Filmverbrechen-Fotostory (NSFW): POMMES ROT-WEISS oder:
Kino, wie es keiner mag (3)
Themen: Film, TV & Presse, Fotostory, Neues |
Willkommen zum dritten Teil unseres Ausflugs in den Ruhrpott anno 1990 – wobei POMMES ROT-WEISS noch stolz die Patina der 80er trägt und an keiner Stelle die unseligen 90er vorwegzunehmen weiß.
Nachdem alle Beteiligten ausführlich vorgestellt sind, können wir den Sack vielleicht schon mit diesem Teil zu machen. Mehr verdient der Film auch nicht.
Kurz für alle, die nicht aufgepasst haben: Jonas hat am Tatort des Doppelmords ein satanisches Ritual gefaked und Katja davon ein Foto gemacht. Die gehören beide in den Knast. Dass sie das Foto und einen Text dazu in der Redaktion abgeliefert haben, wird allerdings szenisch nicht belegt. Andere Dinge sind wichtig.
In Romys Nachtclub kommt es nun zum angekündigten "Strip-Wettbewerb". Das Publikum hatte vermutlich gerade Ausgang im Seniorenheim:
Vier Minuten bringt POMMES ROT-WEISS mit dem eher zurückhaltenden Kleiderabwurf zweier junger Damen zu. Wer jemals Tutti-Frutti auf RTL gesehen hat, weiß ziemlich genau, was ihn erwartet. Ich bin nicht sicher, aber es könnte sein, dass die erste "Kandidatin" wieder Angie van Burg ist. Für mich sehen diese dauergewellten Blondinen alle gleich aus.
Diesem Herrn gefällt die Performance unangenehm offensichtlich. Ich hoffe, der hat beide Hände auf dem Tisch…
Während die Mädels ablegen, bekommt Romy "zufällig" die Polizeifotos in die Hand und identifiziert die tote Tänzerin als "Gisela", eine Prostituierte.
Glaubt mir, auch dieser Versuch, die Story irgendwie voranzubringen, ist geprägt von exzessiv gelebtem Bullshit. Zuerst einmal glaubt Romy ernsthaft, die Polizeifotos der Leiche von Gisela seien Modelfotos von Katja! Und die Tatsache, dass sie eine Prostituierte war, ist so komplett irrelevant wie die Tatsache, dass sie einen Sportwagen fuhr. Als Jonas total angefixt fragt, ob Gisela eine Corvette besaß, murmelt Romy nur verständnislos "warum?". Eben. Warum? Das hat alles nix mit nix zu tun.
Dame Nummer 2 hat mittlerweile abgelegt und sich dem Herrenvolk angedient.
Da tobt der Mob, da boxt der Papst im Kettenhemd!
Aufmerksame Leser werden es ahnen: die ganze Nummer mit dem Strip-Wettbewerb ist Füller und wird an keiner Stelle mehr aufgegriffen.
Unglaublich – am nächsten Tag sehen wir Jonas arbeiten!
Es kommt aber nix dabei raus und Renz schlägt vor, alternativ bei Enzo und Sylvia essen zu gehen. Über Autoschieber und Killer kann man später noch schreiben.
Mein ehemaliger Chefredakteur, der hochverehrte Dr. Dirk Altemann, pflegte uns bei wahrgenommener Lethargie immer mit dem Satz anzufeuern "Haut rein! Wir machen eine Zeitschrift und keinen Kalender!". Ich erwähnte es bereits: diese Redaktion könnte nicht mal einen Kalender pro Jahr stemmen.
Leider wird aus dem "business lunch" nix, weil bei Enzo wieder alle Tische von Mineralwasser-Trinkern belegt sind. Wenn da mal kein System dahinter steckt!
Und siehe: Heerhausen beobachtet das Geschehen von der anderen Straßenseite, während er radebrechend einem "signor Calvi" verspricht, das Problem mit der Pizzeria im Griff zu haben. I beg to differ.
