Fantasy Filmfest 2025 (1): GOOD BOY
Themen: Fantasy Filmf. 25, FFF: grün, Film, TV & Presse |
Regie: Ben Leonberg
Darsteller: Indy, Shane Jensen, Larry Fessenden, Arielle Friedman, Anya Krawcheck, Stuart Rudin, Max
Offizielle Synopsis: Indy ist ein guter Hund. Treu, wachsam, eng verbunden mit seinem Herrchen. Doch als sich Todd verändert und gemeinsam mit ihm in das abgelegene Haus seines verstorbenen Großvaters zieht, spürt Indy, dass etwas nicht stimmt. Etwas Gefährliches nistet in dem neuen Zuhause und scheint es auf Todd abgesehen zu haben. Indy wird seinen besten Freund mit allen Mitteln verteidigen; denn was auch immer in diesem Haus lauert: Es kommt näher!
Kritik: Der Veranstalter erklärte vorab, dass er sich des Risikos bewusst sei, im großen Kino (800 Zuschauer, ausverkauft!) einen kleinen Independent-Film zur Eröffnung des Festivals zu zeigen. Er war aber zuversichtlich, das Publikum würde die Entscheidung verstehen.
Und ja – geht man nach dem hörbaren Reaktionen im Saal, hat GOOD BOY die meisten Zuschauer beim Herz gegriffen und dann kräftig gedrückt. Er ist sehr gut darin, die Welt aus der Sicht des Hundes zu visualisieren, die Dinge aus der Dunkelheit zu schälen, die nur Hunde wahrnehmen, und sogar die Menschen durch Schatten und Unschärfen in "Freund" und "Fremder" zu unterteilen.
Alles, was an Schauspielerei zu sehen ist, leistet der Hund – und das hat satte 400 Tage Drehzeit gebraucht, denn auch als Hund des Regisseurs muss man nicht immer Lust haben, auf Kommando die richtigen "Gesichtsausdrücke" aufzusetzen. Das Ergebnis ist bemerkenswert – vor allem, weil Indy ein Herzensbrecher ist.
Inhaltlich und inszenatorisch ist der Film schon ein bisschen schwerer zu bewerten, denn GOOD BOY wandelt auf ausgetretenen Geisterhaus-Pfaden und macht sich keine Mühe, seinen eigentlichen Subtext groß zu verschleiern – es handelt sich um eine Allegorie. Um welche, möchte ich nicht verraten, um den geneigten Zuschauern den Film nicht zu spoilern. Aber auch wenn es sehr offensichtlich ist – es funktioniert.
Man kann auch nicht bestreiten, dass GOOD BOY etwas manipulativ darauf setzt, dass die Zuschauer an den süßen Hund andocken – mit einem Menschen (z.B. einem Kind) hätte die Story auch funktioniert, aber niemals so gut. Weil wir Hunde lieben und "Hund in Gefahr" ein populärer Trigger ist.
Unter dem Strich ist das aber komplett wurscht, weil es dem Endergebnis nichts nimmt – es ist selten genug, dass man beim FFF einen Film zu sehen bekommt, der die Attribute "niedlich" und "schnuffig" verdient, ohne die Grenzen des Genres zu sprengen. Als Eröffnungsfilm ein Risiko – aber mit hohem Gewinn. Wenn das hier den Standard setzt, könnte 2025 ein gutes Jahr werden…
P.S.: Bonus für das Video-Intro des Regisseurs – endlich mal einer, der sich ein bisschen Mühe gegeben hat und nicht bloß "I hope you will enjoy my movie" in ein Handy murmelt und dabei nicht mal den Namen des Festivals aussprechen kann.
BILD DES TAGES:
Ich habe im großen Saal hinter einem der bekanntesten deutschen Film-Vlogger gesessen. Wer erkennt ihn?
Ben Leonberg dreht einen Film über einen Hund. Hätten auch Brad Schäfer oder Dustin Dackel machen können.
Ich bin auch nicht 100 Prozent sicher, ob das ein Künstlername ist.
Bei "Bears Discover Fire" hat er sich zumindest schon so genannt, und das ist ja nun auch wieder zehn Jahre her. 😉
Fotorätsel: Tippe ich auch mal auf David Hain.
Film: Würde ich deine Kritik zu 100% unterschreiben. Dass "Good Boy" das Rad nicht neu erfindet, macht gar nichts aus, finde ich – ich denke sogar, dass gerade der Perspektivwechsel in der Geschichte für so ein simples Handlungsgerüst besser funktioniert als mit einer eher komplexen Story, die sich aus Hundesicht nicht so effektiv erzählen ließe.
Es mag aus Festivalperspektive ein Risiko sein, mit sowas zu eröffnen, ich bin dagegen der Ansicht, mit sowas muss eröffnet werden.
Genau das hier ist für mich einer der Grundbausteine eines guten FF.
Man mag am Skript durchaus Kritik üben können, es gibt da so ein zwei Fragen, die der Film überspielt, die vielleicht Antworten gebraucht hätten, aber die Idee und Umsetzung sind gut und für ein Erstlingswerk richtig gut.
Mit den kleinen Holpersteinen und den nicht ganz so top Menschenschauspielern würde ich hier ne 7 geben, aber das ist eine mit ganz viel Sympathie und für FF-Geher, denke ich, ist der einfach Pflicht.
Genau das meine ich ja auch.
Wird beim SLASH gezeigt, bin aufgrund des originellen Konzepts durchaus schon gespannt – zugleich aber insofern skeptisch, als ich halt überhaupt kein Hundetyp bin. Konnte auch schon beim von fast allen Seiten in höchsten Tönen gelobten Krypto bei "Superman" nichts anfangen.
… sieht nach David "BeHaind" Hain aus. (Dann wäre "hinter einem" ein klassisches Wortvogelspiel.) Oder liege ich falsch?
Und danke für die Rezi. Hatte Interesse und hab nun richtig Bock.
[Film nicht gesehen] Seufz. Mit Katzen (oder, wie sie im interessierten Kreis genannt werden: Cutzen) würde ich mir sowas auch mal ansehen, sogar mal wieder in ein Kino gehen. Wird wohl nicht passieren. Ausser ein interessierter Privateer, mit Genre, Business und den Actricen vertraut nimmt sich dem an, und sei es nur ein Script, Drehbuch, Video, wo er mal eben mit den vorhanden Hausmitteln wie Haustieren Cleopatra nachspielt?
Kennst du den YouTube Kanal von OwlKitty?
z.B. dieses hier:
Top Gun with a Cat
Mal ein interessantes neues Konzept, das auch ziemlich gut umgesetzt war. Mir hat´s gefallen!
Schön war auch das Interview mit dem Regisseur, das davon erzählt was für eine Arbeit das war, den Film mit dem Hund Indy zu machen. Man kann kann schon verstehen, dass der Mann ab jetzt lieber mit menschlichen Dartellern arbeiten will.