13
Feb. 2026

Streaming-Kritik: THE NIGHT MANAGER II

Themen: Film, TV & Presse |

Großbritannien 2025

Regie: Georgi Banks-Davies

Darsteller: Tom Hiddleston, Olivia Colman, Camila Morrone, Diego Calva u.a.

Story: Neun Jahre, nachdem der ehemalige Nachtmanager Jonathan Pine den Waffenhändler Richard Roper zur Strecke gebracht hat, arbeitet er unter neuem Namen für den britischen Geheimdienst – und stößt erneut auf eine internationale Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise reicht und seine Loyalität, seine Freundschaften, und seine Moral in Frage stellt.

Kritik: Ich habe er vor ein paar Tagen diverse hochkarätige Miniserien gelobt, die mit einem Aufwand und einem Cast komplexe Geschichten erzählen, die vor 10, 15 Jahren noch undenkbar waren. Das Fernsehen hat sich – getrieben vom Streaming – weiter entwickelt, erlaubt Formate, die aus den üblichen Fesseln der Programmplätze und Lauflängen ausbrechen. Es müssen keine 22 Folgen pro Jahr gestemmt werden, bei 43 Minuten ist nicht Schluss, und das Budget wird nicht mehr gegen die Werbespots gegen gerechnet, die dafür verkauft werden müssen.

Die zweite Staffel von THE NIGHT MANAGER, neun Jahre nach der ersten Staffel produziert und angesiedelt, ist ein perfektes Beispiel dafür. Auch wenn es in diesen Jahren keinen Mangel an aufwändigen Miniserien gibt, spielt das hier in einer eigenen Liga. Es ist Fernsehen deluxe. Premium-Content, der eben NICHT versucht, die Mechanismen eines Kino-Blockbusters nachzuahmen, sondern alle Vorteile des seriellen Formats (Laufzeit, Cliffhänger, parallele Plots) perfekt nutzt.

Es ist ja schon faszinierend genug, dass Tim Hiddleston nach neun Jahren endlich mal wieder Zeit für die Rolle hat, die neben Loki im MCU seinen Ruf als ausgezeichneter "leading man" und Charakterdarsteller zementierte. Er schlüpft mühelos wieder in die Haut von "Jonathan Pine", etwas älter, etwas desillusionierter, etwas traumatisierter. Als eine scheinbar zufällige Entdeckung alte Wunden wieder aufreißt, geht er "all in", entschlossen, im Dauerfeuer von Täuschung und Betrug die Oberhand zu behalten.

Kolumbien ist dabei ein erfrischend unverbrauchtes Spielfeld und bringt ein paar neue Charaktere mit, die allesamt nicht nur in die Story, sondern auch in die Biografie von Jonathan Pine passen. Am Ende geht es nicht nur um Waffenschmuggel und politische Unruhen, sondern um Vaterfiguren, um Wahlverwandtschaften, um toxische Beziehungen und Abhängigkeiten.

Das alles ist von Georgi Banks-Davies mit hohem Tempo und einer Atemlosigkeit inszeniert, die jede Folge wie im Flug vergehen lässt. Es hilft, dass THE NIGHT MANAGER II mit sechs Folgen keine Füller braucht, keine elend langen Rückblendungen oder Dopplungen.

Im Gegensatz zu anderen von mir erst kürzlich gelobten Serien ist THE NIGHT MANAGER außerdem weitgehend frei von den abstrusen Zufällen, die eine Handlung am Laufen halten müssen wie Steroide den 400 Meter-Läufer. Klar sind letztlich alle Spionage/Thriller/Verschwörungs-Miniserien bis zu einem gewissen Level exakt auf die benötigten Mechanismen hin konstruiert, aber hier rollt man sehr selten die Augen und murmelt "oh, come on…!".

Die Miniserie zeigt sehr schön, dass es eben doch einen Unterschied zwischen guten Schauspielern und Stars gibt. Zwei, drei Szenen zwischen Pine und seinem Antagonisten sind geradezu eine Masterclass in Sachen unterspielte Spannung. Da sind Profis am Werk, deren schiere Präsenz aus dem Lautsprecher knistert.

Es gibt allerdings einen Haken, der jedoch mit einem saftigen Köder schmackhaft gemacht wird: THE NIGHT MANAGER II endet offen und für den Zuschauer geradezu schmerzhaft. Ich würde das kritisieren, wenn man mit der zweiten Staffel nicht THE NIGHT MANAGER III verbindlich geordert hätte. Die Geschichte von Jonathan Pine (den man mittlerweile Jonathan Pain nennen könnte) geht weiter…

Fazit: Der neue Maßstab für internationale Spionage/Thriller-Miniserien, atemlos über sechs Folgen, mit präzisen Dialogen und komplexen Themen, umgesetzt von der creme de la creme auf allen Ebenen.

