Kino Kritik: SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT 2025
Themen: Film, TV & Presse |
Offizielle Synopsis: Als kleiner Junge muss Billy mitansehen, wie seine Eltern brutal von einem Mann im Weihnachtsmann-Kostüm ermordet werden. Jahre später ist er selbst zu einem Killer herangewachsen. Getrieben vom Trauma seiner Kindheit und mit seinem ganz eigenen Sinn für Gerechtigkeit wird Billy selbst zu „Santa“. Und mit jedem Türchen des Adventskalenders beginnt eine neue Nacht des Schreckens. Die Kleinstadt, in der er Unterschlupf sucht, wird zum blutigen Schauplatz seiner Abrechnung, denn in Billys Welt gilt nur eine Regel: Wer unartig war, muss bezahlen.
Kritik: Ich bin nicht wirklich geeignet, die Neuinterpretation eines B-Slashers der frühen 80er zu besprechen – das ganze Subgenre habe ich damals konsequent ausgelassen, weil ich meinen Horror lieber okkult als brutal mag. Meine erste HALLOWEEN-Sichtung fand 2003 statt. Darum habe ich SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT bis heute nicht gesehen. Ich meine allerdings, das dritte Sequel von RE-ANIMATOR-Produzent Brian Yuzna gesehen zu haben. So lange her… irgendwann ist alles nur noch ein Nebel mit unangenehm schmatzenden Geräuschen…
Andererseits: Vielleicht qualifiziert mich genau dieses Freiheit vom Ballast des Originals, die neue Version frisch und unvoreingenommen zu besprechen. Und irgendwie muss die Zeit im Kinosaal ja auch irgendeinen Ertrag bringen.
Wenn ich den Wikipedia-Eintrag zum Vorgänger nicht gänzlich falsch interpretiere, dann handelte es sich dabei um einen relativ soliden Weihnachts-Serienkiller-Streifen im Gefolge von HALLOWEEN, FREITAG DER 13. und seinen vielen Epigonen. Irgendwer ist verrückt (gerne durch Mord und/oder Sex traumatisiert), und killt sich mit unhandlichen Werkzeugen durch einen Cast aus bevorzugt jungen Menschen. Wash, rinse, repeat.
Dem Slasher verdanken wir sowohl die Erkenntnis, dass vorehelicher Sex mit einem grausamen Tod bestraft wird, als auch das Prinzip des "final girl" und die zum Nachspann "überraschende" Auferstehung des Bösewichts zur Vorbereitung willkürlicher Sequels.
SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT 2025 ist weder ein straightes Remake des Originals, noch eine verdammenswerte Comedy-Version, die dem Zuschauer permanent zuzwinkert und glaubt, Häme hätte was mit Humor zu tun.
SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT 2025 ist vielmehr… ja, was eigentlich?
Der Prolog referenziert ganz klar die Klassiker des Genres, ist hoch spannend und mit sicherer Hand, aber ohne Kinkerlitzchen inszeniert. Mit dem Wechsel in eine Gegenwart, die trotz Smartphones und Internet förmlich nach den frühen 80ern mieft, entwickelt der Film seine Story und seine Figuren mit erstaunlicher Sorgfalt. Es geht weniger um die "kills", um den Splatter, als um das Drama eines jungen Mannes, der viel zu weit vom Weg abgekommen ist, um den Traum einer "normalen" Existenz noch verwirklichen zu können.
In diesem ersten Akt wirkt SNDN25 regelrecht schizophren, denn wir wissen, dass unser Protagonist (und damit die Figur, mit der wir uns identifizieren sollen) ein psychopathischer Serienkiller ist. Man hadert mit der Darstellung von Billy als freundlicher, schweigsamer Hilfsarbeiter, dem wir eine Romanze mit der kurzluntigen Pam gönnen sollen.
Mit zunehmender Laufzeit dreht SNDN25 aber immer mehr auf 11, wird gleichzeitig absurder, lustiger und… logischer?! Es werden Elemente und Erkenntnisse eingestreut, die das bisher Gesehene nicht auf den Kopf stellen, aber zumindest justieren. Gegen Ende nimmt der Film dann noch mal richtig Fahrt auf und suhlt sich pubertär in der Gewalt, wegen der wir gekommen sind.
Das kann nicht zusammen passen, das darf so nicht funktionieren – und doch ist SNDN25 ein homogenes Kinoerlebnis, gleichzeitig Hardcore-Schlachtplatte und zartes Kleinstadt-Drama, gleichzeitig Slasher und eine Dekonstruktion dieses Subgenres. Er verneigt sich vor der Vorlage, ohne sie katzbuckelig zu imitieren.
Das Entertainment ist der klaren und straffen Regie von Mike P. Nelson zu verdanken, der weitestgehend auf digitalen Schnitt und Schnickschnack verzichtet. Seine Darsteller pumpen erfreuliche Energie in ihre Figuren, wirken authentisch vom Leben gezeichnet und ohne falsche Eitelkeit. Sie sind keine Abziehbilder, keine Klischees, kein Kanonenfutter für die Axt des Killers.
Was einen guten Film ausmacht? Wenn dir am Ende völlig egal ist, was für einen Kappes die Story erzählt. SNDN25 ist ein dergestalt guter Film.
Und wahrlich, wenn ihr den Film gesehen habt (was ihr solltet), werdet ihr über "die Sequenz in der Scheune" reden wollen. Können wir machen.
Fazit: Eine sympathisch im Stil der 80er-Slasher gehaltene Horror-Farce, erdig gespielt und mit vielen spannenden Wendungen. Oldschool im besten Sinne.
Achtung: Dieser Trailer enthält in meinen Augen unangemessen viele Spoiler!
Wenn wir die selbe Szene meinen – die hat Bloody Disgusting gerade eben als Promo zum Kinostart in voller siebenminütiger Länge auf YouTube geschubst 😉
Ist natürlich (bis hin zum Set Design) geradezu absurdly over the top, aber ich denke mal, das ist die Idee dahinter.
Kenne mich weder im Slasher noch Horror Milieu aus, aber die Scheunen Szene finde ich richtig gut. Danke für den Hinweis.
Ist die deutsche Sprache auch im Film so schlecht vertont?
Meine Vermutung: Du hast die automatische Synchro von YouTube aktiviert. Einfach auf die Originalsprache umstellen.
Wie Torsten schon sagte, das ist (einer) der Originaltrailer mit der automatischen KI-Vertonung durch YouTube. Der deutsche Trailer von Studiocanal unterscheidet sich vom Inhalt her schon recht eindeutig und hat auch eine weitestgehend "normale" Synchro:
https://www.youtube.com/watch?v=2zfvSSpfcME