19
Apr. 2026

Fantasy Filmfest Nights 2026 Berlin (10): SILENCE

Themen: FF Nights 2026, Film, TV & Presse |

Spanien 2025. Regie: Eduardo Casanova. Darsteller: Lucía Díez, María León, Ana Polvorosa, Mariola Fuentes, Leticia Dolera, Carolina Rubio, Omar Ayuso

Offizielle Synopsis: Ein Regen aus Blut ergießt sich über vier Vampirinnen. Der rote Lebenssaft muss fließen, um ihr Überleben zu sichern. So werden Männer wie Frauen über drei verschiedene Epochen hinweg verführerisch in die Falle gelockt. Doch was tun, wenn aufgrund von Seuchen und Krankheiten das Blut ungenießbar wird und die menschlichen Quellen zu versiegen drohen?

Kritik: In diesem Jahr scheint eine große Zahl der Filme von Wiederholungstätern zu stammen, die wir schon früher auf dem Festival gesehen haben. Auch Eduardo Casanova liegt den Veranstaltern am Herzen – ich erinnere u.a. an LA PIETÀ aus dem Jahr 2022, der mich einigermaßen ratlos zurück gelassen hatte:

Ja, der Film hat mich emotional nicht abgeholt, wie man so schön sagt. Abgesehen von der totalen Märchenwelt, die er baut, hat er mit der klassischen Genre-Definition von Horror oder Fantasy rein gar nichts zu tun. (…) Trotzdem ist LA PIETÀ unbestreitbar ein ernstzunehmender Film, mit einem durchdachten, manchmal auch witzigen Drehbuch, sorgsam komponierten Bildern und exzellenten Darstellern. Ich verstehe, was er sagen will, meine persönliche Ablehnung ist deshalb kein Versagen auf handwerklicher oder künstlerischer Ebene. Der Film ist schlicht "nicht mein Ding" – und genau das kann ich ihm nicht vorwerfen, wenn ich ihn ehrlich kritisieren will.

Ich hatte schon bei diesem Szenenfoto keinen Zweifel, dass es sich bei SILENCE um den neuen Film von Eduardo Casanova handelt – der Stil ist unverkennbar:

Und natürlich handelt es sich auch bei SILENCE um ein queeres Melodram über Randgruppen, das mit Sex, Gewalt und Drogen in einer rosa und cremefarbenen Kunstwelt spielt, die mit unserer Wirklichkeit so viel zu tun hat wie die TWILIGHT ZONE. Casanova, der uns in seiner nervigen Videobotschaft penetrant als "bitches" bezeichnet, weil Homosexuelle das gegenüber Heteros dürfen, aber nicht umgekehrt, zeigt uns erneut seinen ganz eigenen Spielplatz.

Der Unterschied zu LA PIETÀ ist allerdings beachtlich: SILENCE ist trotz der vermutlich FFF-Rekord brechenden Laufzeit von gerade mal 54 Minuten (!) ein bildmächtiges und beeindruckendes Werk von großer Reife, das in weniger als einer Stunde mehr erzählt und aussagt als die meisten zweistündigen Dramen des Festivals. This is the real deal, kids.

SILENCE ist bunt, prallvoll und mit großer Leidenschaft nicht nur komponiert, sondern auch angefüllt. Er handelt von Liebe und Sehnsucht, von Akzeptanz und Erlösung – aus der Sicht von Vampiren, denen im 14. Jahrhundert wegen der Pest und in den 1980er Jahren wegen AIDS die unverseuchten Saftspender ausgehen.

Casanova überschlägt sich förmlich bei der Inszenierung, reiht die Drehorte aneinander wie Zimmer in einem Puppenhaus, springt in der Zeit vor und zurück, definiert Blut als den Lebenssaft auf verschiedensten Ebenen. Er hat nicht nur etwas zu sagen, er hat auch etwas zeigen.

Visuell spielt Casanova in einer ganz eigenen Liga und ich gehe davon aus, dass der Mann als einzigartige Stimme des Queer-Horrors seinen Weg gehen wird.

Hier kann ich dem Programmheft ausnahmsweise mal zustimmen:

"… eine ästhetisch berauschende Mischung."

Ein Film, der auf zwei Arten meine Seele rettet. Er beweist, dass das Genre auch queere und heikle Themen bedienen kann, ohne zur moralinsauren Lektion zu verkommen – und dass ich es durchaus anzuerkennen in der Lage bin. Puhhh…!

Ich bin kein Freund von Kurzfilmen, aber in diesem Fall ist die Ergänzung von SILENCE um drei frühere Kurzfilme von Casanova ein absoluter Glücksfall, denn EAT MY SHIT, YOU’LL NEVER THROW ME OUT und I’M SORRY, MY LOVE sind kleine Kunstwerke, die sehr gut illustrieren, wie Casanova sich entwickelt hat. Pubertär, erotisch, witzig, schockieren. Und immer mit Mutterkomplex.

Fazit: Film als Rausch, als kompakte Vision einer Welt aus Seuchen und besorgten Vampiren, die hinter allem Kitsch eine große Humanität findet und Eduardo Casanova als genuinen europäischen Filmkünstler zementiert. 9 von 10 Punkten mit der Einschränkung, dass man seine traditionellen Erwartungen an das Genrekino an der Eingangstür abgeben kann.

S-Man sieht das so: Dieser Film zeigt, dass queere Filme keine explizite queere Attributierung brauchen. Es sollte völlig normal sein, Charaktere zu sehen, die wen auch immer aus welchen Gründen auch immer lieben. Wichtig ist die Story, die der Film erzählt, nicht dass darin lesbische Personen vorkommen. Und das tut er.

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Falscher Bär – aber auch das ist typisch Berlin:



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3 Kommentare
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noyse
19. April, 2026 12:42

Der film klingt echt spannend. den hab ich mir mal notiert.

PS:
das ist kein falscher Bär – der Zoo hat zwei Pandabären – die beiden Zwillingspandadamen sind mittlerweile absolute Lieblinge der Besucher. der letzte echte berliner bär ist 2015 eingeschläfert worden.

2toTrucker
19. April, 2026 19:44
Reply to  noyse

Der Zoo "hat" auch keine Pandas, alle Pandas in Zoo’s und der Nachwuchs uswusf gehören/hat China! Bringt denen auch Devisen!