19
Feb. 2026

Die KI-Lawine rollt:
The Good, The Bad, and The Ugly

Themen: Film, TV & Presse, Künstliche Intelligenz, Neues |

Ich sammle auf meiner Festplatte Materialien über Themen, aus denen ich Beiträge stricken will. Manchmal gerät das aber außer Kontrolle und es gibt zu viele Einzelaspekte und Entwicklungen, als dass ich sie homogen in ein überschaubares Narrativ pressen könnte.

So hat die KI uns in den letzten Wochen mal wieder nicht nur überholt, sondern lachend ein paar Ehrenrunden um uns gedreht, während wir japsend am digitalen Straßenrand stehen. Ich beleuchte und kommentiere mal fix ein paar Sachen, die mir aufgefallen sind.

Der dicke Hammer ist sicher dieser "Trailer" für den KI-Blockbuster APEX:

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Wer jetzt sagt "das sieht immer noch nicht 100 Prozent aus", dem sage ich:

FUCK YOU!

Nach Hollywood-Maßstäben sind das sechs Monate Arbeit, 300 Jobs, und mindestens 200 Millionen Dollar Budget bei der Arbeit. Die Dor-Brothers haben das in ein paar Tagen gerockt.

Hollywood wird das nicht bekämpfen, Hollywood wird das assimilieren. Die Arbeitsplätze werden verloren gehen, aber die Studios haben weiterhin Content, den sie in die Streams pumpen können.

Und die Darsteller? Werden ihre Körper scannen und verkaufen. Dann wird man Charlize Theron anbieten, ihren Avatar für zwei Millionen Dollar mit der Hauptfigur in diesem Clip zu tauschen, ohne dass sie einen Finger rühren muss.

Zwei Millionen für "nicht arbeiten" sind besser als null Millionen für "arbeitslos".


Ich weiß nicht, was ich am AI-slop mehr hasse – die Tatsache, dass er zunehmend Facebook und YouTube zumüllt, oder die Tatsache, dass ich mitunter selber drauf reinfalle und es anklicke.

Ich sage es ungern, aber ich habe kurze Videos über Pranks und Gerichtsverfahren gesehen, bei denen mir erst nach ein paar Minuten klar wurde, dass das zwar echt aussah, aber nicht echt sein konnte. Und das ist ja der Trick: man wird mit "das ist unglaublich!" geködert, bis man merkt "das ist unglaubwürdig!".

Nun ist es eine Sache, wenn KI-Accounts von wissenschaftlichen Durchbrüchen faseln, die auf komplett überzogen interpretierten Meldungen basieren und mit Illustrationen versehen sind, die keinerlei Bezug zur ursprünglichen Nachricht mehr haben:

Schon einen Tacken krasser finde ich es, wenn die Macher so schlampig arbeiten, dass sie z.B. den Prompt im Beitrag eines KI-generierten Videos übrig lassen:

Oder wenn man nicht mal drauf achtet, ob die KI den Verstand verloren hat:

Nun wird ja nicht nur der Content von der KI hergestellt, die KI übernimmt auch gleich noch den Vertrieb und das Marketing seiner selbst. Mit entsprechenden Tools kann man an einem Nachmittag einen kompletten Kanal erstellen und im Stundentakt befüllen, ohne danach noch einen Finger rühren zu müssen. Selbst die grundlegende Idee für den Kanal kann man sich von der KI vorschlagen lassen.

Das KANN manchmal zu schrägen, aber nicht unwitzigen Ergebnissen führen:

Meistens sind es aber nur Marktschreier, die mit den immer gleichen Formeln und visuellen Triggern ihr Publikum ins Leere laufen lassen – gerne auch, in dem sie Panik, Angst und Hysterie verbreiten:

Durchaus manchmal lesenswert sind Beiträge, die von KI zwar verfasst wurden, aber auf seriösen Quellen basieren. So gibt es Facebook-Accounts, die Geschichten aus dem alten Hollywood nochmal neu zusammenfassen. Störend ist dabei nur, dass aus Lizenzgründen Bilder verwendet werden, die ebenfalls von der KI stammen und mit den alten Stars nur vage Ähnlichkeit haben:

Und nein, die Ki war garantiert nicht angewiesen worden, Temu Bara hier seltsam falsch platzierte Brustwarzen anzupinseln.