Von allen wirren Szenen in POMMES ROT-WEISS sehen wir nun die wirrste: Jonas steht bei Ährwin am Pommesstand und wird von Heerhausen angesprochen. Man könnte vermuten, dass der Gauner den Reporter mit Drohungen von weiteren Recherchen abhalten will. Vielleicht will er ihn auch erpressen oder bestechen.
Das Problem: wir erfahren es nicht. Der Dialog wird komplett von einem Ährwin Weiss-Schlager überlagert. Die Szene ist reine Pantomime. What?!
Diese Stelle ist so gut wie jede andere, um auf die technischen Defizite von POMMES ROT-WEISS einzugehen. Dass die Verwendung von Videokameras nicht gerade den Look von BEN HUR produziert, muss man bei so einer Produktion einpreisen. Der Film sieht entsprechend billig und flach aus. Ich bezweifle, dass RTL so etwas jemals als sein erstes TV-Movie durchgewunken hätte. Auf ein HD-Remaster würde ich an eurer Stelle auch nicht warten.
Weil Michael Schey mit einem Team von stolz proklamierten "12 Leuten" arbeitete, war für eine ordentliche Ausleuchtung und eine sorgfältige Aufnahme des Tons keine Manpower übrig. Wenn Personen mit unterschiedlicher Lautstärke sprechen oder sich im Raum bewegen, hilft es auch nicht mehr, den Lautstärkeregler hochzudrehen – was die popeligen Mikros nicht eingefangen haben, ist futsch.
Und so vermute ich, dass Schey bei der obigen Szene im Nachhinein festgestellt hat, dass der Ton unbenutzbar war. Also Song drüber und den Rest der Phantasie der Zuschauer überlassen. Es versendet sich, wie man so sagt.
Ich habe ja schon die These in den Raum gestellt, dass jede Location nur für einen Tag gebucht wurde (Fabrikhalle, Pommesbude, Strip-Lokal, Redaktion, Foto-Studio, Pizzeria). So erklärt sich, dass die Darsteller an vorgeblich verschiedenen Tagen die gleichen Outfits tragen. Es gibt aber noch andere Indizien.
Ihr erinnert euch an das rüstige Publikum bei Jonas' erstem Besuch in Romys Strip-Lokal? Natürlich erinnert ihr euch:
Schey hat sich nicht mal die Mühe gemacht, die Komparsen umzusetzen! Er hat schlicht einen anderen Take derselben Szene genommen! Das erinnert auch wieder an KAMIKAZE 1989, wo Gremm (der mehr Geld, Zeit, und Leute hatte) ebenfalls eine Gruppenaufnahme zweimal verwertet hat.
Ist das verwerflich? Nein. Besonders bei Low Budget-Produktionen geht es oft nicht anders. Aber man kann wenigstens versuchen, die ähnlichen Shots durch andere Blickwinkel, getauschte Kleidung, oder eine andere Lichtstimmung zu vertuschen. Sonst sieht man nämlich wie ein blutiger Amateur aus.
Ich unterstelle mal, dass Heerhausen in der letzten Szene doch nicht versucht hat, Jonas zu erpressen, denn nun sitzt man gemeinsam bei Romy. Der Autoschieber ist hackedicht und versucht wieder, bei Katja zu landen.
Sein Vorschlag, das Autohaus groß in die Zeitung zu bringen, wird von Jonas nicht etwa als verbotene Vermischung von werblichem und redaktionellem Inhalt abgelehnt – im Gegenteil:
"Ja, würden Sie denn gelegentlich mal beim Stadtkurier inserieren? Sagen wir ein halbes Jahr lang in der Wochenend-Ausgabe. Dann könnte ich es dem Redakteur schneller schmackhaft machen."
Ich bestreite nicht, dass es solche Gegengeschäfte gab und gibt. Aber den Helden eines Films als derart korrumpiertes Arschloch zu erzählen, ist schon heftig.
Heerhausen bietet Jonas zudem als Freundschaftsdienst einen Mercedes an, bis seine Corvette wieder auftaucht. Geht auf Spesen.
Und so fährt Jonas am nächsten Tag mit einem Mercedes bei der Redaktion vor, den Renz augenblicklich als sein umlackiertes Eigentum erkennt:
Dumbest. Criminals. Ever.
