Fantasy Filmfest 2025 (20): NO ONE WILL KNOW
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: gelb, Film, TV & Presse |Regie: Vincent Maël Cardona
Darsteller: Pio Marmaï, Lucie Zhang, Sofiane Zermani, Joseph Olivennes, Xianzeng Pan, Panayotis Pascot, Némo Schiffman, Maria De Medeiros, u.a.
Offizielle Synopsis: Als der alte Herr seine Lottozahlen in seiner Stammbar abgleicht, kann er sein Glück nicht fassen: Hauptgewinn! Über 200 Millionen! Aufgelöst rennt er aus dem Laden, und vergisst sein Los. Dies bleibt nicht unbemerkt unter den anderen Gästen – zwei bewaffnete Polizisten, ein verzweifelter Junkie, ein gewissenloser Börsenmakler, der geldknappe Wirt und seine ehrgeizige Bardame bilden vorerst die explosive Ensemble-Mischung. Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen, es wird sehr blutig, nicht ohne eine wunderbare Portion Klamauk. Eine katastrophale Entscheidung folgt der nächsten. Und bald stapeln sich die Leichen in der Pariser Kneipe.
Kritik: Ich bin ziemlich sicher, dass ich an keiner Stelle von NO ONE WILL KNOW eine "wunderbare Portion Klamauk" entdeckt habe. Ja, einen Hang zur blutigen Farce kann man dem Film nicht absprechen, aber es fehlt die Leichtigkeit zum Klamauk. Dafür ist die Sache allen Beteiligten auch zu ernst.
Im Grunde genommen ähnelt NO ONE WILL KNOW dem davor gezeigten EXIT 8 darin, dass er keine klassische 3 Akt-Geschichte erzählt, sondern nur immer wieder neue Varianten durchspielt. Die Protagonisten (ein spezifischer "Held" wird nicht identifiziert) mühen sich redlich, einen plausiblen Weg zu finden, sich fast 300 Millionen Euro aus einem Lotto-Gewinn unter den Nagel zu reißen, ohne sich moralisch verkommen zu fühlen – oder erwischt zu werden. Angesichts mehrerer Toter und Verletzter ein zunehmend komplexer Anspruch mit vielen Variablen…
Das ist sicher eine tolle Idee. Und Regisseur Vincent Maël Cardona hält den Ablauf auch straff, dynamisch, gerne mal komisch und schockierend. Ein großartiger Pop-Soundtrack unterstützt das Geschehen ebenso wie ein Hang für das Absurde (so geht eine Szene aus den Studiobauten heraus ins Filmatelier).
Aber ich kann mir nicht helfen: Ich war schnell überfordert von den dauernd wechselnden Szenarien, die entweder den tatsächlichen Ablauf im Café zeigen oder eine von multiplen Varianten, die von den Protagonisten diskutiert werden, um heil aus der Sache rauszukommen. Einmal draußen, kommt man auch nicht wieder rein. Der Rest ist ein hysterisches Geschiebe von Personen.
So fand ich NO ONE WILL KNOW am Ende eher interessant als spannend, eher gut gemacht als begeisternd. Wer will, kann im Anschluss prima diskutieren, wie weit er für 300 Millionen Euro gehen würde.
Die Notwendigkeit des aufwändigen Prologs mit Giacomo Casanova (!) habe ich übrigens auch nicht verstanden.
BILD DES TAGES
Meine erste richtige Mahlzeit seit fünf Tagen – Mitternacht beim Chutneys am Bahnhof Zoo. Der einsame Wolf speist in der nächtlichen Großstadt:
Etwas andere Prämisse, aber klingt fast ein wenig nach Alex de la Iglesia’s "El Bar – Frühstück mit Leiche". 🙂