09
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (21): NIGHTMARE BUGS

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: gelb, Film, TV & Presse |

Japan 2025

Regie: Saku Sakamoto, Osamu Fukutani

Sprecher: Kana Hanazawa, Maaya Uchida, Ayana Shiramoto, Mamiko Noto, Yousuke Itou, Moe Mi, Shogo Batori u.a.

Offizielle Synopsis: Seltsame Käfer wandeln durch die Gänge, einige Etagen des düsteren Hochhauskomplexes wirken völlig verwahrlost und die Keller scheinen kein Ende zu nehmen: Als die Studentin Rin in ihre neue Wohnung einzieht, merkt sie schnell, dass hier eine Menge nicht stimmt. Doch so einfach kann sie den Vertrag nicht kündigen. Und so beginnt die junge Frau, den Gerüchten über paranormale Phänomene und seltsame Todesfälle auf eigene Faust auf den Grund zu gehen.

Kritik: Ich erinnere mich gut an meine erste Begegnung mit "erwachsener" Anime – Freund M. hatte Ende der 80er aus einer obskuren Quelle den hier besorgt:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Nach einer Kindheit mit Heidi, Captain Future und Kimba war das natürlich ein satter Schlag ins Gesicht und der Einblick in eine völlig neue Welt. Ich habe in den letzten Jahren mehrfach jungen Anime-Fans erklären müssen, dass alle diese Filme und OVA-Serien ohne Computerhilfe entstanden sind und dass man sie nicht streamen oder runterladen konnte. Es gab Kumpel, die regelmäßig Bustouren nach London unternahmen, weil man diese Produktionen dort auf VHS kaufen konnte. Kostete ein Schweinegeld, aber GUYVER, PATLABOR, AD POLICE und GUNSMITH CATS waren es uns wert.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Manchmal würde ich mir wünschen, die Veranstalter des Fantasy Filmfest würden sich verstärkt im Anime-Sektor bedienen, statt Leerstellen mit drögen kanadischen Krimi-Dramen zu füllen, bei denen man im Saal immer wieder mal lautes Schnarchen hört.

Immerhin, diesmal gab es ANGEL’S EGG und NIGHTMARE BUGS zu sehen, zwei eher untypische Produktionen.

NIGHTMARE BUGS (den Untertiteln nach "spirit bugs") fängt recht konventionell an. Rin hat sich eine Wohnung in einem gigantischen brutalistischen Wohnturm andrehen lassen, in dem einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Als sie bei einer toten Frau einen Käfer aus dem Arm krabbeln sieht, recherchiert sie – und ein Bibliothekar klärt sie über die Mythologie der "spirit bugs" auf, die im Kampf gegen Dämonen und die "roten Motten" eine wichtige Rolle spielen. Außerdem scheint es eine seltsame "tilting sickness" zu geben, die zu grausamen Todesfällen führt…

Und dann… hört die Handlung einfach auf. Osamu Fukutani, der das Projekt praktisch im Alleingang gestemmt hat (Produktion, Regie, Drehbuch, Animation, etc.), scheint nach 20 Minuten jedes Interesse an der Geschichte verloren zu haben und füllt den Rest der Laufzeit mit unzusammenhängenden Szenen von verschachtelten Wirklichkeiten und Alpträumen, von sich wiederholenden Erlebnissen dreier Schulmädchen, und von gigantischen Viechern, die an Hochhäusern knabbern. Haben Aliens oder Dämonen die Realität gebrochen? Handelt es sich um ein bewusstseinserweiterndes Experiment? Ist das Ende der Menschheit die Unterwerfung in einem höllischen Szenario?

Keine Ahnung. Wirklich keine Ahnung. Es ist sehr frustrierend, dass NIGHTMARE BUGS jeden Versuch abbricht, eine stringente Handlung zu erzählen. Da können die präsentierten Bilder auch teilweise faszinierend und schockierend sein – sie haben keinen Kontext, ergeben keinen größeren Zusammenhang.

Hinzu kommt, dass Fukutani natürlich nur "im Rahmen seiner Möglichkeiten" arbeiten konnte. Ich bewundere die Leistung und die Räumlichkeit, mit der er CGI-Szenarien, klassische "cel animation" und Rotoskopie verbindet, um ein bizarre Gegenwelt zu schaffen, aber es bleibt schon sehr grob animiert in Sachen "frame rate" und Details. Mit den Filmen der großen Studios kann das nicht konkurrieren.

Die Sorte Film, bei der man immer wieder mal "what the hell?!" murmelt.

Fazit: Eine interessante Geschichte verkümmert schnell zu einer Abfolge an Alptraum-Sequenzen, die für sich genommen interessant anzuschauen sind, aber den Zuschauer am Ende sehr unbefriedigt zurücklassen. 5 von 10 Punkten – und die Bitte, mehr und bessere Anime-Produktionen zu zeigen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

BILD DES TAGES

Das Zifferblatt meiner Apple Watch während des Fantasy Filmfest – hat auch den Vorteil, im dunklen Saal niemanden zu stören:



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

1 Kommentar
Älteste
Neueste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Matts
Matts
16. September, 2025 10:50

Ich stimme zu: I don´t know what´s happening in the movie!
Abseits davon hatte der Film schon einige Setpieces und Ideen, die mir gut gefallen haben. Die ständige Abfolge von Albtraumsquenzen mit eckligen Monstern in Kellern und verlassenen Gebäuden hat mich ein bisschen an SILENT HILL erinnert.
Ich finde, es ist tatsächlich ein interessanter Gegenpol zu ANGEL´S EGG vom Tag davor (abgesehen davon, dass man bei beiden Filmen null Durchblick hat): Während der gezeigt hat was ein großes Team von fähigen Künstlern vor mehr als 20 Jahren machen konnte, zeigt NIGHTMARE BUGS, was ein einziger Typ heutzutage mit den richtigen Tools machen kann.
Interessant ist auch, dass sich der Animations-Stil mittendrin ändert. Ich hab keine Ahnung, ob das ein Stilmittel sein soll, oder ob Fukutani mittendrin seinen Style gewechselt/weiterentwickelt hat, und keine Lust hatte, die erste Hälfte nochmal neu zu machen…