Woran Renz seinen Wagen trotz der neuen Farbe identifizieren kann?
Jede Menge Likör-Fläschchen im Erste Hilfe-Kasten:
Nun dämmert Jonas langsam, dass Heerhausen womöglich in die Autodiebstähle verwickelt ist. Das wäre dann eine Sache der Polizei, die allein anhand von Renz' Benz die Handschellen klicken lassen könnte. Aber nein, Jonas will "recherchieren" und beschreibt die Ergebnisse seiner bisherigen "Arbeit" sehr treffend:
"Was ich bis jetzt habe, macht so für sich noch keinen Sinn."
Darauf müssen die Männer erstmal Brüderschaft trinken:
Weil wir uns noch nicht ausreichend fremdgeschämt haben, taucht Jonas nun mit einem Blumenstrauß in der Garderobe des Strip-Clubs auf und fragt nach Katja und Romy. Die durchgeknallten Stripperinnen sind begeistert und prügeln sich regelrecht um das welke Gestrüpp.
Ha. Ha. Ha.
Jonas erzählt Katja davon, dass Heerhausen ihm offensichtlich einen geklauten Wagen angedreht hat. Auch bei Katja schließen sich nun zwei oder drei Hirnzellen kurz. Ist Heerhausen womöglich ein Fiesling?
Bevor die beiden ein weiteres Vorgehen absprechen können, bittet Romy den Reporter, sie nach Hause zu fahren. Man könnte sich fast fragen, warum die Chefin – noch dazu mit eigenem Wagen – nicht selber fährt…
…. wenn wir nicht schon ahnen würden, dass sie Jonas an die Wäsche will. In der Waschstraße. Pimperei hinterm Seifenschaum. Wollust mit Hohlraumversiegelung.
Wir wissen, dass Jonas ein fauler, eitler, korrupter, notgeiler und treuloser Drecksack ist. Das macht es umso unverständlicher, dass der Film sich eine solche Mühe gibt, es wieder und wieder zu bestätigen.
There is absolutely nothing to gain here, guys!
Kaum den Samenstau los, schlägt Jonas erneut bei seiner "großen Liebe" Katja auf und präsentiert ihr seine These, dass Heerhausen Autos klauen lässt und sie ins Ausland verschiebt – was er schon längst hätte wissen können, wenn er seiner "Freundin" mal zuhören würde.
Katja ist nicht gerade wild darauf, mit Jonas irgendwelche Theorien zu diskutieren, denn Romy hat sie nonchalant angerufen und von dem Quickie in der Waschstraße in Kenntnis gesetzt.
Katja kommentiert das mit "ich habe ja auch ’ne Meise" und…
Ich gehe mir mal eben das Hirn waschen. Ich fühle mich schmutzig.
Jonas und Katja haben bis hierher primär die Arbeit der Polizei behindert, teils aktiv, teils durch Unterlassung. Jetzt setzen sie noch einen oben drauf: Einbruch!
Dummerweise ist Heerhausen noch im Büro und sieht das Dilettanten-Duo auf seinen Monitoren. Perfekt wäre, wenn ER nun wiederum die Bullen rufen und Katja und Jonas ins Kittchen werfen lassen würde.
Die gigantomane Rohrzange stellt sich als das falsche Werkzeug zur Türknackerei heraus und das Baumarkt-Fensterchen ist laut Jonas "Panzerglas" (sicher…).
Kein Problem: Unser rasender Reporter findet einen Weg, die Tür von innen zu öffnen. Man kann sich nicht so hart an die Stirn patschen, wie man möchte.
Jonas, ganz oldschool, wühlt sich willkürlich durch Papierberge der Verwaltung (?) von Heerhausens Autofirma:
Natürlich hat er dennoch ein Auge für die schönen "Dinge" des Lebens.
Es ist wieder mal Katja, die ihrem Galan auf die Sprünge helfen muss, in dem sie auf den Firmencomputer verweist, der womöglich alle notwendigen Daten enthält.
