Living in the 80s: Music Video Erotica
Themen: Film, TV & Presse, Neues |Die 80er waren meine Jugend und damit meine Pubertät. Ich habe schon erzählt, wie aufregend selbst vergleichsweise harmlose BRAVO-Poster sein konnten.
Musikvideos waren dabei ein wichtiger Faktor. Meine Ausführungen zu Pop-Videos, die eher Popo-Videos waren, habt ihr ja sicher gelesen.
Für die großen Multiplikatoren wie MTV und FORMEL 1 durften Musikvideos maximal sexy, aber niemals freizügig sein. Die Diskrepanz zwischen Schweinkram-Texten ("I like big butts", "I touch myself", "relax if you wanna come") und der Prüderie, nicht mal eine halbe Arschbacke zu zeigen, war zeitweise erstaunlich.
Ein sehr gutes Beispiel für die akzeptierte Form von sexy war Laura Branigans Video zu "Self control", in dem viel angedeutet, aber nichts gezeigt wurde:
Nackte Tatsachen waren oft nicht nötig. Sexy funktioniert auch angezogen – siehe Kylie Minogue in "Better the devil you know"
oder Paris Jefferson in "Crazy" von Icehouse (übrigens ein Musikvideo-Remake von Clint Eastwoods erster Regiearbeit PLAY MISTY FOR ME):
1987 kokettierte man bei Sabrina nicht mehr mit irgendwelchen Anspielungen oder Zweideutigkeiten – "Boys" war ein Bauarbeiter-Kalender mit Musik:
Tatsache ist aber, dass es selbst beim edlen Synthiepop in den 80ern einen "darkroom" gab, eine Subkultur mit ungeschnittenen Versionen von Videos, die SO auf MTV und bei FORMEL EINS niemals gezeigt wurden. Oft genug wurden diese Varianten produziert, um kleine und größere Skandale in der Presse zu provozieren. Man sah sie bestenfalls in angesagten Clubs auf großen Leinwänden, bei Presse-Events, und auf Musiksendern des Auslands, die weniger strikte Maßstäbe anlegten. Sie waren "forbidden fruit", über die auf Schulhöfen getuschelt wurde und deren tatsächliche Existenz man gerne anzweifelte.
Dabei ging es nicht darum, billige Ballermann-Musik mit ein paar Freizügigkeiten zu verkaufen – die meisten dieser Clips waren anspruchsvoll, teuer produziert, und visualisierten großartige Songs ihrer Ära. Darum habe ich euch mal rausgesucht, an was ich mich erinnern konnte und was heute problemlos verfügbar ist.
Erwartungsgemäß habe ich diverse dieser Videos auf meinen eigenen Server legen müssen, weil ihr sonst wegen der Altersfreigabe immer direkt zu YouTube hättet wechseln müssen. Gern geschehen.
Das hier ist relativ harmlos – Ultravox war unbestreitbar "classy". Trotzdem darf man sich fragen, was genau die Intention war, eher beiläufig blanke Brüste im Stil von David Hamiltons "Zärtliche Cousinen" zu präsentieren:
Erheblich heftiger gingen die Jungs von Duran Duran ran, denn ihr Image war auch sehr stark auf New Wave-Erotik aufgebaut. Selbst im vergleichsweise späten "The Wild Boys" von Russell Mulcahy (Regisseur von HIGHLANDER!) wurden die weiblichen Tänzerinnen topless durch die Apokalypse gescheucht:
Angefangen hatten Duran Duran mit ihren Video-Ferkeleien aber schon 1981 bei "Girls on film" – Mode, Models, Möpse, das war in ihrem Style alles irgendwie eins:
Vielen "Kennern" dieser Sorte Video gilt das ein Jahr später veröffentlichte "The Chauffeur" als Höhepunkt des Genres – eine Mischung aus französischem Softsex-Stil und ein Vorgriff auf die Kapriolen von Madonna in "Erotica":
Tatsächlich hat sich MTV mindestens einmal in den 90ern getraut, nach Mitternacht eine "x-rated"-Sendung auszustrahlen – womit natürlich Sachen gemeint waren, die selbst nach harschester Auslegung bestenfalls "r-rated" waren. Aber der Sender kam aus Amerika und die Amerikaner sind unrettbare Heuchler in Sachen Nudity.
