wertungen verschiedener Experten in einer Art Tabelle zusammen. Die Icons bedeuteten minus für schlecht, plus für gut, und Welle für eher mittel. Dumm nur, wenn man offensichtlich die Version des Vormonats einfach überschrub und damit die Icons überhaupt nicht zu den Meinungen passten:

Wieder so eine absurde Volte, die im Kopf des CINEMA-Redakteurs nur ab 1,6 Promille Sinn ergeben haben kann:

Ich fasse zusammen: "Formans Film erzählt das Ende Mozarts nicht historisch korrekt, deshalb hat Mahler einen Film geschrieben, der das auch nicht tut."

Die Marktmacht als "größte Filmzeitschrift Europas" erlaubte der CINEMA in den 80ern oft, spektakuläre Promotion-Aktionen zu fahren, bei denen die Leser(innen zumindest) Hollywood ganz nah kommen konnten.

Nun war die Frage "Wer wird das erste deutsche Bond-Girl?" zu dem Zeitpunkt schon seit fast 20 Jahren beantwortet: es war Karin Dor in MAN LEBT NUR ZWEIMAL. Aber schon klar: "Wer wird das zweite deutsche Bond-Girl?" klänge weniger sexy.

Ich habe übrigens ChatGPT angeworfen mit der Frage, ob es noch andere deutsche Bond-Girls vor 1985 gab. Es zeigt sich mal wieder, dass man der KI nicht über den Weg trauen darf:

Brosnan und die CINEMA mussten sich nur noch ein paar Jahre gedulden:

Auch Christopher Reeve äußerte sich etwas voreilig und musste hinterher für solche Aussagen fleißig Kreide fressen:

Und die Rechtschreibfehler. Diese unfassbaren Rechtschreibfehler und Schlampereien der CINEMA, als könne sich die "größte Filmzeitschrift Europas" kein Lektorat leisten. Die schreiben im Fall von LOST WORLD den Titel sogar im Titel falsch, obwohl die Videokassette direkt rechts daneben abgebildet ist!

Demi Moore? Dami Moore? Wer weiß das schon so genau?

Kolp? Kolb? Namen sind doch nur Schall und Rauch.

Jodie Foster? Jody Foster? Bitte nicht pedantisch werden! ("häte" geht auch nicht)

Manchmal lag CINEMA zwar nicht daneben, war aber ziemlich igitt oder "ick", wie man heute sagt. Dass sich Götz George mit diesem Starschnitt für eine Hauptrolle in Fassbinders finalem Film QUERELLE bewerben wollte, ist nur ein Gerücht:

Haltet euch fest, ich habe das wirklich mal recherchiert: Bis 1984 wurde diese Form von Turnhöschen (üblicherweise auch von Fußballern getragen) immer kürzer, danach wieder länger. Die Mode fand ihren Verstand wieder.

Absolutes Lowlight der CINEMA aus den frühen 80ern ist für mich allerdings diese "lustige" Parodie einer Kino-Anzeige für CONAN DER BARBAR, deren Autor hoffentlich 12 Jahre alt war und die Hälfte der witzigen Worte selber nicht verstanden hat:

The times, they were a-changing – Gottseidank.



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5 Kommentare
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Chris
19. Mai, 2026 15:39

Es wäre 1985 übrigens dann nur das 3. deutsche "Bond-Girl" gewesen, denn 2 Jahre nach dem Karinsche aus Wiesbaden hatte in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" Ingrid (oder Ingrit?) Back eine kleine Rolle als eine von Blofelds "Todesengeln", die er sich in seinem Schweizer Forschungsinstitut in den Alpen hält.

Ralph
19. Mai, 2026 23:15
Reply to  Chris

Sorry, jetzt bin ich in ein Rabbithole gefallen.

Je nachdem, wie man "Bond-Girl" auslegt: beim Geheimdienst ihrer Majestät hat auch noch Ilse Steppat Blofelds Assistentin Irma Bunt gespielt.

Wenn wir alle Schauspielerinnen mit deutscher Staatsbürgerschaft zählen, die irgendwie in einem Bond-Film mitspielten, gäbe es vor 1985 noch Francisca Tu – Mr. Osatos Sekretärin in Man lebt nur zweimal (1967).

Und wenn man die Kriterien noch ein bisschen weiter auslegt: Nikki van der Zyl war englische Synchronsprecherin von Ursula Andress in Feuerball (1965).

Und laut meiner Wikidata-Abfrage und ein paar Webseiten hat Elke Sommer angeblich in der Parodie Casino Royale (1967) mitgespielt – sie ist aber weder bei imdb noch Wikipedia de/en aufgeführt – und auch auf ihrer Webseite findet sich kein Eintrag.

21. Mai, 2026 12:29

Ich hoffe dass die Mode ihren Verstand auch bald bei "Laufshirts" für Frauen wiederfindet.
Zur Zeit liefert Erima da nur allerknappste Bras.
Zusätzlich zum Problem des Auskühlens und der Startnummerbefestigung kommt die geringere Aufwandsentschädigung, weil nur 1 Sponsor drauf passt, während die Herren 4 haben.