Uniqlo-Eröffnung in München: Shopping-Wahn ohne Wortvogel
Themen: Neues |Es ist 12 Jahre her, dass ich in London eine Filiale der mir bis dahin unbekannten Modekette UNIQLO entdeckt habe – damals habe ich noch gemutmaßt, man würde für einen Einstieg in den deutschen Markt einen anderen oder zumindest etwas angepassten Namen finden müssen.
Für mich war und ist UNIQLO der perfekte Laden für qualitativ gute und zuverlässige Basics. Ich habe mittlerweile fast nur noch Socken von denen, ebenso sehr viele T-Shirts für drunter (Airism) und drüber (Uniqlo U). Zwei Sweatshirts, eins in Sydney und eins in Berlin gekauft. Ein weißes Poloshirt, dem ich einen Rotweinfleck letzte Woche mit Chlorbleiche austreiben konnte.
Was ich bei Uniqlo nicht kaufen würde: Hemden, Hosen, Schuhe. Da geht es um Passform und längerfristige Haltbarkeit, da vertraue ich lieber Wrangler, Clarkes, und Charles Tyrwhitt.
Wie so oft habe ich mich übrigens geirrt – bereits 2014 machte in Berlin die erste deutsche Filiale auf. Als UNIQLO. Es folgten zwei weitere Filialen. Dann Düsseldorf. Stuttgart. Frankfurt. Köln.
Und München?
München blieb ein weißer Fleck. Das ist zuerst einmal unverständlich, denn die Stadt ist reich und modebewusst. Als Abercrombie & Fitch hier eröffnete, standen sich die Leute die Füße platt, um der damals angesagten US-Marke zu huldigen. In der Schlange tapfer mit dabei: eine unserer Patentöchter.
Der Eroberung der bayerischen Hauptstadt durch UNIQLO stand allerdings Corona entgegen. Im Lockdown und danach mit Masken und Abstandspflicht Shirts und Socken zu verkaufen ist unsexy. Also wartete man etwas länger und verkündete 2022, in die aufwändig sanierte Alte Akademie in der Fußgängerzone einzuziehen – mit einem megafetten Flagship-Store.
Leider verließ man sich dabei auf den Immobilien-Magnaten René Benko, dessen Imperium 2023 zusammenbrach und alle Pläne zunichte machte.
Aber jetzt! Heute wurde nach langer Wartezeit auf der mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Shopping-Meile der Leopoldstraße in einem deutlich kleineren Haus (ehemaliges Kino) Eröffnung gefeiert – und der Wortvogel war dabei!
Besser gesagt: der Wortvogel war davor.
Um 10.00 Uhr sollten sich die Türen öffnen, Musik, Aktionen, diverse Rabatte und Gewinnspiele waren versprochen. Weil der frühe Vogel den Wurm fängt, trieb ich mich schon um 9.30 Uhr in der Gegend herum. Bei 0 Grad Celsius.
Allein, es sollte nicht sein – ungefähr 200 Meter Schlange erwarteten mich:
Ich bin bescheuert, aber so bescheuert dann doch wieder nicht.
Wenigstens konnte ich mich am Eingang vorbei schlängeln und ein Video der Musiker machen, die im japanischen Stil für die Eroberung Münchens trommelten.
Aber davon ab: Herr Dewi sagt nein.
Ich verstehe es auch nicht. UNIQLO ist nicht neu. Es gibt Filialen in einem halben Dutzend anderer deutscher Städte, international ist die Kette auch gut vertreten. UNIQLO ist keine Edelmarke, bei der man froh sein muss, wenn man über die Schwelle gelassen wird. Man kauft dort keine Statussymbole. Brutal gesagt ist UNIQLO das bessere H & M.
Außerdem kann man alles von UNIQLO auch bequem im Online-Shop kaufen, oft genug mit Rabatten bei Sonderposten und Aktionsware.
Was soll das also? Der Frankster hatte die vermutlich richtige Antwort: "In den Herbstferien haben die Schüler ja Zeit, sich da anzustellen."
Und so bin ich unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Vielleicht schaue ich am nächsten Montag da noch mal vorbei. Socken gehen immer.
Wie steht ihr zu UNIQLO, zu solchen Filialisten, zum analogen "Beine in den Bauch stehen"? Soziales "get together" oder analoger Kappes für Shopping-Süchtige?
"Wenn jemand mein Geld möchte, stelle ich mich dafür doch nicht an!"
sage ich immer sehr dezidiert und stehe dann doch wieder in irgendeiner Schlange auf der Maximilianstr., weil Weihnachten wie immer überraschend terminiert wird und das Geschenk für die Frau online nicht mehr rechtzeitig ankommt.
Aber nicht dieses Jahr – seit ich weiß, dass man Shopping-Termine buchen kann. Auch wenn das natürlich völlig albern ist (siehe oben, die wollen ja mein Geld).
Ich werde nie verstehen, warum man sich stundenlang beim Schlangestehen in drängelnden Massen zu irgendeiner Eröffnung langweilen muß, wenn am nächsten Tag der Laden ein ganz normaler Laden ist.
(Von Instagramdödeln mal abgesehen)
Es gibt sehr, sehr wenig, wofür ich mich freiwillig wo anstelle. Sowas gehört nicht dazu.
