Filmverbrechen-Fotostory (1): WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN oder: Warum nicht?!
Themen: Film, TV & Presse, Fotostory, Neues |Ich gestehe: nach den sehr gewöhnungsbedürftigen Ruhrpott-Rummelbuden POMMES ROT-WEISS und BO EH… MANNI! hatte ich das Gefühl, euch ein wenig überfordert zu haben. Ich gehe bei meiner Suche nach Kandidaten immer nach dem Prinzip "es kann nicht obskur genug sein" vor, aber vielleicht kann es das eben doch.
Aus diesem Grund präsentiere ich heute mal wieder leichte(re) Kost mit vielen bekannten Gesichtern und einem bezaubernden Rückblick in das Treiben der noch geteilten und sympathisch schlunzigen "Frontstadt" Berlin auf dem Weg in die ereignisreichen 80er.
Im ersten Moment möchte man glauben, WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN wäre eine dieser quietschbunten Klamotten mit der üblichen Mischung aus Alt- und Jungstars, wie sie damals von LISA oder CCC in die Kinos gedrückt wurden, wo sie angesichts der vielfältigen Mängel aber nichts verloren hatten. Filme, denen erst die kommerziellen Nischensender ab Anfang der 90er wieder untotes Leben im Nacht- und Wochenendprogramm einhauchten.
Dem ist jedoch nicht so. Ohne viel vorweg zu nehmen, sind Werdung und Wirkung von WDUUSK eher mit DREI GEGEN DREI und IS WAS, KANZLER!?! vergleichbar. Es geben sich Theatergrößen und Kabarettisten die Klinke in die Hand, der politische Holzhammer wird zum Feigenblatt, während man nach Drehschluss die üppige Filmförderung versäuft.
Das liegt primär an Regisseur (und Autor – aber dazu später mehr) Hansjürgen Pohland. Der war fest verankert im Neuen Deutschen Film, verfilmte Böll und Grass, unterzeichnete das Oberhausener Manifest, das nicht nur ein "neues Kino" forderte, sondern gleich die Staatsknete, um dieses ohne jeglichen Druck und ohne die Notwendigkeit einer tatsächlichen Vermarktbarkeit umsetzen zu können.
Ich sage es immer wieder: Ja, Papas Kino der Nachkriegszeit war ein revisionistisch-konservativer Irrweg, aber die "jungen Wilden" um Kluge und Co. sind nicht minder falsch abgebogen.
Irgendwann scheint auch Pohland aufgefallen zu sein, dass erfolgreiche Filme mehr abwerfen als erfolglose, und er beschloss (vermutlich resigniert), mit einer Komödie an den Kinokassen beim verhassten "breiten Publikum" abzusahnen. Im wahrsten Sinne des Wortes keine Kunst. Konnte ja nicht schwer sein.
Oder?
WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN floppte nicht nur gewaltig, sondern wurde sogar von den alten Kumpeln im Feuilleton verrissen. Pohland hatte mit 46 Jahre damit das Ende seiner Karriere eingeleitet – er drehte nur 2012 noch mal eine Doku über die Entstehung des Oberhausener Manifests und starb 2014.
Wie schlimm ein Film sein muss, der die Karriere eine durchaus geachteten Regisseurs und Produzenten quasi im Alleingang pulverisiert? Kann man schon bei BONDITIS nachlesen. Im Fall von WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN schauen wir uns das jetzt aber mal genauer an.
Um die Einstellung und die Begeisterung von Pohland zu illustrieren, weise ich darauf hin, dass in dem Film kein UFO vorkommt, das irgendeinen Salat klaut – weshalb sich die Frage nach dem "warum?" erübrigt. In dieser Beziehung ist WDUUSK so hirnrissig wie der legendäre EIN KAKTUS IST KEIN LUTSCHBONBON.
Auf Video erschien der Streifen später unter dem Titel CHECKPOINT CHARLY:
Man beachte, dass der berühmte Grenzübergang auf dem Cover zweimal verschieden geschrieben wird – und beide Male falsch. Der Checkpoint Charlie kommt auch im Film nicht vor. Und "Ursula" Monn heißt Ursela Monn.