Jonas bootet das antike Monster (DOS!) und flucht zwar, dass er dafür sicher ein Passwort braucht – braucht er dann aber irgendwie doch nicht. Nobody cares. Why should you? Jonas steckt die Diskette mit den Datensätzen ein.
Der Frankster und ich zuckten bei dieser Szene zusammen, denn Jonas steckt eine 5 1/4 Zoll-Diskette ohne jegliche Hülle in seine Jackentasche. C64-Veteranen wissen, was das heißt. Datenverlust garantiert. Read error. Try again.
Ich habe keine Ahnung, warum Schey und sein Drehbuchautor dachten, so ein Einbruch wäre genau das, was Katja braucht, um massiv wuschig zu werden und für Jonas die Klamotten fallen zu lassen.
Ist ja nicht so, dass man in jeder Sekunde entdeckt werden könnte. Aber das ist halt "porn logic", wie sie im Buche steht.
Jonas macht begeistert mit und fotografiert, was ihn bisher nicht geschert hat.
Zu dem leidlich erotischen Striptease ohne Ausziehen läuft wieder die Nummer "Tango by night", die auf dem VHS-Cover angepriesen stand und zu der die beiden Tänzer erschossen wurden. Foreshadowing? Leider nein.
Falls irgendwer sich mittlerweile fragt, was eigentlich aus den Recherchen zum Doppelmord geworden ist – da kann ich euch nicht helfen. Dieser Plot, an dem die ganze Handlung aufgebaut wurde, wird nicht mehr bedient.
A propos: bevor Katja Jonas bedienen kann, schaut dieser in die Mündung eines Revolvers. Er hätte ja nicht ahnen können, dass eine strippende Frau im Taschenlampenlicht und seine lauten Anfeuerungsrufe ("Ja, Katja, komm – mach mich an! Zeig’s mir!") unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte.
Wer jetzt ganz genau hinschaut, sieht immerhin noch einmal das Kinn von Henry Maske, während Heerhausen die Herausgabe von Diskette und Film verlangt.
Da Heerhausen die Diskette grob in sein Sakko stopft, dürfe nicht mehr viel zu retten sein. Interessanter finde ich die Tatsache, dass er es vor allem auf den Film mit den Stripfotos von Katja abgesehen hat. So ein Ferkel!
Jonas versucht tatsächlich so etwas wie Gegenwehr und in einer unfassbar miserabel inszenierten "Rauferei" bekommt er von Maske eine Faust aufs Ohr:
Michael Lesch kann wahrlich mit POMMES ROT-WEISS keine Lorbeeren sammeln, aber der Preis für die peinlichste Ohnmacht nach Backpfeife ist ihm gewiss:
Natürlich ist das Debakel alles, aber nicht Jonas' Schuld, was sofort wieder einen völlig desorientierten Streit mit Katja zur Folge hat:
Kostprobe gefällig?
Katja: "Jetzt fang doch nicht wieder damit an, du Ei!"
Jonas: "Dabei war ich vorhin so nahe dran."
Katja: "Ja, an Romy heute Mittag auch. Gib’s wenigstens zu, diese Scheiße ist deine Schuld!"
Jonas: "Nee, deine!"
Katja: "Ihr Zeitungs-Wichser seid alle gleich! Arrogante Schnösel!"
Jonas: "Und ihr Fotografen habt alle ’ne Ecke weg!"
Katja: "Mensch, lass mich doch in Ruh'!"
And the Oscar goes to…
Am nächsten Tag muss sich Jonas erstmal von Renz zusammen scheißen lassen, weil er nicht nur mehrfach das Gesetz gebrochen hat, sondern weil dabei nicht mal was rausgekommen ist. Es wird allerdings impliziert, dass Heerhausen das Weite gesucht hat. Warum? Eure Antwort ist so gut wie meine. Oder keine.
Der Chefredakteur beruhigt sich aber sofort wieder, als er hört, dass Jonas Ärger mit Katja hat – das geht ja gar nicht. Also darf Jonas an dem Fall dranbleiben, wenn er verspricht, sich wieder mit Katja zu vertragen.
Diese Redaktion ist ein Kindergarten, ich sag’s euch.