Ich habe die Show damals tatsächlich gesehen und bin durch sie auf eine "uncensored"-Version dieses Rock-Bangers von Alice Cooper gestoßen:
Die Franzosen waren nicht so etepetete und ich kenne keinen Jungen mit Grips von damals, der nicht von Mylène Farmers Freizügigkeit begeistert war:
Ebenfalls sehr provokant war seinerzeit Guesch Pattis Strip-Video zu "Etienne":
Mein persönliches Highlight ist aber ein gänzlich anderes Video, weil hier Song, Sänger, Stil und Atmosphäre eine perfekte Einheit bilden. Als ich diese "unzensierte Fassung" vor einem Jahr entdeckte, schrieb ich dazu auf Facebook:
"Ich kann mich nicht erinnern, das Video in den 80ern mal gesehen zu haben. Hätte ich es gesehen, hätte es mich hormonell überfordert."
Dazu stehe ich – "Imagination" von Belouis Some:
Peak 80s. Trotz red(dit)licher Bemühungen ist es dem Internet bis heute nicht gelungen, die junge aristokratische Dame im Video zu identifizieren. Schade.
Darüber zu diskutieren, ob das alles sexistisch war, Ausbeutung zumeist schlecht bezahlter Models, billiges Spekulieren auf die Hormone der Zielgruppe – geschenkt. Es war die Erotik der 80er und muss im Kontext gesehen werden. Da lasse ich mir von der Generation Pornhub und OnlyFans gar nix vorwerfen.
Erinnert ihr euch an Musikvideos aus dieser Zeit, bei denen ihr atemlos gedacht habt "boah, ist der/die schön!"? Was fandet ihr sexy, oh lala, frech, oder gar "geil!"?
Die Prüderie hält bei mir noch an: mir ist irgendwie unangenehm, dass ich diese Referenz sofort verstanden habe.. (und sie, nach Anschauen des Videos, auch voll nachvollziehen kann.)
Same here. Die Faszination für die "Backfische" in den 70ern fand ich extrem cringe und grenzüberschreitend. Da ist was bis heute noch nicht aufgearbeitet.
Man schaue sich nur die Besucherzahlen der ganzen "Schulmädchen-Report" u.ä. Filme an, um zumindest aus heutiger Sicht zu dem Schluss zu kommen, dass die Deutschen in den 70ern eigentlich ein Volk von Perversen waren.
Das sehe ich anders – "teen sex" war ein gängiges Motiv in den 70ern, die Darstellerinnen meistens jenseits der 20. Das ist ein Standard. Aber die Hamilton-Erotik inszenierte die Hauptdarstellerinnen als extrem jung und unschuldig, oft naiv und kindlich. Das hat deutlich mehr den Hauch von Pädophilie, "romantisch" verklärt. Und die Poster von Hamilton hingen auch in vielen Mittelklasse-Haushalten, die der Perversion unverdächtig waren.
Sowas, und dann die gute Samantha Fox mit "Touch me (I want your body)" und "Do ya do ya (wanna please me)" nicht mal erwähnen… die kleine Lady fand ich damals doch sehr, äh, eindrucksvoll.
Und jetzt klickt der vorlaute Marko mal auf den Link im zweiten Absatz und schämt sich eine Runde.
Ähem! Ja. Beides.
Ich habe auch vor einigen Monaten erstmals das Video von Belouis Some gesehen, ich kannte auch den Song nicht. Beides finde ich aber sehr gut, das Video erzählt eine richtige Story. Inwiefern es die nackten Tatsachen gebraucht hat, ist schwer zu sagen, ich finde aber es passt zu Song und Story.
Man kann immer argumentiere, ob jeder Boob-Shot im Video "gerechtfertigt" ist, aber ich finde auch, dass es eine sehr homogene Stimmung erzeugt.
Vanessa Paradis mit Be My Baby. Da sind wir zwar glaube ich schon in den 1990ern, aber hui – auch ohne nackte Tatsachen war das hot.
Ich würde hier noch "China Girl" von Mister Bowie sowie "I want your Sex" und "Father Figure" von George Michael anführen.
Wobei man da immer argumentieren kann, dass die Videos auch inhaltlich den Songs folgten.
