Filmverbrechen-Fotostory (NSFW): POMMES ROT-WEISS oder: Searching for Zora
Themen: Neues |Ich war eigentlich recht zufrieden, POMMES ROT-WEISS mit nur drei Teilen und in ca. 60.000 Zeichen abgehandelt zu haben. Das sind mehr als 33 Standard-Manuskriptseiten – und doch weniger als Monster wie KAMIKAZE 1989.
Allerdings kam dann Leser McCluskey daher und machte noch mal ein ganz anderes Wespennest auf. Es zeigt sehr schön, wie verlogen die ganze Erotik-Branche ist und wie sehr die "seriösen" Anbieter bemüht sind, sich durch relativ willkürliche "firewalls" vom "Schweinkram" abzugrenzen.
Es geht um die zweite Stripperin in Romys Bar, die in den Credits – wie alle anderen text(il)freien Nackedeis – nicht namentlich erwähnt wird:
Weil es keinen Namen zu diesem… Gesicht gab, konnte ich auch nichts recherchieren. Aber mittlerweile haben wir einen roten Faden.
Gehen wir mal davon aus, dass der Film tatsächlich 1990 gedreht und 1991 auf Video veröffentlicht wurde. Spaßeshalber.
Nach McCluskeys Recherche passierte im Jahr darauf folgendes:
Der PLAYBOY veröffentlichte in seinem Heft 11/92 eine Bilderstrecke mit dem Titel "Happy Hour: Unsere schärfsten Barfrauen". Unter den abgebildeten Damen eine gewisse Zora. Wenn ich mich recht erinnere, soll sie sich zu dem Shooting nur mit erheblicher Überredungskunst bereit erklärt haben.
Das ist korrekt – ich habe ja alle Ausgaben gescannt und kann das bestätigen:
Sieh an – Stripperin Nummer 2 im Hasen-Heft!
Es gehört zur Masche des PLAYBOY, die ausgezogenen Damen als "girl next door" zu präsentieren, die ihrer Schönheit und Ausstrahlung nicht gewahr sind. Der Gedanke dahinter: Männer halten Frauen für begehrenswerter und verfügbarer, die ihren sexuellen Marktwert unterschätzen. Sie sind niemals Bimbos oder Ischen, die jede Nacht durch die Discos ziehen, um sich aufreißen zu lassen. Das Magazin ist teuer, da dürfen die Frauen nicht billig sein. Deshalb macht es Sinn, dass Zora sich nicht vorstellen konnte, "schön genug" für den Playboy zu sein.
Und es gehört genauso zur Masche des PLAYBOY, gewünschte Leserreaktionen zu erfinden oder zumindest zu übertreiben, um eine sowieso vorgesehene Fotostrecke "by public demand" zu rechtfertigen:
Die These, dass "Zora Niemann" von vorne herein als Playmate eingeplant war, wird auch durch den Produktionskalender gestützt: die "Leserpost-Lawine" wäre erst auf die Redaktion eingeprasselt, als Ausgabe 1/1993 längst in Arbeit war.
Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass die junge Dame nicht "Zora Niemann" heißt oder hieß. Es ist üblich, die Namen der Playmates entweder neu zu erfinden oder soweit abzuwandeln, dass man sie nicht im Telefonbuch nachschlagen kann. Besser ist das – welches junge Nacktmodell möchte spät in der Nacht besoffene PLAYBOY-Leser vor der Haustür stehen haben?
"Zora Niemann" schaffte es zwar nicht auf das Cover des Januar-PLAYBOY, weil diese Ausgabe der Wahl zur "Playmate des Jahres" vorbehalten ist, aber für das Shooting des Centerfolds winkte ihr neben der Gage immerhin eine Reise nach Australien. Betextet wurde ihr Shooting mal wieder maximal schwülstig-kitschig.
Kein schlechter Aufstieg für "Stripperin Nummer 2" aus POMMES ROT-WEISS. Damit wäre die Sache eigentlich durch gewesen und "Zora Niemann" hätte problemlos versuchen können, ihre Playboy-Auftritte in eine kleine Karriere und eine begrenzte Prominenz umzumünzen. Leider gab es ein Haar in der Suppe…
Ein wenig Kontext: Der Playboy hat immer schon klare Spielregeln gehabt, woher seine Playmates kommen und was sie tun/sein dürfen. Das Blatt rekrutiert seine Ausziehpuppen grundsätzlich nicht aus dem Porno-Bereich, so geeignet sie äußerlich sein mögen. Prostitution und Rotlicht-Branche sind auch verpönt.
