Fantasy Filmfest 2025 (15): THE PIANO ACCIDENT
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |
Regie: Quentin Dupieux
Darsteller: Adèle Exarchopoulos, Jérôme Commandeur, Sandrine Kiberlain, Karim Leklou, Gabin Visona, Morena Gosset, Marie Lanchas, Luc Schwarz
Offizielle Synopsis: Magalie aka Megajugs ist ein Internetphänomen mit Kultstatus. Geboren am Tag, als das Internet freigeschaltet wurde, wuchs sie mit Digicams und fehlenden „Don’t try this at home“-Warnungen auf. Mit schockierendem Content und einem störrischen Außenseiter-Image katapultierte sie sich an die Spitze der digitalen Welt. Interviews? Fehlanzeige. Nähe? Undenkbar. Doch nach einem mysteriösen Klavierunfall bei einem Videodreh zieht sie sich mit ihrem persönlichen Assistenten Patrick in ein entlegenes Chalet in verschneite Berge zurück, körperlich angeschlagen, aber unbeeindruckt. Nicht nur zwei schräge Fans stören bald die toxische Zweisamkeit mit Patrick, auch eine hartnäckige Journalistin meldet sich per E-Mail. Und im Gegensatz zu anderen lässt sie sich nicht einfach mit Geld abwimmeln. Widerwillig lässt Magalie sich auf ein Gespräch ein, doch je näher ihr jemand kommt, desto mehr geraten Dinge aus dem Ruder.
Kritik: Ein neues Jahr, einer neuer Dupieux – der Mann dreht so stoisch seine Film nacheinander weg wie Woody Allen in seinen besten Jahren. Und wie Allen hat er einen eigenen, unverkennbaren Stil, den er weder entwickelt noch anpasst. Dupieux ist Dupieux – den mag man oder nicht. Ich mag ihn (mittlerweile).
Die Schlüsselfrage, an der bei Dupieux alles hängt, ist diese: hat er diesmal eine Story? Wenn er nämlich mal wieder eine seiner wirren Non-Ideen verfilmt wie im Fall von DAAAAAALI!, dann braucht man gar nicht erst versuchen, das splitterige Geschehen auf der Leinwand zu entschlüsseln. Hält er sich hingegen an ein grobes erzählerisches Konstrukt wie in MANDIBLES, kann das sehr charmant sein.
Die gute Nachricht: THE PIANO ACCIDENT hat eine Story, die noch dazu relativ gerade heraus erzählt wird. Die üblichen Schauspieler aus dem Dupieux-Repertoire genießen die Möglichkeit, ihre schrägen Charaktere aneinander zu reiben. Eine Farce ist kein Drama und bietet breite Möglichkeiten für Comedy.
Ich hadere aber damit, dass die Story EXTREM dünn ist – alles dreht sich um ein statisches Interview mit der verstockten Magalie, bei dem ein paar Hintergründe ihrer bizarren Internet-Persona enthüllt werden. Das könnte Rahmen oder Intro für eine größere Geschichte sein, ist aber alles, was wir kriegen.
Darüber hinaus störe ich mich ausgerechnet am Casting der Hauptfigur. Adèle Exarchopoulos ist eine atemberaubende schöne Schauspielerin, die u.a. die Cover von Magazinen wie VOGUE ziert. Sie ohne Makeup und mit einer lachhaft schlechten Perücke zu "verhässlichen", ist so unnötig wie fragwürdig. Der Look von Magalie wirkt nie authentisch, immer wie Clownerei. Allerdings muss man bei Dupieux mal wieder unterstellen, dass genau das beabsichtigt ist.
So bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Ja, ich habe mich gut unterhalten und auch immer wieder viel gelacht. Nein. als einen der großen Dupieux-Kracher wie KEEP AN EYE OUT kann ich das nicht durchwinken. Ein beschränkter Anspruch führt in diesem Fall zu einem beschränkten Ergebnis. Der Mann kann mehr.
P.S.: Ich muss im Nachhinein einsehen, dass ich alle Dupieux-Streifen sehr inkonsistent bewertet habe. Erinnert mich dran, das mal aufzuarbeiten.
BILD DES TAGES
Ich bin seit fast vier Wochen sehr brav auf Diät und habe auch schon deutlich abgenommen – damit habe ich mir meinen ersten Smashburger verdient:
In der Tat sehr saftig, aber das Fleisch zerfällt fast in der Hand. Messy!
Seit MANDIBLES hab ich ja beschlossen, Dupieux wieder eine Chance zu geben – und es in diesem Fall auch nicht bereut. Für seine Verhältnisse war das ja schon ein direkt normaler und straight erzählter Film und auch relativ düster.
Daher stimme ich der Wortvogel-Rezension zu: Das ist ein Film der definitiv launig ist, aber im Gesamtwerk des Regisseurs eher untergeht.
Und ich glaube auch, dass Adèle Exarchopoulos "hässlich" (fette Anführungszeichen hier! "I still would" – und andere Figuren im Film auch!) zu machen ein Gimmick des Films ist. Und einige extrem attraktive Schauspielerinnen machen das ja im Lauf ihrer Karriere…
P.S: Ich wär definitiv interessiert an einem Beitrag, wo du alle Quentin Dupieux Filme nochmal bewertest. Das würde mir definitiv helfen, zu entscheiden, welche ich nachholen sollte.