Sagt nicht, dass ihr damit nicht ausreichend gewarnt wurdet!
1980. Es ist bis Hubert Kah noch ein Weilchen hin, aber ich vermelde schon mal: Ich seh' den Sternenhimmel, Sternenhimmel, oh oh!
Der Sternenhimmel ist in diesem Fall eine schwarze Wand mit ein paar Glühbirnchen. Das Raumschiff, das lustlos ins Bild geschoben wird, scheint aus einem alten Heizkessel geschweißt worden zu sein. Ist ja nicht so, dass man sich in den Jahren nach STAR WARS, STAR TREK: THE MOTION PICTURE, CLOSE ENCOUNTERS und ALIEN da irgendeine unnötig Mühe hätte geben müssen. Der deutsche Filmemacher lässt sich vom korrupten System des imperialistischen Kommerzkinos keine Vorschriften machen!
Ich erwähnte es bereits – das hier ist falsch, falsch und falscher:
Es fällt übrigens auf, dass weder Vor- noch Nachspann einen Drehbuchautor nennen. Ich könnte darüber jede Menge erwartbare Kalauer drechseln, aber ihr seid lange genug an Bord – denkt euch euren Teil.
Das tut wirklich weh:
Tatsächlich kannte Pohland die Altstars (wie viele andere Darsteller) wohl privat und beide hatten Ende der 70er nicht mehr allzu viel zu tun. Man stelle sich das vor: Jürgens hätte 1979 nach DER SPION, DER MICH LIEBTE, SCHÖNER GIGOLO, ARMER GIGOLO und STEINER II in Rente gehen können. Stattdessen wurde WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN sein letzter Kinofilm in Deutschland.
Es sind auch andere bekannte und interessante Namen dabei:
Go, Raimund, go!
Henning Venske – legendär, seit er wegen seiner politischen Engagements bei der SESAMSTRASSE rausgeschmissen wurde.
Und ja, Jan George ist der ältere Bruder von Götz.
Auch noch dabei: Synchron-Legende Joachim Tennstedt, Tangerine Dream-Gründer Edgar Froese, sowie Comedy-Urviech und Filmverbrechen-Dauergast Herbert Fux.
Und klar, so eine freche deutsche Komödie braucht natürlich fetzige Musik von…
Ich weiß, es gibt Fans, und als jemand, der in seiner Jugend die Konzerte von Nena und Shakin' Stevens besucht hat, sollte ich die Klappe halten, aber…
Halten wir uns damit nicht zu lange auf. Es gibt einen Film zu schauen!
Wir dürfen unterstellen, dass wir mit dem Ende des Vorspanns in das Raumschiff der Außerirdischen umgeschaltet haben, das erkennbar nicht durch den Weltraum fliegt, es weil es offensichtlich der gottverdammte botanische Garten von Berlin ist!
Einen Bildschirm für die Beobachtungen der Außerirdischen zu bauen, wäre zu viel der Mühe gewesen, darum wird die "Übertragung" einfach reinkopiert. Wir sehen den jungen Peter McDonald, der mit einem Fahrrad rumgurkt:
Beobachtet wird das Szenario von Aliens, die Antennen/Kopfhörer auf dem Kopf tragen und mit Strumpfhosen und anderer Thermo-Wäsche bekleidet sind:
Die hübsche junge Außerirdische, die der Chef gleich mal schmierig anbaggern darf, ist die schon erwähnte Pavla Ustinov.
