Fantasy Filmfest 2025 (16): MARCO
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse, Neues |
Regie: Haneef Adeni
Darsteller: Unni Mukundan, Siddique, Jagadish, Kabir Duhan Singh, Abhimanyu Shammy Thilakan, Anson Paul, Yukti Thareja, Ishan Shoukath u.a.
Offizielle Synopsis: Marcos Bruder wurde in Säure aufgelöst. Hinter der Tat steckt ein Syndikat, das nun Marco eine Horde ruchloser Schergen auf den Hals hetzt. Doch davon lässt sich der rachsüchtige Hühne nicht beirren, sondern schwört: „Ich werde die Mörder in ihrem eigenen Blut baden!“ Unaufhaltsam prügelt, sticht, ballert und kettensägt er sich bis an die Spitze der Organisation.
Kritik: Das Festival-Programmheft verspricht:
"MARCO definiert „over-the-top“ völlig neu."
Das stimmt. Aber bewiesen wird auch, dass "over-the-top" für sich genommen eine wertlose Eigenschaft ist, die einen Film weder besser noch schlechter macht.
MARCO ist in der Tat so ziemlich die gnadenloseste Gewaltorgie, die ich seit UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING gesehen habe. In hoch stilisierten, wenn auch man manchmal zu Tode choreographierten Fights werden keine Gefangenen gemacht, und dabei meine ich nicht nur die Kontrahenten: Kinder, Schwangere, Blinde, alle sind "fair game" – mit sichtlichem Genuss werden sämtliche moralischen Maßstäbe negiert, um Marcos unaufhaltsamen, aber letztlich komplett sinnlosen Rachefeldzug zu rechtfertigen.
Das ist technisch sehr beeindruckend und Unni Mukundan hätte eine Karriere im internationalen Actionkino wie Tony Jaa verdient – aber es ist auch komplett zynisch, menschenverachtend, verroht und von der eigenen Eierschaukelei besoffen. Hier geht es nicht um gut oder böse, um Recht oder Unrecht – schuldig sind sie alle und die "Unschuld", die Marco zu rächen und zu retten versucht, ist letztlich nur eine alberne Erinnerung an einen Ehrbegriff, den keiner der Beteiligten mehr mit Leben füllt.
Alles Drecksäcke, die sich gegenseitig abmurksen – wen schert’s?
Gerade weil es hier um nichts anderes geht als Massaker auf Massaker auf Massaker, zieht sich MARCO zwischen der Action trotz eleganter Fassade und treibendem Soundtrack. Es ist ein absoluter Poser-Film, jede Szene eine bis zur Farce übertriebene Inszenierung von Luxus, Machismo und Reviergehabe. Marcos permanenter Griff zu fetten Zigarren ist ein Sinnbild für das veraltete, toxische Männerbild, das uns der Film als letzte Rettung für das "Gute" (?) verkaufen will.
Weil so eine Gewaltorgie selbst in Indien auf Widerstand stößt, hat der mit acht Minuten (!) unfassbar lange Vorspann ein paar der krassesten Warntafeln, die ich je gesehen habe:
Die letzte Texttafel ist augenscheinlich eine rechtliche Absicherung, weil MARCO streng genommen eine inoffizielle Auslagerung von Figuren und Ideen des Films MIKAHEL (2019) ist.
Im Grunde hat KILL vor einem Jahr die gleiche Geschichte mit den gleichen Mitteln, aber erheblich straffer und kommerziell verträglicher abgeliefert.
Trotzdem tue ich mich schwer, den Film vollends zu verdammen. Dafür ist er mit erkennbar zu viel Mühe inszeniert und in seiner Gnadenlosigkeit auch ziemlich effektiv. Würde man 30 Minuten Quasselei zwischen den Gangsterbossen raus schneiden und ein paar der unnötigen Rückblenden entfernen, wäre MARCO vermutlich ein den Begriff "hyper violence" neu definierender Klassiker, dem ich sogar die komplette Spackigkeit seiner "Ideologie" verzeihen würde.
Auf einem Festival, das "schleichendes Drama" gerne mal mit "schnarchender Langeweile" verwechselt, ist er zudem eine willkommene Abwechslung.
