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Jan. 2026

Fantasy Filmfest White Nights 2026 (10): SHELBY OAKS

Themen: FF White Nights 2026, FFF: gelb, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2024. REGIE: Chris Stuckmann

DARSTELLER: Camille Sullivan, Sarah Durn, Charlie Talbert, Robin Bartlett, Michael Beach, Emily Bennett, Keith David, Brendan Sexton III, Derek Mears

OFFIZIELLE SYNOPSIS: Seit zwölf Jahren sucht Mia verzweifelt nach ihrer kleinen Schwester Riley, dem einstigen Star der investigativen Kultserie . Rileys ehemaliges Team wurde grausam ermordet. Aber was ist mit Riley passiert? Die junge Frau verschwand damals spurlos in der Nähe des geisterhaften Städtchens Shelby Oaks. Der Aufruf „Who took Riley?“ beschäftigte Millionen Follower und prangte in großen Buchstaben an jeder Hauswand der Gegend. Doch das ist Jahre her, und mittlerweile scheinen alle Rileys Schicksal vergessen zu haben. Plötzlich bekommt Mia aber ein geheimnisvolles Videoband mit dem Titel “Shelby Oaks” in die Hände – und hat endlich eine Spur.

KRITIK: Es ist praktisch unmöglich, SHELBY OAKS ohne die Backstory zu besprechen. Autor und Regisseur Chris Stuckmann ist ein bekannter YouTube-Filmkritiker, den ich auf meiner Webseite auch immer wieder gerne empfohlen habe. Seine Begehren, selber als Filmemacher zu reüssieren, resultierte allerdings in einer immer stärker kastrierten Präsenz. Um seine Chance in Hollywood und bei den Verleihern nicht zu riskieren, verwässerte Stuckmann seine Kritiken bis zur Eierlosigkeit. Das gipfelte in einer Non-Kritik von MADAME WEB, die Stuckmann endgültig zum Clown degradierte.

Erlaubt ist, was funktioniert – mit SHELBY OAKS hat Stuckmann seinen ersten Spielfilm nicht nur auf Festivals, sondern auch bei renommierten Vertrieben unterbringen können. Um die 50 Prozent bei Kritik und Publikum sind dabei ein für einen Erstling durchaus respektabler Einstand.

Allein… ich wurde mit dem Film einfach nicht warm. Trotz einiger eindringlicher Bilder ist das für mich lediglich ein Mashup aus True Crime, Folk Horror, und Found Footage, das 10 Jahre zu spät kommt und dem Subgenre keinerlei neue Aspekte mehr abgewinnt. Was erzählt werden konnte, wurde schon längst erzählt.

Es hilft auch nicht, dass der Film sehr verwirrend strukturiert ist. Die ersten 20 Minuten werden komplett aus zweiter Hand über Filmausschnitte, YouTube-Videos und Dokumentarschnipseln erzählt, bevor dieses Stilmittel komplett fallen gelassen wird, um Mia auf traditionell filmische Art und Weise bei der Suche nach ihrer Schwester zu begleiten.

Es ist zudem nur Schall und Rauch: der gesamte erste Akt hätte gestrichen und durch drei Zeilen Text vor schwarzem Hintergrund ersetzt werden können.

Als Folk Horror/Mystery in der zweiten Hälfte ist SHELBY OAKS dann deutlich effektiver. Er weiß seinen Schrecken relativ gut im Schatten zu halten und baut tatsächlich so etwas wie einen vagen Mythos, der hinter Rileys Verschwinden steckt. Allerdings wird der Zuschauer immer wieder davon rausgerissen, dass Mia sich so dämlich wir nur irgend möglich verhalten muss, damit die Story nicht zum Stillstand kommt. Es sind auch immer wieder bequem ins Bild geschobene "überraschende Hinweise", die uns voran bringen. Das ist ziemlich mühsam.

Andere Defizite darf ich leider nicht erwähnen, weil sie unter Spoiler fallen.

Ähnlich wie bei DEATHGASM: GOREMAGEDDON sehe ich SHELBY OAKS als Beleg, dass Crowdfunding-Filmfinanzierung zu wenig Qualitätskontrolle beinhaltet und selten ein homogenes Ergebnis liefert. Es gilt: wenn eine Story oder ein Projekt wirklich gut ist, findet es seine Geldgeber auch auf traditionellem Wege.

Und ähnlich wie bei DEATHGASM: GOREMAGEDDON sehe ich SHELBY OAKS als Projekt, für das es womöglich eine Zielgruppe gibt, zu der ich nicht (mehr?) gehöre. Ich habe einen Anspruch an den Horrorfilm, der überholt sein mag.

Anders als bei DEATHGASM: GOREMAGEDDON sehe ich bei SHELBY OAKS aber zumindest ein rudimentäres Talent für Storytelling und ich schließe nicht aus, dass Christ Stuckmann seinen Weg gehen wird. Dass er dafür seine Integrität als Kritiker vollumfänglich verkauft hat, nehme ich ihm allerdings immer noch übel.

FAZIT: Ein aus Versatzstücken von True Crime und Found Footage zusammen gestückelter Folk Horror, der erst in der zweiten Hälfte relativ effektiv wird, wenn er den ganzen Schnickschnack fallen lässt. Es steckt Potenzial in SHELBY OAKS – aber der vorliegende Verhau bleibt dann doch bei 4 von 10 Punkten hängen.

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2 Kommentare
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Martzell
26. Januar, 2026 17:25

Danke für die Warnung.

Marcus
Marcus
26. Januar, 2026 23:56

"Stuckmann" – say no more. Ich bin weg. 😆