18
Apr. 2026

Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (7): SACCHARINE

Themen: FF Nights 2026, Film, TV & Presse |

Australien 2026. Regie: Natalie Erika James. Darsteller: Midori Francis, Danielle Macdonald, Madeleine Madden u.a.

Offizielle Synopsis: Hana ist sich sicher: Um endlich glücklich zu sein, muss sie abnehmen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Deshalb ist sie Feuer und Flamme, als sie eine neue Wunderpille entdeckt – obwohl die einen schockierenden Inhaltsstoff hat: die Asche menschlicher Überreste. Vor allem aber kommt sie mit grauenhaften Nebenwirkungen. Der Geist der Frau, deren Körper sie pillenweise konsumiert, sucht Hana fortan immer handfester heim. Und er ist buchstäblich unersättlich.

Kritik: In der Videobotschaft vorab gab die Regisseurin eine Triggerwarnung: Es gehe in SACCHARINE um Körperdysmorphie und Essstörungen. Da schlug S-Man schon vor, wir sollten vielleicht lieber ein Bier trinken gehen. Aber der Wortvogel ist keiner, der sich wegduckt. Das Fantasy Filmfest ist kein Ponyhof!

Film existiert nicht im luftleeren Raum und Regisseure erfinden sich nicht mit jedem Werk neu. Darum ist es kein Wunder, dass man in den Filmographien der Macher immer wieder Vertrautes findet, bereits Erzähltes, neu Aufgekochtes. 

Wenn ich zur Einstimmung auf Natalie Erika James' SACCHARINE meine Kritik zu ihrem RELIC noch einmal lese, finde ich (wie so oft) ganze Passagen, die sich deckungsgleich für ihren neusten Streifen verwenden lassen:

Regisseurin Natalie Erika James ist augenscheinlich nicht sehr interessiert daran, das Genre zu bedienen. Ihr geht es – wie bereits erwähnt – um das Thema, nicht um die Geschichte.

Im letzten Akt werden dann tatsächlich noch ein paar "echte" Spannungsmomente offeriert, und ich will nicht verheimlichen, dass diese durchaus effektiv und creepy sind. Aber bis dahin dauert es zu lange, bis dahin ist RELIC zu sehr auf dem Horrorauge blind.

Ging es bei RELIC um die (primär weibliche) Verpflichtung, den Staffelstab der vorherigen Generation aufzunehmen, ist SACCHARINE eine Betrachtung der (primär weiblichen) Obsession mit dem eigenen Körper, mit der Verantwortung, uns selber akzeptieren zu lernen, so unmöglich das auch zu sein scheint.

Eine andere Geschichte – aber die gleiche Art, sie zu erzählen.

Um die tatsächliche Horrorstory geht es Natalie Erika James augenscheinlich nicht. Wie in NIGHTBORN dreht sich alles um die weibliche Befindlichkeit. Es geht um Kalorienzählen und LGBTQ+-Repräsentanz (es kommt kein Mann in einer nennenswerten Rolle vor). Die Geistergeschichte ist nur ein "Overlay" wie in NIGHTBORN und könnte stressfrei ersetzt werden: der Geist ist schlicht der Heisshunger, die Essstörung.

Erst im letzten Akt löst sich SACCHARINE von seiner einengenden Metapher, verläuft sich dabei aber beim Versuch, über ANOREXIE – DER FILM hinaus eine plausible Mythologie für seine Geistergeschichte zu finden. Es wirkt eher, als wolle Natalie Erika James auf der Zielgeraden noch den Hunger des Horrorpublikums stillen, um es zu sättigen (pun obviously intended).

Und falls jemand Strichlisten führt: Auch beim Sex zwischen attraktiven jungen Frauen in Melbourne bleibt die Unterwäsche selbstverständlich an!

Trotzdem kann ich über SACCHARINE nicht den Stab brechen, denn er ist straff inszeniert, sehr empathisch mit seinen Figuren, und Midori Francis liefert eine erstaunliche Performance ab, ohne dabei in einen extremen "body modification"-Wahn à la Christian Bale in THE MACHINIST zu verfallen. Wir haben es hier mit dem seltenen Fall zu tun, dass ich mich zwar für die Bedienung des Genres zum Finale hin bedanke, diese aber für eine unglückliche Negierung des ehrlichen Anliegens der ersten 90 Minuten halte. SACCHARINE funktioniert als Body Image-Metapher nämlich besser als als Horrorfilm.

Einen Abzug gibt es für den strunzdummen Epilog, der alles wieder auf den Kopf stellt und von dem ich hoffe, dass man ihn Natalie Erika James aufgedrängt hat.

Fazit: Eine erheblich zu sehr in die Länge gezogene Metapher über Essstörungen in den Zeiten der Diät-Spritze, die mit bemerkenswerten Darstellern und einer straffen modernen Regie halbwegs das Interesse des Zuschauers halten kann, aber letztlich in ihrer Botschaft konfus bleibt. Die 6 von 10 Punkten werde nicht jedem schmecken (pun obviously intended – again!).

S-Man sieht das so: Eine gesellschaftliche Kritik an Diätmedikamenten? Eine Bodyshaming-Moralpredigt? Eine Ich-sehe-tote-Menschen-Fortsetzung im Hungerdelirium? Alles zusammen? Gar nichts davon? Es war durchaus nicht uninteressant, worauf es nach all der Laufzeit wohl hinauslaufen mag. Aber ob ich es am Ende verstanden habe, weiß ich nicht. Aber darauf erstmal ein Mars!

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BILD DES TAGES

Für den kleinen Snack zwischendurch habe ich mir etwas gegönnt, von dem ich noch nie gehört hatte: ein "chicken stack" von McDonalds. Dahinter verbergen sich zwei große platte McNuggets mit Käse und Schinken dazwischen:

Schmeckt auf skandalös-fastfoodige Art lecker. Soll das low carb sein?



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2 Kommentare
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18. April, 2026 13:28

Jau, das ist Low Carb. Schön, dass sowas auch mal im Mainstream ankommt. Ich hol mir öfters mal Burger von McD und ersetze die Brötchen durch in Kreisform gebratene Omeletts, dadurch liegen mir die Burger deutlich weniger schwer im Magen und machen mich auch weniger müde.

Thies
19. April, 2026 22:07

Vielleicht ist es eine Abwandlung des Double Down von KFC. Der wird ein bis zweimal pro Jahr als Aktion angeboten. Da sind dann aber die Hähnchen-Stücke größer und scharf-knusprig paniert.