Ganz besonders saftig wird es natürlich, wenn die KI-Schleudern sich kontroverse Themen suchen, die super leichte Klicks versprechen.

Mittlerweile akzeptiere ich zähneknirschend, dass nicht nur die Star Trek-Fans leicht zu triggern sind, sondern auch die Star Trek-Gegner. Beide werden mit Kanälen geködert, die von Betrug, Beleidigung und Backlash hinter den Kulissen plärren, natürlich substanzfrei:

Natürlich haben diese Dreckschleudern meistens dezente Disclaimer:

Ist ja alles nur Spaß. Muss man nicht ernst nehmen. Auch wenn tausende Kommentatoren es eben doch tun. Mission accomplished.

Wer jetzt glaubt, so etwas gäbe es nur im depperten Amerika-Land, den muss ich enttäuschen – hierzulande sind nur die Zielscheiben andere. So habe ich diverse Kanäle ausgemacht, die nach dem immer gleichen Prinzip angebliche Fehden zwischen den deutschen Show-Stars erfinden:

Es ist widerlich, in der Tat.

Ich würde gerne auf den Tisch hauen und Verbote verlangen oder wenigstens eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. Aber das grundsätzliche Problem… sind wir alle. Auch KI funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Würde niemand diese Kanäle anklicken, würde niemand an ihnen verdienen. Mittelfristig würden sie vermodern, weil auch wenig Aufwand zu viel ist für keinen Ertrag.

Schaut man sich allerdings die Kommentarspalten dieser Kanäle und Facebook-Beiträge an, dann stellt man zwei Dinge von eskalierender Bedenklichkeit fest:

  1. Die Menschen kommentieren die KI-Beiträge mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie "echte" Beiträge diskutieren.
  2. Selbst wenn der KI-Ursprung offensichtlich und explizit ist, tut das dem Diskurs keinen Abbruch – es schert schlicht niemanden, ob es echt ist.

Wir lernen daraus: KI funktioniert nach den gleichen Mechanismen wie vor 5 Jahren Fake News und vor 20 Jahren die Klatschpresse – solange man die Emotionen der Menschen triggert, sie entweder empört oder ihren confirmation bias bedient, ist der Wahrheitsgehalt der Meldung zweitrangig bis irrelevant.

Und DA sehe ich den Haken, die Crux: Der kritische Konsument, der KI skeptisch sieht, steht einer gigantischen Masse an Klickvieh gegenüber, dem das schlicht egal ist, solange es tumb Zeit vertreibt. Welcome to the idiocracy.


Tatsächlich ein eigenes Thema werden beizeiten nochmal die Umtriebe der KI in der Literaturbranche sein – denn auch hier gilt, dass die KI sich nicht wegen ihrer Brillanz oder Unvermeidlichkeit durchsetzt, sondern weil Produzenten und Konsumenten mangelndes Interesse zeigen, überhaupt ein Problem zu sehen.

Als Appetitanreger nur – hütet euch vor seltsam generischen Autoren ohne Gesicht und mit Biographien voller billiger Klischees, die in wenigen Wochen gleich mehrere Roman-Reihen von beträchtlichem Umfang produzieren können:

Es hat sich in den letzten Jahren ja die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Dummheit aufgehört hat, sich zu schämen. Das gilt auch im Bereich der KI-Literaten, die sich mit der Hand in der Keksdose erwischen lassen, dann aber empört jede Schuld von sich weisen. Ich weiß, es klingt albern, aber bei nicht wenigen der KI-Schmöker vergessen die "Autoren" sogar, die ChatGPT-Promps vollständig zu streichen:

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Ich warte auf die Singularität der Literatur-Branche: KI schreibt Bücher, KI vermarktet Bücher, KI liest Bücher, KI rezensiert Bücher. Endlich ein System, das keine Menschen mehr braucht. Aber wer bezahlt das alles?


