Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (5): NIGHTBORN
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Offizielle Synopsis: Wenn man bei Sonnenuntergang aufbricht und immer geradeaus geht, immer weiter hinein in den finnischen Wald, über Stock und Stein, wird man da, wo die Nacht am tiefsten und das Gehölz am finstersten ist, auf NIGHTBORN stoßen. Was da lauert rund um eine alte Hütte, in die ein junges Ehepaar vor dem Stress der Großstadt flieht, ist der Schrecken alter Märchen und Sagen. Dass die beiden Hauptfiguren Seidi Haarla und Rupert Grint selbst ein bisschen aussehen wie Trolle, ergibt schnell einen Sinn, ist ihr Baby erst einmal auf der Welt.
Kritik: Wenn einer wissen will, von welcher Sorte Film ich absolut die Schnauze voll habe, dann verweise ich auf NIGHTBORN. Er steht weit über seine eigenen Defizite hinaus für die Verfehlungen des Fantasy Filmfest und die unsäglichen Eitellkeiten des "female horror", über den ich vor einem Jahr geschrieben habe.
Veteranen werden sich erinnern, dass ich immer wieder das müdeste und mutloseste Setup einer Sorte Horrorfilme anklage, die wir jedes Jahr vorgesetzt bekommen: ein junges Paar bezieht ein runtergekommenes Haus irgendwo fernab der Zivilisation, gerne aus Familienbesitz. Damit verbunden ist die Auseinandersetzung mit irgendwelchen Traumata, die immer was mit Kinderwunsch, Kindestod, Kindern, Unfruchtbarkeit, Untreue, oder sonst etwas aus dem weiblichen Selbstverwirklichungs-Katalog zu tun haben.
Ich verstehe die Ökonomie dahinter: solche Filme brauchen wenig Schauspieler und sind in einer abgeschiedenen, kontrollierten Umgebung kostengünstig zu produzieren. Aber ich habe einfach erheblich zu viele davon gesehen (erst neulich wieder TOGETHER). Mich fasziniert es, wie die Macher dabei in ihren Videobotschaften immer so tun, als hätten sie irgendeine dufte Idee gehabt, wo sie doch nur den ältesten Knochen des B-Horrors auslutschen.
In Kombination mit "female horror" ist so etwas der echte Horror, denn der Ansicht vieler weiblicher Regisseure nach ist der echte Horror die Schwangerschaft, die Geburt, die Menstruation, der Verlust der Figur, das nachlassende Interesse des Partners, das mangelnde Verständnis der Familie, etc.
Männer haben ja keine Ahnung, was wir durchmachen!
NIGHTBORN ist die Blaupause dieser Sorte Film und ich hätte nach Bergholms erheblich gelungenerem Erstling HATCHING eigentlich gewarnt sein sollen: Hier ist eine Regisseurin am Werk, die primär sich selbst und ihre Befindlichkeiten wahrnimmt und diese filmisch umsetzt. Auf Gedeih und Verderb. Dazu passt, dass Bergholm eine Darstellerin ausgesucht hat, die ihr so sehr ähnelt, dass wir zu Beginn dachten, die Regisseurin würde auch die Hauptrolle spielen.
Und so zieht das Paar in den Wald, bekommt nach einem kurzen Koitus im sumpfigen Wald ein Kind – und wir dürfen uns 90 Minuten lang brutales Babygeschrei anhören, wie es nur eine Mutter ertragen kann. Dazu "Schockbilder" der Geburt, vollgebluteter Unterwäsche und zerbissener Brustwarzen, denn Bergholm geht korrekterweise davon aus, dass (nur?) Männer so etwas nicht sehen wollen und es allein dadurch eine entlarvende Ekelwirkung entfaltet.
Eine tatsächliche Story darf man nicht erwarten, das Baby ist so schlecht getrickst, dass es immer wieder digital abgedunkelt werden muss, und das Ende ist eher ein "hier können wir eigentlich ganz gut Schluss machen, oder"?. Mir tut Rupert Grint leid – sowohl als Schauspieler als auch in der Figur eines Mannes, der absolut alles richtig macht und sich trotzdem permanent anbrüllen lassen muss, dass er ein unsensibles Arschloch ist.
Und nun dürfen mir die Damen in der Leserschaft erklären, dass ich ein chauvinistischer Drecksack bin, der absolut keine Ahnung hat, wovon er da labert und der erstmal selber Kinder in die Welt setzen soll, um mitreden zu dürfen…
S-Man sieht das so: Der Wald holt sich zurück, was ihm gehört. Warum lässt du dir dann genau dort ein Kind machen? Aber großartige Musik, die nicht zufällig an Apocalyptica erinnert…
BILD DES TAGES
Die neuen Socken sind auch gelebter Protest zum Festival-Programm:
"Und nun dürfen mir die Damen in der Leserschaft erklären, dass ich ein chauvinistischer Drecksack bin, der absolut keine Ahnung hat, wovon er da labert und der erstmal selber Kinder in die Welt setzen soll, um mitreden zu dürfen…"
Vergiss nicht das "alter, weißer Mann".
Keine Sorge. Daran wird man mich noch oft genug erinnern.
Ah schade. Hatching hatte mir eigentlich ganz gut gefallen, aber dann kann ich mir den hier wohl sparen.
Sehe ihn am 08.05. beim SLASH einhalb, und werde dann berichten (da ich dem "female horror" gegenüber deutlich weniger kritisch eingestellt bin als du, da ich diesen Perspektivwechsel in eine für mich nicht 100%ig nachempfindbare Welt eigentlich durchaus reizvoll finde, bin ich schon sehr gespannt, wie er bei mir ankommen wird).
Ich habe seit einigen Jahren ja das Gefühl, das wirklich jeder Filme an dem auch nur ansatzweise das Etikett "feministisch" klebt, von Rosebud nahezu kritiklos in das Programm aufgenommen und abgefeiert wird. Es findet da meiner Meinung eine Zeitgeist-nahe Politisierung statt bei der die Qualität mitunter auf der Strecke bleibt.