Über den Umweg eines Anrufs erfahren wir, dass die Schergen von Heerhausen das Lokal von Enzo und Sylvia zerlegt haben. Leider hatte POMMES ROT-WEISS nicht das Geld, den Vandalismus oder die Folgen zu zeigen. Es ist ja auch ständig von Autos die Rede, die wir nie fahren sehen.
Jonas sucht sofort wieder Katja auf, die ihm augenblicklich verzeiht, weil sie eine selten blöde Kuh ist (sorry not sorry).
Ihre detektivische Arbeit ist wieder mal ein Transkript wert.
Katja: "Lass und doch mal systematisch festhalten, was wir bis jetzt wissen. Erstens: deine Corvette ist geklaut. Zweitens: du bekommst den Benz vom Renz von Heerhausen geliehen. Seltsam genug. Drittens: du wirst niedergeschlagen."
Jonas: "Viertens: ein Liebespaar wird ermordet."
Katja: "Was hat denn das mit den anderen Punkten zu tun?"
Jonas: "Die Frau fuhr auch eine Corvette. Romy hat mir das erzählt. Sie hat neulich Abend ein Bild von ihr gesehen."
Katja: "WAS?! Das ist ja eine ganz neue Dimension!"
Eine neue Dimension des Bullshits, das mag stimmen.
Aus irgendeinem Grund glauben die beiden, damit so ziemliche alle Straftaten und ihre Zusammenhänge aufgelöst zu haben. Jonas will sofort in die Redaktion, um daraus den Aufmacher zu zimmern. Katja verabredet sich mit ihm für 21.00 Uhr bei Romy und verspricht ihm "eine heiße Überraschung".
Jonas has done it again! Völlig begeistert, wenn auch etwas holperig zitiert Lucy den Artikel aus dem "Andruck" – und nein, das ist eine fertige Zeitung, kein Andruck. Und wenn Jonas den Artikel nicht schon nach 10 Minuten im Satz hatte, steht er garantiert nicht im Blatt, bevor Jonas sich auf den Weg zu Romy macht.
Erleichtert, begeistert und Jonas zu tiefstem Dank verpflichtet gönnt sich Renz einen Blick in die Auslage seiner Sekretärin.
Bei Romy wackelt derweil die Hütte (und anderes) und ich habe endlich verstanden, was mir an Bananarama in den 80ern immer gefehlt hat:
Nun ist zwar weder der Doppelmord aufgeklärt noch Jonas' Corvette gefunden, auch Heerhausen ist flüchtig und seine Beteiligung am Pizzeria-Vandalismus unbewiesen, aber man kann die erneute Versöhnung von Katja und Jonas vielleicht als eine Art Happy End verbuchen? Leider nein, denn…
… Jonas versucht in dem Augenblick, als Katja nicht auf die Sekunde pünktlich im Club auftaucht, Romy zu einem weiteren Schäferstündchen zu überreden:
Jonas: "Jetzt warte ich noch fünf Minuten, dann kann Katja mich mal gern haben. Sollen wir noch mal in die Waschstraße?"
Romy: "Also doch Augen für die Reize anderer Damen?"
Jonas: "Habe ich doch gesagt, dass ich nicht blind bin. Oder sollen wir nach Kneipenschluss in eine Bar gehen für frivole Pärchen?"
Katja: "Saftsack!"
BUSTED!
Katja ist so wütend auf ihren Lothario, dass sie sich den Pelz vom Leib reißt und zur Begeisterung der Anwesenden mäßig überzeugende Dessous präsentiert – ihre "heiße Überraschung":
Aus dieser Szene stammt augenscheinlich das Cover der VHS.
Jonas: "Katja, warte doch!"
Katja: "In welche Bar wolltest du mit Romy?"
Jonas: "Ist doch egal jetzt! Komm, zieh das Ding wieder an!"
Katja: "Ich will aber nicht! Ich bin nun mal, wie ich bin. Kapier das endlich, du Spießer!"
