Fantasy Filmfest 2025 (25): NINA
Themen: Fantasy Filmf. 25, Film, TV & Presse |Regie: Andrea Jaurrieta
Darsteller: Patricia López Arnaiz, Darío Grandinetti, Aina Picarolo, Iñigo Aranburu, Mar Sodupe, Ramón Agirre, Silvia de Pé, Daniel Vitallé, u.a.
Offizielle Synopsis: Eine regnerische Nacht in einem kleinen spanischen Dorf. Eine Frau lädt im Schutz der Dunkelheit eine Waffe und zielt. Es ist Nina, die nach dreißig Jahren zurückkehrt an den Ort ihrer Jugend. Ihr Gepäck scheint leicht, ein Gewehr und eine blutrote Jacke, doch ihre Mission wiegt umso schwerer. Sie hat noch eine Rechnung offen – die Verantwortlichen für ihre Narben, sichtbare wie unsichtbare, sollen büßen.
Kritik: Auch NINA ist ein Film (basierend auf "Die Möwe" von Tschechow), der sich kaum Mühe gibt, sein Geheimnis zu wahren – was Nina will und was Pedro damit zu tun hat, ist offensichtlich. Auch der Weg dorthin, in Rückblenden verwoben, birgt keine Überraschungen. Am Ende geht es nur um die Frage, ob Nina noch rechtzeitig erkennen wird, dass sie ihre Traumata mit einer Schrotflinte nicht wird auflösen können. Denn sie ist ein doppeltes Opfer: nicht nur der Tat, sondern auch ihrer Unfähigkeit, im Gegensatz zu allen Anderen davon loszulassen.
Harter Stoff, sehr zart und mit einem Blick für intensive Bilder inszeniert. 105 Minuten, von denen zur Abwechslung mal jede einzelne gerechtfertigt ist.
Es ist auch weniger die Handlung, die NINA diskussionswürdig macht. Es ist das Thema. Welchen Vorwurf kann/will man Pedro machen? Welche Verantwortung – wenn überhaupt – trägt Nina selbst? Is age just a number? Wenn der alternde Schriftsteller sich mit "es geschah nichts gegen deinen Willen!" verteidigt – hat er damit nicht recht? Trägt er auch die Schuld an den Folgen, die außerhalb seiner Kontrolle lagen? Kann Nina die gesamte Last ihres Lebens auf Pedro abwälzen?
NINA ist klug genug, diese Fragen nicht zu beantworten, der eindeutigen Schuld Pedros auch die auffällige Naivität der jungen Nina gegenüber zu stellen. Ich bin sicher, dass man den Film heftig diskutieren kann – die Männer aber sehr genau überlegen müssen, wie sie argumentieren wollen.
Ihr merkt allerdings schon: was das auf einem Festival für Horror, Fantasy, Science Fiction und Thriller zu suchen hat, kann man ebenso gut diskutieren wie den Film. Es ist ein Filmfest München oder Berlinale-Beitrag, der für Wald & Wiesen-Besucher DIESES Festivals kaum Nährwert bringt. Ich werte das entsprechend.
Fazit: Ein mit viel Fingerspitzengefühl inszeniertes "eine Frau kehrt in ihren Heimatort zurück und reißt alte Wunden auf"-Drama, das zu schwierigen Diskussionen über Consent und Missbrauch, Manipulation und die Definition von Grooming einlädt. Für sich genommen 8 von 10 Punkten, als FFF-Beitrag 5 von 10 Punkten. Your choice.
BILD DES TAGES
Weil es gerade zu diesem Film irgendwie passt – ich wusste bisher nicht, dass man Gefühle lesen kann. News to use!
Guter Film, aber auf dem FFF tatsächlich fehlplatziert. 8/10.