Filmverbrechen-Fotostory (2): WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN oder: Auf der Mauer, auf der Lauer
Themen: Film, TV & Presse, Fotostory, Neues |Frohen Mutes und eiligen Schrittes in den zweiten Teil!
Wir erinnern uns – zum Ende des ersten Teil wurde im Zeitraffer die ganze eigentliche Handlung von WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN in 20 Sekunden komprimiert: Peter richtet die Laube her, züchtet den Super-Salat, und beginnt eine Beziehung mit Monika. Wir dürfen unterstellen, dass dafür Monate ins Land gehen – was in der Zeit alle anderen Beteiligten machen, ist irrelevant.
Das gilt auch für die Aliens, die jetzt erstmal selber kräftig Grünzeug zubereiten – das geschieht in einer unnötig langen Szene, die nichts erklärt oder vorbereitet:
In der Kleingartenkolonie wird derweil eine Art Sommerfest gefeiert, zu dem Peter seinen Salat beisteuert:
Ein "Personenschützer" des Senators schnappt sich etwas von dem Grünzeug und übergibt es konspirativ an einen Motorradfahrer.
Wir erfahren beim Fest mehr über die Figuren, aber nichts relevantes. So wird erneut impliziert, der Käpt’n sei für den Untergang eines Supertankers verantwortlich und wolle nun auf Zirkusclown umsatteln.
Es ist sehr schade, dass man in so einem Fall nicht einfach zum Telefon greifen und den Drehbuchautor anrufen kann:
"Mensch Kalle, ick hab' da mal ne janz doofe Frage…"
Im Labor, das ungefähr so aussieht, wie klein Fritzchen sich ein Labor vorstellt, wird der Salat zur Prüfung erstmal an ein Meerschweinchen verfüttert:
Bei den Bewohnern der Laubenkolonie zeigt der Super-Salat schon Wirkung:
Da gucken die Herren und Damen Wissenschaftler aber doof:
Man achte übrigens darauf, dass die Wissenschaftler Playmates in ihrem Labor hängen haben. Als investigativer Journalist fühle ich mich davon natürlich herausgefordert – Dorothy Mays, Playboy Juli 1979:
Damit haben wir die Zeit der Dreharbeiten auch relativ gut festgelegt.
Die Kittelträgerin schreit "Alarmstufe 1, Alarmstufe 1" ins Telefon und stellt dann fest "die haben unser letztes Meerschweinchen zur Sau gemacht":
Wahrlich, der deutsche Humor ist nur mit Humor zu ertragen.
Bei den Laubenpiepern hat der Salat komplett unvorhergesehene Wirkungen und soll wohl so etwas wie Öko-LSD darstellen – der Senator verlangt eine Toga, um eine große Performance for untauglicher Kulisse zu liefern:
Falls jemandem übrigens die Stimme des Senators bekannt vorkommt – es ist der 1996 verstorbene Gerd Duwner, der u.a. als Synchronsprecher von Danny De Vito, Mickey Rooney, und Donald Pleasence sein Geld verdient hat. Ernie in der SESAMSTRASSE, Hop Sing bei BONANZA, und FRED FEUSTERSTEINs bester Freund Barney Geröllheimer? Alles Duwner.
Der Brieftaubenzüchter möchte es seinen Vöglein gleich tun und davon flattern:
Der Käpt’n hat sich in Frauenkleider und in die Schaukel geworfen:
Die P(r)ostituierte Christel spielt mit Möhren "Dame vom Amt":
Vor allem aber ist Monika auffällig wuschig auf den besinnungslosen Peter:
Unter anderen geschlechtlichen Vorzeichen wäre das natürlich sexuelle Nötigung.
Monika und Peter packen aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen den Salat ein und donnern davon – übertrieben angetrieben vom Super-Salat, den ein paar Rotzgören in den Tank gestopft haben:
Die wegen der explosiven Eigenschaften des Salats herbei gerufene Polizei verursacht eine so unnötige wie unkomische Massenkarambolage:
Kleiner Schnitt zu dem Bauprojekt, das die Laubenkolonie angeblich bedroht:
Ich sag’s ungern, aber ab hier geht es bergab. Da der Film keine Ahnung hat, welche Geschichte er erzählen will, wird die zweite Hälfte mit einer Abfolge von relativ sinnlosen Szenen irgendwie rumgebracht. So fahren ein paar US-Soldaten über ein Salatblatt, das Monika vom Motorrad gefallen ist. Es macht puff…
…. und schon sind die Army Boys auf einmal Neger!
