18
Apr. 2026

Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (4): APPOFENIACS

Themen: FF Nights 2026, Film, TV & Presse |

USA 2025. Regie: Chris Marrs Pillero. Darsteller: Aaron Holliday, Jermaine Fowler, Sean Gunn, Michael Abbott Jr. u.a.

Offizielle Synopsis: Ein Klick, und dein Leben ist zerstört: Mit einer neuen App lässt sich binnen Sekunden ein absolut realistisches Deepfake-Video eines jeden beliebigen Menschen herstellen und im Internet verbreiten. Der junge Duke hat keine Skrupel, davon exzessiv Gebrauch zu machen, um sich an allen zu rächen, auf die er sauer ist. Damit setzt er eine fatale Kettenreaktion aus Paranoia und Gewalt in Gang, die zahllose Opfer fordert.

Kritik: Es zeigt sich mal wieder, dass man dem Programmheft ungefähr so sehr glauben darf wie Donald Trumps Versicherung, er sei ein braver Christ: "sprüht (…) vor Energie und absurdem Witz", "ein bösartiger wie zukunftsweisender Kommentar zu den Gefahren von KI".

And monkeys fly out of my butt. 

APPOFENIACS ist wieder mal ein Kaiser ohne Kleider. Die vom Regisseur auch in der Videobotschaft tapfer behauptete Beschäftigung mit den Themen KI und Deepfakes ist komplett wertlos. Diese Aspekte sind nur banale Aufhänger für die üblichen Fake-Tarantino-Endlosdialoge über Popkultur mit eingeschobenen Gewaltausbrüchen, die längst die gewünschte Schockwirkung verloren haben.

Das Problem: Tarantino ist so erfolgreich, weil er wie kein Zweiter Tarantino kann. Smarte, hektische, wie hingeworfen wirkende Dialoge sind nämlich verdammt schwer zu schreiben – Pillero überschätzt sich da ganz gewaltig.

Auch die von den Veranstaltern gepriesene komplexe Erzählstruktur entpuppt sich schnell als verwässertes Bier: ein paar Szenen stehen außerhalb der Chronologie, aber das hat auf den gesamten Film NULL Wirkung, es hat keinen Sinn und kein Ziel. Die verschiedenen Vignetten greifen auch nicht ergänzend ineinander.

Alles ist Sex, Drugs & Rock’n’Roll – ohne irgendwelchen Saft daraus zu ziehen oder irgendetwas Substanzielles zu sagen zu haben. Leere Menschen, leere Dialoge, leere Zeit. Und bei aller Rotzigkeit wird natürlich beim Sex wieder verschämt das Oberteil anbehalten. Weil Leute mit einem gigantischen Anime-Schwert spalten niemanden stört, eine Titte aber sozialethisch desorientierend wäre.

Der einzige Grund, warum ich APPOFENIACS noch relativ gnädig bewerte, ist die generelle Schnarchigkeit des Festivals bis zu diesem Punkt. Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch die Zwerge lange Schatten.

Fazit: Eine schlampig konstruierte Gangster-Mär, die geradezu darum bettelt, dass man in Reviews Vergleiche mit Tarantino herstellt (gern geschehen), deren Macher aber augenscheinlich nur ihre eigene LA-Blase kennen und nichts wirklich zu sagen haben. 4 von 10 Punkten für das Tempo und die Absurdität einiger einzelner Momente. 

S-Man sieht das so: Wenn man außer Acht lässt, dass der ganze Deepfake-Kram eigentlich nur behauptet ist und im Grunde gar keine Rolle spielt, wenn man ignoriert, dass die angeblichen Stories alle irgendwie tiefer zusammenhängen sollen, dann hat man es mit einer unterhaltsamen, wenngleich nicht außergewöhnlichen, Anthologie zu tun.

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4 Kommentare
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minkymietze
18. April, 2026 10:23

"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch die Zwerge lange Schatten." wunderbare Formulierung. Danke dafür

18. April, 2026 13:25

"eine Titte aber sozialethisch desorientierend wäre." Habe sehr gelacht – vielen Dank! 🙂

Alex
19. April, 2026 12:15

Und erneut "wie schade". Ist einer der 3 oder 4 Filme die mich interessieren.