Kino Kritik: HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK
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Offizielle Synopsis: Horst Schlämmer hat die Faxen dicke: Die Preise steigen, die Stimmung sinkt, die Kneipen schließen. Kurzum: Deutschland hat Rücken! Und zwar im Gesicht. Also geht der stellvertretende Chefredakteur vom „Grevenbroicher Tagblatt“ auf eine große Reise mit noch größerem Ziel: Er will den Leuten ihr Lächeln zurückbringen! Doch wie wird man glücklich? Schwere Zeiten verlangen nach klaren Antworten – und weil man die in Grevenbroich nicht finden kann, begibt sich Horst Schlämmer auf die Reise seines Lebens: Von Süddeutschland bis Sylt, von Berlin bis Büsum – per Anhalter, Krabbenkutter oder Schienenersatzverkehr. Er trifft Passanten, Promis und Psychologen, fragt nach und vergisst trotz vieler Rückschläge nie seine Mission: Die Menschen wieder glücklich zu machen!
Kritik: Man kann sich legitim fragen, was der Wortvogel in einer deutschen Komödie sucht. Ich bin kein Freund der heimischen Kinokultur, tue mich schwer mit dem, was hierzulande als Humor durchgewunken wird, und kann schon gar nicht auf die Figuren, die so großflächig als Kult gefeiert werden, dass sie kein Kult sein können: Didi, Ottili, Bernd Stromberg, Tegtmeier, Cindy aus Marzahn – und Horst Schlämmer.
Für mich sind das Produkte von Faxenmachern, so schmerzfrei überdreht, dass von Parodie und Satire nur noch Klamauk übrig bleibt – und zwar von der Sorte, über die man lachen kann, ohne sich irgendwelche Gedanken über die darunter liegende Realität zu machen. Figuren ohne Botschaft, nicht dem kritischen Kabarett, sondern dem Karneval entsprungen. Mir ist die Gemeinheit der Aussage durchaus bewusst, aber ich weiß, dass ein Comedy-Charakter nix taugt, wenn meine Mutter ihn lustig gefunden hätte.
Meine Mutter hätte sich bei Horst Schlämmer beömmelt. Ich schäme mich nur. Vor allem deshalb, weil ich Hape Kerkeling keine Sekunde irgendeine Meta-Ebene der Figur glaube. Er hat Horst Schlämmer nicht erfunden, um die Horst Schlämmers dieser Republik zu entlarven. Er liebt Horst Schlämmer. Er findet Horst Schlämmer witzig. Er ist wie Horst Schlämmer ein Relikt der (mindestens) 80er Jahre. Sein Verständnis von Humor entspricht dem seiner Figur.
Weil man aber nur kritisieren kann, was man gesehen hat, bin ich also vorgestern ins Kino gestiefelt und habe einen sonnigen Vormittag in Schwabing gegen einen dunklen Saal und eine Coke Zero eingetauscht.
Hinterher war ich keinen Deut schlauer und gestehe vorab, dass ich vielleicht einfach nicht zur Zielgruppe des Films gehöre, obwohl ich gerade mal knapp vier Jahre jünger bin als Kerkeling selbst. Wir haben eine sehr vergleichbare Sozialisation durchgemacht – und doch sehe ich auf der Leinwand jemanden, der mir fremd ist. Ein Clown, den die Zeit überholt hat.
HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK ist kein schlechter Film. Weil es kein Film ist. Er nimmt einen vagen Aufhänger und lässt seine Figur dann unbeholfen vor den ausgelutschtesten Postkarten-Motiven der Republik die immer gleichen vagen Fragen nach Glück stellen: Brandenburger Tor, Münchner Staatskanzlei, Kölner Dom, Dresdner Zwinger. Was das soll? Horst Schlämmer sucht halt das Glück. Was damit gemeint ist? Keine Ahnung. Will Schlämmer die Deutschen wieder glücklich machen? Will er ihre Definition von Glück verstehen? Will er wissen, was durch Corona mit dem Glück passiert ist? Der Film mag sich da nicht festlegen.
Genauso wenig, wie HSSDG uns etwas über das Glück oder die Deutschen erzählt, so wenig kann er dem Land generell neue Facetten abgewinnen: in Berlin gibt es kriminelle Clans, Dresden liegt gar nicht in Thüringen, auf Sylt hängt reiches Pack rum. Wie… originell?