Eins ist sicher: Das hier ist der neue Lieblingsfilm aller arabischen und indischen Möchtegern-Babos in den Shisha-Bars von Berlin-Kreuzberg und den Rotlichtvierteln hinter deutschen Hauptbahnhöfen.
BILD DES TAGES
Berlin 1978 – STAR WARS ist klar, aber wer kann den anderen Film identifizieren?
Ich kann’s nicht genau erkennen, aber Henry Fonda, meine ich, ist als einziges erkennbares Gesicht auf dem Plakat relativ zweifelsfrei zu identifizieren, daher gehe ich ganz stark von "Die große Offensive" (Il Grande Attacco) vom Italo-Matschmeister Umberto Lenzi aus, der hatte etwa einen Monat nach Star Wars seine deutsche Premiere, das würde daher auch vom Datum her passen.
Neben Fonda übrigens auch noch mit ein paar weiteren durchaus bekannten Namen besetzt: Helmut Berger, Stacy Keach, John Huston (ja, genau der!), Giuliano Gemma, Edwige Fenech und Samantha Eggar geben sich hier u.a. die Ehre.
Das hier muss dann kurz davor oder danach gewesen sein
Ich empfehle die "Search by Image" Erweiterung für Firefox.

Top! Danke an alle Beteiligten!
Ich will ja nicht klugscheißen, aber der "Hühne" in der Synopsis ist dann doch eher ein "Hüne" ohne H. Nix für ungut
Das ist direkt aus dem Programmheft der Festivalmacher kopiert.
Dachte ich mir; trotzdem…
Puh, das hier ist schwierig. Nicht zuletzt durch das FFF hab ich seit ein paar Jahren eine Schwäche für indische Genre-Filme. Der Style kommt ihnen zu den Ohren raus und mit dem nötigen Sitzfleisch kann man sich da absolut an einigen Perlen erfreuen.
MARCO präsentiert über die meiste Zeit sehr kompetent ein Sturm an Gewalt, die Spass machen soll – und dann plötzlich ein Sturm Gewalt die schocken soll. Das für mich dann tonal einfach nicht mehr funtioniert. Im finalen Kampf gab es wieder ein paar Szenen, die ich gerne laut im Kino gefeiert hätte – aber ich hatte einen zu bitteren Geschmack auf der Zunge.
KILL war besser.
Und die Zigarren! Freud wäre bei diesem Film der Kopf explodiert!
P.S: Der Host hat darauf hingewiesen, das in der Originalfassung immer wieder Anti-Alkohol und Anti-Tabak-Einblendungen waren. Und "Gewalt gegen Frauen ist strafbar". Ach was?? Offenbar müssen indische Männer da gesondert dran erinnert werden…
Rohrkrepierer. Über weite Strecken zäh und langweilig wie nix Gutes, mit den zahllosen überflüssigen Nebenfiguren auch teilweise schwer nachvollziehbar (obwohl die Plotte ja im Kern so basic ist wie es nur geht), hässlicher Digicam-Look, das ewige Gangsterrap-Video-Gepose, das alleine bestimmt schon 20 Minuten Laufzeit frisst, die von dir ja schon erwähnte Asi-Mentalität dahinter, die der Film aber auch zu hinterfragen zu doof ist – und dann lohnt die Action nicht mal. Teilweise peinlich schlecht inszeniert (in dem Haus am Ende ist es zB schlicht zu dunkel und amateurhaft ausgeleuchtet), und bis auf die eine zugegeben nette Szene mit dem Messer zwischen den Zähnen auch alles schon mal besser dagewesen. Auch der Gewaltgrad beschränkt sich im Wesentlichen auf eine 10 Minuten-Sequenz, die sich genüsslich und dramaturgisch unnötig im Sadismus suhlt, der Rest ist kaum der Rede wert, wenn man mal THE RAID oder THE NIGHT COMES FOR US gesehen hat.
Beim begrenzten Kinostart diese Woche und später dann auch auf Scheibe (aus Österreich, vermute ich, es sei denn die BPjM hat einen seeeehr guten Tag) bekommt man außerdem eine hübsch hässliche Billig-Synchro, die vor allem mit ständigen Christopher-Walken-Kunstpausen im Satz an den Nerven sägt. Frage mich, ob das dem Bemühen um Lippensynchronität bei indischem Sprechrhythmus oder Unfähigkeit im Synchronstudio geschuldet ist.
3/10.