Fantasy Filmfest 2025 (6): THE TOXIC AVENGER
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: gelb, Film, TV & Presse, Neues |
Regie: Macon Blair
Darsteller: Peter Dinklage, Jacob Tremblay, Kevin Bacon, Elijah Wood, Taylour Paige, Julia Davis, Sarah Niles, Macon Blair u.a.
Offizielle Synopsis: Wenn ein kleiner Angestellter in einer korrupten Welt nicht mehr weiterweiß, hilft nur noch eins: radioaktiver Schleim. In der wunderbar wahnsinnigen Neuverfilmung von THE TOXIC AVENGER verwandelt sich der schüchterne Hausmeister Winston Gooze durch einen unfallbedingten Tauchgang im Giftmüll in einen übel entstellten, aber mächtig muskelbepackten Rächer – bewaffnet mit Wischmopp, präzisen Pointen und unerschütterlichem Gerechtigkeitssinn.
Kritik: Hierzu könnte man sicher ein Buch schreiben, aber ich versuche, die ganze Angelegenheit so knapp wie möglich zu fassen.
TROMA war in den 80ern eine echte Kult-Produktionsfirma, deren Filme schon mit den Titeln auf die Kacke hauten: TOXIC AVENGER, SURF NAZIS MUST DIE, SGT. KABUKIMAN. Schrille, billige Comics auf Zelluloid, perfekt für die Generation von C64 und Zauberwürfel. Man wollte Trash, man bekam Trash.
Das war… schon damals nicht meins. Wie heute bei den Filmen von Asylum tue ich mich schwer mit gewollt schlechten Filmen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass richtig gute schlechte Filme Unfälle sind, die man ungläubig begaffen muss. Scheiße versprechen, Scheiße liefern? Keine Kunst. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Es lässt sich aber nicht bestreiten, dass TOXIC AVENGER der vermutlich sympathischste, mit Sicherheit aber erfolgreichste Film der Firma war:
Vier Filme und eine Zeichentrickserie – davor habe ich Respekt.
Auf deutsch (na ja) hieß der Film absurderweise ATOMIC HERO.
Schon 2010 wurde ein Remake angekündigt, von dem alle Beteiligten fleißig verkündeten, es seie kein Remake, sondern eine Neuinterpretation.
Die Produktion stand unter keinem guten Stern, wechselte immer wieder Stars und Regisseure aus, bis schließlich Macon Blair übernahm. Es sammelten sich schnell ein paar Hollywood-Nerds um ihn, allen voran Elijah Wood, der entschlossen scheint, in selbstreferenziellen Genreproduktionen alt zu werden.
2021 ging TOXIC AVENGER endlich vor die Kameras – in Bulgarien (einer der Zuträger ist Philip Roth, Chef der Firma UFO und Produzent meines POST IMPACT). Peter Dinklage und Kevin Bacon brachten die nötige Starpower ein – weigerten sich aber, ihre Charaktere auch im "full body suit" zu spielen. Dinklage konnte dadurch seine Drehtage reduzieren und ist effektiv nur im ersten Drittel zu sehen.
Inhaltlich erzählt man erneut die "origin story" von Toxie, aber diesmal auf die angeblichen Bedürfnisse des modernen Publikums angepasst: Der Charakter ist ein liebevoller Stiefvater, der eigentlich nur seinem Sohn ein besseres Leben schenken möchte, aber an der "evil corporation" scheitert.
Bei Testscreenings kam das Remake – seien wir offen, wir sind ja unter uns – beschissen an und wurde gleich mal zwei Jahre auf Eis gelegt. Dann wagte man ein paar Aufführungen bei Festivals – und legte den Film WIEDER zwei Jahre auf Eis, weil kein Verleiher ihn haben wollte. Das hässliche Wort "unreleasable" machte die Runde, angeblich wegen der krassen Gewaltdarstellungen.
Aber jetzt, jetzt ist es endlich soweit – und TOXIC AVENGER ist ein Rohrkrepierer.
Mich scheren weder die 86 Prozent Kritiker-Score noch die 82 Prozent Viewer-Score bei Rotten Tomatoes – dieser Film ist "dead on arrival". Nicht ganz so katastrophal wie das kürzliche STREET TRASH-Remake, aber nahe dran.