Ich bleibe bei meiner These, dass es kein Drehbuch mit ausformulierten Dialogen gab und Hilgers und Lesch entschlossen waren, aus jeder gemeinsamen Szene maximales Drama zu pressen, um sich zu profilieren.
Natürlich gelingt es Jonas, den Streit so zu drehen, dass im Grunde genommen Katja die schwierige Zicke ist, die ihm keine andere Wahl lässt als fremdzupimpern.
Ein Profi. Da kann die anwesende Männerwelt schon mal respektvoll klatschen:
Stripperin Nummer 2 scheint mittlerweile fest auf der Gehaltsliste der Bar zu stehen und lässt bei ihrer Performance auch mal das Publikum ran:
Jonas wird schier rasend, als Katja andeutet, sie könnte was mit Heerhausen und sogar Renz gehabt haben. Das kränkt sein Ego:
Jonas: "Den bring ich um!"
Katja: "Du bist phantasielos."
Jonas: "Was heißt hier phantasielos? Du und ich – ich habe immer gedacht, wir gehören zusammen wie… wie…"
Katja: "Das Ei und die Pfanne."
Jonas: "Mensch, lass doch jetzt den Quatsch!"
Wäre der Film nicht nachweislich 1990 entstanden, hätte ich unterstellt, dass die Dialoge von einer KI ausgespuckt wurden. Andererseits würde sich jede KI für so einen unzusammenhängenden, hysterischen Quatsch schämen.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich – und ich verstehe wieder nicht, warum die zur Pimperei an den Tatort des niemals aufgeklärten Doppelmords zurück kehren:
Zum dritten Mal läuft "Tango by night". Wenigstens bekommen wir Marion Hilgers nun so "lustverzerrt" zu sehen, wie es uns die BILD AM SONNTAG versprochen hatte. Truth in advertising:
Ganz genau – wegen dieses Outfits musste sich die N3-Ansagerin angeblich vor ihren Vorgesetzten verantworten:
Man beschließt, die Nummer im bereitstehenden Sportwagen zu schieben – und stellt fest, dass es sich dabei um Jonas' lange vermisste Corvette handelt:
Ha. Ha. Ha.
Gut, Heerhausen ist augenscheinlich entkommen, die meisten geklauten Wagen bleiben verschwunden, die Pizzeria steht im Visier der Mafia, und der Doppelmord wurde auch nie aufgeklärt – aber das Auto ist wieder da. Alles ist gut.
POMMES ROT-WEISS schämt sich nicht, damit in den Abspann zu gehen.
Aber halt! Einen haben wir noch! POMMES ROT-WEISS hat nämlich 19 Jahre vor IRON MAN die "post credit sequence" erfunden – take THAT, Marvel!
Eine Rotte Duisburger Kinder singt, wie toll "Pommes rot-weiss" schmecken.
Ich hätte die VHS-Kassette nicht an den Besitzer zurückschicken, sondern sie verbrennen sollen. Es gibt Dinge, für die ist die Menschheit einfach nicht bereit.
POMMES ROT-WEISS ist erheblich beschissener, als ich erwartet hatte – und damit für diese Rubrik ein echter Glücksgriff. Er kann seine Gene nicht verleugnen. Es mögen keine primären Geschlechtsteile vorkommen, aber es ist ein Porno – gedreht von Porno-Leuten mit Porno-Aufwand, Porno-Ideen, Porno-Besetzung, Porno-Technik, Porno-Logik, Porno-Anspruch.
Wem das etwas zu herablassend ist, der kann "Porno-" durch "Provinz-" ersetzen.
Statt Ferkeleien zu zeigen, hat man hier einfach die erwartbar rudimentären Story-Teile aufgeblasen, die üblicherweise die Sexszenen voneinander trennen – und das reicht in keiner Sekunde, um aus POMMES ROT-WEISS mehr zu machen als einen Porno ohne Porno. Ich bin nicht sicher, ob ich jemals einen konzeptionell so sinnlosen Film gesehen habe. Das hier ist Minus-Entertainment.
