Missing the Basterd
Themen: Neues |Morgen beginnen die Fantasy Filmfest White Nights 2026 – zehn Filme, die ich mir mit dem Frankster geben werden. Geteiltes Leid ist halbes Leid und "whoa!" murmelt sich in Gesellschaft auch besser.
Dabei musste ich zwangsläufig daran denken, dass ich vor 2020 meistens mit dem ollen Doc Acula auf den Festivals war – was er mir dadurch versaut hat, dass er mit gerade mal 49 Jahren tot auf dem Sofa umgekippt ist. Dick move, man.
Es ist schwer, genau zu sagen, was eine Freundschaft "special" macht, zumal der Doc und ich ja nicht aneinander geklebt haben wie siamesische Zwillinge. Das hätte ich mir auch verbeten, denn der B-Movie-Meister stank nach Zigaretten und billigem Döner. Ein Mann mit ganz eigener "Aura".
Wahrscheinlich war es die unglaublich entspannte Art, in der ich mit ihm über alles und jeden quatschen konnte. Obwohl er aussah wie ein Yeti, war Doc breit gebildet und eloquent. Seine zugerotzten Nasenscheidewände machten es nicht immer einfach, ihn zu verstehen – aber es lohnte sich.
Es gab auch nie Streit zwischen uns. Wenn er wirklich mal anderer Meinung (also falscher) war als ich, dann setzte er schlimmstenfalls mit einem gedehnten "najaaa…" zur Gegenrede an. Kam aber sowieso nicht oft vor.
Es mag schwer vorstellbar und auch irgendwie unangemessen sein, aber es vergeht keine Woche, in der ich nicht an ihn denke. Jedes doofe Meme, jeder miserable Film, jeder gestolperte Promi – mein erster instinktiver Gedanke ist immer noch "darüber muss ich mit dem Risser reden". Seine Witwe möge mir verzeihen, dass ich mich nie an seinen Ehenamen Nowak gewöhnt habe.
Auf Facebook bin ich vor ein paar Tagen auf einen Austausch in den Kommentaren gestoßen, der perfekt zeigt, wie wirr, wahllos, und doch exakt auf einer Wellenlänge wir funkten. Der Weg war das Ziel:
Oder der hier – ursächlich ging es darum, dass die US-Komikerin Amy Schumer, die in ihren eigenen Programmen keine Gnade kennt, albern empfindlich auf einen Tweet reagierte und sofort aus allen Rohren gegen den Absender schoss. Leider habe ich den eigentlichen Post nicht dabei und einige der Kommentare sind gekürzt. Egal – was bewiesen werden soll, wird bewiesen.
Never ashamed:
Ich vermisse ihn. Und ich bin immer noch sauer, dass er sich verpisst hat. Wir hatten noch sehr viel vor.
🤟
Hab den guten Doc nur einmal treffen dürfen, das dafür dann aber sehr passender Weise auf dem "Babymetal"-Konzert 2014 in Köln, dem einzigen damals in Deutschland. Auch wenn er filmtechnisch oft daneben lag ("Evil Dead"!), Musikgeschmack hatte er…
😢
Scheiße, ist das schon wieder fast 6 Jahre her? Wie die tempus doch fugit.
Ich kenne keinen hier persönlich und bin nur stiller Leser, aber selbst als außenstehender bleibt mir nach all den Jahren bleibt dein Nachruf immer noch fest im Gedächtnis. Teilweise weil ich mich mit meinem Verhalten auch ein wenig selbst im Doc wieder erkenne und eigentlich was an mir ändern sollte/muss, aber hauptsächlich weil er etwas komplett anderes war als die üblichen 08/15 Trauerbekundungen. Man spürte in deinem Text neben der Trauer vor allem die Wut über das selbstverschuldete Ableben des Docs. Kein Unfall, keine Krankheit oder Mord waren für seinen plötzlichen Tod verantwortlich, sondern schlussendlich er selbst, womit er nicht nur sich, sondern vor allem seinen Hinterbliebenen geschadet hat. Oft will man es sich nicht eingestehen, dass der Verlust eines Menschen, der einfach nicht auf gute Ratschläge hören will, auch Wut auslösen kann. Man sieht jahrelang hilflos dabei zu, wie diese Person sich selbst zu Grunde richtet, obwohl das Schicksal abwendbar gewesen wäre. Man macht sich selbst Vorwürfe und schämt man sich dann, dass man überhaupt auf diese Person wütend ist, weil Trauer die einzige erlaubte Emotion auf einen Verlust sein sollte. Dein Text zeigt mir, dass es vollkommen legitim ist auch Zorn in der Trauer zu spüren. Und dass ich selbst etwas ändern sollte, bevor es meinen Hinterbliebenen auch so geht.
"Keine 50. Ich hab’s dir gesagt. Und was habe ich davon? Die Arschkarte." Das gibt mir oft zu denken.
Danke.
Ich war fast 20 Jahre lang mit einem freien Arbeitskollegen befreundet der ein ganz ähnlich schräger Typ war, und 2017 mit auch erst Mitte 50 und ebenfalls nach einem selbstzerstörerischen Leben von uns gegangen ist. Denke auch noch oft an ihn.