Ich möchte aber nicht nur negative Hysterie in die Welt blasen. Tatsächlich muss sich jeder Mensch fragen, ob und wie er KI positiv und produktiv in sein Leben einbinden kann/will. In meinem Fall gibt es gleich mehrere Anwendungen, die ich zufrieden und ausgiebig nutze.

So hatte ich schon mal Popclip erwähnt, ein grandioses Tool für den Mac, das bei jedwedem markierten Text ein Popup öffnet und viele Möglichkeiten anbietet, mit dem Text zu arbeiten: kopieren, bei Google nachschlagen, umformatieren, übersetzen, etc. Der besondere Knaller ist, dass man Popclip mit über 100 "extensions" exakt so anpassen kann, wie man es braucht:

Das hilft mir jeden Tag, jede Stunde. Es gab nur ein Problem: gerade für das Verfassen meiner Blogeinträge könnte ich eine Extension brauchen, die einen Textblock als Zitat einrückt, um nicht immer nach oben scrollen zu müssen (Keyboard-Shortcuts sind nicht so meins). Also habe ich erst ChatGPT gefragt, dann Gemini, und am Ende hatte mir die KI eine Extension programmiert, die exakt nach meinen Wünschen funktioniert.

Wen so etwas interessiert, der sollte sich mal mit dem Thema "vibe coding" auseinander setzen – programmieren ohne Programmierkenntnisse im Dialog mit der KI, die das "heavy lifting" übernimmt.


Zum bereits erwähnten KI-Schmodder, der mir die Startseite von YouTube zumüllt, gehören auch jede Menge Storys/Reels, in denen KI-generierte Popsternchen irgendwelche ollen Kamellen singen, oft im Setting einer Casting-Show. Von Ace of Base' "It’s a beautiful life" gibt es Dutzende verschiedener Varianten:

Was zur Hölle soll das?!

Ich verstehe es nicht, aber es wird offensichtlich geklickt wie blöde. Das heißt aber nicht, dass KI-generierte Musik grundsätzlich schlecht ist – es sei denn man, lehnt sie aus ebenso grundlegenden Bedenken ab. Für unseren Haushalt kann ich konstatieren, dass wir zu bestimmten Anlässen ganz gerne Musik aus der Retorte laufen lassen: beim Abendessen, wenn wir Gäste haben, auf Autofahrten.

Wir sind damit nicht allein: diverse Privatradios gehen dazu über, (vorerst nur) in den Nachtstunden KI-generierte Musik auszustrahlen.

Wie sehr sich die Ansprüche verlagern, kann man gut daran erkennen, dass ich auf viele dieser Kanäle primär über die gefällige Artwork gestoßen bin. So erkennt man Cine Mood an den Vorschaubildern, die an Pulp-Romane der 60er erinnern:

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Einen ebenfalls augenblicklich wiedererkennbaren Stil hat dieser Kanal – das Motiv werde ich mir vermutlich als Skin für mein Macbook drucken lassen:

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Wer es nicht nur instrumental mag, der kann sich hier mit leichter Salon-Musik im Stil der 40er berieseln lassen:

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Etwas mehr Blues und Jazz? Aber sicher doch:

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Keine Musik fürs konzentrierte Hören, nicht erinnerlich oder aufregend, aber der perfekte entspannte Hintergrund.


Und schließlich: Ich habe vor ein paar Wochen berichtet, dass ich alte Familienfotos mit einer Kombination aus Topaz Photo Pro und ChatGPT go restauriere. Mittlerweile experimentiere ich in dem Kontext auch mit der "image to video"-Generierung. Dabei gebe ich z.B. Gemini oder ChatGPT vor, was die Personen auf dem Foto machen sollen (zuprosten, tanzen, lachen).

