Streaming Kritik: FABIAN UND DIE MÖRDERISCHE HOCHZEIT
Themen: Film, TV & Presse, Neues |
Darsteller: Bastian Pastewka, Tamara Romera Ginés, Taneshia Abt, Maxim Bartknecht, Sara Bartknecht, Ercan Durmaz, Barbara Philipp, Bernhard Schütz u.a.
Offizielle Synopsis: Der Hochstapler Fabian befindet sich auf der Flucht. Er gelangt dabei in eine abgelegene Hochzeitsgesellschaft, in der ein wertvolles Hochzeitsgeschenk seine Aufmerksamkeit erregt. Kurz darauf wird eine Leiche gefunden, wodurch Fabian unfreiwillig in einen Mordfall verwickelt wird. Während die Feiernden von der Außenwelt abgeschnitten sind, gerät er zunehmend in das Zentrum der Ereignisse.
Fabian gibt sich daraufhin als verdeckter Ermittler aus und beginnt, die Anwesenden zu beobachten und zu befragen. Im Verlauf der Ereignisse treten widersprüchliche Aussagen, verborgene Beziehungen und persönliche Motive der Hochzeitsgäste zutage. Parallel versucht Fabian, sowohl den Mordfall als auch das Verschwinden der Statue aufzuklären
Kritik: Es ist kein Geheimnis: ich verehre Bastian Pastewka. Ein Gefühl, dass ich üblicherweise nur älteren Herren angedeihen lasse, die ich für Vaterfiguren halte. Pastewka ist fast vier Jahre jünger als ich und ich muss unterstellen, dass er mich wiederum nicht verehrt. Aber das ist okay.
Meine Begeisterung für Pastewka rührt prima daher, dass er souverän genau das Leben führt, das ich gerne führen würde (von der LvA mal abgesehen). Er ist ein beinharter Nerd (Edgar Wallace, Drei ???), moderiert Gala-Shows und Filmmusik-Konzerte, gibt den Klugscheißer in Retro-Sendungen, überzeugt als Schauspieler und als Komiker – und hat gerade wieder eine neue Staffel KEIN MUCKS! gestartet, diesmal primär mit Hörspielen nach Agatha Christie.
Und das alles, ohne sich zu verbiegen oder ohne eine gelackte "persona" zu präsentieren – man glaubt sofort, dass Pastewka drin ist, wo Pastewka drauf steht. Anders als bei Harald Schmidt oder Thomas Gottschalk glaube ich Pastewka als authentischen Menschen, als talentierten Normalo.
Me want!
Es passt zur neuen Staffel von KEIN MUCKS!, dass Pastewka nach dem Erfolg von PERFEKT VERPASST! (zweite Staffel wird gerade gedreht) und der Absage einer Streaming-Fortsetzung von DER WIXXER nun auch als "leading man" eine Reihe von TV-Filmen für Amazon starten möchte. Er ist nicht mehr der "romantic interest", der "bumbling sidekick" – Pastewka ist ein Star. Und ich habe selten einen so "un-starigen" Star gesehen, was ich unfassbar erfrischend finde.
Dass Pastewka als erklärter Wallace- und Christie-Fan ein Whodunit in einem klassischen Krimi-Setting wählt, überrascht nicht. Eine Gesellschaft korrupter Gestalten, eine Leiche, ein Ermittler – das sind die Standards, mit denen er arbeitet, die er aber gleichzeitig sanft parodiert. Sein Fabian ist eben kein überlegener, rein von außen die Szenerie sezierender Kommissar jenseits von Fehl und Tadel – er ist ein Hochstapler, der lediglich den Glauben an die Autorität der Polizei nutzt, um sich aus der Bredouille zu schauspielern. Das ist eine schöne Meta-Ebene, die Pastewka besser bedient, als man meinen sollte – er gönnt Fabian immer Momente, in denen er sich unbeobachtet fühlt, in denen die Maske fällt. Dann ist plötzlich genervt, überfordert, wütend. Es vermenschlicht den Charakter.
Aber leider lässt das Drehbuch die Hauptfigur oft im Stich. Als sanfte Komödie angelegt, wird zwar das typische Wallace/Christie-Konstrukt präsentiert, dann aber nicht ausreichend entlarvt oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Vielleicht liegt es an Pastewkas Liebe zu den Originalen, aber FABIAN gewinnt kaum Energie aus ihrer Absurdität, er kopiert sie lediglich. Schaut man sich z.B. DAS INDISCHE TUCH an, dann ist das Geschehen dort nicht weniger bescheuert – FABIAN kann lediglich ein ironisches Augenzwinkern hinzufügen. Wird es dadurch schon witzig?