Wie wenig es den Machern um Inhalte ging, kann man auch an der lustlosen (pun intended) Zusammenfassung auf der Rückseite der Kassette ablesen:
Als Trash ist POMMES ROT-WEISS aber eine echte Granate, weil er Blödsinn und Wahnsinn kombiniert, C- und D-Promis durchs Bild scheucht, und sehr offensichtlich davon überzeugt ist, damit aus dem "adults only"-Ghetto ausbrechen zu können. Er ist absolut einzigartig, ein Einhorn im Land der LISAs.
Ein sehr schönes Interview mit Michael Schey in der SPLATTING IMAGE verdeutlicht, dass er kurzzeitig tatsächlich an POMMES ROT-WEISS geglaubt hat:
"Wir hätten es auf Kino machen sollen, wär' besser gewesen" – nein. POMMES ROT-WEISS beweist nicht, dass Pornofilmer effizient und erfolgreich auch "anständige" Filme drehen können. Er beweist, dass Pornofilmer auch dann Pornofilmer bleiben, wenn sie "anständige" Filme drehen wollen. Trotz fehlender Ferkeleien atmet POMMES ROT-WEISS durch und durch den Mief seiner Herkunft.
Klar gab es in den 70ern mal eine Blütezeit des Hardcore-Pornos, besonders in den USA, in der sich die Grenzen zwischen Mainstream und XXX verwischten und die Branche tatsächlich so etwas wie "Filmemacher" hervorbrachte. Christian Keßler hat ein exzellentes Buch darüber geschrieben.
In Deutschland in den 80ern und 90ern ist Pornografie schnell zu einer ultrabilligen Videofabrik geworden, deren Produkte ungefähr so sehr "Film" waren, wie die Passbilder aus dem Automaten was mit "Fotografie" zu tun haben. Harry S. Morgan war kein "Regisseur" – auch als Michael Schey nicht.
Mir ist bewusst, dass das nun sehr weit vom Thema weg führt, aber wer sich für solche Dinge interessiert, der kann sich in diesem Video erklären lassen, auf welchem Niveau die Amerikaner selbst 1992 noch tatsächliche Pornografie produzierten, als Schey meinte, POMMES ROT-WEISS wäre ein "respektabler" Film:
Fakt ist: es gab nie filmisch respektable Pornografie aus Deutschland, die ein Nährboden für respektable Non-Pornografie hätte sein können.
Tun mir die Hauptdarsteller leid, die in diesem Blindgänger mitgespielt haben? Nein. Sie sind sehenden Auges in dieses Verderben gerannt. Beiden hat das Projekt zudem langfristig nicht geschadet.
Michael Lesch hat keine Entschuldigung dafür, dass er seinen Jonas als derart unausstehlichen Widerling angelegt hat. Bei Marion Hilgers sehe ich das etwas anders. Sie hat POMMES ROT-WEISS als erste Chance auf eine Hauptrolle (miss)verstanden und ihre Rolle tatsächlich mit Charme und Energie gefüllt.
Das heisst allerdings nicht, dass man sich auf ihre Kosten nicht amüsieren darf.
So ist Marion Hilgers als Synchronsprecherin immerhin die Stimme von Pamela Anderson, Angelina Jolie und Teri Hatcher. Auch in vielen Video- und Hörspielen zeigt sie ihre Kunst. Der Leistung wird kein Abbruch getan, wenn man mal auflistet, wo sie sonst noch zu hören war/ist:
Bevor jetzt jemand mit dem Finger auf sie zeigt: viele, viele bekannte deutsche Schauspieler haben gutes Geld mit der Synchronisation von Pornos verdient. Selbst Henner Quest, der in meiner Telenovela LOTTA IN LOVE den Papa spielte, hat mir davon erzählt. Pecunia non olet.
Wenn jemand ihre Email-Adresse kennt: Von ihr würde ich mir zu gerne mal eine "oral history" von POMMES ROT-WEISS erzählen lassen, auch als Interview.
Wirklich bezaubernd finde ich, dass Marion Hilgers gar nicht mehr Hilgers heißt – sie hat adelig geheiratet und firmiert nun als… wait for it… Marion von Stengel.
Das Leben schreibt die besten Geschichten – und die besten Pointen.