Dabei muss ich ganz klar sagen: es ist eine Grauzone. Die KI kann deine verstorbene Oma ebenso wenig wieder lebendig machen wie deine verstorbene Katze. Als jemand, der die Personen persönlich kennt, wirst du nie vollends getäuscht werden. Aber darum geht es auch gar nicht: es geht um einen emotionalen Mehrwert.

So habe ich nur zwei Bilder von meiner Mutter und ihrer Mutter – meiner Oma, die bereits Mitte der 70er Jahre verstorben ist. Das eine Bild ist das Foto meiner Einschulung, das andere ist dieses hier:

Das ist schon eingescannt und mit Photoshop bearbeitet. Viel mehr war mit klassischen Mitteln und meinen Kenntnissen kaum raus zu holen. ChatGPT konnte es aber auf ein ganz neues Level heben:

Warum ich daraus ein Video machen wollte? Weil meine Mutter und meine Oma sich auf dem Bild nicht anschauen. Ich war gerade mal 6, als Oma starb, und ich kann mich an keine Nähe zwischen ihr und ihrer Tochter erinnern, auch wenn meine Mutter mir immer versichert hat, dass es diese Nähe gab.

Seit 2022 ist auch meine Mutter verstorben – dank KI habe ich nun dieses kurze Video von den beiden Frauen, wie ich sie nie gesehen habe:

Ja, es ist nicht echt. Aber es ist ein echtes Erinnerungsstück für mich.

Oder reden wir über meine Oma väterlicherseits, auf deren Bauernhof ich die glücklichsten Tage meiner Kindheit verbracht habe.

Oma Mangliers (Name aus zweiter Ehe) war eine hart arbeitende, vom Leben nicht verwöhnte Frau. Aber sie war auch die perfekte Oma und ich habe mich bei niemandem so aufgehoben gefühlt wie bei ihr.

Leider hat sie auf allen Fotos immer sehr ernst geschaut. Eine Ausnahme: Das Bild mit Flori, ihrem Erpel. Den hat sie mindestens so geliebt wie mich:

Auch dieses Bild ist erst dank KI wieder so klar und scharf geworden. Ich habe es ChatGPT eingespeist, um ihm Leben einzuhauchen:

Nein, exakt so wie hier am Schluss hat meine Oma nicht ausgesehen. Aber sie lächelt mich an. Das habe ich sehr vermisst.

Denkt, was ihr wollt, aber diese Videos helfen mir. Sie funktionieren.


Ihr seht: KI ist – wie alle Werkzeuge vom Kugelschreiber bis zum Panzer – nicht gut oder schlecht. Um es mit Eric Clapton zu sagen: it’s in the way that you use it. Mag die Welt auch gerade mit KI-Rotz überschüttet werden, hat jeder von uns die Möglichkeit, eigene Grenzen zu ziehen – und eigene Experimente anzustellen.

Darüber hinaus: Einen "use case" der KI habe ich bewusst ausgeklammert, weil auch er einen eigenen kleineren Beitrag wert ist. Ihr werdet überrascht sein…

Ich nehme an, ihr habe eigene Meinungen dazu? Andere Beispiele?



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Sergej
Sergej
19. Februar, 2026 08:41

Theda Bara gab es mit Sicherheit nicht bei Temu.

Marcus
Marcus
19. Februar, 2026 09:04
Reply to  Torsten Dewi

Ich hab den Witz überlesen. 😅

Stephan
Stephan
19. Februar, 2026 09:46

Optisch wenig spektakulär, aber für mich durchaus beeindruckend (und auch schon wieder über ein Jahr her):

Im privaten Umfeld gab es eine Auseinandersetzung mit einer Haftpflichtversicherung, die Übernahme eines Schadens wurde mit juristisch hanebüchener Begründung verweigert. Nun bin ich zwar Anwalt, aber habe erstens wenig Zeit und bin zweitens auch tendenziell ein fauler Hund. Also habe ich das Schreiben spaßeshalber bei ChatGPT hochgeladen und um eine Replik gebeten.

Das Ergebnis war beeindruckend, gerade aus Laienperspektive hätte man das genauso versenden können. Der Berufsehre geschuldet habe ich stilistisch noch etwas geschraubt und zwei Kommentarstellen eingefügt. Aber zwingend wäre das nicht gewesen.

