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Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (31): DEATHSTALKER

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

USA, Kanada 2025

Regie: Steven Kostanski

Darsteller: Daniel Bernhardt, Patton Oswalt (Stimme), Christina Orjalo, Paul Lazenby, Nina Bergman, Laurie Field, Conor Sweeney, Robert Hyland, u.a.

Offizielle Synopsis: Das Königreich Abraxion steht kurz vor dem Untergang. Die untoten Dreadite-Armeen des Magiers Nekromemnon drohen, die Welt in ewige Finsternis zu stürzen. Helfen könnte ein als „Deathstalker“ bekannter Barbarenkrieger – doch der will nicht. Bis ein verfluchtes Amulett ihn zwingt, sich gemeinsam mit einem Kobold und einer Diebin auf eine gefährliche Queste ins Herz des Bösen zu begeben.

Kritik: Queste? Echt? Man lernt nicht aus.

Ich versuche, das hier kurz zu halten. Ich werde voraussichtlich scheitern.

Ich kann DEATHSTALKER nur lieben. Aus zwei Gründen.

DEATHSTALKER ist Kult. Also tatsächlicher Kult – nicht der ganze Müll, den spätgeborene Kritiker voreilig zu Kult erklären. Ein räudiger, frauenfeindlicher, aber mit großer Spielfreude inszenierter Fantasy-Kappes im CONAN-Fahrwasser, der uns vor 40 Jahren so manchen Videoabend launig gestaltet hat:

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Das LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS trifft es auf den Punkt:

"Im Staatswesen eines teuflischen Hexenmeisters bricht ein furchtloser Kämpfer die Tyrannei. Zum Ziel führen vor allem Kämpfe von extremer Blutrünstigkeit, die darin gipfeln, daß der Bösewicht gevierteilt wird."

Alles richtig gemacht, demnach.

Insgesamt drei Fortsetzungen wurden in den folgenden acht Jahren produziert und man darf die BARBARIAN QUEEN-Filme noch dazu als Ableger zählen. Mittlerweile gibt es ausführliche Analysen zu der Franchise:

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Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass die DEATHSTALKER-Reihe sich immer durch eine besonders fiese frauenfeindliche Einstellung "auszeichnete", die selbst im Kontext des Barbaren-Kinos der 80er negativ auffiel.

Der zweite Grund, DEATHSTALKER lieben zu müssen: Daniel Bernhardt.

Das ehemalige Schweizer Model trat für BLOODSPORT 2-4 in die Fußstapfen von van Damme und brachte mehr Charisma, Charme und schauspielerisches Talent ein als viele seiner zeitgenössischen Knochenbrecher-Kollegen:

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Sein Pech: er war ca. fünf Jahre zu spät dran und konnte den "direct to video"-Markt nur noch in den Sonnenuntergang reiten. Eine Hauptrolle in der kurzlebigen MORTAL KOMBAT-Serie neben Kristanna Loken später war er weitgehend am Ende seiner überschaubaren schauspielerischen "Karriere" angelangt:

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Aber Bernhardt etablierte sich in der Folge als etablierter "fight choreographer" und Stuntman in Hollywood-Blockbustern. Dank seines guten Aussehens und seiner schauspielerischen Erfahrung ist er oft der gestählte Handlanger des Bösewichts, der sich in spektakulären Fights mit John Wick und Harley Quinn die Knochen brechen lassen muss. Er erlebt den Nachspann selten.

Ich habe massiven Respekt vor dem Mann und seiner Karriere und hätte ihm deutlich mehr Prominenz gewünscht.

In DEATHSTALKER darf Bernhardt endlich mal wieder eine Hauptrolle spielen, diesmal unter der Regie von Steven Kostanski, der als Garagen-Filmer begonnen und sich mit beeindruckend effektlastigen Low Budget-Streifen wie PSYCHO GOREMAN einen Namen gemacht hat. Man weiß, was einen erwartet.

Im Vorfeld beteuerten alle Beteiligten (und die Festival-Veranstalter), dass die Neuverfilmung selbstverständlich die problematischeren Aspekte des Originals eliminieren und ein zeitgemäßeres Frauenbild präsentieren werde.

Um DEATHSTALKER richtig genießen zu können, muss man wissen, dass es hierbei um ein seltenes Remake handelt, das sogar noch billiger ist als das Original. Corman spendierte für sein Fantasy-"Epos" knapp 500.000 Dollar, was heute etwa 1,6 Millionen Dollar entspricht. Nicht gerade Portokasse, aber im Vergleich z.B. zu den 8 Millionen (heute: 24 Millionen) von BEASTMASTER sehr bescheiden.

Den Branchenexperten zufolge hat der neue DEATHSTALKER 70.000 Dollar gekostet. Sieb. Zig. Tausend. Dollar. Alter, den hätte ICH finanzieren können!

