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Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (2): OMNISCIENT READER: THE PROPHECY

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |

Südkorea 2025
Regie: Kim Byung-woo
Darsteller: Ahn Hyo-seop, Lee Min-ho, Chae Soo-bin, Shin Seung-ho, Nana, Jisoo, Kwon Eun-seong, Jin-ah Im

Offizielle Synopsis: Brücken kollabieren, Seeungeheuer erheben sich aus den Fluten, Dämonen erscheinen vor den Augen fassungsloser U-Bahn-Fahrgäste: Die Welt stürzt ins Chaos, als gottgleiche, außerirdische Wesen beschließen, die Menschheit für ihre Missetaten zu bestrafen. Einzig der junge Dokja versteht, was hier gerade vor sich geht. Denn er hat all das schon in einem Roman gelesen, der nun offensichtlich Wirklichkeit wird. Wird es ihm gelingen, die Geschichte zu verändern – und so die Apokalypse zu verhindern?

Kritik: Die Inhaltsangabe ist etwas irreführend, weil umgekehrt ein Schuh draus wird – Dokja hat den Fortsetzungsroman seit seiner Jugend gelesen und wird nach einer wütenden Nachricht ob des Endes vom Autor in den Roman transportiert. Nun kann er alles, was der Held in seinen Augen falsch gemacht hat, korrigieren – oder etwa nicht?

Zuerst einmal hätte er vielleicht den Titel des Films korrigieren sollen, der prima die Handlung umreisst, aber komplett dröge klingt. Würdet ihr einen Actionfilm namens "Der allwissende Leser" sehen wollen?! Eben.

Tatsächlich basiert OMNISCIENT READER: THE PROPHECY auf einem koreanischen Roman und einem "webtoon" – wobei ich selbst nach dem Eintrag auf Wikipedia nicht sicher bin, was das sein soll. Die Adaption war (zumindest nach Aussage der Veranstalter) ein großer Hit im südkoreanischen Kinosommer.

OMNISCIENT READER ist die Sorte Film, die Asiaten einfach besser können als Gaijins: mit "insane" noch freundlich umschrieben. Vollgas von der ersten Minute an, einer Traumlogik folgend, die jedes westliche Gehirn sprengen würde, und mit einem Verständnis für "größer, bunter, wilder", das in Hollywood nie angekommen ist. Der Film ist atemlos in seinem Bemühen, alles sofort und überall zu visualisieren, sich ständig zu übertreffen, ohne dabei irgendeine Form von Realität abzubilden. Das geht nur, weil die Charaktere jeden Wahnwitz völlig selbstverständlich annehmen und sich der Story unterwerfen.

Aufgaben werden gestellt, Aufgaben werden erfüllt, es gibt Coins, die man in Fähigkeiten und Waffen umtauschen kann – die Mechanismen der Videospiele wurden nie so konsequent umgesetzt wie hier.

OMNISCIENT READER ist Fantasy, Science Fiction, Horror, Action, Komödie, Drama – und vor allem: mehr davon. Ein "all you can eat"-Büffet, das selbst Asia-Fans überfordern könnte.

 

Das funktioniert in der ersten halben Stunde prächtig, weil wir bei asiatischen Blockbustern selten den Anspruch haben, dass die Effekte oder Storybeats perfekt sein müssen. Jo mei, die Asiaten halt…

Leider macht OMNISCIENT READER in der zweiten Hälfte den Fehler, sich auf eine überschaubare Location zu konzentrieren und sich mehr um die Moral des Geschehens zu sorgen als um die Aufrechterhaltung des Tempos. Und je irrealer das Szenario wird, desto mehr koppelt sich der Zuschauer ab, weil zum Finale 95% der Leinwand mit CGI gefüllt werden. Das hat schon Quantumania-"Niveau".

Es kommt sicher drauf an, ob man mit Asia-Spektakeln kann oder nicht. Als Fan dieser Sorte Film (siehe auch ALIENOID und ESCAPE FROM THE 21ST CENTURY) kann man sich hier den Bauch voll fressen, bis man rülpst – und freuen, dass die Fortsetzung bereits in Arbeit sein dürfte.

Zum ersten Tag des Festivals kann man schon mal festhalten:

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Fazit: Ein sensationeller Mix aus Rollenspiel-Logik, Comic-Anarchie und Choose your own Adventure-Schmöker, vollgepackt mit Action, Spezialeffekten und einer positiven Message. Leider ersäuft er mit zunehmender Laufzeit immer mehr in CGI und verliert die Bodenhaftung. Wegen des geradezu brachialen Unterhaltungswertes immer noch 8 von 10 Punkten.