Das war juristisch kein komplexer Fall, die Versicherung hatte es einfach mal probiert. Aber man kann hier durchaus den Aspekt herausheben, dass sie damit in einem nicht geringen Anteil an Fällen Erfolg haben dürften. Und einen Anwalt hat auch nicht jeder in der Familie. Hier hilft KI durchaus Wissens- und Machtassymetrien zu nivellieren.

Stephan
Stephan
19. Februar, 2026 10:16
Reply to  Torsten Dewi

Ich hatte überlegt diesen Aspekt auch gleich anzusprechen, aber es ging mir oben tatsächlich eher um das Positive.

Was Du sagst betrifft auch meine tägliche Arbeit. Im echten Leben besteht meine juristische Tätigkeit zu einem großen Teil in der Analyse oder dem Verfassen komplexer Vertragswerke. Gerade bei der Analyse (Aufteilen in Themenblöcke, Herstellen von Querverweisen und Einflüssen, Bewertung der Klauseln aus Mandantensicht) ist die KI ein mehr als mächtiges Werkzeug – oder anders gesagt: Wofür ein Junior 30h braucht und ich vielleicht 20h arbeitet die KI in Minuten (der Anwendung sind hier eher rechtliche als technische Grenzen gesetzt).
Aber (und das ist das entscheidende Aber): Das ganze muss geprüft und nachanalysiert werden (der Anwalt haftet ja trotzdem dafür). Und die KI macht oft kleine Fehler und – gar nicht selten – verfasst sie auch grandiosen Bockmist.

Und hier kommt Dein Punkt ins Spiel: Ich mache das lange genug, um das zu erkennen – eben weil ich es so lange händisch gemacht habe. Aber was mache ich jetzt mit einem Junior frisch von der Uni? Der mag die besten Noten haben, aber das kann man nur in der Praxis lernen. Die Lösung ist jetzt erstmal, die Jungen zu zwingen das weiterhin selbst zu machen – sonst gibt es in zehn Jahren eine Generation von KI-hörigen Analphabeten.

Man kann das natürlich auf alle möglichen Tätigkeiten und Branche erweitern. Im Endeffekt wird es wohl – zumindest denke ich das derzeit – darauf hinauslaufen, dass es zumindest in kritischen Bereichen weiterhin hochspezialisierte Experten geben wird, die einerseits KI-Ergebnisse prüfen, andererseits die KI verbessern (um sich selbst am Ende ersetzbar zu machen?). Aber den bloßen Sachbearbeiter – den werden wir nicht mehr lange sehen.

Spannende Zeiten sind das…

S-Man
S-Man
19. Februar, 2026 14:26
Reply to  Stephan

Und genau das fällt mir beim Thema VibeCoding ein, das der Hausherr auch angeteasert hat. Da kommt aber so oft, so viel Mist bei raus, der vielleicht oberflächlich sinnhaft erscheinen mag, bei tiefergehendem Wissen aber oft Mumpitz ist. Als Programmierer mit jahrzehntelangem Erfahrungsschatz fällt mir so etwas auf und oft genug schaue ich auf VibeCode und schüttle nur den Kopf. Hier kommt genau das zum Tragen, was du sagst: Man sollte immer erstmal lernen, die Basics auf althergebrachte Weise selbst zu machen. Nur so kann man lernen, effektiv und effizient Code zu schreiben, man rennt selbst in die einzelnen Stolpersteine, die man eben dann auch in Fremd- oder eben VibeCode erkennen kann. Liefert man hingegen Code ab, von dem man eigentlich keine Ahnung hat, produziert man einem Senior eher mehr Arbeit durch Debugging als ihm oder sich selbst zu nutzen. Auch den Einsatz von noch so tollen Werkzeugen muss man erst lernen und zu schätzen wissen.