"Frech" war eindeutig das "Bitte bitte"-Video von den Ärzten, eine pure gewollte Provokation mit Teresa Orlowski, die nur noch von den äußerst expliziten Kommentaren auf der Maxi getoppt wurde, die von einer echten Domina eingesprochen wurden.
Sexy war für mich immer Kim Wilde, die musste sich dafür auch gar nicht ausziehen
Wobei "Bitte bitte" ja als Provokation angelegt war, da war das Video nur folgerichtig. Was Kim Wilde angeht: full ack, wie der Doc gesagt hätte.
Die Ärzte mit Claudia hat einen Schäferhund.
https://www.youtube.com/watch?v=rDEvucnEDBo
Da geht es aber nicht um das Video, oder?
Ich weiss.Erotisch finde ich es auch nicht.
Aber der hier ist es immer noch
Chris Isaak / Wicked Game
https://www.youtube.com/watch?v=jd-qI62gNJM
Das hatte diese Kuschelrock-Cover-Erotik. Immer noch großartig.
An Wicked Game hatte ich bei dem Artikel auch sofort gedacht. Und ich unterstütze Nummer Neuns Erwähnung von Vanessa Paradies in "Be My Baby" – wenn auch wie er selbst anmerkt ein paar Jahre zu spät ;-).
Ich werfe mal den Namen Mandy Smith in den Raum. Von der mehr als zweifelhaften Geschichte mit Bill Wyman abgesehen – auch so wurde sie als "hot teen" vermarktet. Im offiziellen Video zu "I just can’t wait" ist sie "nur" sexy angezogen, aber man schaue sich einmal diesen TV-Auftritt bei "Na sowas!" an:
https://youtu.be/ymmZY7YmYIo
Ich habe mal das Sendedatum gegoogelt. Miss Smith war da 16.
Die Smith war so scheiße – die konnte sich nicht bewegen, nicht singen, nicht tanzen. Eine Frau, die so aussieht, sollte gar nicht so ungeil sein können.
Never forget:
https://youtu.be/AXf-wHT_SCY?si=leYnrCR4uFiZPi8Y
Da fand ich die Songs immer gut, aber die gute Wendy agierte mir immer zu gewollt "sexy". Konnte ich nix mit anfangen
Meine Zeit waren die Aerosmithvideos mit Liv Tyler.
Und Alicia Silverstone.
Passt zwar nur peripher zum thema, da nicht wirklich sexy oder gar das richtige jahrzehnt, aber bei unzensierten versionen von musikvideos fällt mir als erstes "rock dj" von robbie williams ein. In dem video strippt er, umgeben von rollschuh-fahrenden ischen, bis auf die haut runter, kann die damen aber nicht beeindrucken. Also strippt er weiter, bis er nur noch ein blutiges skelett ist. Das provozierte damals, wenn ich mich richtig erinnere, einen kleinen skandal und wurde wegen blut und splatter nur nach 22 uhr unzensiert auf mtv oder viva gezeigt. Tagsüber wurde das video etwas verkürzt und vom nackten robbie direkt zum tanzenden skelett gesprungen.
Ansonsten fällt mir noch (wieder falsches jahrzehnt) rammstein ein, zu deren muskikvideo von "pussy" eine pornografische version existiert. Dieses video war auch die grundlage für die tv-version, die aber natürlich erheblich geschnitten und zensiert wurde. Generell hat diese band in ihren späteren videos oft mindestens ein paar brüste eingebaut, aber nichts davon kann man wirklich als sexy oder erotisch bezeichnen.
Das durfte man zwar nicht sagen, weil das so ein künstlerisch wertvolles Video war, aber ich fand Kate Bush im "Running Up That Hill" – Video auch schon als Jugendlicher sehr sexy. Ich war alles andere als ein Tänzer, aber da wäre ich gerne einer/ihrer gewesen.
Kim Wilde’s "The Second Time". Mehr der Song als das Video. Peak sexy.
PS: Im Artikel ist bei den unteren beiden Duran-Videos die Reihenfolge vertauscht.
Reihenfolge ist korrigiert, danke. Über "Second Time" hatte ich vor ein paar Monaten erst geschrieben (auf Facebook?). Vor allem ein Song, der einen erstaunlich expliziten Text wagt.