Auch die pseudo-dokumentarische Ebene ist an keiner Stelle durchdacht oder stimmig. Da wird während der Dreharbeiten schon darüber geredet, wie der Film geschnitten wird/wurde, und alles, was selbst Schlämmer auslassen würde, bleibt als Rohmaterial eben doch drin.
Es gibt kein Thema, keine Story, keine Botschaft, nicht mal durchgängige Figuren, die Schlämmer begleiten und so etwas wie eine Entwicklung durchmachen. Der schmierige stellvertretende Chefredakteur der Grevenbroicher Tageszeitung fährt blindlings von Ort zu Ort und am Ende… tja, Glück ist irgendwie, was jeder für sich draus macht. Glücklichkeit kennt keine Grenzen. Banalität auch nicht.
Ich hatte die ganze Zeit gehofft, Kerkeling würde Schlämmer auch nur ein einziges Mal die Maske abnehmen, ihn brechen, ihn öffnen. Vielleicht zeigen, dass der schmierige Niederrheiner tatsächlich noch das Herz eines echten Profi-Journalisten hat, hinter seiner großen Klappe sehr einsam ist, oder wenigstens auch nur das Produkt einer gescheiterten Biographie. Aber nix da: Schlämmer ist nicht mehr als Schlämmer. What you see is what you get. Schmatzende Zahnprothese und mangelnde Körperhygiene.
1986 hätte diese dünne Republik-Rundreise gerade mal für ein Sommer-Schmunzel-Special des WDR gereicht. Zumindest in diesem engen "comedy light"-Rahmen kann man sich auch durchaus milde amüsieren ("ich bin ja ein Mensch wie du und ich – also hauptsächlich wie ich"). Aber es ist in jeder Szene schmerzhaft offensichtlich: Leute wie Pastewka oder Olli Dittrich könnten so etwas mit einem Kameramann und in zwei Tagen besser improvisieren – und dabei noch echte Empathie für die gescheiterten Figuren entwickeln. Was HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK jenseits von Filmförderung und Mangel an Alternativen als Kino qualifiziert? Da bin ich überfragt.
Das ist umso unverständlicher, da Autor Pläging für alle WIRKLICH großen aktuellen Comedians schon geschrieben hat: Pastewka, Kebekus, Dittrich, Engelke.
Ein Highlight gibt es aber – und der Film versteckt als Nebenhandlung, was die Grundlage für einen wirklich guten Film hätte sein können: Die Standup-Komikerin und Moderatorin Tahnee Schaffarczyk spielt in HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK die Schauspielerin Gaby Wampel in diversen Rollen und (fiktiven) Serien aus den 80er und 90er Jahren. Das ist auf den Punkt ("Kommissarin Sittich"), exzellent geschrieben, und von Tahnee mit wirklicher Inbrunst verkörpert. Gaby Wampels Karriere-Zieleinlauf als geliftete 70jährige in einer Boulevard-Komödie mit Jochen Busse hat mehr echtes erzählerisches Potenzial als der ganze Film drum herum. Es sind diese kurzen Szenen, in denen auch Kerkeling noch einmal wirklich aus sich herausgehen kann – jede dieser Minirollen ist authentischer und menschlicher als Horst Schlämmer selbst.
Schade drum.
Fazit: Comedy light ohne Story, Biss, oder Authentizität, die komplett vom mittlerweile verblassenden Charisma Hape Kerkelings (mehr schlecht als recht) lebt. Für Schlämmer-Komplettisten only.
War leider zu erwarten.
Horst Schlämmer ist als Kind seiner Zeit immer ein OneTrickPony gewesen, das vor 20 Jahren tatsächlich lustig oder zumindest okay war. Eben genau wie Ottili oder Didi. Große Gesellschaftskritik sollte man da allerdings nicht erwarten.
Das Scheitern mit Ansage ist ja auch schon Stromberg widerfahren – und der hatte im Gegensatz zu Schlämmer sogar einen ganzen Mikrokosmos an Figuren und Geschichten zur Verfügung, aus dem man einen guten Film hätte machen können. Hätte.
