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Sep. 2025

Bartender als Barbremser: Kurze Warnung vor "praktischen" Tools

Themen: Neues |

Ich habe es getan – seit zwei Tagen sitze ich an meinem neuen, lüfterlosen MacBook Air mit dem ebenso brandneuen Tahoe 26 Betriebssystem. Laptops sind wie Katzen – zu zweit fühlen sie sich wohler. Darum hat die LvA sich zeitgleich die 15 Zoll-Variante gegönnt.

Über meine ersten Erfahrungen damit werde ich sicher nächste Woche mal berichten, aber heute möchte ich eine kleine Leidensgeschichte vorausschicken.

Ich gehöre zu den Menschen, die neue Rechner auch gerne neu aufsetzen. Keine Apps, keine Daten, keine Einstellungen werden vom Vorgänger übernommen. Alles frisch. Das ist ein bisschen händische Fummelei, gerade wenn man sich seinen Rechner sehr genau für den eigenen "use case" eingerichtet hat. Wie Tastatur, Trackpad, Fenster reagieren, welche Drucker eingerichtet sind und welche Cloud-Drives, wo und mit welchen Hot Keys Screenshots abgespeichert werden – es wird nicht leichter, weil neue Betriebssysteme diese Einstellungen gerne an anderer Stelle verstecken. Aber da beiße ich mich durch.

Die "must haves" meiner Software habe ich immer in Griffweite (zumeist über den Appstore), die Lizenzen und Schlüssel dafür auch. Manche Apps fallen weg, weil Apple die Funktionen nativ ins System integriert. Mitunter wechsle ich auch auf Alternativen, weil mich die gute Reputation von z.B. BuhoCleaner beeindruckt.

Nebenher habe ich noch meine fünf externen Festplatten neu sortiert und indexiert, weil ich mal wieder eine gute Ausgangsposition wollte und vieles irgendwann dem "digital rot" anheim fällt. Alles neu macht der… September.

Heute morgen fragt meine Frau, ob ich denn mit dem neuen Gerät zufrieden bin. Ich murmele nebenher "joah, ist okay". Das Problem: Ich lüge, weil ich gerade zu genervt bin, um eine ehrliche Antwort zu geben, die da lautet: "Das kann es doch nicht sein!"

Mein brandneues Macbook Air… ruckelt. Wenn ich mit dem Mauszeiger zum Dock runter fahre und zwischen den Icons düse, stottert es, als wäre ich noch mit meinem Macbook von 2010 unterwegs (und selbst da stottert es eben nicht). Durch die Webseiten vom SPIEGEL scrollen ist ein merklich gebremstes Vergnügen. Seit wann haben YT-Videos Aussetzer von Sekundenbruchteilen?! Selbst die Akkuleistung scheint deutlich unter dem zu liegen, was von Apple versprochen wurde.

Habe ich einen Fehler gemacht? Sind 16gb RAM 2025 doch zu wenig? Oder ist das MacBook vom eigenen Hersteller noch nicht auf Tahoe 26 optimiert?

Ich räume den Rechner (nach zwei Tagen!) erstmal ordentlich auf, schaue nach, ob im Hintergrund massiv indexiert wird (Spotlight, GoogleDrive, OneDrive). Mitunter muss man einem neuen Gerät Zeit geben, sich zu finden.

Aber ich finde nichts. Und es wird auch nicht besser.

Ich rufe die Aktivitätsanzeige auf, um Spurensuche zu betreiben. Es springt mir sofort ins Auge: die App Bartender 6 frisst CPU-Zeit, als würde sie dafür bezahlt.

Vieles macht nun Sinn. Ich benutze üblicherweise Hidden Bar, um das Chaos in der Menüleiste des Macs im Griff zu behalten, die ich als wichtige Schaltzentrale betrachte. Das ist beim neuen MacBook Air besonders wichtig, denn es ist mein erster Laptop mit der "notch", die in der Mitte der Menüleiste Platz frisst.

Ich konnte mir vorstellen, dass man die Menüleiste mittlerweile auch cleverer sortieren kann – und bin auf Bartender 6 gestoßen. Eigentlich finde ich dessen "feature set" überdimensioniert, aber man muss offen für Neues sein.

Zwar störte mich bei der Installation massiv, dass Bartender 6 das Recht verlangt, permanent Screenshots von meinem Rechner anzufertigen. Aber angesichts der Art, wie Apple mittlerweile die Menüleiste ins System integriert, geht es wohl nicht anders. Davon ab ist der Bartender ein potenter Menüleisten-Organisator.

Leider scheint er mit Tahoe 26 nicht klarzukommen. Weil mir die verbrauchte CPU-Zeit exorbitant erscheint, lösche ich die App testweise. Und zack – alle Probleme mit dem neuen MacBook Air lösen sich in Wohlgefallen auf. Kein Video ruckelt, kein Dock stottert, es scrollt alles wie Butter. Eben so, wie es sein soll. Dafür habe ich 870 Euro ausgegeben.

