Kino Kritik: RETURN TO SILENT HILL
Themen: Film, TV & Presse, Neues |
Darsteller: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Robert Strange, Evie Templeton, Pearse Egan u.a.
Offizielle Synopsis: James Sunderland erhält einen geheimnisvollen Brief mit einer erschütternden Nachricht: seine totgeglaubte Frau Mary ist möglicherweise noch am Leben. Fassungslos und aufgewühlt folgt er der mysteriösen Botschaft nach Silent Hill. Dort angekommen, findet er sich in einer rätselhaft-düsteren Zwischenwelt wieder, in der nichts so ist, wie es scheint. Auf seiner verzweifelten Suche nach Antworten wird er mit einem unbekannten Grauen konfrontiert, das auf den Straßen von Silent Hill auf ihn wartet, und mit einer erschreckenden Wahrheit, die ihn an den Rand seines Verstandes bringt. Wird er das Geheimnis um Mary lösen?
Kritik: Ich habe in den letzten 20 Jahren hier vermutlich mehrere tausend Kinokritiken veröffentlicht und es wäre manchmal wirklich einfacher, wenn ich mir nicht jedes Mal einen neuen Text aus dem Kreuz leiern müsste, weil ich die gleichen Argumente schon bei einem Dutzend anderer Film angebracht habe.
Ich könnte mir einen KI-Agenten basteln, der aus allen meinen Kritiken einen perfekten Baukasten erstellt, bei dem ich nur ein paar Infos anklicke und der Künstlichen Intelligenz die homogene Formulierung überlasse.
Nehmen wir RETURN TO SILENT HILL. Ich hätte da ein paar prima Zitate aus früheren Reviews für euch – z.B. das hier aus IN THE LOST LANDS:
Ist der versehentlich oder absichtlich so schlecht? Oder ist er gar nicht schlecht, sondern nur für jemanden wie mich unerträglich, der Dramaturgie und Figuren nicht nach den Maßstäben von Videospielen wahrnimmt? Für den eine Story nicht aus einer Abfolge von beliebigen Leveln mit Endboss besteht?
Oder das hier aus RESIDENT EVIL: WELCOME TO RACCOON CITY:
Die CGI ist auf dem Level der Zeit, in der der Film spielt – Monster- und Zombie-Action haben wir in den 90er Jahren schon deutlich überzeugender gesehen (SPECIES, THE RELIC, KOMODO).
Raccoon CitySilent Hill sieht an keiner Stelle wie ein realer Ort aus – die Mischung aus CGI-Establishing Shots und billigen Sets sollte allen Beteiligten peinlich sein. Die schauspielerischen Leistungen sind so sediert, wie die Dialoge dünn und dumm sind. Und die Action kriegt den Arsch auch nie über das Niveau mittelmäßig bepreister TV-Serien hoch.
Als Fazit könnte ich mich dann zu BORDERLANDS zitieren:
Ein erschreckend dummer, generischer, von keinerlei Ambition am Leben gehaltener Quatsch, der mit einfallsloser Action ein paar Videospiel-Quests aneinander tackert und dann einfach aufhört. Laut und leer. Billigstes Überbrückungsmaterial für Nächte mit Kopfschmerzen.
Aber leider, leider – es würde euch nicht genügen. Und mir auch nicht. Jeder Film, besonders jeder schlechte, verdient die persönliche Betreuung an der Schlachtbank. Der Filmkritiker wird zum Metzger, das Ergebnis ist Hackfleisch.
Die empathischeren von euch ahnen es – RETURN TO SILENT HILL ist Kappes.
Er ist vor allem nicht nur schlecht – er ist durchgehend schlecht. Von der ersten bis zur letzten Minute und dazwischen auch. Er scheitert nicht, weil er gar nichts versucht. Ich habe selten einen Baustein einer Franchise gesehen, der vom Start weg her gar keine Ambitionen zeigt, mehr zu sein als billiges direct2DVD-Futter für die Drogeriemarkt-Schütte. Man kann problemlos ALLE Defizite in Sachen Effekte, Logik, Charaktere und Dialoge an der ersten Szene identifizieren, in der James und Mary sich kennenlernen:
- James trägt eine lächerliche Perücke
- James ist ein Joints rauchender rasender Arsch – und das soll unser Held sein
- Massachusetts liegt am Ammersee (I kid you not)
- Mary hat ihr Gepäck offensichtlich mitten auf der Straße stehen gelassen
- Man muss sich praktisch vor den Bus an der Haltestelle werfen, damit er hält
- Der Bus wartet keine zehn Sekunden
- Mary so "na, dann fliehe ich halte eben nicht aus der Horrorstadt"
- Mary "das da hinten am See ist Silent Hill und hier führt übrigens ein Fußweg runter, falls du den irgendwann mal brauchst"
- Silent Hill sieht nach 1996er-CGI von Silent Hill aus
- Sommergewitter in zehn Sekunden, Wolken unnötig
Das sind die ersten drei Minuten!
