Ausflug nach Schwabing
Themen: Neues |Weil in Trudering doch deutlich weniger los ist als in der Innenstadt, bin ich mit der LvA heute vormittag nach Schwabing gefahren – einen Kaffee trinken, Blumen kaufen, ein bisschen "inner city vibe" spüren. Und kaum ist man eine Stunde unterwegs, hat man schon wieder genug Bilder für einen Beitrag beisammen.
Über die Eröffnung des ersten Münchner Uniqlo hatte ich vor über einer Woche geschrieben. Ich habe die Begeisterung nicht verstanden, mit der die Leute in der Eiseskälte standen, nur um bei einem Mode-Filialisten einzukaufen, den es anderswo schon lange gibt und der seine Ware auch komfortabel online anbietet.
Was ich noch weniger verstehe – die Leute stehen da immer noch an!
Es bestätigt wieder mal meine Vermutung, dass der "homo comfortensis" zu viel Zeit und zu viel Geld hat – und beides gerne verschwendet.
O tempora, o mores – die bayerischen Tapas müssen auf der Leopoldstraße einem türkischen Fladengericht weichen:
Hier irritiert mich eher das Fragezeichen in der Ankündigung – sind die selber nicht sicher, ob der Laden jemals eröffnen wird?!
Vor vielen, vielen Jahren habe über die fundamental-christlichen Büchlein berichtet, die in Schwabing zur Seelenrettung ausgelegt werden. Heute stolperte ich genau dort über einen Aufkleber, den ich zu putzig finde:
Gerade ich brauche Jesus? Vielleicht, damit er den Bierkasten nach oben trägt…
Es ist aber kein Wunder, dass man in der Siegesstraße (!) mit so etwas konfrontiert wird, denn dort findet man auch die Verursacher dieses Papiermülls in Form der Freien Christlichen Gemeinde:
Ziemlich düsterer Schuppen mit äquivalenter Weltsicht.
In den Hinterhöfen der Stadt gibt es immer wieder was zu entdecken – dieses Vogelhaus ist architektonisch und baulich beeindruckend der Region angepasst. Einen Energieausweis wird man dafür allerdings kaum bekommen:
Direkt gegenüber (und leider kaum sichtbar) – jemand hat seinen ausgebauten Wintergarten als monströses Treibhaus genutzt:
Ich liebe Aufkleber und Aushänge an Laternenpfählen! Hier hatte ich aus drei Metern Entfernung noch gedacht, es würde ein Klavier verkauft – mitnichten, es wird nur zur Vermietung angeboten:
Gibt es Leute, die Klaviere mieten? Das ist doch ein ziemlicher Transportaufwand. Rechnet sich das? Oder bin ich da nur wieder Kulturbanause und diese temporäre Verschiebung von Instrumenten ist gang und gebe?
Dieses Haus am Wedekindplatz ist Schwabinger Tradition:
Es ist so sehr Tradition, dass ich sogar ein Gemälde davon an der Wand hängen habe (bzw. den Druck eines Gemäldes):
Sehr lange war hier ein Schreibwarengeschäft zu finden, das aber seit gefühlten 35 Jahren die Türen geschlossen hatte. Um die Zukunft des Hauses hatte es wohl immer Erbstreitigkeiten gegeben. Nun wird es verkauft und dann wohl auch renoviert. Eines der kleinen Ladenlokale wurde an die gerade angesagte Kette LAP Coffee verpachtet. Wahrlich nicht jeder ist davon begeistert. Eine ideale Gelegenheit, mir ein eigenes Bild zu verschaffen.
Ehrlich? Ich verstehe weder den Hype noch den Ärger darüber. Ja, die Läden sind geradezu aggressiv hässlich und uneinladend – hier trinkt man nur vor Ort, wenn es draußen regnet. Der Kaffee ist ziemlich gut und nicht aus der "french press".
Aber: seit wann sind 4,50 Euro für einen "Pistacchio latte" und 3,50 Euro für einen Cookie faire, die Konkurrenz beunruhigende Preise? Das ist genauso überteuerter Scheiß wie bei Starbucks, nur in erheblich hässlicherem Ambiente. Kann man machen, wenn man es sich leisten möchte, muss man aber nicht.
Ich prophezeie einen kurzlebigen Hype wie bei Royal Donuts.
Ab in den Kaufhof an der Münchner Freiheit. Ich gestehe, dass ich immer noch nostalgische Gefühle für die klassischen Konsumtempel hege. Alles unter einem Dach und bei der Mode hat man die Auswahl aus diversen Marken. Perfekt.
Diese Filiale der sterbenden Kette hat eine besonders große Auswahl an Adventskalendern zu bieten, wobei der Begriff "groß" wörtlich zu nehmen ist – es gibt ein über ein Meter großes Exemplar von Lindt mit stolzen 2,7 Kilo Inhalt:
Ich habe nichts gegen die Idee eines Superhelden-Adventskalenders – aber in diesem Fall gegen den Inhalt: 12 paar Socken, die nicht mal Superkräfte verleihen.