Ich frage mal bei Perplexity nach und bekomme folgende Antwort:

Ja, es sind tatsächlich zahlreiche Probleme mit der CPU-Auslastung und allgemeiner Systemverlangsamung unter macOS 26 Tahoe bei Nutzung von Bartender 6 bekannt. Viele Nutzer berichten, dass nach Installation von Bartender 6 unter Tahoe das System deutlich langsamer wurde, Fenster verzögert reagieren, das Scrollen in Browsern stockt und der Mac insgesamt träger läuft. Die Ursache wird auf die noch nicht optimale Anpassung von Bartender 6 an das neue Betriebssystem zurückgeführt; insbesondere bei Beta- oder sogenannten „Vorschauversionen“ der App tauchen diese Effekte vermehrt auf.

Eine Google-Suche später finde ich haufenweise verärgerte Reddit-Kommentare.

Bin ich sauer? Nein. Nicht jede Software kann vom Start weg für jedes OS optimiert sein. Bartender hätte das aber vielleicht etwas transparenter kommunizieren sollen. Momentan überwiegt die Freude, dass ich den Bremser schnell identifizieren und eliminieren konnte. Gleich die erste App als Schuldigen auszumachen ist ein Glücksfall.

Vor allem mag ich gar nicht dran denken, was wäre, wenn ich die Systembremse nicht gefunden hätte. Ich wäre mit dem MacBook nicht glücklich geworden.

Und jetzt weiter im Takt!



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Jan-Philipp
Jan-Philipp
26. September, 2025 14:59

Erstmal Glückwunsch zum neuen Gerät 🙂 Ich hoffe es zahlt sich aus.

Bartender selbst hatte sowieso aufgrund eines verschwiegenen Verkaufs eine Kontroverse (Bartender: Erklärungen der neuen Besitzer kommen etwas spät ⋅ ifun.de), sodass der Blick auf Alternativen vl. eine Idee wäre. Sonst aufs Update warten 😉

Magineer
Magineer
26. September, 2025 15:14

Super, dass du den Störer so schnell gefunden hast, das freut mich für dich – ich hoffe, du kannst das neue MBA dann ab jetzt wieder genießen. 😉
Es gibt ja so einige Apps und Helferlein, die das System ausbremsen, im Idealfall hilft da immer ein Blick in die Aktivitätsanzeige. Vielleicht bekommt Bartender das Problem ja mit einem Update wieder in den Griff – ich kenne das Programm nicht, weil ich die Menüleiste eh nicht nutze und mir auch (nur in meiner eigenen täglichen Routine natürlich) kein Anwendungszweck dafür einfällt, aber wenn man drauf angewiesen ist, kann sowas schon ganz schön nerven.
Halt uns gerne auf dem Laufenden, wie’s weitergeht mit der Wortvogel-Mac-Story, lese ich immer wieder gern …

Dirk
Dirk
26. September, 2025 15:46

Ich kann als Alternaticw dafür Ice empfehlen (https://icemenubar.app/), läuft bei mir problemlos, und ist einfach eingerichtet.

Andy Simon
Andy Simon
26. September, 2025 16:51

Ich habe seit ein paar Monaten einen M4-Apple, und meistens bin ich zufrieden. Trotzdem empfehle ich allen, die mit dem Gedanken liebäugeln und die somit damit klarkommen müssten, dass zwei USB-C jetzt für alle Anschlusswünsche zu reichen haben, alle Peripherieteile auf Millimeter (Adapterstationen, Hubs etc.) genau auszumessen, selbst wenn sie (angeblich) genau für die neue Generation gemacht sind. Ich kann entweder meinen Hub für USB-A anschließen ODER das Netzteil.

Martzell
26. September, 2025 17:21

Auch über USB-C lässt sich Strom tanken.

Damit die Menüleistenapps neben die 13″-Notch passen setze ich deren Abstand auf null. Dass frisst keinerlei Kapazität und man muss sich nicht in überkomplexe Apps wie Ice (kostenlos) einarbeiten. Einfacher als übers Terminal mit der App "Menu Bar Spacing": https://sindresorhus.com/menu-bar-spacing

Hairy Ass Truman
Hairy Ass Truman
26. September, 2025 18:25

Originell, ausgerechnet bei apple alles neu aufzusetzen, wo deren time machine eins der überzeugensten tools FÜR eine Apple Nutzung ist.

Andreas
Andreas
27. September, 2025 22:11

mit 6.04 scheinen sie es jetzt in den Griff bekommen zu haben

Stefan
Stefan
28. September, 2025 23:32

nimm ICE ist schlank und macht was es soll