03
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (0): PLANET DER VAMPIRE

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

Italien/Spanien 1965
Regie: Mario Bava
Darsteller: Barry Sullivan, Norma Bengell, Ángela Aranda, Evi Marandi, Franco Andrei, Stelio Candelli, Massimo Righi, Vitto Pellizzari u.a.

Story (Wikipedia): Die Raumschiffe Argos und Galliot steuern wegen eines aufgefangenen Notsignals den Planeten Aura an. Während die beiden Raumschiffe den Planeten umkreisen, bricht der Kontakt zur Galliot ab. Die Argos wird durch eine mysteriöse Macht zur Landung auf dem Planeten gezwungen. Die vorübergehend bewusstlos gewordenen Besatzungsmitglieder greifen sich gegenseitig an, aber dank Captain Markarys schnellen Handelns bleibt die Situation unter Kontrolle. Die Argos kann die Galliot orten, die ebenfalls auf dem Planeten gelandet ist, doch deren komplette Besatzung ist ums Leben gekommen. Auch auf der Galliot war die Besatzung Amok gelaufen, mit tödlichem Ausgang.

Während der zeitraubenden Reparatur der bei der Landung beschädigten Argos erkunden Markary und seine Crew den Planeten. Sie stoßen nicht nur auf ein vor langer Zeit gestrandetes Raumschiff und die Überreste seiner nicht-humanoiden Besatzung, sondern werden auch von wiederauferstandenen Toten der Galliot bedroht.

Kritik: Das hier ist eine Art Vorwärmer – das Fantasy Filmfest hat damit begonnen, im Vorfeld immer mal wieder Klassiker auf die große Leinwand zu bringen. Lobenswert, da allemal eine Abwechslung vom aktuellen Programm. Ärgerlich, weil terminlich vor dem Festival angesiedelt und damit für mich außerhalb meiner Reisezeit. Im Fall von PLANET DER VAMPIRE kein Problem, denn den Film gibt es ja relativ stressfrei anderweitig zu sichten. Es bot mir auch die Gelegenheit, diese lange verheimlichte Lücke in meiner Filmbibliothek zu schließen.

PLANET DER VAMPIRE (in dem wenig überraschend keine Vampire vorkommen) hat den steinigen Weg von schrabbeligem B-Movie zum gefeierten Klassiker geschafft, wird allüberall als Triumph den italienischen Kinos der 60er gefeiert, als gleichauf mit DIABOLIK und DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (in dem wenig überraschend kein Dracula (vor)kommt – damn you, deutsche Titelschmiede!). Kein Wunder, stammen alle drei Filme doch von Mario Bava, dem Gottvater des italienischen Genrekinos.

Mehr noch: PLANET DER VAMPIRE gilt als nicht weniger als die Inspiration für Ridley Scotts ALIEN, was die Story, die Atmosphäre, und auffällig viele Details angeht (ich sage nur: übergroßes Skelett eines außerirdischen Raumfahrers).

Wie so oft kann der Film die Lobeshymnen der spätgeborenen Kritiker nicht voll verdienen. Es wirkt fast so, als hätten die Reviewer sich über die Jahre immer mehr hochgeschaukelt und mit Superlativen übertroffen, die PLANET DER VAMPIRE nicht einlösen kann, weil er sie gar nicht einlösen will.

Ja, PLANET DER VAMPIRE sieht gut aus, besäuft sich an Primärfarben wie später Argentos SUSPIRIA und INFERNO, spielt mit Licht, Schatten, und Nebel, bis der Planet tatsächlich "alien" im Sinne von unwirklich erscheint. Die Gefahr bleibt bis in den dritten Akt nebulös, ist extern wie intern, und ein kühnes Production Design gibt dem Film einen einzigartigen Look.

Aber es lässt sich auch nicht verschweigen, dass PLANET DER VAMPIRE seine Vorlage  (die Kurzgeschichte "One Night of 21 Hours" mit gerade mal einem Dutzend Seiten) kaum auszuschmücken gedenkt. Die Raumschiffe landen auf dem Planeten, ohne dass wir konkret erfahren, was sie dort wollen. Der Absturz der Galliot geschieht im Off. Keine der handelnden Personen hat erkennbare Motive. 90 Prozent der Laufzeit bestehen aus "vorsichtig in der Gegend herum schleichen". Hauptdarsteller Barry Sullivan agiert bestenfalls lustlos.

Die Matte Paintings und Modelle sind von eher minderer Qualität und es ist lediglich der Souveränität Bavas anzurechnen, dass er diese nicht über das erträgliche Maß in den Vordergrund schiebt.

Da ist keine wirkliche Handlung, keine wirkliche Entwicklung der Charaktere, kein interpersoneller Konflikt. Wer warum gegen wen ist fluide und verwirrend. Die Rettung zum Finale hängt komplett an einem willkürlichen Gadget und das Ende ist bestenfalls auf dem Niveau einer schwächeren Twilight Zone-Episode.

Ich verstehe, was man an PLANET DER VAMPIRE faszinierend und charmant finden kann. Ja, ich halte es für ausgeschlossen, dass Ridley Scott den Film nicht kannte, als er mit ALIEN anfing. Mehr als die Parallelen zu diesem Film überraschen mich allerdings Details, die im Jahr darauf bei STAR TREK wieder auftauchen sollten: Das Design der Argos ähnelt der Formsprache von Trek-Guru Matt Jefferies, die Benutzung diverser Instrumente ist sehr analog zur Enterprise, und auch die Gestaltung der Planetenoberfläche inklusive der sichtbaren Studiowand im Hintergrund kam mir ein ums andere Mal bekannt vor.

Bava und sein Kameramann geben sich nur erheblich mehr Mühe mit einer atmosphärischen, dreidimensionaleren Ausleuchtung.

So bin ich froh, PLANET DER VAMPIRE endlich mal gesehen zu haben, und enttäuscht, dass er nicht – wie BLUT AN DEN LIPPEN neulich – die Begeisterung auslösen konnte, die so viele andere Kollegen für ihn empfinden.

Fazit: Ein filmhistorisch interessanter und weit über seine Anforderungen hinaus mutig inszenierter Science Fiction-Horror, der aber ob seiner dürftigen Handlung und non-existenten Charaktere sehr zäh und trocken bleibt. 7 von 10 Punkten für das, was er repräsentiert, nicht für das, was er ist.

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P.S.: Angesichts der Vampire im deutschen Titel ein interessantes Gedankenspiel: Hätte es sich bei den Aliens tatsächlich um Vampire gehandelt, wären die bizarr hohen Kragen der Uniform eine interessante Wahl gewesen, um etwaige Bisse der Aliens so weit wie möglich abzuwehren.



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Christian Siegel
3. September, 2025 20:25

Die Parallelen zwischen „Planet der Vampire“ und „Raumschiff Enterprise“ sehe ich darin begründet, dass beide zum Teil von „Alarm im Weltall“ inspiriert wurden.

Deinem Urteil stimme ich zu: Filmhistorisch ungemein wichtig (wegen der unbestreitbaren Einflüsse auf „Alien“), optisch wie alle Bavas super, inhaltlich aber eher nur zweckmäßig, und spannungstechnisch erinnert er eben eher an eine Folge der klassischen „Star Trek“-Serie denn an den Klassenprimus „Alien“.