Seriously, what the fuck in the fucking hell?!
Die Wissenschaftler informieren das Militär in Form eines (amerikanischen?) Generals, dass der Salat praktische alle Weltprobleme lösen könnte, worauf hin er natürlich erstmal sichergestellt werden muss.
Wegen der "gefärbten" US-Soldaten muss zudem die Luftwaffe alarmiert und ein UFO abgefangen werden. Fragt nicht, ich weiß es doch auch nicht!
Monika versucht erneut, den lethargischen Peter zum Koitus zu bewegen:
Leider wird die Vergewaltigung im Nadelwald von Komparsen des Hitler-Films gestört und bei der Abfahrt plumpst Peter vom Sitz, ohne dass Monika es merkt:
Wenn der Witz einmal gut ist, ist er auch zweimal gut – ein hügelabwärts rollender Salatkopf macht aus den aufrechten Soldaten…
… nicht nur Schwarze, sondern ändert auch gleich die komplette Kostümierung:
Der General, nach dem man ihm mitgeteilt hat, dass erneut Soldaten unvermittelt die Hautfarbe gewechselt haben:
"Da stecken doch wieder die Black Muslims dahinter. UFO weiter abfangen lassen und ab sofort nur noch Farbige einsetzen!"
Nennt es Verarsche oder Verachtung des Publikums, aber es ist schmerzhaft offensichtlich, dass Pohland kein Interesse hat, irgendwelche respektierten Mechanismen von Handlung oder Humor zu bedienen.
Da aus Kosten- und Zeitgründen ein ganzer Haufen Szenen im Labor spielen muss, ist nun das berühmte "rote Telefon" aus der Ära des Kalten Krieges tragbar und der General bekommt einen Anruf von "Jimmy-Maus":
Ja, das soll Jimmy Carter sein und das Gespräch ist derart unsinnig gestückelt, dass wir wie bei BO EH… MANNI! unterstellen müssen, dass man einfach zwei separat gedrehte Szenen willkürlich nachträglich zusammen geschnitten hat:
Jetzt landen auch noch russische Fallschirmjäger!
Die Russen schnappen sich Peter, der aus unerfindlichen Gründen eine Brieftaube im Korb mit sich rum trägt:
Allerdings wird Peter gleich wieder von den doofen Bullen befreit, deren Chef sie aus ebenfalls unerfindlichen Gründen als "meine Ranger" bezeichnet:
Weil die Handlung auf der Stelle tritt, darf Kurt Raab als Hitler noch mal eine dreiminütige Wutrede halten:
Die natürliche Reaktion darauf sollte sein: "Was soll DAS denn?". Aber es ist eine traurige Wahrheit, dass Kurt Raab Hitler wirklich bemerkenswert perfekt imitieren konnte und dieser sinnfreie Einschub zu den wenigen Momenten gehört, in denen WDUUSK so etwas wie Interesse beim Zuschauer wecken kann.
Eines der Protestplakate im Hintergrund verkündet "Nie wieder Gummiadler!".
Die Wissenschaftler werden nun in eine Irrenanstalt verbracht:
Warum? Die einzige Antwort darauf kann nur lauten: warum nicht?
In einem Keller wird Peter vom General verhört:
Der General glaubt irrigerweise, dass Peter mit einem Fallschirm über Berlin abgesprungen sei – vermutlich, um zu spionieren.
Der Beweis für Peters geheimdienstliche Absichten? Die Brieftauben!
Weil sich der Film in eine Sackgasse bewegt hat, müssen nun die Aliens erklärend eingreifen, damit es überhaupt weitergehen kann.
Und wann hat denn nun die Katstrophe stattgefunden?