Die außerirdische Technologie, mit der sich hier alles steuern lässt? Spiegelteller:
Für alle, die sich nicht so auskennen – das hier sind Edgar Froese und Henning Venske. Und keiner von beiden hat sich geweigert, so rumzulaufen:
Es gibt selten genug Filme, die schon in der ersten Minute zeigen, dass ihnen "das ganze futuristische Gedöns" komplett am Arsch vorbei geht und dass keine müde Mark in die Spezialeffekte gesteckt werden darf, solange in Berlin das Koks noch nicht alle ist.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Bemühungen von ZÄRTLICHE CHAOTEN II in Sachen Science Fiction noch mal so sehr vermissen würde…
Aber zurück zur "story proper". Peter McDonald fühlt sich von der Fahrrad-Tour von Bayern (!) nach Berlin (!) etwas überfordert und winkt ein fettes Kapitalisten-Cabrio (natürlich aus den USA!) am Wegesrand herbei:
Dem selbstgerechten Konsul stellt er sich fälschlich als "Peter McDonalds" vor.
Die Fahrt verläuft konziliant und mit reichlich Exposition. Wir erfahren, dass Peter der Welt einen Super-Salat schenken will, der schon vom Feld weg nach Essig und Öl schmeckt. Der Konsul ist sogleich an der Vermarktung dieses Super-Salats zwecks Profitgenerierung interessiert, was Peter freundlich ablehnt.
Nun könnte man denken: aha, hier werden mit den beiden unterschiedlichen Lebensentwürfen Protagonist und Antagonist eingeführt. Der Gutmensch mit dem grünen Daumen und der Turbokapitalist mit dem gekauften Titel.
Mitnichten. Zwar werden sich die Wege von Peter und dem Konsul wieder kreuzen, aber die Notwendigkeit eines echten Widersachers sieht der Film nicht.
Auch das ist schwer zu sagen. Wir können nicht mal sagen, ob sie das Geschehen auf der Erde in Echtzeit oder als Rückblende verfolgen. Es ist widersprüchlich und den Machern keine genauere Erklärung wert. Ich hatte teilweise den Verdacht, dass man die Aliens samt Rahmenhandlung erst nachträglich eingefügt hat, weil der Film ohne den futuristischen Schnickschnack komplett unguckbar gewesen wäre. Denn siehe – keine der Figuren aus dem "UFO" interagiert jemals mit den Personen auf der Erde.
Weil die doofen Aliens nicht mal wissen, was dieses "Berlin" ist, wird nun mit einer guten Minute historischer Aufnahmen der Kontext "lustig" erklärt:
Das hört sich übrigens so an:
Berlin ist eine Festung. Ja, das stimmt. Eine richtige Festung. Mit Mauern. Wenn sie gestatten, werde ich es ihnen erklären. Die Bewohner, also die Belagerten, lebten in einem derartigen Überfluss, sie waren so wohlhabend, dass sie sich drei verschiedene Söldnerheere leisten konnten. Auch die Belagerer hatten ein Söldnerheer, aber die Belagerer mit ihrem Söldnerheer waren eigentlich keine echten Belagerer, denn sie fühlten sich auch belagert und zwar von denen, die die von ihnen Belagerten über Wasser-, Land- und Luftkorridore, die über das Territorium der Belagerer führten, am Leben erhielten und mit ihnen politisch untrennbar verbunden waren. Doch das Schizophrenste ist, dass sich die Söldner der belagerten Belagerer innerhalb der Festung der Belagerten mit den drei Söldnerheeren frei bewegen durften und dort auch einige ihrer Kultstätten hatten.
Es langt mir. Kannst du das nicht in einem einfachen klar verständlichen Satz sagen?
Doch doch. Natürlich. Die Belagerten sind drin. Die Belagerer sind draußen und drin. Historisch etwa vergleichbar mit Sodom und Gomorrha.
In diesem Moment sieht Curd Jürgens dann doch mal aus, als würde er sich zumindest ein kleines bisschen für diesen Kokolores schämen:
Peter McDonald(s) ist derweil in Berlin angekommen und stolpert im Wald über eine Truppe von Soldaten in Weltkriegs-Uniformen:
Wo die Wehrmacht ist, ist der Föhrer nicht weit – und da isser schon, den letzten Überlebenden der Frontstadt eine flammende Rede haltend:
Die "Pointe" ist schnell geahnt: Es handelt sich um Filmaufnahmen und bei Hitler um Kurt Raab, der für seine Führer-Imitation bekannt war:
Wer jetzt schüchtern den Finger hebt und fragt, was dieser Hitler-Einschub mit der Story über den Salat zu tun hat, dem kann ich zur Erklärung nur Vermutungen anbieten: Hitler war Vegetarier, Drittes Reich ist immer politisch und der Film dadurch auch automatisch kritisch und aufgewertet. Siehe AUSCHWITZ.
