Fantasy Filmfest 2025 (4): ODYSSEY
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: gelb, Film, TV & Presse |
Regie: Gerard Johnson
Darsteller: Polly Maberly, Mikael Persbrandt, Guy Burnet, Jasmine Blackborow, Daniel De Bourg, Ryan Hayes, Charley Palmer Rothwell, Kellie Shirley, u.a.
Offizielle Synopsis: Stell dir vor, dein Morgen beginnt mit einer Weisheitszahn-OP, deine Kreditkarte wird abgelehnt, natürlich regnet es und es ist gerade erst Montag – willkommen in der Welt von Natasha Flynn, ehrgeizige und dauergestresste Maklerin in London! Sie ist gut im Vermieten von Schrottimmobilien, besser im Anhäufen enormer Schulden. Im Laufe dieser fatalen Woche wird ihr das zum Verhängnis, als sie den falschen Leuten zu nahe kommt und sich im Zwielicht der Unterwelt in einem wahren Mahlstrom aus Gewalt verliert.
Kritik: Gerard Johnson kennen wir, seinen Film HYENA zeigte das FFF vor ziemlich genau zehn Jahren. Dazu schrieb ich Folgendes:
Regisseur Gerard Johnson lässt sich viel Zeit, um uns diese kaputte und kranke Welt zu zeigen, ihre Player, ihre Methoden. Trotz des hohen Tempos und der dynamischen, farbsatten Bilder überfordert er damit allerdings die Geduld des Zuschauers, der sehr früh ahnt, dass Protagonist Logan sich aus dieser Scheiße nicht mehr wird befreien können. Es wäre vielleicht hilfeich gewesen, die allzu offensichtlichen Klischees als Kenntnisstand des Zuschauers voraus zu setzen, statt sie auszuformulieren.
Letztlich dreht ODYSSEY eine weitere Runde in diesem Fahrwasser, nur geht es diesmal nicht um einen Bullen, sondern um eine Maklerin, die ihr Leben mit Koks, Yoga, Online-Glücksspiel und Alkohol füllt und diesen überstressten, gnadenlos hohlen "Lifestyle" als Karriere missversteht. Irgendwann holen sie all ihre kleinen Lügen und Tricks ein, das Kartenhaus wackelt – und statt auszusteigen und neu zu ordnen, eskaliert sie die Situation, bis es Tote gibt.
Wie schon bei Johnsons HYENA wird demnach sehr viel Zeit darauf verwendet, das "dog eat dog"-Business der Großstadtmakler zu zeichnen, mit allen Klischees. Es dauert bis weit in die zweite Hälfte, bevor der Film sich die Mühe macht, überhaupt mal Crime-Elemente einzuführen, die am Ende zu einem Showdown führen können. Im letzten Drittel wird ein neuer Charakter eingeführt (Gastauftritt Mikael Persbrandt, charismatisch wie immer), der alle Handlungsfäden mit der Schrotflinte auflöst, damit ein seltsam vages Ende erreicht werden kann. Auch das erinnert wieder an HYENA.
Bei aller Bewunderung für die Darsteller und den Einblick in das Milieu – das ist zu wenig, das ist zu schlecht verzahnt, das ist zum Ende hin zu hysterisch.
P.S.: Johnsons Videobotschaft an die Zuschauer war genau die Sorte "gelangweilt ins Handy grüßen", die ich gestern moniert habe.
BILD DES TAGES
Überall in Berlin plakatiert – das ist nicht "next level reality" (was immer das auch sein soll), sondern "no level reality":
Für mich quasi ein Totalausfall. Die Schauspielerin hat nicht das Charisma z.B. einer Demi Moore um ihr Handeln irgendwie zu relativieren oder nachvollziehbar zu machen.
Und der Regisseur hat anscheinend auch nicht die Mittel seine Figur mehr Tiefe als ein Weinglas zu verleihen. Der Soundtrack und ein paar verspielte Einstellungen lassen erahnen wo die Inspiration ihren Ursprung hat.
Letztendlich schien aber auch der Regisseur nicht zu wissen was für einen Film er eigentlich machen wollte und wie er die Laufzeit füllen soll. Alles in allem sehr gewollt, aber wenig gekonnt.