Ich teile zwar Deine generelle Abneigung was den "typischen" Deutschen Humor angeht (und die meisten meiner deutschen Freunde lachen auch nicht über MEINEN Humor!), aber ab und zu macht mir so ein Rücksturz in die 80er Jahre einfach Spaß. Ansonsten war das lustigste das man mit Kerkeling je gesehen hat sowieso der absurde Film "Kein Pardon" (Witzischkeit kennt keine Grenzen!) bei dem ich heute noch Lachkrämpfe bekomme, so peinlich mir das auch ist.
Ich habe absolut nichts gegen den Humor der 80er, bin ein absoluter Verfechter dieser Generation, und habe auch Hape Kerkeling durchaus verehrt. Was er aber HEUTE macht, geht nicht mehr.
Ist das nur mein persönlicher Eindruck, aber sind Komödien generell momentan in einer Krise?
Außerdem kann ich mich kaum an gute Filme erinnern, wo im Mittelpunkt eine komödiantische Kunstfigur aus dem TV stand. Der erste Mr. Bean Film war ein Reinfall (den zweiten hab ich mir dann deshalb nie gegeben), Ali G ein einziges Mißverständnis, Borat und Brüno nicht mein Humor und "David Brent Life on the Road" war auch eher mau. "Alan Partridge: Alpha Papa" hab ich nicht gesehen, ebenso wie diverse Erkan & Stefan Filme. Funktioniert haben die SNL Exporte "Blues Brothers" & "Waynes World" – aber da muß man schon sehr weit zurückgehen.
Na ja, du bewertest das nun ausschließlich danach, was DIR gefallen hat. Und aus der mangelnden Qualität von SCHLÄMMER kann man kaum auf eine generelle Krise der Comedy schließen. Ich glaube eher, dass das Internet jede Menge alternativer Formen der Comedy bereitstellt, die klassische Performer eher in den Hintergrund drängt. Dafür füllen klassische Standups aber immer mehr große Hallen.
Ich war neulich mal wieder in einer Sneak-Premiere und hab auf den passenden Post hier gewartet, um das mal zu erwähnen, das war ein sehr spezielles Erlebnis.
Es handelte sich um "30 and Wild", die Forsetzung der recht erfolgreichen Youtube-Komödie "Young and Wild", diesmal anscheinend für Kino produziert. Was für ein Grottenfilm! Drei Freunde ziehen in Unna durch die Kneipen, treffen alte Bekannte, und am Ende gibts noch ein bisschen Moral aus dem Freundebuch.
Vielleicht bin ich auch schon zu alt für so was. Wenn das die Zukunft des deutschen Films sein soll, dann lasst mich zurück.
Hape Kerkeling hat den Typus des schmierigen Lokaljournalisten vergangener Tage erschreckend präzise getroffen. Wer solche Leute früher im echten Leben erlebt hat, erkennt jedes Detail wieder. Bei mir war es zum Glück nie so schlimm, wir lebten hier auf einer Insel der Glückseligen, aber ich kenne solche Typen aus anderen Städten im Original. Aber genau da liegt für mich das Problem: Wenn eine Figur die Realität nur eins zu eins spiegelt, ohne eine dramaturgische Ebene zu zeichnen, in der sich eine Figur "bricht", dann ist sie nur ein Spiegel der Realität oder Mehrwert.
Dieser Einschätzung würde ich widersprechen – das Problem der Figur Horst Schlämmer (zumindest in diesem Film) ist die zu krasse Überspitzung, die der Parodie jeden Biss nimmt. Ich kenne viele Lokaljournalisten und sehe natürlich auch, dass hier ein spezieller Typus, der in den 70er und 80er Jahren Karriere gemacht hat, als Grundlage dient. Aber selbst die schmierigen, sexistischen Schreiberlinge waren selten Idioten, die konnten trotz all ihrer ekligen Angewohnheiten ihren Job. Horst Schlämmer verhält sich permanent, als habe er noch nie mit Menschen interagiert.
Ich frage mich, wie weit ein Comedian seine Figur überhaupt über sich hinaus weiterentwickeln kann.
Madonna ist als Musikerin dafür bekannt, dass "sie sich selbst immer wieder neu erfunden" hat. Das ist vielleicht einfacher, wenn man eine der vielen bestehenden Musikrichtung aufgreifen und neu interpretieren kann und man 'Musik produzieren' perfekt kann.
