Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (2): DESERT WARRIOR
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Offizielle Synopsis: Der sadistische Kaiser Kisra verlangt von jedem seiner untergebenen Fürsten eine Tochter als Tribut, um sie sich als Konkubinen einzuverleiben. Notfalls mit Gewalt. Deswegen hetzt er seine Schergen, angeführt von seinem brutalsten Söldner, auf die abtrünnige Prinzessin Hind und ihren Vater. Die Flucht scheint schon fast verloren, als sie mitten in der Wüste auf einen kampferprobten Banditen treffen, der ihnen aus der Klemme hilft – und damit einen folgenschweren Krieg zwischen dem verhassten Imperium und den vielen, auf Rache sinnenden Stämmen auslösen.
Kritik: Lest euch die Inhaltsangabe vor Filmstart zweimal durch – sie ist die einzige nachvollziehbare Handreichung, die ihr bekommen werdet, wenn es um die Story von DESERT WARRIOR geht. Im Film selbst müsst ihr euch das zusammen reimen.
What? The? Actual? Fuck?
Es zahlt sich mal wieder aus, dass ich mich vorab nicht informiere, was mich erwartet. Dadurch kann man sich besser darauf konzentrieren, wie ein Film wirkt, statt ihn ständig in den Kontext dessen zu setzen, was er ist. Bei DESERT WARRIOR hätte ich geschworen, dass wir es mit einem nordafrikanischen oder arabischen Film zu tun haben, der eine große historische Begebenheit der Region illustriert und dafür ein paar US-Stars eingekauft hat, die der internationalen Vermarktung behilflich sein sollen.
Dieser Ansatz macht milde und er lässt auch darüber hinweg sehen, dass wir nur schwer ein Verständnis für die Stammesfehde aufbauen können, deren Hintergründe wir nicht kennen – oder dass zwischen den Figuren keinerlei Bezüge oder Beziehungen be/entstehen. Ist halt eine ganz andere Kultur, da mag auch das Storytelling nicht an unseren Maßstäben gemessen werden. Der Schnitt ist fahrig, die Kamera selten an der Stelle, an der sie uns ein Verständnis für Zeit und Ort vermitteln könnte.
Ich hatte es bei einem anderen Film (an dessen Titel ich mich gerade nicht mehr erinnern kann) schon erwähnt: Ansprüche müssen gerechtfertigt sein. Dass die Prinzessin dem Usurpator den Thron streitig macht, ist verständlich, für uns als Zuschauer aber nicht nachvollziehbar. Die ganzen blutigen Massaker sind Resultat eines behaupteten Blutrechts, weil sie halt die Tochter des vorherigen Monarchen ist – leider reicht das nach unserem Verständnis nicht. Es wäre schön gewesen, wenn wir irgendwie nachvollziehen könnten, dass sie vielleicht besser, gerechter oder klüger wäre als Kisra.
Als Entschädigung bekommt man fantastische Bilder der Wüste zu sehen, eine stimmige Erdigkeit in Sachen Kostüm und Locations, ein echtes LAWRENCE OF ARABIA-Feeling, auch wenn DESERT WARRIOR streng genommen natürlich kein Genrefilm ist und auf dem Fantasy Filmfest nix zu suchen hat.
Und dann stellt man zum Nachspann fest, dass es sich bei DESERT WARRIOR tatsächlich um eine blitzsaubere Hollywood-Produktion handelt, die 150 Millionen Dollar gekostet hat und vom Regisseur von PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION gedreht wurde. Die Drehbuchautoren haben ROAD TO PERDITION geschrieben, BIG, DIE TRIBUTE VON PANEM und CAPTIVE STATE.
Als Hollywood-Film ist DESERT WARRIOR ein bemerkenswerter Totalausfall.
Ich kann nur mutmaßen, dass es sich hier um eine von Saudi-Arabien zur eigenen Verehrung in Auftrag gegebene Auftragsproduktion handelt, bei der man eine überforderte junge Autorin angeheuert hat, der dann zwei Drehbuch-Veteranen beispringen mussten, um der fußlahmen und erheblich zu wortkargen Story ein paar grundlegende Konflikte zu injizieren. Flickschusterei, an deren Ende wie so oft ein internationales "Großprojekt" rausgekommen ist, das weltweit so schnell in der Versenkung verschwinden wird wie THE GREAT WALL und SOLAR CRISIS.
S-Man sieht das so: Für Freunde des historischen Kostümfilms gibt es wahrlich sehr viel zu gucken. Dafür bleibt auch genügend Zeit, da man hier sehr viel Film für sehr wenig Handlung bekommt.
Bild des Tages
Zur Eröffnung des Festivals haben die Veranstalter mal wieder bewiesen, dass zwischen uns Welten liegen – Rainer Stefan bezeichnete BARB WIRE als einen der schlechtesten Filme, die man auf dem Festival je gezeigt habe, und HALLAM FOE als einen der besten. Ich glaube, ich muss mit ihm mal ernsthaft über END OF ANIMAL oder 36 PASOS reden…
Zuviel Hallam Foe und zu wenig Barb Wire ist eigentlich eine ganz gute Zusammenfassung von allen Problemen der FFF-Programmierung.
Allerdings, aber es gibt Abhilfe im Oktober. 🙂
Wenn Rainer einen Film vorab richtig abfeiert kann ich eigentlich direkt aufstehen und gehen.
Genau das! Schon seit Jahren sind explizite Empfehlungen der Veranstalter ein schlechtes Omen. Oder der Satz: "Lief erfolgreich auf dem Sundance" (wahlweise ersetzt mit Berlinale). Scheint sich auch dieses Jahr so durchzuziehen.
"Man bekommt sehr viel Film für sehr wenig Handlung". Köstlich! Den Satz würde ich mir patentieren lassen. Und BARB WIRE war niemals der schlechteste aller FFF Filme, das war für mich ELVIRA.
Meine Interpretation, wie der Film zustande wäre leicht anders. Wikipedia hat "Story By: David Self, Screenplay: David Self, Rupert Wyatt, Erica Beeney" während IMDB "Autoren: Erica Beeney, David Self, Gary Ross" aufweist.
mMn kam der Pitch bzw das Treatment oder eine erste Skriptversion von David Self (der hatte ja seit The Wolfman (2010) keine Credits), dann hat man Rupert Wyatt als Regisseur engagiert, der Erica Beeney (mit der er an Captive State gearbeitet hat) als Hauptautorin angeschleppt hat und Veteran Gary Ross durfte wohl am Ende ein bißchen nachbessern.
Wobei man auch erwähnen muß, daß der Film schon vor vier Jahren abgedreht wurde und dann in einer Art Post-Production-Hell feststeckte.
Am Wochenende tatsächlich in den USA gestartet, in über 1000 Kinos, mit unter 1 Millionen Einspiel.
Ein aktueller Artikel fasst das ganze Drama zusammen: ‘Desert Warrior’: Saudi Arabia’s First Hollywood-Style Flop
Das war nicht anders zu erwarten – für wen sollte der auch gedacht sein?!