Nein nein, noch nicht. Der General ließ einen fliegen, alles klärte sich auf, und das Salatohr stand nicht mehr im Geruch, ein russischer Agent zu sein. Und alle, die bei der Party dabei waren und nach dem Genuss des Super-Salats sich mehr oder weniger merkwürdig verhalten haben, konnten sich wenige Stunden später an gar nichts mehr erinnern.
Und was geschah mit dem Salat, der im anderen Labor verschwand?
Der gelangte, auf geheimnisvollen Wegen und durch dunkle Kanäle, in alle Teile jener Welt.
Genau, so kann man die lästigen Szenen mit der ominösen "Handlung" auch überspringen. Ist ja nicht so, dass man noch 22 Minuten Zeit hätte, es tatsächlich zu erzählen.
Wie Verona in jüngeren Jahren geflötet hätte: das ist eine prima Überleitung.
Wir sehen, dass der Salat auch den "Briten" um die Ohren geflogen ist – davon ausgehend, dass man einfach das Labor-Set der "Amerikaner" zweitverwendet hat.

Die Japaner stopfen den Salat natürlich sofort in den Tank eines Toyota, der darauf hin mit locker 300 Sachen eine Landebahn entlang flitzt:
Auch in der Wüste wird der Salat in Augenschein genommen und ich kann nur vermuten, dass das halbe Filmteam um der Schattigkeit willen einfach im Bild stehen geblieben ist (siehe die Personengruppe rechts):
Das können sich die Israelis natürlich nicht gefallen lassen, weshalb sie vorauseilend eine Rakete mit Salat-Sprengsatz abfeuern…
… die leider nicht explodiert und händisch zurück geholt werden muss:
Ich bin mittlerweile außerstande, das auf irgendeinem Level einzuordnen und muss mittlerweile unterstellen, dass eine Strafzahlung bei offensichtlichem Missbrauch der Filmförderung die Regel sein sollte.
Nur vorab, damit ihr nachher nicht enttäuscht seid: Der Super-Salat ist damit aus dem Film raus. Der Rest der Story dreht sich nur noch um den Versuch des Konsuls, die Laubenkolonie niederzureissen.
Peter und Monika kommen mit dem Motorrad zur Kolonie zurück und es bleibt offen, wo Monika die ganze Zeit war, wie Peter sie wieder getroffen hat, und warum niemand der tatsächlich Verantwortlichen auch nur ein Wort über den Super-Salat und seine mannigfaltigen Fähigkeiten verliert:
Aus der Polizei-Karambolage machen die Laubenpieper mittlerweile eine Protestblockade ihrer Kolonie, denn die Bagger des feinen Konsuls warten nur darauf, ein paar Wohnblöcken den Platz frei zu schaufeln.
Allerdings läuft beim Konsul auch nicht alles rund, wie wir durch ein Telefonat erfahren, das mangels anderer Locations wieder im "Bordell" stattfindet:
Nein, die Drahtscheren sollten nach Kenia, nicht nach Daressalam. Und die kleinen runden Pumpernickel, die können Sie dem Vatikan als Diät-Vollkorn-Oblaten andrehen, aber nicht mir! Ich brauche meine Apfelsinen aus Kenia, sonst flattern meine polnischen Weihnachtsgänse nicht.
Dass die sich damals nicht alle in Grund und Boden geschämt haben…
Beim Krisengespräch der Laubenpieper "enthüllt" Monika, dass sie die Tochter des Konsuls ist (das wussten die nicht?!), und dass ihr im Fall einer Heirat das gesamte Gelände samt der Schrebergärten gehört.
Na, wenn das mal nicht eine praktische und gar nicht hanebüchene "Lösung" für alle Probleme ist. Als Drehbuchautor rege ich mich primär darüber auf, dass ein deutlich sinnvollerer dritter Akt sich geradezu aufgedrängt hätte. Lassen Sie mich mal kurz durch, ich bin Arzt:
Monika ist mit Plastik-Charlie verlobt. Obwohl sie heimlich in Peter verknallt ist (und der in sie), ist sie widerwillig bereit, Charlie zu heiraten, um damit die Kontrolle über die Laubenkolonie zu erlangen. Sie hat keine Ahnung, dass Charlie bereits hinter ihrem Rücken mit ihrem Vater verhandelt, um als ihr Ehemann das Gelände zu verschachern. Peter findet das heraus, sprengt die Hochzeit, und macht Monika einen Antrag. Kapitalisten ausgebootet, Kolonie gerettet, Happy End.