Ein Radiomoderator vermeldet, dass auf der Avus ein Radfahrer gegen die Verkehrsrichtung radelt. Dabei soll es komisch sein, dass er augenscheinlich zwischen den Textbeiträgen Sexhefte (?) liest, die auffällig unpraktisch in Richtung Kamera gedreht werden müssen, damit der Zuschauer es mitbekommt.
Nun hätte man sicherlich mit einer Nahaufnahme des Magazins den Gag (?) etwas deutlicher machen können, aber es zeigt sich das totale Desinteresse von Pohland, wie es sich durch den ganzen Film zieht. Während "richtige" Filme nach einem Master Shot in Nahaufnahmen der einzelnen Figuren oder Details gehen, belässt es Pohland weitgehend dabei, die einmal aufgestellte Kamera einfach durchfilmen zu lassen. Ermüdend viele Szenen kommen ohne nennenswerte Schnitte aus.
Dass das optisch strunzlangweilig ist und wir relevante Kleinigkeiten und Reaktionen der Figuren nicht mitbekommen?
** bin unpässlich **stop** stell die kamera wie besprochen auf und lass laufen **stop** schauspieler kennen text **stop** hoffentlich **stop** vielleicht komme ich morgen **stop** eher nicht **stop**
Andererseits hege ich die Hoffnung, angesichts des statischen Geschehens mit erheblich weniger Bildern pro Szene auszukommen und diese Fotostory auf zwei Teile zu beschränken. A boy can dream…
Peter fährt tatsächlich auf der Avus gegen den Strom (sinnbildlich gemeint?). Warum er das tut, ist wieder mal nebensächlich bis unerklärlich:
Er wird von zwei Bullen schikaniert, weil es Berlin ist und die Bullen in Berlin schikanieren. So war zumindest der linke Konsens zu Zeiten der Hausbesetzungen:
Wir sollen jetzt den österreichischen Schauspieler Herbert Fux, der meistens in bayerischen Klamotten der LISA auftrat, für einen Berliner Polizisten halten. Der hat es primär auf die Spezialitäten abgesehen, die Peter vom Konsul geschenkt bekommen hat:
Wird das den Film irgendwie voran bringen? Nein. Werden die Delikatessen noch irgendeine Rolle spielen? Auch nein. Aber Pohland muss halt 90 Minuten füllen, und wenn er schon keine Story hat…
Es ist kein Geheimnis, dass WARUM DIE UFOS UNSEREN SALAT KLAUEN in Berlin gedreht wurde, weil Dreharbeiten in der Stadt damals vom Senat massiv gefördert wurden. Der YouTube-Kanals 80s Nostalgia ist voll von Filmen aus dieser Zeit, die in Berlin spielen. Und weil man sich mit den Geldgebern gut stellen wollte, führt die Polizei-Eskorte für Peter nun am gerade eröffneten Kongresszentrum ICC vorbei, in dem ja auch schon Teile von KAMIKAZE 89 gedreht worden waren, um Staatsknete zu garantieren.
Ich fühle mich bemüßigt, euch endlich mal zu sagen, was Sache ist: Peter will in Berlin seinen Super-Salat züchten, weil seine Oma in Bayern verstorben ist und er glaubt, dass seine Mutter in Berlin einen Blumenhandel betreibt:
Nun darf man fragen, welcher Blumenhandel aussieht wie die Botschaft einer mittelgroßen Operetten-Republik:
Aber keine Sorge, das lässt sich klären: Das mit dem Blumenhandel ist nur Tarnung. Das Gebäude sieht deshalb nach Botschaft aus, weil es ein Bordell ist, in dem die betuchten Besucher überwacht und gefilmt werden:
Peter reagiert auf die Entdeckung ungefähr genau so wie der Frankster und ich:
Ebenso wie bei den Spezialeffekten zeigt sich hier die absolute Schluffigkeit der Produktion: statt eine Location zu finden, die dem Drehbuch entspricht (= edles Bordell), hat man einfach da gedreht, wo man eine Genehmigung bekam. Das muss der Zuschauer dann halt schlucken.