Ich kann weiterhin nur mit dem Kopf schütteln, wie viele Adventskalender nicht mehr nach dem klassischen "Tür auf und mampfen"-Prinzip funktionieren:
Es gibt aber dennoch Varianten, die uns zumindest innehalten lassen – warum nicht mal ein spannendes Rätselspiel im Advent ausprobieren?
Andererseits: wir sind gerade mit diesem "hidden object game" gut beschäftigt:
Vor allem aber ärgere mich, dass die Produktion des einzig relevanten Adventskalenders vor ein paar Jahren gemein und grundlos eingestellt wurde:
Nussknacker sind ja auch eine Tradition. Wir haben diverse aus Familienbestand, auch wenn wir keine Nüsse mehr knacken. Es freut mich aber, dass es die bissigen Gesellen nun auch in queer – oder sagen wir lieber lebensbunt – gibt.
Ich bin ein Freund von Kugeln am Weihnachtsbaum. Aber in den letzten 20 Jahren setzt sich durch, dass man an praktisch alles einen Haken machen kann, solange es vom Gewicht her den Weihnachtsbaum nicht umreißt. Da sind die Lizenzen der großen Hersteller natürlich nicht weit – ich bin gerade froh, keine Kinder zu haben.
An gleich mehreren Standorten im Kaufhof finden sich diese Automaten, an denen man für einen guten Zweck Halbedelsteine ziehen kann:
Als jemand, der in Kindertagen ein begeisterter Sammler von Amethyst und Rosenquarz war, finde ich solche Handschmeichler grundsätzlich gut – sie wirken auch sehr beruhigend, wenn man damit rumspielt. Dass von den zwei Euro nur 50 Cent der Aktion "Ein Herz für Kinder" zugute kommen, prangere ich aber an.
Mein Tipp: lieber 10 Euro direkt spenden und bei Temu gleich zwei Dutzend solcher Steine für 2,65 Euro kaufen.
Hey, Ströer! Eure Werbeanzeige ist ohnmächtig umgekippt!
Ich weiß nicht, in welchem Kontext diese Post- und Werbekarten hier hängen, aber ich bin von einigen ob ihrer Rotzigkeit ziemlich begeistert:
"Red mal höflich, du Opfer" werde ich in meinen Sprachschatz übernehmen.
Ach Schwabing, my love! Es stimmt schon, was die Gräfin zu Reventlow über dich sagte – und der begeisterte Gruß des Ladenbesitzers an euch alle bestätigt es:
Der Klaviervermieter hat sich das Konzept nur von Red Bull abgeguckt. Die verleihen schon seit Ewigkeiten Flügel.
Kommentare können eigentlich zugemacht werden. Besser als das hier wirds nicht mehr..
Ich sehe das ähnlich. My readers are on fire!
Großartig!
Klaviere oder gar Flügel zu verleihen ist eine absolute Scheißidee. So ein Ding wird beim Transport unvermeidbar ordentlich durchgerumpelt, da kannste jedes Mal den Klavierstimmer kommen lassen. Ich vermute, der Flügel steht halt irgendwo und man ermietet sich das Recht, darauf zu üben, ohne Rücksicht auf irgendwelche Nachbarn nehmen zu müssen.
Ach lustig. Zu den meisten Bildern hätte ich direkt analoge Beispiele aus Berlin. Aber ich habe vor allem einen geheimen Faible für "kaputte" Displays. Die Sammlung meiner Fotos von Werbedisplay, Anzeigern o.ä., die Fehlerzustände, Windows-Startscreens, BIOS-Zustände o.ä. zeigen statt ihrer schnöden Bildershow ist mittlerweile episch 🙂 Es wird nie langweilig, darüber zu schmunzeln 🙂
Das hier war meine erste "public error message"-Aufnahme – Las Vegas ca. 1999, 10 Meter hoch am MGM Grand (?):
Episch!
Sowas fotografiere ich auch gerne, noch lieber aber Sachen aus der Kategorie "Ist ’n Softwareproblem, kann man nichts machen".
"Keine Eiswürfel ist ausverkauft" – sehr schön.
Zu viele Hype-Läden dort. Da hilft nur Erding.
Da kann ich auch in Trudering bleiben.
Das Wortspiel war zu kompliziert.
Es gibt auch Tage, da bin ich nicht voll da.
Im letzten Absatz hat das arme Schwabing sein "w" verloren
Jetzt nicht mehr. Danke.
Oh, schade um den bayerischen Tapas-Laden. Andererseits, über wen oder was beschwere ich mich, ich war ja selbst nur ein oder zweimal dort.
in der kartensammlung die 'läuft bei dir'-karte ist blutspendewerbung.