Es ist wahrlich keine Atomphysik.
Mittlerweile rückt die Polizei an, um den Beginn der Bauarbeiten notfalls mit Gewalt durchzusetzen (was damals auch in Berlin nicht so einfach war, wie Pohland es uns hier weismachen will):
Meyer stellt den Laubenpiepern ein Ultimatum:
Völlig unerwartet und ohne erklärbare Motivation taucht nun Peters Mutter auf, um dem Konsul einen Strich durch die Rechnung zu machen:
Ich habe ja nichts dagegen, dass du den Chinesen russische U-Boote verkaufst. Aber den Leuten hier das letzte bisschen Grün niederzuwalzen und deiner Tochter die Laube einzuebnen, ist der Gipfel der Skrupellosigkeit."
DAS ist der Gipfel der Skrupellosigkeit im Kalten Krieg von 1980? Ehrlich?
Noch mal kurz "Jimmy-Maus" – der General soll Peter und seinen Super-Salat nach Camp David bringen:
Der General blättert willkürliche Fotos der Filmfiguren durch und faselt irgendwas von der CIA, die versagt habe – aber mittlerweile wirkt das nur noch wie improvisiertes Füllmaterial, weil man um der Förderung willen "Spielfilmlänge" liefern musste.
Eine Nebenfrage: wer soll nach der Filmlogik diese Fotos gemacht haben?
Die Bordellchefin hat zwar keine rechtliche Handhabe, den Abriss der Laubenkolonie zu verhindern, aber sie kann immerhin für Ablenkung sorgen:
I shit you not: Eine Lasterladung kaffeebrauner Schönheiten tanzt topless und legt damit die gesamte Staatsmacht lahm:
Ist das rassistisch? Eher sexistisch? Beides gleichzeitig? Addiert sich die angebrachte Empörung? Hatte der Pohland einen an der Waffel?
Monika und Peter schleichen derweil als Sperrmüll verkleidet von dannen:
Weil es jetzt auch egal ist, kommt der General mit einem Panzer und verkündet, dass die Laubenkolonie wegen des Salats sakrosankt ist:
Es ist das einzig erkennbare Element von Parodie, dass die Rede eindeutig an Ernst Reuters Rede am 9. September 1948 vor dem Reichstag angelehnt ist. Völker dieser Welt, schaut auf diese Stadt – habt ihr vermutlich schon mal gehört.
Da kann man nur brav Beifall klatschen:
Es muss ja auch nicht logisch sein. Den Salat könnten die "Amis" überall züchten, weshalb der Erhalt der Laubenkolonie niemanden scheren dürfte.
In filmischen Realitäten wie dieser haben Monika und Peter nicht nur das richtige Outfit zur Eheschließung greifbar – auch in der Kirche kann wie beim Friseur ohne vorherige Terminvereinbarung geheiratet werden.
Konsul Meyer versucht noch, dazwischen zu gehen, aber die Bordellchefin (der kein eigener Rollennamen gegönnt wird) stellt ihm ein Bein:
Besiegelt wird die Trauung standesgemäß mit Plastikringen:
Ich will das junge Glück ja nicht stören, aber wenn ich das richtig verstehe, wäre die standesamtliche Eheschließung von Relevanz, um die erblich bedingte Kontrolle über die Laubenkolonie zu erlangen.
Im Anschluss kommt es zu einer "Verfolgungsjagd" zwischen der Hochzeitskutsche und dem General im Panzer, die unspektakulär endet, als die Kutsche irgendwo links abbiegt und der Panzer plötzlich vor der Mauer zur DDR steht.
Den Grenzern gefällt es gar nicht, dass der imperialistische Feind plötzlich sein Rohr auf die deutsche Friedensrepublik richtet:
Bei dem Grenzer mit dem Fernglas handelt es sich übrigens um den vor ein paar Jahren verstorbenen Dan van Husen, zu dem ich seinerzeit wegen des Fake-Festivals von Katusin Kontakt aufgenommen hattte.