Peter trifft (angeblich erstmals) seine Mutter, die hier als Chefin fungiert und deren Funktion in der Story an keiner Stelle klar wird. Sie spioniert die Freier aus? Wird nie mehr erwähnt. Sie hat das ganze Geld verdient, um Peter ein gutes Leben zu ermöglichen? Er will ihr Geld nicht.
Selbst die große Hildegard Knef kann sich nur mühsam ein Gähnen verkneifen:
Ein glaubwürdiges Personenkonstrukt dürfen wir nicht erwarten, also ist der Galan der Chefin natürlich der bereits in Erscheinung getretene Konsul:
Und auch der Konsul hat Nachwuchs in Form der burschikosen Monika:
Was den Konsul und die Bordellchefin verbindet außer Geschlechtlichkeiten, über die nachzudenken ich mich weigere? Dunkle Geschäfte natürlich:
Ich lasse es den Pfitzmann erzählen, denn ihr würdet es mir nicht glauben:
Pass auf, das ganze läuft folgendermaßen. Wir zeigen ihm das Band mit dem kleinen Schmetterling. Dann kriegen wir den Stacheldraht fast umsonst. Die tausende von Stacheldraht liefere ich an die Russen. Die brauchen den für die chinesische Grenze. Dafür bekomme ich von denen zehntausend Drahtscheren. Die gehen nach Kenia. Von den Kenianern kriegen wir Apfelsinen. Die liefern wir nach Polen. Von denen kriegen wir Weihnachtsgänse, die wir hier verscherbeln. Die Kenianer lassen sich von den Chinesen eine Eisenbahnlinie bauen und liefern ihnen dafür die zehntausend russischen Drahtscheren, die die Chinesen ja an der russischen Grenze brauchen, weil wir den Russen doch den Stacheldraht geliefert haben. Wir haben unsere Dollars in der Schweiz und wieder einmal dazu beigetragen, dass das Gleichgewicht der Kräfte auf der Welt erhalten bleibt.
Und ich bin sehr sicher, dass Pohland dachte, damit der internationalen kapitalistischen Korruption eiskalt die Maske vom Gesicht gerissen zu haben…
Weil Monika voll grün und bio ist, trägt sie natürlich eine Latzhose. Sie möchte ihren Vater "mit ein paar Realitäten konfrontieren":
Ein weiterer Info-Dump: Monika ist jetzt daheim ausgezogen und hat eine eigene Wohnung. Außerdem hat sie eine Bäckerei eröffnet, weshalb sie das Geld von Papa (bis dahin offensichtlich gern genommen) nicht mehr braucht. Und schließlich: Papa soll aufhören, Monika mit dem reichen aber schnöseligen Plastik-Charlie verkuppeln zu wollen. Der ist nämlich gar nicht ihr Typ.
Warum sie das ihrem Papa im Bordell von Peters Mama sagt? Weil WDUUSK neben der Reduktion in Sachen Kamera und Schnitt auch bei den Drehorten mitnimmt, was irgendwie geht. Im Grunde genommen hat der Film drei primäre Locations: das "Bordell", die Kleingartenkolonie, und das "Labor". Dort müssen die Figuren zusammen gebracht werden, um möglichst viele Szenen in einem Rutsch drehen zu können. Eine Strategie, die ich von Low Budget-Filmen kenne und dort respektiere, aber dem Vernehmen nach soll WDUUKS ziemlich teuer gewesen sein.