Es hilft auch nicht, dass die gesammelten vier Autoren (zu denen Pastewka nicht gehört) kein Gramm vom Pfund mitbringen, mit dem Agatha Christie wuchern konnte. Abgesehen von den offensichtlichen Christie-Elementen ist die Geschichte hanebüchen, die Indizien schwach, und die Auflösung primär von Erkenntnissen abhängig, die dem Zuschauer vorenthalten wurden. Als Krimi funktioniert da nix.
So amüsiert man sich auch angesichts der überschaubaren Laufzeit, schmunzelt ein wenig über einzelne Dialogzeilen oder wiedererkannte Klischees aus der Krimi-Mottenkiste – und zum Nachspann zuckt man mit den Schultern. Keine verschwendete Lebenszeit, aber auch kein Gewinn für das deutsche Kino.
Relativ unbeschadet bleiben vor allem Bastian Pastewka und dessen Figur Fabian – offensichtlich soll hier eine Franchise gebaut werden und mir ist das mehr als recht. Der Hochstapler, der alle Tricksereien durchschaut und primär darauf aus ist, selber Kasse zu machen, hat durchaus das Potenzial für mehrere Abenteuer – und Pastewka das Charisma, ihn zu spielen. Es hilft, dass Pastewka sich den Platz im Rampenlicht nicht von seinen erwartbaren Komplizen streitig machen lässt. Nach der Ankündigung hatte ich befürchtet, die Besetzungliste würde sich so lesen: Oliver Kalkofe, Christoph Maria Herbst, Anke Engelke, Caroline Kebekus, Olli Dittrich, etc. Die üblichen Verdächtigen halt – in jeder Beziehung.
Also: Fortsetzung gerne. Aber die künftigen Skripts müssen sich entscheiden, ob sie nur von Hommage und Retro-Charme leben wollen – oder ob sie etwas zu sagen haben, das auch außerhalb der durchgekauten Klischees funktioniert.
Habe ich eingangs erwähnt, dass FABIAN sich an den Wallace/Christie-Klassikern entlang hangelt, kann man dennoch unterstellen, dass der Erfolg der KNIVES OUT-Filme Pate stand. "So was in deutsch!" dürften sich viele der Beteiligten erhofft haben. Dazu fehlt aber dann doch noch das letzte Quentchen Inspiration.
Fazit: Ein unterhaltsamer, aber letztlich etwas holperiger Versuch, auf den KNIVES OUT-Zug der Agatha Christie-Mutationen aufzuspringen, der mehr von Pastewkas ungelenkem Charme lebt als einem Drehbuch, das ausreichend Klischees aufbaut, ohne sie ausreichend zu demontieren.
" Abgesehen von den offensichtlichen Christie-Elementen ist die Geschichte hanebüchen, die Indizien schwach, und die Auflösung primär von Erkenntnissen abhängig, die dem Zuschauer vorenthalten wurden. Als Krimi funktioniert da nix."
So in etwa hätte ich auch den zweiten Knives-Out-Film beschrieben.
Bei einem Whodunit muß man als Zuschauer denselben Informationsstand wie der Detektiv haben. Der Reiz des Genres liegt darin, mitraten zu können.
Für diese Form von Whodunit ist das richtig, ja.
Ich habe deine Posts lange mit Pastewka-Stimme gelesen. Na gut, Pastewka mit ein bisschen Rotweiler drin, manchmal.
Ich fand den Anfang, in dem Fabian seinen Betrug durchzieht, auch launiger als das ganze Whodunnit danach. Einen Mix aus "Mission Impossible", "Ihr Auftritt, Al Mundy" (kennt das noch jemand?) und "Hustle" mit Pastewka wäre eine feine Sache. Die Ausrüstung mit Masken, technischen Gadgets und falschen Ausweisen hatte er ja in seinem Köfferchen schon mit dabei. So eine Art gewaltloser "Hexer", um Edgar Wallace zu bemühen. Zumal das Whodunnit wirklich nicht das gelbe vom Ei war, wie oben erwähnt, es werden am Ende Infos nachgereicht und zur Auflösung wirklich ein altes Klischee des Genres bemüht. Und in der Riege der Verdächtigen kann man den Täter recht schnell erraten, ich war selbst überrascht, dass ich mit meinem Tipp richtig lag.