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P.S.: Die LvA hält übrigens das Taylor Sheridan-Triple YELLOWSTONE, LANDMAN und MAYOR OF KINGSTOWN für die Leistungsschau des aktuellen Fernsehens.



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jimmy1138
jimmy1138
13. Februar, 2026 10:17

Beim Ansehen von Hiddlestons Filmografie war ich überrascht, wie wenig der in den letzten Jahren eigentlich abseits seiner Loki-Rolle in Kino und TV zu sehen war. "Life of Chuck" im Kino, "Essex Serpent"-Miniserie im TV. Definitiv kein Pedro Pascal und war offensichtlich mehr auf den Theaterbühnen unterwegs.

"Die LvA hält übrigens das Taylor Sheridan-Triple YELLOWSTONE, LANDMAN und MAYOR OF KINGSTOWN für die Leistungsschau des aktuellen Fernsehens."

Der Publikumserfolg gibt Sheridan sicher recht, insbesondere jener von Landman. Für mich persönlich sind seine Serien zu seifenopernartig, gleiten zu oft ins Absurde ab und sind im Messaging zu wenig subtil – etwa wenn einem Tommy Norris den optimalen Ölpreis oder die Nachteile von Windenergie erklärt.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
13. Februar, 2026 12:02
Reply to  jimmy1138

Er hatte aber vermutlich mit seiner Beteiligung an den Avengers Filmen auch bisschen mehr Kohle gemacht als Pedro Pascal am Anfang. Pedro musste sich ja erst hocharbeiten, während Hiddleston recht früh auf Gold gestoßen war (war 30 zu Thor 1 Zeiten).
Pedro hatte seinen Durchbruch zwar mit der Nebenrolle in Game of Thrones (mit 39!), aber wir können vermuten, dass die Rolle jetzt nicht grade Big Bucks waren. Aber das sicherte ihm die Rolle in Narcos, die ihm dann zu seinen echten Durchbruch mit Mandalorian einbrachte. Pedro hatte wohl auch einfach Spaß ordentliche Rollen zu bekommen, da er zwar "überall" war, aber das waren größtenteils auch keine schlechten Produktionen.

Hiddleston hatte vermutlich bereits in 2014, nach 3 Marvelfilmen und paar anderen Rollen mehr Geld als Pascal für den Mandalorian unterschrieb. Und Hiddleston ist auch mehr klassischer Schauspieler mit vielen Rollen im Theater und scheinbar sogar einer kleinen Gesangskarriere.

Dinozeros
Dinozeros
14. Februar, 2026 03:50

Zudem ist er Vater geworden.

dermax
dermax
19. Februar, 2026 12:18

Puh, bin jetzt zwei Folgen durch und seh es deutlich anders. Ja, Hochglanz-Premium-Show, aber halt primär die Hiddleston-Pose-Show.
Inhaltlich warens bisher eine Menge "oh. come on"s für mich. Will nix spoilern, aber wie Pine durch seine bloße Präsenz Zugang zu allem bekommt, unsanktioniert andere gefährdet bzw sogar in den Tod rennen lässt, bestimmt quasi den ganzen Plot.
Aber ich bleib dran.

Edin Basic
Edin Basic
20. Februar, 2026 10:57

WTF.
Zuerst dachte ich das es ein technischer Fehler ist warum die Credits im Vorspann schneller abgespielt werden.
Nach dem Big Twist mitten in der Staffel ist es verständlich.

dermax
dermax
20. Februar, 2026 12:32
Reply to  Torsten Dewi

Ich behaupte jetzt mal, dass ich den Twist schon kenne, ist mir etwas zu offensichtlich. Aber schaumamoi…

Edin Basic
Edin Basic
22. Februar, 2026 11:58

So.Die 2.Staffel ist abgeschlossen und ich hoffe mal das die Tante BBC nicht wieder 9 Jahre braucht für die Fortsetzung.
Was mich interessieren würde.Warum hat die Ausstrahlung auf Prime 8 Folgen und lt IMDB sind es 6 Folgen.
Ist es wieder die übliche BBC-Praxis für die internationale Verwertung kürzere Folgen zu verwenden.
Das macht doch keinen Sinn für den Spannungsaufbau und Struktur der Serie.