Das gilt vor und nach der Zeit als Playmate – soweit ich weiß, gibt es relativ wasserdichte Verträge, dass die Nackedeis im Auftrag des Hasen weder bei der Konkurrenz noch in Produktionen auftreten dürfen, die dem Image des PLAYBOY abträglich sein könnten.
Perplexity.ai weiß dazu folgendes zu sagen:
PLAYBOY playmate contracts were structured to prevent any association with pornography, competing adult magazines, or actions considered to "damage" the magazine’s image, enforced by both contract law and trademark protections.
Ich erinnere mich an einen relativ medienwirksamen "Skandal", als mit Teri Weigel (Playmate April 1986 und mehrfach Gast-Bimbo in der SCHRECKLICH NETTEN FAMILIE) erstmals eine Playmate in den Porno-Bereich wechselte. Das passte Hugh Hefner gar nicht, das rückte sein Magazin zu nah an den Hardcore-Bereich.
Und damit sind wir auch schon wieder bei "Zora Niemann". Nochmal McCluskey:
Allerdings stellte sich später heraus, dass die Dame unter dem Pseudonym "Zovika" (plus diversen anderen Namen, die entsprechenden Datenbanken helfen da gerne weiter) schon eine erkleckliche Pornokarriere hinter sich hatte.
Das ist korrekt. Zora hat als Zovika, Roxana, und Tanja wahrlich nichts ausgelassen und kann sich kaum auf "das war ein einmaliger Ausrutscher" rausreden:
Man kann "Zora Niemann" allerdings zu Gute halten, dass sie mit dem PLAYBOY-Shooting ihre XXX-Karriere beendet hat und danach nicht mehr in entsprechenden Filmen und Fotoserien zu sehen war.
Puhh… das muss für den PLAYBOY ärgerlich gewesen sein. Porno"stars" hatte man bisher ja weiträumig und sorgfältig umschifft. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass niemand in der Redaktion davon gewusst haben will. Hat man geglaubt, in der Vor-Internet-Ära damit durchzukommen – oder hat Zora alle belogen?
Tatsächlich hatte die Geschichte wohl noch ein Nachspiel – McCluskey?
Ich erinnere mich dazu noch vage an sie als Studiogast bei Wa(h)re Liebe. Da das laut Wikipedia erst ab 1994 lief, also über ein Jahr nach dem PLAYBOY-Shooting. Ich glaube, dass es damals um den Ärger ging, den sie vom Häschenblatt bekam. Denn die wollten ja High Quality als Centerfolds und keine früheren Pornodarstellerinnen.
Und ich glaube auch, dass einige Sendungen später Lilo Wanders in die Kamera sagte, dass man sich große Sorgen um sie mache, weil sie wohl mit ihrem in zwielichtige Rotlichtgeschäfte verwickelten Partner untertauchen musste. So ungefähr in der Art "Wo immer du bist, bitte pass auf dich auf."
Rotlicht, Zwielicht, Pornografie, ein fester Lebenspartner – genau diese Lebenswirklichkeiten passen eben nicht zum Spaß-Image der Playmates.
Danach verschwand "Zora Niemann" von der Bildfläche.
Leider konnte ich den Ausschnitt aus WA(H)RE LIEBE nicht auftreiben – es wäre sicher spannend gewesen, sie "in her own words" zu hören.
Spätestens seit der Jahrtausendwende und dem Boom der Internet-Pornographie sind die Regeln für die PLAYBOY-Shootings übrigens immer weiter aufgeweicht worden. So war die Playmate des Jahres 2023 Milena Milyaeva aus der Ukraine bereits ein bekanntes und etabliertes Nacktmodell, als sie für den PLAYBOY posierte. Und besonders in Amerika haben diverse PLAYBOY-Häschen ihre Assoziation mit dem Magazin in eine Karriere mit deutlich expliziteren Filmen und Fotos umgemünzt. The times they are a-changing.
Was aus "Zora Niemann" wurde? Niemand weiß es. Aber ich schließe mich Lilo Wanders an und hoffe, dass sie auf sich aufgepasst hat. It’s a jungle out there.
Achterbahn…
Such is life.