06
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (9): HONEY BUNCH

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

Kanada, Großbritannien 2025
Regie: Madeleine Sims-Fewer, Dusty Mancinelli
Darsteller: Grace Glowicki, Ben Petrie, Jason Isaacs, Kate Dickie, India Brown, Julian Richings, Patricia Tulasne, Jesse LaVercombe, u.a.

Offizielle Synopsis: Nach einem Unfall hat Diana das Gedächtnis verloren. Gemeinsam mit ihrem Ehemann reist sie in eine abgeschiedene Traumaklinik tief in den kanadischen Wäldern. Dort soll sie durch innovative und rigorose Therapie genesen. Sie macht schnell Fortschritte, doch es tauchen auch zunehmend erschütternde Erinnerungsfetzen auf, die Diana immer mehr verunsichern. Und wohin verschwindet ihr Mann ständig, während sie selbst am Verlassen des Geländes gehindert wird?

Kritik: Angekündigt wurde HONEY BUNCH als Psychothriller im Stil der späten Hammer-Filme der 70er und zumindest das lässt sich kaum bestreiten. Es gelingt dem Film erstaunlich gut, Look & Feel dieser Ära perfekt zu rekreieren, und die völlige Abwesenheit einer Außenwelt jenseits der Klinik (auch mangels moderner Technologie) schafft ein Gefühl der verwirrenden Isolation. Teilweise erinnert er auch an die farbentsättigten TV-Thriller der 70er.

Dabei unterschlägt diese Einordnung geflissentlich, dass Hammer sich in den 70ern auf dem rasanten Weg in den kreativen und finanziellen Bankrott befand…

Es ist der Geschichte durchaus förderlich, dass Diana und ihr Ehemann Homer absolut nicht attraktiv im klassischen Hollywood-Sinne sind. Das hier sind "Normalos" (bzw. Stellvertreter der Filmemacher), die sich in einer ungewohnten, unbequemen Situation zurecht finden müssen. Zumindest scheint es so…

Ich gestehe, dass es mir persönlich zu lange gedauert hat, bis irgendeine Art von Handlung erkennbar wurde. Das Storytelling ist extrem fragmentiert, wir springen relativ willkürlich zwischen den Locations hin und her, ohne ein Gefühl für Zeit und Raum zu bekommen. Die Desorientierung von Diana überträgt sich und man mutmaßt, hier hätten die Macher selber nicht gewusst, wie sie die Story in den dritten Akt schieben sollen.

Ein Irrtum.

Gegen Ende des zweiten Akts lichtet sich der Nebel und wir erkennen, dass HONEY BUNCH eine sehr konkrete Geschichte erzählt, die lediglich durch Dianas Augen nur schwer wahrzunehmen war. Mit zunehmenden Erklärungen verstehen wir auch bisher verwirrende Bruchstücke und Aussetzer. Besonders Homers Rolle entpuppt sich als Zwiebel mit immer neuen Schalen.

Ist die Geschichte, die uns am Ende enthüllt wird, plausibel und an jeder Stelle wasserdicht? Vermutlich nicht. Aber sie entspricht der internen Logik des Films und entlässt uns zufrieden aus dem Kino.

Eine Sache hat mich allerdings genervt, die nur peripher mit dem Film zu tun hat. Ko-Regisseurin Madeleine Sims-Fewer hat in ihrer Videobotschaft vorab betont, der Film sei auch eine Liebeserklärung an die Beziehung zu ihrem Partner Dusty Mancinelli, an ihre "weird romance". Das fand ich massiv "cringe", zumal man im Film genau die Szenen erkennt, in denen das Paar die eigenen Frühstücksdialoge in den Film gehoben hat, weil es sich selbst so unfassbar toll und crazy findet.

Die sehen nicht ohne Grund wie ihre Hauptfiguren aus:

 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Fazit: Eine bewusst opake Rückbesinnung auf die traumwandlerischen "is it real?"-Dramen der 70er, die für Spätgeborene vielleicht zu vage und undramatisch wirkt, im Kontext des Festivals aber überzeugen kann. Den Vorgänger VIOLATION fand ich stärker. 7 von 10 Punkten.

BILD DES TAGES

Sooo viele Fehler – alle für mich?!

 



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

1 Kommentar
Älteste
Neueste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Marcus
Marcus
26. September, 2025 15:13

Der war natürlich mit all dem verspulten 70s-Flair genau meine Kragenweite. Ich verstehe aber denen Punkt re: cringe. Gerade hinten raus hätte man einiges straffen können, insbesondere bei den von dir angesprochenen "Pärchendialogen". 8/10.