Aber eine komödiantische Figur ist immer ein Spiegel ihrer Zeit und nach 40 Jahre definitiv überholt. Viele Dinge sind beim ersten Mal neu, frech und toll. Bud-Spencer-Filme, Die 2, Klimbim, Didi, Hannilein, Königin Beatrix, RTL Samstag Nacht, Borat, Mr. Bean, sogar Cindy aus Marzahn. Aber wie bei Hagen Rether wissen wir irgendwann, was die Figur erzählen wird. Und das kennen wir irgendwie schon. Ich habe mich neulich bei Ricky Gervais fast gelangweilt und Abdelkarim hat zum Glück einen Zweitjob in der Anstalt.
Dabei erwischt es dann auch meist die Person. Mirko Notschew. Harald Schmidt, der damals als Late-Night-Talker als 'frech' galt, bis man mit der Zeit merkte, dass der Biss und das Interesse am Gegenüber fehlte. Tommi Krappweis (macht jetzt viel für Kinder). Ottos Faxen waren in den 1970ern regelbrechend und albern, aber als alter Mann kommt das nicht unbekümmert, sondern verzweifelt rüber. Hätte er nicht eine einzige Figur entwickeln können, die zu seinem Alter und der heutigen Zeit passt? Ein wütender Thomas Gottschalk, dem niemand zuhören möchte, weil man von ihm nie etwas Tiefgreifendes erwartet hat. Stefan Raab.
Ich bin froh, dass Loriot kein Spätwerk mehr produzieren musste.
Vieles richtig, aber bei vielen Sachen würde ich auch widersprechen. Gervais ist immer noch großartig und hat das nicht nur mit AFTER LIFE bewiesen. Und Gervais ist keine Figur. Harald Schmidt ebenso wenig. Loriot HAT ein Spätwerk produziert – mit Ödipussi und Papa ante portas. Der hatte ja schon in den 60ern angefangen. Und doch, man kann auch komödiantische Figuren durchaus entwickeln oder zumindest ihr Potenzial nutzen. Bei Schlämmer fehlt mir die Schläue, die ihn erst zu einem stellvertretenden Chefredakteur gemacht hat, der Journalist unter der siffigen Kruste. Außerdem hätte die Figur viel Potenzial für Tragik. Aber daran zeigt Kerkeling keinerlei Interesse.
"Madonna ist als Musikerin dafür bekannt, dass "sie sich selbst immer wieder neu erfunden" hat."
Vielleicht hast du Lust mir das zu erklären, weil da würde ich widersprechen.
MADONNA startete mit POP, machte weiter mit POP bis heute…nix anderes.
Immer das sexy Girl, anfangs etwas schlampiger Look, dann mehr stylish, auf RAY OF LIGHT etwas mütterlicher und esoterischer, dann auf meiner absoluten Lieblingsplatte von ihr namens MUSIC als Cowgirl.
Danach retro 70s Disco Glitzer Kram, auch toll.
Aber eigentlich keine Neuerfindung, wenn du möchtest schreibe bitte was dazu, interessiert mich sehr.
Harald Schmidt hat sich zu keiner Zeit für seine Gäste interessiert, egal wer sein Gegenüber war. Hollywood Legende oder Soap Sternchen, völlig wumpe. Nicht nur deswegen fehlt er mir sehr.
Ein paar Spielregeln scheinen mir angebracht. Niemand muss sich hier erklären. ChrisTian sieht Madonna so, du siehst sie anders. Kurios finde ich allenfalls, dass du dann selber genau auflistest, wie sie sich immer wieder neu erfunden hat. Dass du den Begriff "Neuerfindung" streng auf die Musik anwendest, sei dir gegönnt. Aber das kann man eben auch weiter fassen.
Ähnlich bei Schmidt – warum sollte mir ein Late Night-Moderator fehlen, dem eine der grundlegenden Notwendigkeiten des Jobs abgeht, nämlich das Interesse an den Gästen? Schau einfach zum Vergleich mal ein paar YouTube-Clips von Craig Ferguson.
Gerade Harald Schmidt ist doch als "Aktivrentner" mittlerweile fast wöchentlich auf einem neuen Youtube-Kanal als Gast zu sehen. Und die Bandbreite der Gastgeber reicht da auch komplett von "eher links" über "unpolitisch" bis nach "konservativ plus X", so dass man sich da wirklich seine bevorzugte Themenwelt rauspicken kann.
Gefühlt kann man sich aktuell mehr Schmidt geben als zu mancher Latenightzeit.
