Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (14): THE VILE
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Offizielle Synopsis: Als Khalid plötzlich mit einer zweiten Ehefrau vor der Tür steht, sind Amani und ihre Teenager-Tochter Noor entsetzt. Doch mit dem Einzug der schwangeren Zahra nistet sich auch etwas Unheimliches und Teuflisches in ihrem Heim ein. Wer ist diese mysteriöse Frau, die Khalid derart unterwürfig in ihren Bann gezogen hat – und als nächstes ihre Tochter mit skrupellosen Mitteln manipuliert? Während Amani von immer schrecklicheren Visionen gequält wird, wird auch Noor von einer Kette albtraumhafter Erlebnisse aufgewühlt. Bald kämpfen Mutter und Tochter nicht mehr nur um ihre Würde, sondern ums blanke Überleben.
Kritik: Stop me if you heard this one – THE VILE ist kein Horrorfilm per se, sondern eine Metapher. So wie NIGHTBORN eine Metapher auf das Leben mit einem "special needs"-Kind ist und SACCHARINE eine Metapher auf den Heisshunger bei Essstörungen, so ist THE VILE eine Metapher auf die Konflikte in einer arabischen Familie, wenn eine zweite Ehefrau in den Haushalt einzieht. Alles, was hier als "Horror" angeboten wird, ist letztlich nur eine Manifestation des Themas, um das es dem Regisseur Majid Al Ansari tatsächlich geht.
Nun kann man die Metapher in okkulten Elementen manifestieren und dabei spannende Parallelen aufzeigen, oder man kann die ganzen übernatürlichen Elemente soweit unterspielen, dass das Ergebnis kaum der Definition "Genrefilm" gerecht wird.
THE VILE gehört eindeutig in die letzte Kategorie. Ich kann nicht ernsthaft die These vertreten, es handele sich um einen Thriller oder gar einen Horrorfilm. Es ist ein Drama über eine Frau, die nur schlecht damit umgehen kann, dass ihr Ehemann zwecks der Zeugung eines Stammhalters eine neue Frau vorstellt, die noch dazu moderner, smarter und unabhängiger ist. Ihr Schock verwandelt sich in Ablehnung, dann in Hass, und schließlich in Paranoia. Erst bei diesem letzten Schritt werden zart ein paar Hinweise gestreut, Zahra könnte nicht nur eine Konkurrentin, sondern auch eine leibhaftige dämonische Präsenz sein. Das wird dann aber weder bedient noch vertieft.
Ich will damit nicht sagen, dass THE VILE uninteressant ist. Das Konstrukt der muslimischen Familie mit mehreren Frauen und der unbedingten Notwendigkeit eines männlichen Erben erlaubt faszinierende Einblicke in eine uns fremde, teilweise widersprüchlich erscheinende Kultur. Die Figuren sind dabei durchaus differenziert gezeichnet. Amani fühlt sich gedemütigt und ausgegrenzt. Khalid will den Erwartungen des Patriarchats entsprechen. Noor ist solidarisch mit ihrer Mutter, aber verführt von Zahras Selbstbewusstsein und Weltläufigkeit. Zahra weiß, was für eine kontroverse Rolle sie in der Familie spielen muss – Diplomatie ist gefragt. Die sich ergebenden Konflikte sind folgerichtig und schmerzhaft.
Es steht dennoch die Frage im Raum: Was hat ein Film wie THE VILE auf einem Festival für Fantasy, Horror und Science Fiction zu suchen? Warum ist das Thema mal wieder wichtiger als das tatsächliche Entertainment? Wer sichtet einen Film wie THE VILE und sagt "cool, der wird unserem Publikum gefallen"?
Oder ist das alles nur ein großes Experiment, bei dem getestet werden soll, wo die Schmerzgrenzen der zahlenden Zuschauer liegen?
Ein nervenzerreißender Horror-Thriller, der kulturelle Realität und übernatürliche Bedrohung so eng miteinander verwebt, dass nichts mehr vorhersehbar ist.
Ja ja, ihr mich auch.
BILD DES TAGES
Letzter Landeplatz: Straße des 17. Juni, Berlin.