Dass der italienischstämmige Bösewicht seinem Auto das Kennzeichen DU-CE gibt, würde man heute vermutlich auch nicht mehr machen…
Nettes Detail, gar nicht gemerkt.
Dann hast Du wohl auch unbemerkt die Aufklärung für die Abkürzung mitgeliefert:
Auf was ihr alles achtet. Respekt.
Apropos…. die Sprechervita erinnert mich noch an die Zeit als ich Anime für eine Webseite rezensiert habe.
Und einmal war es ein Werk namens "Divine Love". Ich glaube du kannst dir das Genre denken.
Lustig waren allerdings die Namen der Sprecher. Alles Pseudonyme ala "Dirk Rumsnagels" oder "Lilly Drosten". (Und es war keine Billigsynchro wie von aaron film und co.) Die genannte weibliche Sprecherin kannte ich nämlich von der Stimme her aus einer Nicht-Schmuddel Synchro.
Und ich bringe hier zum wahrscheinlich fünften Mal in der fast zwanzigjährigen Geschichte des Blog mein Lieblingszitat:
,,Ich bin weit über die Möglichkeiten rationellen Denkens hinaus entsetzt!“
Dr. Egon Spengler ,,Ghostbusters“.
Klasse ,,Film“-Sezierung!
Ich muss mir den Spruch endlich mal merken – der ist großes Tennis.
Ach deswegen kannte ich den Namen nicht, aber die Stimme. Ich kenne sie ausschließlich als Synchronsprecherin Marion von Stengel.
"Was ich bis jetzt habe, macht so für sich noch keinen Sinn."
Das hätte der Drehbuchautor beim Schreiben merken sollen. Und dann das Drehbuch lochen, wegheften oder gleich in die Altpapiertonne.
Ich verlasse "Chez Garbáge" satt und zufrieden!
Und ich bleibe bei meiner These: Porno mit Plott können nur die Japaner.
Nach etwas Recherche wird das hier wohl etwas länger. Nun denn:
Der Playboy, den ich von 1992 bis um die Jahrtausendwende gelesen habe (der Interviews wegen, you know), veröffentlichte in seinem Heft 11/92 eine Bilderstrecke mit dem Titel "Happy Hour: Unsere schärfsten Barfrauen". Unter den abgebildeten Damen eine gewisse Zora Niemann,. Wenn ich mich recht erinnere, soll sie sich zu dem Shooting nur mit erheblicher Überredungskunst bereit erklärt haben. Angeblich gefiel den Lesern dies eine Bild so gut, dass sie dann in der Ausgabe 01/1993 Playmate des Monats wurde. So weit, so gewöhnlich, der Hausherr mit seiner digitalisierten Heftesammlung kann das ja einmal gegenprüfen. Allerdings stellte sich später heraus, dass die Dame unter dem Pseudonym "Zovika" (plus diversen anderen Namen, die entsprechenden Datenbanken helfen da gerne weiter) schon eine erkleckliche Pornokarriere hinter sich hatte. Und voilà – wir haben Stripperin 2 aus dem hier besprochenen Machwerk.
Ich erinnere mich dazu noch vage an sie als Studiogast bei Wa(h)re Liebe. Da das laut Wikipedia erst ab 1994 lief, also über ein Jahr nach dem Playboyshooting. Ich glaube, dass es damals um den Ärger ging, den sie vom Häschenblatt bekam. Denn die wollten ja High Quality als Centerfolds und keine früheren Pornodarstellerinnen. Und ich glaube auch, dass einige Sendungen später Lilo Wanders in die Kamera sagte, dass man sich große Sorgen um sie mache, weil sie wohl mit ihrem in zwielichtige Rotlichtgeschäfte verwickelten Partner untertauchen musste. So ungefähr in der Art "Wo immer du bist, bitte pass auf dich auf."
Meine Theorie: Der Playboy hat sie wohl wirklich als Barkeeperin vorgefunden, aber welche Art von Bar das war, wird wohl ewig das Geheimnis des Model-Scouts bleiben.
Sensationell! Dazu werde ich dieser Tage noch was beitragen!