Streaming Kritik: MURDERBOT
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Kritik: Alle Welt spricht von der neuen ALIEN-Serie – ich nicht. Nach TWISTED METAL habe ich mir für die Runden auf dem Laufband stattdessen eine Apple+-Serie angeschaut, die mich eigentlich gar nicht so sehr interessierte, die aber mit selten mehr als 30 Minuten pro Folge prima wegzugucken ist.
Shows you what I know – MURDERBOT ist aus dem Stand ein neuer Favorit geworden und ich danke den "powers that be", dass eine zweite Staffel bereits geordert wurde. Seit ALTERED CARBON und LOST IN SPACE habe ich es nicht mehr so genossen, aufwändige Science Fiction außerhalb der ewig gleichen Franchises zu schauen.
MURDERBOT profitiert nicht nur von dem betriebenen Aufwand, der auch die eindeutig per CGI kreierten Welten sehr authentisch und handgemacht aussehen lässt. Hier wurde nicht in Masse, sondern in Klasse gedacht, und das Ergebnis lässt selbst die aktuellen Trek- und Star Wars-Serien weit hinter sich.
Der Schlüssel zu MURDERBOT ist auch nicht die radikale Mischung aus Humor, Action und Gewalt, die für einen hohen Unterhaltungswert sorgt und immer dann greift, wenn das Geschehen zu sentimental oder seicht zu werden droht.
Dass Alexander Skarsgard sowohl als stoischer Roboter als auch als immer leicht genervter Erzähler ein Plus ist? Geschenkt. Der Mann weiß genau, wie man diesen "Marvin the paranoid android" anlegen muss.
Was MURDERBOT wirklich zum Knaller macht, sind die extrem intelligenten Skripts, die den Zuschauer permanent mit Twists und Finten konfrontieren und an keiner Stelle den Weg des geringsten Widerstands gehen. Hier ist keine Pointe zu flach – aber gerne mal zu billig.
Der Weg des Murderbot von der seelenlosen Maschine zum sarkastischen Kommentator zum empathischen Beschützer wird erfrischend folgerichtig und mit Liebe zum Detail erzählt – wahrlich, wir Menschen machen es selbst brutalen Killerautomaten nicht leicht, uns zu mögen…
Und dann sind da noch die vielen, vielen Metaebenen der Serie – ich könnte mich beömmeln bei der Vorstellung, dass die Menschen in der fernen Zukunft auf Raumschiffen und fremden Planeten immer noch kitschige Weltraumopern schauen – und ich verlange einen zeitnahen SANCTUARY MOON-Spinoff!
Ein besonderes Highlight von MURDERBOT ist das oft vernachlässigte "world building" – wir verstehen und glauben diese Zukunft aus Mega Corporations, für die eine Erkundung des Weltraums immer auch eine Frage der Bilanzen ist und in der man Massaker unter den Teppich kehrt, weil das keine gute PR darstellt. Hier ist fast alles käuflich – und so strukturiert, dass es kaum jemand bezahlen kann, ohne sich in lebenslange Abhängigkeit zu begeben.
Ich freue mich zudem, dass die Serie in ihren knapp 5 Stunden Laufzeit eine weitgehend abgeschlossene Geschichte erzählt und man vermuten darf, dass der Murderbot in Staffel 2 wieder seiner eigenen Wege gehen wird.
"Humans are idiots" – wohl wahr…
Fazit: Eine großartige, gut gemachte und sehr smarte Science Fiction-Farce, die weitab von Star Trek-Pathos dem Zuschauer immer wieder ein Bein stellt und ihm dann die Zunge rausstreckt. Kann ich nicht wärmstens genug empfehlen!
Die Serie basiert übrigens auf der erfolgreichen Buchreihe von Martha Wells:
Das verspricht zumindest Material für ein paar weitere Staffeln.
Die erste Staffel beinhaltet den ersten Band der Buchserie, man kann also davon ausgehen, dass eines der Folgebücher in der nächsten Staffel drankommt. Wahrscheinlich sogar dann direkt "Artificial Condition", welches das zweite Buch der Serie ist.
Muss ich mal reinschauen. Ich hatte mir vor ein paar Monaten das erste Buch ausgeliehen und konnte mit dem Schreibstil überhaupt nicht warm werden. Wirkte alles ein bisschen zu gewollt, als ob hinter jedem Absatz die Autorin hervorlugen würde, um zu schauen, ob man auch merkte, wie clever sie ist. Aber vielleicht funktioniert der Stoff für mich ja als Serie besser.
Habe den ersten (englischen) Band gelesen. Die deutschen sind wohl anders aufgeteilt. War so gar nicht meins. Der Trailer hat mich dann mit dem eher „lustigen“ Fokus irritiert. War für mich im Buch gar nicht so stark herausgearbeitet. Vielleicht muss ich der Serie doch mal eine Chance geben.
Volle Zustimmung. Ich bin mit der Staffel noch nicht ganz durch, aber (Spoiler!) hast du komplett verstanden, was genau der Protagonist eigentlich ist? Ich meine, ist er technisch nicht sowas wie Robocop? Vielleicht kommt dazu was in der letzten Folge, aber irgendwie fehlte mir da ein wenig mehr Hintergrund.
Fand die Serie auch gut! Aber die Serie "Foundation" finde ich grandios auf Apple TV+ .Muss natürlich sagen ich kenne die Bücher nicht. Da gerade die Hardcore Fans der Bücher ab und zu Kritik üben. Finde es sehr schade das viele die Serie überhaupt nicht kennen!?Ist natürlich keine Serie die man mal so nebenbei laufen lassen kann!
Bei Foundation haben Serie und Vorlage außer der Grundidee so gut wie nichts gemeinsam.
Was für mich allerdings kein Problem ist: Die Romane sind zwar aus guten Gründen Klassiker, aber sie sind auch schon ein Dreivierteljahrhundert alt. Eine Eins-zu-eins-Umsetzung würde vielleicht Hardcore-Fans entzücken, für den Durchschnittszuschauer wäre sie aber wahrscheinlich zu angestaubt.
Insofern : Die Serie ist gut , die Bücher sind gut. Beide stehen jeweils wunderbar für sich, und man kann sich aussuchen, was einem am besten gefällt.
Ich könnte das nicht so gut zusammen fassen, trifft voll und ganz zu.
Ich bin gespannt auf die zweite Staffel.
Seufz, also doch mal wieder Apple+ reaktivieren. Aber erneut zeigt sich: Der beste Content (über den niemand spricht) läuft halt dort.
Was eine schlechte Serie