Schon an der Tatsache, wie stümperhaft der Grenzposten zusammen genagelt ist, können wir erahnen, dass er den Nachspann nicht erleben wird:
Und tatsächlich – die fehlverstandene Bitte des Generals nach "Feuer" macht aus dem Hochstand Kleinholz für das nächste FdJ-Grillfest:
Die Sache eskaliert, Krieg bricht aus, der Planet geht in Flammen auf:
Das sieht fast so realistisch aus wie in THE END OF THE WORLD drei Jahre zuvor:
Tja, damit habt ihr nicht gerechnet, oder? Puff – alles kaputt. Ein düsteres Ende eines heiteren Film. Ein Tritt in die Eier des satten Wohlstandspublikums. Eine Warnung, wie schnell schon harmlose Missverständnisse angesichts der hochgerüsteten Falken auf beiden (!) Seiten zur Katastrophe führen können. Lehrt es eure Kinder und schreit es von den Dächern: nie wieder Krieg!
Ist natürlich nur ein Scherz.
Die Aliens finde es auch eher so mittel, dass die Menschen sich ausgelöscht haben:
Also dreht man kurzerhand das Rad der Zeit zurück, um den Nachschub an Salat nicht zu gefährden:
Na, da setz das Ding mal wieder zusammen und fahr die Zeitmaschine zurück. Aber vergiss nicht, die Katastrophentaste zu drücken, wenn du wieder vorfährst.
So spricht Curd Jürgens – nach Drehbuch oder schlicht senil?
Irgendwie ist damit alles gelöst und wir blenden zum Wannsee (?):
Monika und Peter genießen das junge Glück – Champagner und teure Klamotten lassen mich allerdings mutmaßen, dass zumindest Monika sich angesichts des geerbten Vermögens nun dem Kapitalismus so sehr hingibt wie ihrem Gatten:
Doch oh weh! Es stellt sich heraus, dass der Käpt’n ein DDR-Spion ist, der das Paar per Schuh-Telefon an die Ostzone verrät!
Gottseidank sind die Berliner Bullen nicht weit, um die Entführung in den real existierenden Sozialismus zu verhindern:
Monika und Peter werden in Sicherheit gebracht:
Und die Aliens so "klatsch, klatsch, klatsch":
Ab zur Venus – Salat anbauen!
Es gibt ja kaum ein Fazit dieser Reihe, dass ich nicht mit "Alder…!" beginne oder beginnen könnte. Ich bin WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN mit einer gesunden Portion Skepsis begegnet und hatte mir keine Hoffnungen gemacht, hier eine unverstandene und ungerecht vergessene Perle ausgebuddelt zu haben.
Aber Alder…! Der Film ist schon ein ganz besonders arrogantes Stück Scheiße. Er ist durchdrungen von einer Wurstigkeit, die nicht mal zu verheimlichen versucht, dass Hansjürgen Pohland kein Interesse an dem Projekt hatte. Es ging ihm offensichtlich und ausschließlich darum, mit einer kommerziellen "leichten Komödie" Kasse zu machen.
Das Problem: er hatte keine Ahnung, wie man eine kommerzielle "leichte Komödie" dreht. Es gehört zur Überheblichkeit des Neuen Deutschen Films, dass er den verhassten Kitsch nicht einmal gut genug versteht, um ihn zu imitieren.
Man kann der LISA-Film vorwerfen, dass sie über Jahrzehnte den Bodensatz der deutschen Kino-Komödie mit den immer gleichen Versatzstücken bedient hat. Aber es lässt sich nicht bestreiten, dass die LISA das konnte, dass sie nicht bloß auf Fördergelder aus war und gleichzeitig die Förderer verachtete.