Maximilian Frömter
Maximilian Frömter
19. Februar, 2026 10:04

Falls Du es noch nicht kanntest:
https://www.youtube.com/@DDRMondbasis

Das ist für mich die beste Anwendung von KI überhaupt. Da stimmt einfach alles und die Videos zaubern mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.

Jörg Krömer
19. Februar, 2026 18:10

Ich habe mir jetzt bereits einige Videos von chinesischen Robotern angesehen und was die angeblich alles können. Da frage ich mich, wer das als Realität wahrnimmt oder ob die Zweifler noch in der Mehrheit sind. Wird man in Zukunft einfach bedingungslos alles glauben oder alles bezweifeln? Wer sich gar nicht mit der Materie beschäftigt, der wird sicher leichter zu beeinflussen sein. Diese Hund-rettet-Baby-aus-brennendem-Auto-Videos scheinen sehr beliebt zu sein.

Feivel
Feivel
19. Februar, 2026 19:09

Um mal eine gefühlt noch ganz anderes Szenario beizusteuern: Ich verwalte die Mailing-Liste eines mittelgroßen amerikanischen Sportvereins (ca 1200 Mitglieder). Über die Liste können sich auch neue Mitglieder vorstellen. Das hat eine Frau gemacht. Sie hat sich bedankt für die Aufnahme, hat dabei Strukturen des Vereins referenziert und Fragen gestellt, die durchaus relevant für neue Mitglieder sind. Ich habe sie also für die Mailingliste freigeschaltet – und zwei Tage später ging dann der Spam los. Immer noch aus der Perspektive eines neuen Mitglieds, das gerade in die Stadt gezogen ist, aber mit viel Werbung für allerlei Schrott. Auf Emails hat "sie" nie reagiert.
Ich gehe mittlerweile davon aus, dass sowohl die erste Email als auch alles danach AI-generiert war. So im Nachhinein sieht man es (Satzstruktur, generische Beschreibungen). Beim ersten schnellen Drüberlesen erschien es aber alles plausibel.

Feivel
Feivel
19. Februar, 2026 19:11
Reply to  Feivel

(Jaja, das betrifft jetzt nicht AI als Werkzeug für das Gute und ist damit etwas am Thema vorbei. Aber bis der Herr Dewi einen "AI will ruin us all"-Beitrag schreibt, haben die AI overlords schon längst übernommen und lassen dann vielleicht meine Anekdote nicht mehr zu..!)

Last edited 17 Tage zuvor by Feivel
McCluskey
McCluskey
19. Februar, 2026 19:27

Noch ein anderer Aspekt, gerade was deine Beobachtungen zu den Reaktionen auf KI-Inhalte angeht:

Facebook weiß natürlich, dass ich Single bin. Daher werden mir auch diverse öffentliche Single-Gruppen angezeigt. Dort wimmelt es von Postings mit Frauenbildern, denen die KI-Generierung quasi aus dem Gesicht springt. Das wäre ja maximal nur lästig, wenn die Herren in der Kommentarspalte ihre – sicherlich nicht selten aus Einsamkeit und Verzweiflung gespeiste – Verblendung nicht so ausbreiten würden. Da wimmelt es von Herzchen-, Blumen- und Küsschen-Emojis sowie "Wow, so wunderschön!" und "Bitte schreib mir eine PN!"-Beiträgen. Ehrlich gesagt, wundert mich der "Erfolg" der internationalen Lovescamming-Industrie nicht mehr und ich ertappe mich dabei, gehässige Gedanken á la "Dann lasst euch doch abzocken, Blödheit muss eben bestraft werden!" zu haben…

Last edited 17 Tage zuvor by McCluskey
Feivel
Feivel
20. Februar, 2026 19:56
Reply to  McCluskey

Ich finde sowas immer sehr augenöffnend dahingehend, dass ein gewisser Anteil an Männern schlicht Lustmolche sind – bzw es nicht so gut unter der zivilisatorischen Decke verstecken kann wie er Rest. Denken die wirklich, eine echte Frau würde in ovulatorischer Ekstase ausbrechen wenn Dieter, 45, adiposes Selfie von unten mit Blick aufs Nasenhaar schreibt: "Wow, so wunderschön! PN??"