Ich mache es jetzt mal wie bei BO EH… MANNI! und fasse zusammen, was der Film uns unterschlägt, nämlich die angedeutete Geschichte, die hier erzählt werden soll/könnte: Peter kommt nach Berlin, um für eine bessere Welt zu gärtnern. Er gerät dabei mit dem Kapitalisten-Konsul aneinander, der nur an Profit denkt – und verliebt sich ausgerechnet in dessen bockige Tochter, die schon längst dem reichen Sohn eines Kompagnons versprochen ist. Als Peter einen Salat züchtet, der erheblich mehr kann als nur gut schmecken, schalten sich die Alliierten ein und die Sache eskaliert.
Das ist bzw. wäre absolut in Ordnung für diese Sorte locker-flockiger Komödie. Ich werde aber den Verdacht nicht los, dass das nur die Zusammenfassung war, die Pohland auf einer Schreibmaschinenseite rausgehauen hat, um die Förderung zu beantragen. Im Film wird die Handlung regelrecht versteckt, wie wir gleich noch sehen werden. Die Laufzeit wird stattdessen mir allem gefüllt, was den Machern am entsprechenden Drehtag gerade einfiel (siehe Polizisten, Hitler, Bordell, etc.).
Peter ist nicht gerade begeistert, dass seine Mutter nicht mit Schnittblumen, sondern mit Spionage und Prostitution ihr Geld verdient. Er pennt erstmal angemessen auf einer Parkbank unter alten Ausgaben der BILD (Medienkritik!). Eine gutherzige Bordsteinschwalbe beißt kräftig in seine Salami (Metapher!) und bietet ihm spontan einen Platz in ihrer Wohnung ab, was Peter aber ablehnt.
Wir halten fest: Peter ist ein Non-Charakter, ein Mann ohne Eigenschaften. Außer vage "Gutes tun" hat er keinerlei Ziele, keine Motivation. Er artikuliert nur, was er nicht will: er will nichts mit dem Konsul zu tun haben, kein Geld von seiner Mutter nehmen, nicht bei der Prostituierten übernachten.
Die Prostituierte gibt Peter übrigens ihre Telefonnummer, die sie fertig aufgeschrieben auf einem Zettel in der Handtasche mit sich rumträgt. Wie wir alle.
Dieser völlig irrelevanten Szene geschuldet ist Peter nun nicht nur ohne Quartier, sondern auch ohne Lebensmittel, weil die Prostituierte völlig grundlos seinen Rucksack mitnimmt. Zeit, ihm die letzte Kohle abzuknöpfen. Zu diesem Zweck rappelt er auf einer riesigen Wiese mit den Bullen zusammen:
Es gibt kaum etwas, das ich mehr hasse als "lustige" Szenen, die herbei gelogen werden, weil das Skript es halt gerade braucht. Wir sehen ja auch im wirklichen Leben ständig Leute, die auf Wiesen mit Fahrrädern aufeinander krachen.
Die Bullen wollen Peter ein saftiges Bußgeld abknöpfen:
Peter bleibt entspannt und rückt seine letzten Deutschmark raus:
Peter hat nun kein Geld, kein Essen, keine Wohnung – trotz diverser bequemer Angebote. Das soll wohl seinen aufrechten Charakter beweisen. Allerdings hat dieser "aufrechte Charakter" kein Problem damit, in einer Bäckerei zu stehlen.
Mundraub galt unter den Linken ja immer schon als lässliche Sünde. In diesem Fall könnte man aber kritisch einwenden, dass er mit Monika eine bio-dynamische Jungunternehmerin beklaut, die auf der richtigen Seite steht:
Bezeichnend Peters "Rechtfertigung":
Ich wollt’s nicht klauen. Ich wollt’s nur nehmen.
Na, dann ist ja gut.
Über einer geteilten Schrippe brodelt die Chemie zwischen Monika und Peter, als…
… natürlich gerade jetzt der Anzugträger und Cabriofahrer Charlie herein platzt:
Das hier ist sein erster, letzter, und einziger Satz:
Hallo Monika! Alles klar? Du bist heute Abend pünktlich um acht im Yachtklub?
