19
Apr. 2026

Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (8): VEINS

Themen: FF Nights 2026, Film, TV & Presse |

Kanada 2025. Regie: Raymond St-Jean. Darsteller: Romane Denis, Marie-Thérèse Fortin, Richard Fréchette, Sylvain Marcel, Anana Rydvald

Offizielle Synopsis: Isabelles Besuch in der Heimat verläuft nicht wie erwartet. Ihre Mutter wirkt seltsam abwesend und möchte sie schnellstmöglich wieder loswerden. Zudem erfährt die junge Frau beinahe nebenbei, dass sowohl ihr Vater als auch ihr Cousin kürzlich verstorben sind. Während sich beängstigende Vorfälle in dem fast menschenleeren Dorf häufen, kommt sie einem düsteren Geheimnis auf die Spur, das dem Spruch „zurück zu deinen Wurzeln“ eine ganz neue Bedeutung gibt.

Kritik: Es wäre positiv zu werten, dass in den letzten Jahren die Zahl der "Füller" aus Kanada und Irland gefühlt nachgelassen hat, wenn das Programm davon insgesamt profitiert hätte. Dem ist leider nicht so. Die Nachmittage beim Fantasy Filmfest sind oft immer noch trost-, energie- und farblose Zeit(lupen)reisen durch die Probleme der Mittelklasse. Und ja, Mittelklasse kann man dabei verschieden interpretieren.

VEINS hatte bei mir keinen guten Start, weil Raymond St-Jean es wohl lustig fand, sich bei der Videobotschaft von einem KI-Charakter vertreten zu lassen. Das ist a) ein Spoiler und b) ohne jeglichen Mehrwert.

Der Film ist selbst mit 96 Minuten zu lang, weil er das bisschen, was er zu erzählen hat, s e h r  l a n g s a m erzählt. Das wäre zu verkraften, wenn er dabei nicht mit so albern offenen Karten spielen würde. Wir ahnen/wissen nach ein paar Minuten, was vor sich geht, auf welcher Seite die Personen stehen, und worauf das alles vermutlich hinaus laufen wird. Selbst beim ersten Mal hat man das Gefühl, VEINS schon zum zweiten Mal zu sehen. Da gibt es keine Überraschungen oder Erkenntnisse.

Hinzu kommt, dass VEINS komplett falsch konstruiert ist. Es gibt keinen Antagonisten, keinen zentralen Konflikt. Was den Menschen passiert, passiert nach ihrem eigenen Willen. Wer ist demnach Isabelles "Gegner", wen muss/darf sie stoppen, um was genau zu erreichen? Die klassische "junge Außenseiterin gegen den verrückten Wissenschaftler, der das Dorf terrorisiert"-Nummer verfängt angesichts des Themas nicht.

Und dann sind da noch mehrere Details, die darauf hindeuten, dass VEINS primär für die Filmförderung und die Festivals konzipiert wurde. Isabelle ist natürlich lesbisch – die Freundin wird allerdings nach dem ersten Akt einfach folgenfrei aus der Handlung entfernt, weil die Beziehung keinerlei Funktion besitzt. Die unterliegende "zurück zur Natur"-Botschaft erlaubt obendrein, beim Förderantrag einen Haken bei "Ökologie/Umweltschutz" zu setzen.

Mir tun mal wieder die Autoren des Programmhefts leid, die gegen jede Realität Sachen schreiben müssen wie "fantastische und lange nachwirkende Spezialeffekte" und "der atmosphärische Einfluss von H. P. Lovecraft oder Mary Shelleys Schauerromanen ist allgegenwärtig". Sie werden dafür dereinst in der Hölle schmoren.

Warum VEINS trotzdem noch drei Punkte bekommt? Weil seine allerletzte Szene, so wenig sie auch zum vorherigen Geschehen passt, ganz hübsch ist.

Fazit: Ein mäandernder franko-kanadischer "Thriller" ohne Thrill oder sichtliches Bemühen der Macher. Die Salatbeilage solcher Festivals, die man ohne Dauerkarte auf dem Teller verwelken lässt. 3 von 10 Punkten.

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3 Kommentare
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Alex
19. April, 2026 10:35

" Isabelle ist natürlich lesbisch – die Freundin wird allerdings nach dem ersten Akt einfach folgenfrei aus der Handlung entfernt, weil die Beziehung keinerlei Funktion besitzt. Die unterliegende "zurück zur Natur"-Botschaft erlaubt obendrein, beim Förderantrag einen Haken bei "Ökologie/Umweltschutz" zu setzen." GENAU DAS MEINE ICH, wenn ich mich über politisierte "Zeitgeistfilme" aufrege, auf die sich Rosebud stürzen wie geschnitten Brot, einzig weil "sowas" halt momentan angesagt ist und in deren politisches Bild zu passen scheint. Kein Film mehr ohne LBTQ-irgendwas, ganz egal wie sinnlos das für die Storyentwicklung auch sein mag.


Marcus
20. April, 2026 15:45

"Selbst beim ersten Mal hat man das Gefühl, VEINS schon zum zweiten Mal zu sehen."

Film ist mir wurscht, aber den Burn merke ich mir für spätere Verwendung an anderer Stelle.