Hm, ich war vor ein paar Wochen Samstags in Düsseldorf. Die Filiale gibt es ja schon ein paar Jahre. Ich war sehr erstaunt zu sehen, dass dort nachmittags eine lange Schlange war und der Einlass geregelt wurde. Was wohl auch keine schlechte Idee ist bei der Länge der Schlange. Die Marke hat aktuell durch Social Media einen großen Hype. Ich kaufe dort auch gerne und hoffe die bleiben ihrem Konzept treu. Und online kann man auch ohne anstehen bestellen. Leider verbockt DHL dann die Lieferung. ( keine Ironie )
Düsseldorf ist einfach richtig schrecklich, weil der Laden für die Menge an Ware viel zu klein ist und auch noch eng und schlauchförmig. Die Treppe ist ganz hinten und auch zu klein, ich habe keine Ahnung wie das durch eine Brandschutzabnahme gekommen ist.
Das ist der Grund, warum ich bei Besuchen in Düsseldorf dort nicht hingehe. Die haben auch zu wenig Angebot. In Berlin ist das erheblich besser.
Ich war gerade im UNIQLO in New York und wusste gar nicht, dass es den auch in Frankfurt gibt, danke für den Tipp. 😉 Vor vielen Jahren war ich, ebenfalls in New York, zum ersten Mal bei Abercrombie & Fitch auf der Fifth Avenue, und da war es völlig normal, dass man an jedem beliebigen Tag zu jeder Uhrzeit Schlange stand, einfach weil der Laden so überlaufen war. Damals war A&F allerdings auch noch wesentlich angesagter als heute. Das war auch die Zeit, als die Verkäuferinnen Bikinis und die Verkäufer Shorts (und sonst nichts) trugen und das Licht gedimmt war wie in einem Nachtcub. Aber dort einzukaufen war schon ein Erlebnis. 😉 Mittlerweile ist Old Navy mein Favorit, was Klamottenmarken angeht, die gibt’s leider nicht in Deutschland – oder zum Glück, je nachdem. 😀
Das mit Old Navy unterschreibe ich sofort. Die haben viel Billigkrempel, aber auch sehr gute "basics". Ich schrieb vor 10 Jahren:
"Lieblingsstück: Ein dunkelblaues Hoodie, gekauft 2011 bei Old Navy in Memphis."
Das Ding trage ich heute noch.
Ich hab von denen Shirts, Jeans, Stoffhosen, Schlafanzüge, Jogginganzüge, Jacken, sogar Schuhe, Socken und Unterwäsche. Bei allen Sachen ist die Qualität total gut und langlebig. Die Muttermarke GAP ist übrigens auch nicht schlecht, die gab es mal in Deutschland, aber inzwischen leider nicht mehr.
Ich glaube der Zug des Selbstschämens was Brand-Names angeht ist spätestens mit dem Markteintritt von Wix abgefahren. 😉
Früher hat man seine Schuhe gewixt, heute seine Webseite. Das ist ein altehrwürdiges Wort.
Was sollen denn die Einwohner von Darmstadt-Wixhausen sagen? 😉
Ich stehe nur an, wenn es die gewünschten Konzerttickets oder das Foto mit Micky im Disneyland nicht anders gibt. Bisher in Summe ganze drei Mal.
Ich gehe nur in die Stadt einkaufen, wenn ich Lebensmittel brauche oder es sich um einen Super-Sonder-Spezialhändler mit entsprechender Expertise handelt. Warum ich mich an eine Klamottenladen (mit Online-Präsenz!) anstellen sollte, ist mir absolut schleierhaft.
Stop: Als Grundschüler standen wir tatsächlich in den Sommerferien immer mal an am Kaufhof. Um 10h zur Öffnungszeit. Damit wir die ersten an den damals spielbaren Spielkonsolen der Elektronikabteilung waren.
Vor ein paar Monaten wurde hier in Heidelberg ein Shop mit besonders fotogenen Zimtschnecken ("Cinnamon rolls") eröffnet, in den ersten Tagen bildeten sich da auch Schlangen. Very instagrammable! Mittlerweile ist da aber auch Ebbe. Andererseits muss man vielleicht froh sein, wenn es in der latenten Einzelhandelskrise mal einen – wenn auch kurzfristigen – Hype gibt.
Das ist sicher so – der Hype kann aber auch übel enden wie z.B. bei Royal Donuts.
Ist das vielleicht Cinnamood? Gibt’s auch in meiner Heimatstadt. Da stand an einem Samstagnachmittag eine gefühlte 5 Kilometer lange Schlange zur Eröffnung vor der Tür. Verstand ich nicht. Nur für Zimtschnecken? Bin wohl social media-weise nicht mehr up-to-date.
Wir haben gestern super leckere Zimtschnecken gebacken. Stand auch keine Schlange vor der Tür. Buuuhhh!!!
Hast du die mit gekauften Influencern auf Instagramm promoted? Nein? Also beschwer‘ dich nicht!
ich war hier in Köln zweimal in deren Laden, aber die Klamottenw aren mir vom Schnitt her alle zu eng und der Laden gefiel mir aufgrund der engen Räume , in denen alles viel zu gedrängt stand, überhaupt nicht, daher habe ich dort nie etwas gekauft. Die sind allerdings vor einiger Zeit in ein größeres Gebäude gezogen, vielleicht gehe ich da beizeiten nochmal hin.
Ansonsten würde ich mich außer für Eintrittskarten niemals anstellen. Ich kann mich auch nur an eine Gelegenheit erinnern, bei der ich das hier gesehen habe, und das war die Eröffnung von Primark
Es gibt nur 2 Arten von Kunden: Die mit mehr Zeit als Geld und die mit mehr Geld als Zeit
In Frankfurt war zur Eröffnung ein ähnliches Drama, deswegen waren wir da auch noch nicht. Die Dinger sind in Japan aber auch immer gut besucht, dank gutem Yen-Kurs für uns, kann man aber ziemlich gute Schnapper machen.