"Gefühlt kann man sich aktuell mehr Schmidt geben als zu mancher Latenightzeit." – aber es tut praktisch niemand mehr. Seine öffentliche Wahrnehmung in der Breite geht auf null.
Das stimmt natürlich.
Ich wollte lediglich aufzeigen, dass niemand ihn im Hinblick auf das Tagesgeschehen "vermissen" muss. Vorausgesetzt natürlich, man weiß, wo er sich aktuell austobt.
Es gibt abgesehen von David Bowie und Elton John wohl nicht viele Musiker, die wie Madonna regelmäßig ihr Image und ihre Musik gewechselt haben, ohne dadurch an Qualität und Popularität zu verlieren. Ich fand vieles davon affektiert und unnötig, aber dass sie damit seit über 40 Jahren Erfolg hat, nötigt mir Respekt ab.
Schmidt war für seine Talkshow immer zu zynisch un arrogant. Klar, damals hat man das verfolgt, weil kein anderer deutscher Talker ihm das Wasser reichen konnte, aber auch das ist halt nur ein One Trick, davon hat er sich seitdem nicht mehr gelöst und seine arroganten Art muss ich heute echt nicht mehr haben
Das blöde an Beispielen ist, dass sie manche Leute komplett vom Thema ablenken. Was war noch meine Frage?
That’s part of the game.
Aber der schneidet doch so eine lustige Grimasse auf dem Kinoposter. Da muss doch selbst ein Wortvogel zugeben: peak comedy.
Ich mag Hape Kerkeling, besonders sein "Frühwerk";-) Heute auch ein ansonsten sehr sympatischer Mensch.
Aber an Schlämmer bin ich schon damals absolut nicht rangekommen und konnte dieses totale Abfeiern der Figur null nachvollziehen.
Zumindest bei den Szenen, die ich gesehen hatte, wussten wirklich alle, dass es sich um Hape handelt. Da fehlte dann total die Distanz, um wirklich jemanden aufs Glatteis zu führen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das überhaupt die Intention war.
Letztlich fand ich Sacha Baron Cohen als Ali G. und Borat um Welten geiler, ach was: genialer, weil die Leute so absurd ehrlich waren und die derbsten Sachen erzählt haben einfach weil sie nicht wussten, wer die da interviewt. Der Vergleich mag unfair erscheinen, ist aber m.M.n. nicht ganz von der Hand zu weisen.
Ich war in der Anfangszeit ein riesiger Kerkeling-Fan (Känguru, Hannilein), hab sogar die Single-CD von "Hurz" in meiner Sammlung. Aber ich habe das Gefühl, dass er nach seinem unfreiwilligen Outing nie wieder diesen komödiantischen Esprit und Wagemut (Königin Beatrix!) erreicht hat. Als ob in ihm irgendwas zerbrochen wäre. Sein Ich-bin-dann-mal-weg "Jakobsweg"-Hype war für mich völlig enttäuschende Hausfrauenliteratur und bei Schlemmer bin ich schon längst raus gewesen. Dieser Trailer ist für mich leider absolut grausam unlustig und schmerzhaft anzusehen. Einfach traurig, wie ein einstiges Idol vom frechen, wilden Nonkonformisten zum windelweichen Rentnerinnenbespasser mutiert ist. Nicht mehr mein Humor, schade.
Soweit würde ich nicht gehen. Auch Comedians müssen ihre Figuren wachsen lassen und weiter entwickeln. Wie eklig wäre das, wenn Kerkeling immer noch den Hannilein geben würde? Siehe Ottilie. Der Mann ist älter und reifer geworden, seine Comedy darf/muss das reflektieren. Ich finde nur, bei Schlämmer klappt das nicht sehr gut.
Da du Stromberg einleitend erwähntest: Ich bin der Meinung, dem letzten Stromberg-Film ist die Neuerfindung seiner Figur sehr krass gelungen, ohne sie direkt neu zu erfinden. Der Film zeigt, dass sich die Zeiten (vermeintlich) geändert haben. Eine regelrechte (mutige) Dekonstruktion. Mehr preiszugeben wäre ein regelrechter Spoiler. Ich glaube, das Zielpublikum konnte damit nicht so viel anfangen. Ich habe nach dem Film noch länger über gesellschaftliche Mechanismen nachgedacht.
"Wirklich große Comedians": …..Kebekus – ohne Worte!
Sechs Worte für ohne Worte. Respekt.