09
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (22): SWEETNESS

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

Kanada 2025

Regie: Emma Higgins

Darsteller: Kate Hallett, Herman Tømmeraas, Aya Furukawa, Justin Chatwin, Amanda Brugel, Steven Ogg, Julius Cho u.a.

Offizielle Synopsis: Die 16-jährige Rylee wird nach einem Konzert ihrer Lieblingsband ausgerechnet von deren Sänger Payton – ihrem absoluten Schwarm! – angefahren. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert, aber das schlechte Gewissen treibt ihn, sie nach Hause zu bringen. Allerdings ist er vollkommen zugedröhnt und wird unterwegs ohnmächtig. Rylee ist überzeugt, dass sie dem Mann ihrer Träume helfen muss, von den Drogen loszukommen, und kettet ihn im Keller des leer stehenden Nachbarhauses an. Was als gute Tat beginnt, wird schnell zur Besessenheit. Dermaßen konsequent, dass Rylee bald bereit ist, über Leichen zu gehen.

Kritik: Dass Eckhard Schmidts legendärer Skandalfilm DER FAN Emma Higgins inspiriert hat, muss man nicht mutmaßen – bei der Videobotschaft stand eine Blu-ray davon direkt hinter ihr auf dem Regal:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Abgesehen vom Setup geht SWEETNESS aber seine eigenen Wege – Rylee will Peyton weder töten noch essen, sondern lediglich auf den rechten Weg zurück bringen. Die dafür notwendigen (?) Opfer eskalieren die Situation allerdings zunehmend, bis niemand der Beteiligten mehr einen Ausweg weiß…

Diese Geschichte kann man als hartes Drama über eine junge Frau inszenieren, die an der Realität ihres Idols scheitert und erkennen muss, dass sie in eine clevere Inszenierung verliebt war. Das wäre die Geschichte einer bitteren Reifung.

Higgins entscheidet sich allerdings für eine bitterböse Teenager-Komödie, in der ein vergleichsweise harmloser Event (Peyton fährt Rylee an) eine Kette von Ereignissen anstößt, die bis ins Absurde außer Kontrolle gerät.

Das ist monströs unterhaltsam, wie ich gerne sage – auch, weil die Darsteller wirklich perfekt gecastet sind. Das Popidol "Peyton Adler" ist eine exzellent konstruierte Mischung aus Robbie Williams und Harry Styles – gnadenlos kommerziell, aber gerade so "safe edgy", dass spätpubertierende Mädchen beim Gedanken an ihn Wallungen bekommen. Es hilft, dass die für ihn (und den Film) komponierten Songs perfekte Ohrwürmer sind.

Klar hätte SWEETNESS mit etwas mehr Fokus auf dem Drama auch mehr Impact beim Zuschauer haben können. Es ist auch nicht wirklich plausibel, dass die Straßen bei jedem Fluchtversuch von Peyton völlig menschenleer sind. Aber das versendet sich, weil der Film ein hohes Tempo und eine knappe Laufzeit mitbringt.

P. aus H. meinte zum Nachspann korrekterweise, dass SWEETNESS eines der Highlights des Festivals ist. Ich kann trotzdem das Gefühl nicht ignorieren, dass das eher was über das Festival oder den Zustand des Genres aussagt.

Fazit: DER FAN als schwarzhumorige amerikanische Vorstadt-Groteske – kann man machen. Ist super unterhaltsam, wenn auch nicht immer ganz stimmig. Trotzdem – und gerade im Vergleich zum Rest des Programms – schafft er als erster Film die 9 von 10 Punkten.

Kein Trailer.

BILD DES TAGES

Vor ein paar Tagen erst in THE HOME – nächsten Monat schon in Berlin:



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

5 Kommentare
Älteste
Neueste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Sergej
Sergej
9. September, 2025 14:01

Fan will Star auf den rechten Weg zurückbringen und Autounfall (wenn auch mit anderen Unfallopfer), für mich klingt das auch ein bisschen nach Stephen King "Sie/Misery".

Mencken
Mencken
9. September, 2025 14:31

Anhand der Ampelbewertungen hätte ich dieses Jahr bisher für einen der stärkeren Jahrgänge gehalten, aber das scheint ja leider nicht der Fall zu sein?

Marcus
Marcus
22. September, 2025 23:10

Jo, kann man so machen. 8/10.