Das Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum erhellt uns in einem Katalogtext ein wenig die wirtschaftlichen Zwänge des Films:
Am Ende der für ihn wirtschaftlich wie privat eher schwierigen siebziger Jahre versuchte sich Pohland an einer mehrere Millionen Mark teuren Produktion, die auf ein breites Publikum zielte: Die Öko-, Science-Fiction- und Politsatire dreht sich um eine neue Salatsorte, die durch ihren Energiereichtum in der Lage wäre, die diesbezüglichen Probleme der Menschheit zu lösen. (…). Die starbestückte Produktion, für deren Dreh der 1975 nach München verzogene Pohland vorübergehend in seine Heimatstadt zurückkehrte, wurde von den Medien zunächst viel beachtet und dann von den Kritikern verrissen. (…) Tatsächlich wurde das Werk vom Publikum verschmäht, verschwand rasch und dauerhaft in den Archiven und avancierte so zum unerreichbaren Sehnsuchtsobjekt vieler Trashfans: Allein schon Curd Jürgens’ Auftritte, in einem besseren Schlafanzug mit Antennen auf dem Kopf im großen Tropenhaus des Botanischen Gartens sitzend, sind bemerkenswert. WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN sollte die letzte Spielfilmregie von Pohland sein, der damals erst Mitte vierzig war.
Ja, die zeitgenössische Kritik (und nicht nur die) war gnadenlos:
„Als Parodie auf Berliner Verhältnisse und Science-Fiction-Filme gedacht, doch völlig misslungen; klamaukhaft, banal und langweilig.“(film-dienst)
„Das alles spielt in Berlin, um sich bloß nicht die Förderung durch den Berliner Senat entgehen zu lassen.“ (Lexikon des Science Fiction Films)
„Es ist zu hoffen, daß dieser Film ebenso sang- und klanglos wieder verschwindet, wie er gestartet wurde“ (Morgenpost)
„Trotz Starbesetzung reichlich dumm-banal […] Mit derben Klamaukeinlagen und jeder Menge Trottel feiert Opas Kino Urständ: Reichlich ungenießbares Grünzeug.“ (allesueberfilme.de)
„Ist der Ruf erst ruiniert, filmt sich’s völlig ungeniert, mag sich Hansjürgen Pohland gedacht haben, als er sich an diese filmische Katastrophe heranwagte, die mit Klamottengewalt über die verdutzten Zuschauer hereinbricht“ (Der Abend)
Kein Wunder, dass man sich von der Kassetten-Auswertung keine großen Meriten versprach. WDUUSK erschien mit neuer Cover-Artwork und unter dem tarnenden Titel CHECKPOINT-CHARLY im Verleih von Mike Hunter Home Video.
Mittlerweile ist der Film auch kein "unerreichbares Sehnsuchtsobjekt vieler Trashfans" mehr – es gibt ihn auf fast allen Plattformen kostenlos zu besichtigen. Eurer geistigen Gesundheit zuliebe empfehle ich allerdings, es bei diesem Trailer zu belassen. Er zeigt mehr, als ihr sehen wollt:
Ehrlich? WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN ist einer der wenigen Filme, deren Neuentdeckung keinerlei Erkenntnisgewinn bringt. Er war genau so vergessen, wie er es verdient hatte. Es gab mal den Sponti-Spruch "niemand ist unnütz – er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen" – WDUUSK ist die filmische Entsprechung dieses Gedankens.
Vielleicht muss es demnächst doch mal wieder LISA sein…
P.S.: Ein bezauberndes Detail: Den Kleingärtnerverein Oeynhausen e.V. gibt es immer noch und er hat vor zwei Jahren 120jähriges Jubiläum gefeiert!
Alder… 🙈 Danke dafür.
"Ich sag’s ungern, aber ab hier geht es bergab."
Ab hier? AB HIER?! 😬
Relativ gesehen.
Du hast echt eine masochistische Ader. Anders kann ich mir nicht erklären, warum du dir das immer wieder antust…
Ich tue das doch alles nur für euch!
Als Qualitätsjournalismus-Banause verblüfft mich die kaum komprimierte Inhaltsangabe auf der Titelseite des Häschenmagazins. Standen da wirklich Menschen vor den Regalen der Kioske und lasen die, zum Zwecke der Kaufentscheidung?
Ja.
Das Bauprojekt ist übrigens die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, die niemals eine Laubenkolonie bedroht hat – wurde ja über eine Autobahn gebaut…
Und die ja auch in KAMIKAZE genauso gefeatured wurde wie das Kongresszentrum. Man fragt sich, ob der Senat seine Fördermittel mit Checklisten verteilte: gibt es einen Shot der Schlangenbader Straße? Haben Sie das Kongresszentrum berücksichtigt? Werden die Alliierten erwähnt, die Mauer, ist eine deutsche Flagge im Bild?
