10
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (28): THE THINGS YOU KILL

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

Frankreich, Polen, Kanada, Türkei 2024

Regie: Alireza Khatami

Darsteller: Ekin Koç, Erkan Kolçak Köstendil, Hazar Ergüçlü, Ercan Kesal, Serhat Nalbantoglu, Selen Kurtaran, Aysen Sümercan, Ipek Türktan, u.a.

Offizielle Synopsis: Ali versucht, die Kontrolle zu behalten: über sein zerrüttetes Elternhaus, die kranke Mutter, die fragile Ehe, den unsicheren Job. Als der mysteriöse Tod der Mutter Fragen aufwirft und sein Vater Hamit spurlos verschwindet, droht die Situation immer mehr zu kippen. Auf der Suche nach Hamit tauchen auch alte Spannungen wieder auf und neue Vorwürfe machen sich breit. Gleichzeitig lernt Ali Reza kennen, der ihm zunächst beisteht und ihn von seiner Wut, seinen Schuld- und Rachegefühlen ablenkt. Doch ist dieser tatsächlich so uneigennützig?

Kritik: Die Inhaltsangabe ist Kappes – aber ich darf sie nicht korrigieren, weil es sonst Spoiler geben könnte. Ich bin versucht zu unterstellen, dass der Autor den Film entweder nicht gesehen oder nicht verstanden hat.

Ähnlich wie ODYSSEY ist THE THINGS YOU KILL ein Film, der über lange Zeit keine Anstalten macht, mehr als ein Drama zu sein. Es geht um eine türkische Familie, die unter ihrem Patriarch leidet. Jedes Kind, jeder Bruder, jeder Onkel hat seine Art gefunden, damit umzugehen. Ali hat seinerzeit in Amerika studiert, ist deutlich liberaler und moderner in seine Heimat zurückgekehrt. Aber auch er hat Probleme, die sich mit toxischer maskuliner Gewalt vielleicht einfacher lösen ließen als mit Verständnis und Gleichberechtigung.

Es dauert sehr lange, bis THE THINGS YOU KILL dreht. Er wird nicht unbedingt ein Genrefilm, aber sehr leise nimmt er eine verstörende Wende und es dauert eine Weile, bis uns klar wird, dass wir einige bisher gesehene Szenen vielleicht neu interpretieren müssen. Das Geschehen ist erheblich symbolischer als gedacht, die Personen teils nur Stellvertreter. Die Frage, welcher Mann Ali sein möchte, ist sprichwörtlich wie sinnbildlich Kern des Films.

Wie gesagt: das ist sehr langsam erzählt und hauptsächlich darauf aus, die immer noch präsenten toxischen Strukturen in türkischen Familien zu analysieren. Man kann ausschließen, dass Mario Bava-Shirtträger hier auf ihre Kosten kommen. Wer sich die Mühe macht und nicht nach Mitternacht im Kino einschläft, kann aber zumindest einen sehr guten Film mitnehmen und hinterher damit angeben.

Fazit: Ein Familiendrama ohne konkreten Genrebezug, dessen durchdringende Unruhe eher auf der symbolischen Ebene zu finden ist und das ebenso wie NINA als Film deutlich besser abschneidet als als Festivalbeitrag. Ich vergebe eine grüne Ampel, aber keine Punkte – und warne Zuschauer auf der Suche nach "big fun" ausdrücklich vor.

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1 Kommentar
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Nummer Neun
10. September, 2025 13:33

Scheint ja insgesamt ein sehr lohnenswerter Tag gewesen zu sein.