Es ist, wie ich es eben bereits andeutete: WDUUSK behauptet, eine Geschichte zu erzählen, stellt die Figuren dafür vor – und kann sich dann nicht durchringen. Charlie als der Kontrahent von Peter kommt nicht wieder vor, stellt kein Hindernis dar. Die Figur hat keinerlei Funktion. Wieder nur Füller.
Die einzige Sache, die ich hier zu Verteidigung anbringen kann, ist meine Begeisterung dafür, dass Ursela Monn an einem Brausebrocken lutscht:
DA werden Kindheitserinnerungen wach:
Hätte es in den 70ern schon YouTube gegeben, hätte viele junge Frauen Geld damit verdienen können, an Brausebrocken zu lutschen.
Ältestes Klischee der Welt – die Außerirdischen verstehen nicht, was dieses "verlieben" sein soll, obwohl sie als humanoide Wesen es kaum anders handhaben dürften. Wenigstens darf der Senior seiner Untertanin mit dem Sockenfuß im Gesicht herum fuhrwerken – jedem Tierchen sein Pläsierchen (?):
Curd Jürgens nennt seinen Opa (?) übrigens einen "Dreilichtjährigen". Und alle Nerds weltweit so: "erm, ackshually…"
Ist aber schön, dass wir erklärt bekommen, dass sich Peter und Monika verlieben – es zu zeigen, dafür hat der Film leider keine Zeit.
Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass die einfach einen Ausschnitt über die Szenerie des "Raumschiffs" kopieren und es damit gut sein lassen:
Komplett "off topic": Im Schatten der Gedächtniskirche wird man mich im April und im September wieder sehen. Beide Fantasy Filmfest-Veranstaltungen sind gebucht. Gnade wird nicht gegeben.
Auch bei den Lebensumständen von Monika werden alle "Löwenzahn"- und Ökopaxe-Klischees erfüllt: Monika fährt ein altes Motorrad mit Beiwagen und man lebt in einer Laubenkolonie traditionellen Zuschnitts:
Monika bietet dem Ladendieb eine alte Laube zur Restaurierung an. Da hat er gleich einen Garten, in dem er sich seinen Pflanz-Experimenten widmen kann:
Als Gegenleistung muss er Monika helfen, (übrig gebliebene?) Brote unter den Nachbarn zu verteilen. Hat was von einer losen Kommune.
Da sind zum Beispiel die Kinderärztin Gisela und ihr Mann, der Studienrat Manfred. Die sind gerade dabei, eine Petition an den Regierenden Bürgermeister aufzusetzen, weil die Laubenkolonie von Großbauprojekten bedroht ist.
Man erkennt sie nicht wieder, aber das hier ist die Christel von vorhin – und Monika zeigt sich albern eifersüchtig, dass sie und Peter sich bereits kennen.
Dieser ältere Herr züchtet in der Laubenkolonie seine Brieftauben – ob das 1980 von der hoch heiligen Kleingartenverordnung gedeckt war?!
Und dann ist da noch der Senator. Er ist einer von den "guten" Politikern und heißt Peter ganz offiziell in der Kolonie willkommen.
Zu guter letzt: Der Käpt’n, ein Raubein, das für den Zirkus trainiert.
Der außerirdische Seniorchef findet diese Präsentation von Nebenfiguren ungefähr so langweilig wie wir und will stattdessen wissen, wie es dazu kommen konnte, dass das "Salatohr" eine Katastrophe verursacht.
Zuerst meint man, Pohland tue uns einen Gefallen, in dem er die nächsten 20 Sekunden im Zeitraffer ablaufen lässt. Dem ist aber nicht so – hier wird nämlich mit der Sanierung von Laube und Garten mal eben die halbe Handlung des Films übersprungen:
Ihr erinnert euch, dass ich vorausgesagt habe, dass Peter einen Super-Salat züchtet, sich in Monika verliebt, und die Alliierten davon Wind bekommen? Genau das müssen wir uns hier dazu denken, denn nach dem Ende des Zeitraffers ist all das passiert.