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P.S.: Sitzenbleiben – es gibt eine Post Credits-Sequence!

BILD DES TAGES:

Ich bin ihnen auf den Lime gegangen – meine erste Fahrt mit einem Mietroller verlief nach anfänglichen Problemen angenehm stressfrei und zeitsparend:



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Magineer
Magineer
4. September, 2025 17:47

Webtoons: eigentlich genau das, was der Name bereits sagt. 😉
Comics im Web, für den Gebrauch auf Mobiltelefonen optimiert, manchmal teilanimiert und mit Sound versehen. Hauptsächlich in Asien und (mittlerweile) in den USA extrem populär, in Serialform mit einem oder mehreren Updates pro Woche. Quasi das (farbige) Bindeglied zwischen Manga auf der einen und Anime auf der anderen Seite, aber eine eigene Kunstform.

Zum Film: Noch nicht gesehen, werd ich aber sicher nachholen. Ging auch tatsächlich an mir vorbei, aber sowohl der Trailer als auch dein Text sehen stark nach LitRPG-Verfilmung aus, was ich prinzipiell (und aufgrund der rasant wachsenden Popularität des Genres) schon mal wirklich spannend finde. Bislang streifen ja maximal einige Isekai-Animes dieses Thema, da ist ein Realfilm ein echtes Novum ("Ready Player One" mal außen vor gelassen, weil der nicht alle Elemente bedient). Wird auf jeden Fall geguckt.

lostNerd
lostNerd
4. September, 2025 18:49
Reply to  Magineer

Den Begriff "LitRPG" hatte ich bisher noch nie gehört. Im ersten Moment dachte ich das sei ein anderer Begriff für ein gamebook in der Art von "Deathtrap Dungeon". Wenn ich richtig verstehe, sind "LitRPGs" aber im Gegensatz zu gamebooks nicht interaktiv. Ulkigerweise habe ich gestern mit der Lektüre von "Dungeon Crawler Carl" begonnen und mir wurde grade eben bewußt, dass es sich dabei wohl auch um ein "LitRPG" handelt.

Außerdem schaue ich grade die 2. Staffel von "Reborn as a Vending Machine, I Now Wander the Dungeon" das läßt sich diesem Genre dann wohl auch zuordnen.
Danke für die Info da habe ich wieder was gelernt.

Magineer
Magineer
4. September, 2025 19:28
Reply to  lostNerd

Ganz genau das. LitRPG gibt es schon seit den frühen 2010ern, damals hauptsächlich aus Russland. Das Ganze hat dann schnell auch im Westen Fuß gefasst und ist dann durch Webseiten wie Royal Road (eine Art Wattpad für Fantasyliteratur) explodiert. Später hat dann der Isekai-Boom das Feuer noch weiter entfacht.
Ich hatte das auch lange Zeit eher als Ultra-Nerdnische abgetan, aber hab dann ebenso mit "Dungeon Crawler Carl" angefangen. Inzwischen hab ich alle sieben bisher erschienen Teile schon zum zweiten Mal durch, weil es unerwarteterweise süchtig macht. 😉
Man muss aber auch dazusagen, dass "Carl" eine Ausnahme ist, der das Genre überhaupt erstmal in den Mainstream gehievt hat – das liegt an den Figuren, der Geschichte selbst, der Zugänglichkeit und zum ganz großen Teil vor allem an Jeff Hays, dessen Stimme in den Audiobooks quasi Legendenstatus genießt. Und natürlich liegt es auch daran, dass Penguin/ACE die komplette Reihe nochmal als professionelle Hardcoverausgaben mit enormem Marketingaufwand in die Buchläden drückt – die stehen in den USA praktisch überall im Schaufenster (und selbst bei uns in der Englisch-Sektion der großen Thalias). Und dass nun die Filmrechte an Seth MacFarlane gingen, hat sicherlich auch was damit zu tun. 😉
In Deutschland hat es fünf Jahre gedauert, ab 2026 erscheinen die Carls dann auch hierzulande über Fischer bzw. Fischer TOR, deren Fantasy- und SF-Ableger. Immerhin …

lostNerd
lostNerd
4. September, 2025 19:05

Etwas Off Topic: Hast Du vor Dir am Sonntag "Angel’s Egg" anzusehen?
Habe dafür leider keine Karte mehr bekommen.