Ist vielleicht für alle besser, wenn die sich an einer KI ihre Hörner abstoßen als an echten Frauen..

Serienfan
Serienfan
20. Februar, 2026 10:37

Was bei K.I. immer vergessen wird: Sie wertet bestehende Daten aus, ist also immer rückwärts gerichtet. Und es wird nicht mehr lange dauern, da wird K.I. zu einem immer größeren Umfang ihre eigenen K.I.-Daten auswerten.

Mag sein, dass das keinen Unterschied macht. Dass es sich gar nicht so sehr von dem unterscheidet, was kreative Leute tun: Das bekannte neu verwursten und vielleicht noch ein paar neue Ideen einbauen.

CGI hat für mich aber schon längst jegliche Kino-Magie zerstört. Es beeindruckt mich nichts mehr, selbst wenn da noch so viele Arbeitsstunden von CGI-Mitarbeitern dahinterstecken. Da kann K.I. auch nicht mehr viel zerstören. Kürzlich sah ich den Film "Flammendes Inferno" in meinem Heimkino, und ich war nicht nur erstaunt, wie gut der Film gealtert ist, sondern auch, wie sehr mich die darin gezeigten Effekte und der sichtliche Aufwand mitgerissen und beeindruckt haben.

Was das moderne CGI- und K.I.-Kino angeht, begebe ich mich lieber auf eine Digital-Diät und halte mich an alte Klassiker.

Marko
20. Februar, 2026 12:50
Reply to  Serienfan

Kann ich nicht nachvollziehen. "Flammendes Inferno" ist ein guter Film, genau wie "Der weiße Hai" oder ähnliche Blockbuster von damals, aber das wertet gut gemachte CGI-Filme doch nicht ab. "Avengers: Endgame" ist vollgestopft mit CGI und ein toller Film, ob nun trotzdem oder deswegen.

Zudem unterscheide ich, wie ein Film auf mich wirkt und wie ein Film aus, sagen wir, handwerklich objektiverer Sicht gemacht ist. Ich kann mich für Schrott begeistern, wenn er mich abholt, genau so wie mich Qualität langweilen kann, wenn sie mich nicht abholt. Und ja, damit schließe ich nicht aus, dass auch KI-Filme mich mal begeistern werden können.

Nummer Neun
20. Februar, 2026 13:35
Reply to  Marko

Wo ziehst du denn die Grenze zwischen CGI Effekten und KI? Je nach dem, wie KI eingesetzt wird, ist es ja auch "nur" ein Werkzeug. Vielleicht ist es ein Akku-Schrauber im Vergleich zum Schraubenzieher, aber trotzdem ein Tool.

Als Beispiel das APEX-Video, zu dem Torsten schreibt: "Die Dor-Brothers haben das in ein paar Tagen gerockt." Ein paar Tage klingen nicht danach, als hätten sie schnell einen Prompt eingegeben, sondern den Prozess schon noch in kreativer Weise gesteuert, um ihre Vision umzusetzen.

Vor ein paar Tagen habe ich eine "Terra X" Dokumentation gesehen, in der einzelne Szenen als KI-Generiert markiert waren. Aus dem Kontext heraus war klar, dass es keine Originalaufnahmen waren. Wo liegt der Unterschied für den User zwischen dem Hinweis KI-Generiert und nachgestellte Szenen?

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
25. Februar, 2026 13:28
Reply to  Nummer Neun

Aktuell finde ich die ganzen KI Szenen aber echt noch schlimmer als die Aufnahmen, die sie vorher mit echten Schauspielern erstellt hatten. Die KI Szenen wirken noch so viel künstlicher, aber dann doch zu homogen. Die Schauspielszenen waren dagegen so anders, dass sie dadurch eine klare Abstraktion bildeten. Beides ist erfunden und ich kann voll verstehen, wieso Leute beides nicht mögen – ich habe mich aber mit dem Schauspiel für seichte Geschichtsunterhaltung angefreundet.