Die Story ist so dünn, so banal, so suppig. Die Darsteller sind so offensichtlich nicht bereit, irgendwas jenseits von Farce einzubringen. Das Toxie-Makeup ist billigster Schaumlatex, der nicht mal versucht, wie eine echte Mutation auszusehen. Der Splatter kommt vom Computer und ist genau so "radikal" wie in jedem räudigen B-Movie heutzutage. Elijah Wood wollte wohl gerne den Pinguin in den Burton-Batmans aufleben lassen, was wirklich null Sinn ergibt:
Klar ist das alles wieder als Komödie angelegt – es ist nur nicht lustig. Alles ist ein Augenzwinkern in die Kamera, breitest möglich ausgewalzt, ohne irgendeinen Subtext oder Kontext. Man spürt förmlich die Besoffenheit der Macher, die das alles für urkomisch halten, während ich mich im Sitz winde. Ich habe exakt einen Gag gefunden, über den ich lachen konnte – bis er viermal wiederholt wird. Man kann alles zu Tode reiten, und TOXIC AVENGER ist entschlossen.
Der Film hat null Eier, null Ideen, null Charme. Mit 102 Minuten ist er 20 Minuten länger als das Original – und prompt 20 Minuten zu lang.
Kaum etwas spiegelt dieses Versagen besser als die endlose Post Credit-Sequenz – war besoffen beim Bier in der Kneipe sicher eine gute Idee. Aber niemand hat beim Dreh gesagt "Jungs, das funktioniert einfach nicht". Ein Fehler.
Ich gestehe allerdings (und passe meine Wertung entsprechend ein wenig an), dass einige Leute im Kinosaal sich wohl sehr amüsiert haben. Bah, Humbug!
BILD DES TAGES
Hier ist gerade ein "light cycle" aus TRON vorbei gefahren!
Plus ein Musical, das immerhin erfolgreich genug war, um in sogar in einer deutschen Fassung an der Semperoper inszeniert zu werden.
Ich hab’s allerdings selber nie gesehen, weil es mir auf den ersten Blick ähnlich geht wie Dir mit den Troma-Filmen: Wirkt zu sehr kalkuliert auf den "kultiger Trash"-Effekt, nach dem Motto "Was Rocky Horror kann, können wir auch!"
Full ack, grundsätzlich, aber wie Worti schon erwähnt hatte, gilt das ja genauso für File der Marke Asylum. Oder, neuer noch, Terrifier. Und, auch wenn Torsten das nciht gern hört, definitiv auch für alles im Charlie Band Universe …
Totalgrütze. Der Splatter ist da, aber steht im Vergliech zu anderen Filmen auch nicht mehr heraus und am Ende sind die Flachwitze einfach nicht lustig.
Besonders Peter Dinklages Darstellung/Voiceover hat so den Komikfaktor einer toten Taube. Und die Gesangsszene ist nur peinlich.
Und da, wo politischer Kommentar versucht wird, sind wir am wirklich erbärmlich Oberflächlisten, da waren die Blues Brothers mit Vollnazis ja schon fast tiefenreflektiert.
Das Ganze war auch irgendwie Rückratlos, beim Kampf "gegen das Establishment!" hätte ich heutzutage eine viel, viel radikalere Figur erwartet. So ne blöde Pharmafirma ist als Gegner wirklich ausgelutscht und in Nichts revolutionär.
Gestern zum ersten Mal das okaye Original gesehen und tatsächlich kam der Trailer zu dem hier beim letzten Kinobesuch recht gut an. Bin also mal gespannt, ob der zumindest in bierseeliger Runde auf dem FFF halbwegs funktioniert (wenn er schon inhaltlich und schauspielerisch daneben zu sein scheint) und auf einem ähnlich niedrigen Niveau ist.
Zumindest in Frankfurt wurde der Film vom Neon Zombie präsentiert und es ist schon bezeichnend, wenn der Trailer eines 1-Mann-Projekts hochwertiger ist als der FFF-Teaser… ansonsten ganz launig, im Publikum gab es sogar Applaus. Die angedeuteten Fortsetzungen müssen aber nicht unbedingt sein (und werden ja wohl eh ausbleiben).
Ich habe Markus Haage auch zu dem (mit heißer Nadel gestrickten) Trailer beglückwünscht. Der Film mag als "crowd pleaser" marginal besser funktionieren – und bei einem Publikum, das nicht mit dem Original aufgewachsen ist. Für mich ging der gar nicht.
Ich hatte mit dem Toxic Avenger vorher noch überhaupt keine Berührungspunkte, und ich muss sagen: Mir hat der Film eine ganze Ecke besser gefallen als dem Wortvogel. Bis 86% (das wären ja schon 9 von 10 wenn man aufrundet) würde ich wahrscheinlich nicht hochgehen, aber das war die Sorte Trash, mit der ich Spass haben konnte.
Kann gut sein, dass die Stimmung im Saal auch ihren Teil dazu beigetragen hat – denn wie beim Hausherr ist das Publikum in meinem Fall ziemlich gut mitgegangen. Also verbuche ich das mal als unterhaltsame Festival-Experience.