Hey, da fällt mir ein – wenn du noch einen Beitrag aus der Abteilung „Arthaus-Regisseur verjubelt Fördergelder in Berlin, weil er sich an einem Genrestreifen versucht und kläglich scheitert“ suchst, sei dir „Killing Cars“ von Michael Verhoeven empfohlen – dann aber nur in der VHS-Fassung, die Grabbeltisch-DVD wurde um die Nacktszenen bereinigt. Die „Fotostory“ ist übrigens meine absolute Lieblingsrubrik hier beim Wortvogel, vielen Dank für all die tollen Beiträge!
KILLING CARS ist auf bizarre Art macho-albern, aber ich weiß nicht, ob der eine Fotostory rechtfertigt. Andererseits: Marina Larsen…
"Die „Fotostory“ ist übrigens meine absolute Lieblingsrubrik" – danke, aber die korrekte Aussage wäre gewesen: "Die „Fotostory“ ist übrigens meine absolute Lieblingsrubrik neben lauter anderen Lieblingsrubriken".
Äh… sorry, genau das wollte ich natürlich sagen! 🙂
Wenn ich unsere Verwandten in Berlin besuche, parke ich immer an der "Schlange". Nach wie vor ein faszinierend-irres Teil.
Das Kongresszentrum auch. Und ich werde es auf ewig schade finden, dass seinerzeit das Schwabylon in München abgerissen wurde.
Mittlerweile ja auch irgendwie auf eine Art völliger Wahnsinn, denn die (ehemalige) Autobahn 104, über die das Monstrum mangels Platz in Westberlin drübergebaut wurde, wurde ja nie ganz fertiggestellt, dann zum Abzweig/Zubringer der A100 degradiert und inzwischen ist der Tunnel unter der Überbauung gesperrt wegen Sanierungsbedarf. Da aber dessen Fortführung, die Brücke über den Breitenbachplatz, bald ein Date mit dem Abrissbagger hat, ist zweifelhaft, ob der Tunnel angesichts der massiven Kosten je saniert wird.
Harter Tobak, aber historisch wertvoll. Komplettes Neuland für mich, der Film lief unter meinem Radar.
Der Streifen macht schon in der Zusammenfassung müde, wütend und schlechte Laune.
Gibt es Zahlen über die Gagen von Curd Jürgens und Hildegard Knef?
Die waren bestimmt nicht billig zu haben, zwei Schwergewichte.
Zu KRAAN:
In unserer ländlichen Kneipen-Disco lief regelmäßig das Stück "Nam Nam" von der KRAAN-LIVE Doppel-LP. Ein 15 Minuten Stück mit einem 10 minütigen BASS-SOLO!!! Tatsächlich nur Hi-Hat Gezischel und Scat-"Gesang" und natürlich der Wahnsinnsbasser Hellmut Hattler am freidrehen.
Verstörende Szene jedesmal…an die 100 Hippies am zappeln und Joints rumreichen.
Bei Interesse:
https://www.youtube.com/watch?v=kyND_fZ9Qo8&list=RDkyND_fZ9Qo8&start_radio=1
Freu mich schon auf den nächsten Film,
Heiko
Die Knef war am Ende ihrer Karriere und ich denke, der Jürgens hatte den Terminkalender auch nicht mehr voll. Vermutlich wurden die Szenen mit ihnen in ein, zwei Tagen gedreht – und wofür hat man üppig Förderung kassiert?
Sehr üppig in der Tat.
Also glaubst du, der Curt hat hier den Marlon Brando in SUPERMAN gemacht?
Eine kleine Million abgeholt für 2 Drehtage?
Enttäuschter bin ich bei der Knef, da oute ich mich mal als Fan. Tolles Charisma und tatsächlich einige geniale Songs. War das Ella Fitzgerald, die über die Dame sagte: "Die größte Sängerin ohne Stimme"?
Schwer nachzuvollziehen, ihre Performance hier. Ich tippe auf persönliche Kontakte oder Gefallen, aber keine Ahnung.