07
Sep. 2025

Fantasy Filmfest 2025 (13): SLANTED

Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: gelb, Film, TV & Presse |

USA 2025
Regie: Amy Wang
Darsteller: Shirley Chen, McKenna Grace, Vivian Wu, Maitreyi Ramakrishnan, Amelie Zilber, Fang Du, Elaine Hendrix, R. Keith Harris, u.a.

Offizielle Synopsis:  Joan Huang ist als Kind mit ihren Eltern aus China in die USA immigriert. Sie ist längst zum durchschnittlichen Highschool-Mädchen geworden und träumt von der Krone der Jahrgangskönigin. Doch ihre Konkurrenz scheint unbesiegbar zu sein: beliebt, perfekt und vor allem weiß. Geprägt von Mobbing und westlichen Schönheitsidealen, lässt sie sich auf eine mysteriöse Firma ein, die radikale Transformationen anbietet. Zwischen Highschool-Hölle und verstörendem Bodyhorror verliert Joan jedoch weit mehr als nur ihr Gesicht.

Kritik: Ich bin ziemlich sicher, dass Filmemacherin Amy Wang hier einen Teil ihrer eigenen "experience" verarbeitet hat und mit ihrer schwarzen Komödie zeigen will, dass "weiß sein" nicht jeden Preis rechtfertigt.

Leider ist der ganze Film ein Strohmann, der mit veralteten Klischees arbeitet und an keiner Stelle eine tatsächliche Erkenntnis jenseits von "akzeptiere dich selbst, wie du bist" präsentiert – und selbst das steht auf wackeligen Füßen.

Um als Kritik an der amerikanischen Mittelschicht zu funktionieren, stellt SLANTED mehrere Annahmen in den Raum: weiß, hetero und attraktiv ist der unangefochtene Standard, der alles ermöglicht, während man als Mitglied einer Minorität immer die Arschkarte gezogen hat. Schon das halte ich für problematisch, weil es die (in meinen Augen) Mär vom systemischen Rassismus befördert, die weder berücksichtigt, dass die weiße Mittelklasse längst selbst nicht mehr in ihrer Blüte steht und dass gerade die Asiaten die ökonomisch und bildungstechnisch erfolgreichste Einwanderungsgruppe darstellen.

Als nächstes habe ich mich daran gestoßen, dass Joans "Traum" selbst das dümmste aller Klischees bestätigt: Prom Queen werden und sich vom bestaussehenden Jungen der Klasse entjungfern lassen. Wirklich? DAS ist das große Ziel, für das man/frau nicht nur jede Mühe auf sich nimmt, sondern auch die eigene ethnische Zugehörigkeit aufgibt?

Um die intelligente und attraktive Joan als Opfer zu zeichnen, müssen wieder mal alle Weißen die absoluten Drecksäue sein: dumm, geil, grausam, stinkreich, faul, und damit jedes Schicksal verdienend, das der Film ihnen zuteilt. Man kann zudem monieren, dass der Film es sich mit "brave und fleißige asiatische Einwanderer" vs. "parasitäre weiße Mittelschicht" ein wenig zu einfach macht.

Auf der Ebene des Horrorfilms ist nicht viel zu holen: Die Rassenwandlung durch "Ethnos" ist nur der Aufhänger, mit dem Joan eine weiße "experience" durchlebt – ohne allerdings in letzter Konsequenz zu lernen, dass "weiß sein" auch kein Zuckerschlecken ist. Stattdessen wird eine "Fehlfunktion" der OP herangezogen, die vermutlich irgendwie die moralische "Deformation" der weißen Mittelschicht repräsentiert. Entweder das, oder Amy Wang ist kein anderes Finale eingefallen. Wirklich Sinn ergibt das nicht.

Das macht SLANTED zu einer "Message"-Komödie, die zwar sympathisch inszeniert und gespielt ist, in ihren Aussagen aber sehr wackelig und unappetitlich.

Fazit: Ein streckenweise bissige Horrorkomödie, die HEATHERS und THE SUBSTANCE unter einen Hut zu bringen versucht, dabei allerdings mit fragwürdigen Annahmen und Aussagen arbeitet. Ohne den moralinsauren Zeigefinger wären mehr als 6 von 10 Punkten drin gewesen.

Kein Trailer, aber das hier:

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Wen man unterwegs nicht so alles trifft – ich hätte ihn fragen sollen, ob er sich daran erinnert, dass er in den 70ern mal bei meiner Mama im Schreibwarengeschäft in Düsseldorf eingekauft hat:

 



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2 Kommentare
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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
22. September, 2025 14:13

Der hübschen Hauptdarstellerin abzukaufen, dass sie es schwer hat, war ein wenig schwierig, aber ansonsten recht gut. Schade, dass bei der Karaoke-Nummer niemand im Kino mitgesungen hat.