Kino Kritik: DER WUNDERWELTENBAUM
Themen: Film, TV & Presse |
Offizielle Synopsis: Als die Geschwister Beth, Fran, und Joe wider ihren Willen mit ihren Eltern aufs Land ziehen, beginnt für die Familie ein ganz besonderes Abenteuer. In dem nahegelegenen, geheimnisvollen Wald entdecken die Kinder einen magischen Baum: den bis in die Wolken reichenden Wunderweltenbaum, in dem außergewöhnliche Wesen wohnen. Schnell schließen sie Freundschaft mit den Baumbewohnern Fee Seidenhaar, Frau Wasch und Mondgesicht, die sie in fantastische Welten entführen. Gemeinsam erleben sie märchenhafte Abenteuer – bis sie auf einer ihrer Reisen ausgerechnet in der düsteren Welt der gefürchteten Schuldirektorin Madame Klaps notlanden müssen. Auch zuhause läuft es mit dem neuen Familienbetrieb plötzlich nicht mehr ganz nach Plan…
Kritik: Ich hatte keine Ahnung, dass Enid Blyton, die Erfinderin der "Fünf Freunde" (und damit spiritus rector von "Die drei ???" und "TKKG") auch Fantasy-Romane geschrieben hat. Hat sie aber. Vier Bücher erschienen zwischen 1939 und 1951. Es gab auch schon eine Adaption in Form einer pottenhässlichen Trickserie in den 90ern:
Jetzt wurde der Stoff nach einer langen Entwicklungsphase von 12 Jahren endlich mit dem angemessenen Aufwand umgesetzt und die Story zeitgemäß angepasst.
Dabei muss man sich klar machen, dass es sich hierbei nicht um einen Fantasy-Film im Sinne von DER HOBBIT, HOGFATHER oder STARDUST handelt – DER WUNDERWELTENBAUM ist ein Kinderfilm, in seiner Simplizität und der Direktheit seiner Botschaft(en) klar für ein Publikum bis maximal 16 konzipiert. Ein komplexes Worldbuilding oder breiter behandelte Themen darf man hier nicht erwarten.
Es ist ein im besten Sinne "kleiner" Film über eine Familie, die sich jenseits der Großstadt neu erfinden muss.
Man könnte vieles kritisieren. Die CGI ist genau so gut, wie sie sein muss, um das Geschehen zu bebildern – ich habe aktuelle TV-Serien gesehen, die das besser können. Wirklich nennenswerte Konflikte gibt es kaum, die beiden angedeuteten Antagonisten haben genau zwei Szenen. Es wird nie klar, ob der Film aus der Perspektive von Fran oder von Beth erzählt wird. Die Dynamik innerhalb der Familie setzt ganz auf die üblichen Klischees und selbst deren Brechung ist ein naiver Versuch, "modern" zu sein (Mama arbeitet, Papa passt auf die Kinder auf). Die Ablehnung von Technik und Großstadt zugunsten des Biobauern-Idylls hat was von LÖWENZAHN und LIEBES LAND.
Aber das ist komplett egal, denn DER WUNDERWELTENBAUM ist mit viel Herz geschrieben, gespielt und inszeniert, weiß uns augenblicklich für seine schrägen Figuren einzunehmen, und macht alle fünf Minuten eine neue Wunderwelt auf, in der wir uns staunend umsehen können. Es wird nicht das große Rad gedreht, aber die vielen kleinen Rädchen greifen prima ineinander und am Ende wünscht der Zuschauer sich ebenfalls einen Wunderbaum im Zauberwald. Mehr kann, mehr darf man von so einem Film nicht erwarten.
Wer auf klassische Fantasy im Stil von ALICE IM WUNDERLAND und DIE UNENDLICHE GESCHICHTE mit Kindern als Protagonisten steht, der ist hier genau richtig. Ein Film, den man umarmen und herzen möchte.
DER WUNDERWELTENBAUM ist der Anti-SUPER MARIO GALAXY.
Fazit: Ein bezauberndes Fantasy-Märchen für die ganze Familie, das einen gewissen Mangel an Komplexität und Konflikten durch schiere Herzenswärme und Freundlichkeit ausgleicht. Vielleicht genau der altmodische Film, den die moderne Welt in diesem Jahr braucht.
Ich bin ein großer Freund bezauberder Kinderfilme. Ob Sonntagsmärchen nach der obligatorischen Maus oder einfach als Downer nach einem anstrengenden Tag. Deswegen bin ich immer auf der Suche nach so etwas und zahle hin und wieder Kinoeintritt dafür. Aber ich muss sagen, hier fand ich die Trailer so unfassbar doof, dass ich das Gefühl hatte, mich schon als Kind dafür geschämt … gehabt… hätte…(?) Zeitformen… egal.
Aber ich finde schön, dass du hin und wieder in der letzten Zeit einen Kinderfilm in deine Besprechungen mit hineinnimmst. So weiß ich zumindest, dass ich ihn auf meine mentale Watchlist setzen kann. Ob ich dafür ins Kino gehe, weiß ich noch nicht.
Ich muß ehrlich sagen, daß ich den überhaupt nicht am Schirm hatte. Der hat auch offenbar erst kürzlich einen US-Release bekommen und startet dort erst im August.
"DER WUNDERWELTENBAUM ist der Anti-SUPER MARIO GALAXY."
Darf man das so verstehen, daß da bald eine Kritik kommt?
Apropos "Die unendliche Geschichte" – hieß es da nicht mal, daß die eine Neuauflage entwicklen? Ebenso wie für Momo, was aber eher dafür gesprochen hätte, daß die Erben von Michael Ende alles zu Geld machen wollten.
Es wird keine Kritik zu SUPER MARIO GALAXY geben – ich habe ihn mir nicht angesehen. ist sicher nett. Ich meinte mit meiner Aussage, dass DER WUNDERWELTENBAUM eben kein groß budgetierter Mega Corporation-Film für den Blockbuster-Markt und Merchandising ist.
Ich gebe zu, ich fand die neue MOMO-Verfilmung ziemlich gut. Es hat zwar etwas gedauert, bis ich mich an die Vaper statt Zigarren gewöhnt hab, aber dann konnte ich der Interpretation etwas abgewinnen. Ich hatte sogar danach die 1986er-Version geschaut, um den Direktvergleich anzustellen und fand die neue besser. Ich mag auch die Zeichentrickserie.
Wo ich hingegen das Gruseln bekam, war beim Trailer des neuen EMIL UND DIE DETEKTIVE. Auch der versucht, mit der Zeit zu gehen, aber scheint – zumindest im Trailer – durch die Modernisierung seinen Charme verloren zu haben. Mal sehen…