Der Gegenwert ist beträchtlich: DEATHSTALKER präsentiert schleimige Latex-Monster, als hätte es sie im Sommerschlussverkauf gegeben. Digitale Matte Paintings, Modelle, Stop Motion (!) – alles in einen Pott und durch aggressive Farbfilter in eine bizarre Fantasywelt geprügelt, die dem Original huldigt und die modernen Produktionstechniken ausreizt.

DIESEN Film mit DIESEM Budget zu drehen – alle Achtung. Da kann bis zu den Verkäufen auf Scheibe und ins Streaming niemand dran verdient haben.

Dass die Rüstungen teilweise wie gelötet aussehen? Dass diverse der Fights erkennbar "im Wald hinterm Haus" gedreht wurden? Dass die Artikulation der Latex-Charaktere bestenfalls eingeschränkt ist? Dass abgesehen von Bernhardt und Orjalo primär auf Provinztheater-Niveau gespielt wird?

Alles so richtig wie unwichtig. Wer das als Defizit und nicht als Teil des Charmes sieht, der hat nicht verstanden, warum man solche Filme schaut.

DEATHSTALKER ist zudem vollgepackt mit Referenzen an das Original, mit blöden Sprüchen und einer Abfolge von Questen (da isses wieder!), die den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen für die Fans des "Todesjägers" machen. Da wird enthauptet, was das Zeug hält – und wo fünf Liter Blut spritzen müssten, nimmt man zehn. Mehr ist immer besser. Bernhardts Background als Fight Choreographer zahlt sich aus – die Kämpfe in DEATHSTALKER sehen besser aus als in vielen Regalfüllern, die das Fünfzigfache gekostet haben.

Ist das demnach ein "guter" Film im traditionellen Sinne? Nein. Er ist zwar permanent auf Achse, hat aber keine echte "Heldenreise" zu bieten, keine Entwicklung der Figuren. Er ist 22 Minuten länger als Cormans Original – und dadurch mindestens 12 Minuten zu lang. Für das Label "schrabbeliges Epos" mangelt es doch ein wenig an den Möglichkeiten.

Scheiß drauf. Das hier ist die große 80er Party, da gibt es die Cola noch nicht zero und im Regal verstaubt der Zauberwürfel. Ich verneige mich in Ehrfurcht.

Fazit: Pubertärer Quatsch mit Latex-Monstern, vielen Enthauptungen und blöden Sprüchen. Der perfekte Abschlussfilm für Nerds meiner Generation, dem lediglich unverdiente Nacktszenen fehlen. Die 8 von 10 Punkten sind ausdrücklich als Huldigung einer speziellen Zielgruppe zu verstehen.

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P.S.: Kurze Bestandsaufnahme in Sachen Schwerter: Talon hatte in TALON IM KAMPF GEGEN DAS IMPERIUM ein Drei-Klingen-Schwert, Deathstalker hat ein Vier-Klingen-Schwert, und Prinz Colwyn wirft in KRULL ein kreisförmiges Fünf-Klingen-Schwert. Wer bietet mehr?

BILD DES TAGES

Home, sweet home. Gleich mal für das nächste Jahr vormerken:



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Ralf
Ralf
11. September, 2025 21:32

Zum P.S. kann ich leider nur das real existierende Siebenarmige Schwert beisteuern, das in einem Film wohl eher für Lachen als für Schrecken gesorgt hätte.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Siebenarmiges_Schwert

Matts
Matts
18. September, 2025 10:31

Als ich die Tickets für SWORD OF VENGEANCE und DEATHSTALKER reserviert habe, dachte ich mir schon: Das hier wird definitiv Trash – aber wird es guter Trash? Während SWORD in dieser Hinsicht enttäuscht hat, kam ich bei DEATHSTALKER voll auf meine Kosten.
Ich hab die Originale selber nie gesehen, sondern kenne sie nur aus der Best of the Worst Reihe von RedletterMedia, wo sie Teil 1 und 2 geschaut haben. Aber es war offensichtlich, mit wieviel Liebe und Respekt vor den Vorgängern dieser Film gemacht wurde.
Daniel Bernhardt bringt definitiv sowohl den richtigen Charme als auch die Physis für dieses Projekt mit. Ich würde vielleicht ein bisschen bestreiten, dass die Kämpfe vergleichsweise gut aussehen. Für eine anständige Kampfszene reicht es halt nur begrenzt, wenn nur einer der Beteiligten was auf dem Kasten hat. Und für 70.000 konnte man wohl keine guten Partner für Bernhardt finden. Aber davon abgesehen ist es wirklich beeindruckend, was mit diesem Budget auf die Beine gestellt wurde!

Marcus
Marcus
26. September, 2025 15:17

Wenig ist sympathischer als Kappes, der weiß, dass er Kappes ist. 8/10.