James' Perücke (why, oh why?) fällt übrigens später nicht mehr auf, weil dann der lächerlichste angeklebte Zauselbart seit Monty Python davon ablenkt.
Egal. Die Vor- und Liebesgeschichte von James und Mary wird häppchenweise in den Film eingestreut, wodurch wir bis in die zweite Hälfte des Films keine Ahnung haben, worum es überhaupt geht. Das ist aber wurscht, denn wie ich vom ersten Teil 2006 (!) gelernt habe, geht es weder den Videospielen noch den Filmen wirklich um eine Story – Atmosphäre, Schocks, Beklemmung, das ist die Währung von Silent Hill.
Und so stapft James in eine erschütternd miserable CGI-Repräsentation einer amerikanischen Mittelstadt, begegnet dann und wann ein paar Monstern, hat Flashbacks und Halluzinationen. Einen Antagonisten gibt es ebenso wenig wie eine tatsächliche Handlung – ganz nach Videospiel-Logik nur Hindernisse in den verschiedenen Levels auf dem Weg zum Nachspann. Am Ende sind wir und er so schlau wie zuvor.
RETURN TO SILENT HILL ist ein gänzlich leerer Film, mit farblosen Schauspielern als farblose Charaktere in tristen Kulissen zwischen Sperrholz und Computergrafik. Niemand schert uns, nichts erschreckt uns, keine Gefahr fühlt sich real an. Ein paar NPC tauchen auf und ab, pflichtschuldig werden die bekanntesten Monster der Game-Reihe gezeigt. Zwielicht, Kakerlaken, Dreck und Feuer sollen Emotionen provozieren, die der Film nicht rechtfertigt.
Noch einmal ein Zitat aus meiner letzten RESIDENT EVIL-Kritik:
Das hier ist Bodensatz. Ich muss unterstellen, dass es (…) nie darum ging, die Franchise für eine neue Generation aufzufrischen. Es geht ausschließlich darum, sie noch ein letztes Mal auszupressen, bevor man sie irgendwo im Straßengraben verklappt und hofft, dass sie dort unbemerkt verrottet.
Überlassen wir das Gesamturteil lieber Shakespeare:
"…eine Geschichte, erzählt von einem Idioten, voller Schall und Wut, die nichts bedeutet"
Christophe Gans, Alter – du hast mal CRYING FREEMAN und PAKT DER WÖLFE gedreht! What the fuck happened?!
Fazit: Eine auf dem Niveau der 90er-Fortsetzungen von HELLRAISER und GOD’S ARMY spielende, jeder Identität beraubte Pflichtfortsetzung, die nach 20 Jahren (!) in der Entwicklungshölle jeden Zug verpasst hat und in drei Monaten vergessen sein wird.
iirrks das ist nicht gut. gerade weil gans mit dem ersten Silent Hill film gezeigt hat wie man ein videospiel richtig ins Kino bringt und beide abholt die Gamer und die nicht Gamer.
Schade, denn das Spiel Silent Hill 2, auf dem der Film storymäßig basiert, ist das beste der gesamten Reihe. War an der PS2 wirklich toll, vor allem die sehr beklemmende Auflösung. Wenn man die Story aus heutiger Sicht betrachtet, ist sie natürlich nichts besonderes mehr, aber für ein Videospiel war das damals filmreif. Leider sind alle Silent Hill Spiele atmosphärisch klasse aber von der Story her völlig verquast, ach ja, und die Soundtracks von Akira Yamaoka waren stets genial, auf CD (!) endlos gehört.
Bei der Vorlage, hätte das eigentlich eine sichere Bank werden müssen – vielen Dank für die Warnung.
Der Trailer wirkt nach einem Film, den ich mir Samstag Nacht im Bett anschauen würde, weil ich dann alle Brüche darauf zurück führen würde, dass ich zwischendurch eingenickt bin, es mir aber auch egal wäre.
Da stimme ich voll und ganz zu. Es ist gradezu erschreckend, wie Gans nach dem ersten Silent Hill Film (der für lange Zeit die einzig gelungene Videospielverfilmung war!) qualitätsmäßig abgestürzt ist. Da hatte er die Story des ersten Spiels auch nicht eins zu eins verfilmt, aber es war trotzdem einigermaßen in sich schlüssig und stimmungsvoll.
Was er aus der Story von Teil 2 gemacht hat – das war wirklich Kraut und Rüben. Und das dürfte den Fans der Reihe wohl am meisten das Herz brechen.
Den 2012er Film, SILENT HILL: REVELATIONS, hab ich bisher nicht gesehen – aber jetzt kann ich mir kaum vorstellen, dass der schlechter ist als RETURN.