Ich kann mal wieder nicht fassen, wie stümperhaft das geschrieben ist. Der tatsächliche Plot passiert im Off, weshalb die 90 Minuten Laufzeit mit Füllmaterial rumgebracht werden. Wie kann jemand wie Pohland, der angetreten ist, um den Deutschen Film zu revolutionieren, schon an den banalsten Hausaufgaben scheitern?!
Das ist sehr frustrierend – nicht zum ersten Mal deshalb, weil man offensichtlich alle Zutaten hat, sich aber fürs Rezept einen Furz interessiert.
Ich bin müde, der Text ist lang, der Kater nölt – wir machen hier einen relativ unspektakulären Schnitt und besprechen den Rest dieser Tage, okay?
Ein Brause-Brocken ist kein Lutschbonbon.
Das Brot ist hart, der Salat welk, also alles wie bei Tante Hildes 85 Geburtstag, wenn die Verwandtschaft über die Schnittchenplatten hergefallen ist und es ans Aufräumen geht. Man erkennt noch, was es mal war, aber genießbar ist das alles nicht mehr.
Genießbar war es oftmals auch schon vorher nicht. Erinner mich mit Grausen an solche Geburtstage. Zum Glück gab es auch die Fesitivitäten bei denen einfach was vom Wienerwald geholt wurde.
Hach, tatsächlich mal ein Filmverbrechen, das ich mal gesehen habe…auch wenn ich mich nicht mehr wirklich dran erinnern kann, muss irgendwann in den späten 80ern im ZDF Kinder-Nachmittagsfernsehen gewesen sein? Ich erinnere mich nur noch dunkel an eine Szene, in der jemand einen Salatkopf in den Tank eines Toyota Celica stopft und dieser dann abgeht wie eine Rakete, mit Zeitraffereffekt! Für versehentliche Spoiler bitte ich um Entschädigung…oder so!
Die Laubenkolonie "Oeynhausen" gibt es immer noch, obwohl sie gefühlt seit Jahrzehnten von Immobilienspekulation und Bauprojekten bedroht ist, bis heute! Die Klientel im Film ist aber untypisch für die Lage der Kolonie im bürgerlich-Wilmersdorfer Witwen-"verseuchten" Schmargendorf…eigentlich eine ganz nette Gegend, für die, die es sich leisten können und auf Torte und Kaffeegedeck (und vielleicht noch ein kleines Likörchen) im Café um die Ecke stehen.
In der Tat, sowohl der Toyota als auch das Schicksal der Laubenkolonie werden im zweiten Teil thematisiert. Respekt für dein Gedächtnis!
Wo ich den Panzer auf dem Cover sehe….ich kann mich dunkel an einen Film mit Panzer in Berlin erinnern, der den dritten Weltkrieg auslöst, dann wird die Zeit zurückgedreht und dann sitzt eine Fliege auf de Feuerknopf des Joysticks und der Soldat weigert sich zu schießen: "da sitzt ne Fliege auf dem Feuerknopf. Und ich kann keiner Fliege was zuleide tun."
Ich fürchte fast, dass ich hier im richtigen Film bin….
Nicht exakt so, aber fast…
Ich bin etwas enttäuscht, dass der ältere Polizist nicht von Wolfgang Gruner gespielt wurde. Den stattdessen mit einem Österreicher zu besetzen, muss wohl "Hals über Kopf" entschieden worden sein.
Trotzdem ein großer Spaß. Grade für mich als Berliner. Freue mich schon auf den zweiten Teil.
Und ich dachte im ersten Moment: "Jö, die Zombie-Katastrophe mit Otto!!!" Aber nein, der heißt ja nur "Kartoffelsalat".
Das muss ja eine ganz eigene Katastrophe sein.
Ich freu mich jedenfalls mal auf den zweiten Teil…
Sehr cool. Ich habe eben mit offenem Mund das Video von Kraan gesehen – das ist wirklich ziemlich schräg, also die äh, Musik