04
Aug. 2025

Kino-Nachkritiken: TOGETHER & F1

Themen: Film, TV & Presse |

Aus unterschiedlichen Gründen konnte ich die nachfolgenden Kritiken nicht zum Kinostart bringen. Ich halte mich entsprechend kurz.


TOGETHER

Australien, USA 2025. Regie: Michael Shanks. Darsteller: Dave Franco, Alison Brie, Damon Herriman, Mia Morrissey, Karl Richmond, Jack Kenny, Francesca Waters, Aljin Abella u.a.

Offizielle Synopsis: Millie und Tim sind seit vielen Jahren ein Paar. Als sie von NY in ein abgelegenes Haus aufs Land ziehen, verlassen sie alles Vertraute – außer einander. Beim Erkunden des umliegenden Waldes, werden sie von einem Unwetter überrascht und müssen die Nacht in einer unheimlichen Höhle verbringen. Am nächsten Morgen bemerken sie erste irritierende Veränderungen an sich. Panisch versuchen die beiden, die Tranformation aufzuhalten, denn der physische Veränderungsprozess befällt nicht nur ihre Körper, sondern wird zu einem Alptraum, der ihre Existenz bedroht.

Kritik: Ich gestehe, dass ich vorbelastet in den Film gegangen bin, denn der Trailer war ein paar Wochen vorher vor jedem Film der Fantasy Filmfest Nights gelaufen – und er war generisch wie Hölle. Ich hatte das "ein mit Problemen behaftetes Paar zieht in ein abgelegenes altes Haus"-Konstrukt ja schon ziemlich oft kritisiert, bei THE TWIN u.a. so:

Die traumatisierte Familie, die nach dem Verlust des Kindes einen Neuanfang fernab der Großstadt versucht. Die Mühe, eine zerbrochene Beziehung wieder neu zu etablieren. Die Kontaktaufnahme mit der Landbevölkerung, die misstrauisch und verdächtig zugleich ist. Das alte Haus, in dem die Holzdielen knarzen und keine Glühbirne mehr als 20 Watt schafft. Alpträume, Visionen, Täuschungen. Es kann doch kein Drehbuchautor ernsthaft stolz sein, ein Skript abzuliefern, das lediglich diese ganzen Standards bedient?!

TOGETHER geht das verdächtig ähnlich an. Bei Millie und Tim ist die Luft raus, sowohl in Sachen Beziehung als auch in Sachen Beruf. Sie respektiert ihn nicht ausreichend, er begehrt sie nicht ausreichend. Ein eher widerwilliger Tapetenwechsel soll helfen, aber die erzwungene Intimität ist auch keine Lösung. Zumal irgend etwas sie schleichend verändert.

Gähn.

An dieser Stelle wollte ich schon pubertär einflechten, dass der Mann erst noch geboren werden muss, der an Alison Brie kein Interesse finden würde. Es stellt sich allerdings heraus, dass TOGETHER zumindest bis weit in den zweiten Akt die Probleme der Verbundenheit (so oder so) sehr clever thematisiert und die externe Bedrohung ähnlich wie HONEYMOON zu einer internen umstrickt. Die zunehmende Verschmelzung von Millie und Tom wird immer krankhafter, immer unangenehmer, immer verzweifelter – Empfindungen, die sich sehr gut auf den Zuschauer übertragen.

All das ist von Franco und Brie großartig gespielt und mit ein paar wirklich unappetitlichen Latex-Ferkeleien schmatzig dargestellt – Cronenberg, SOCIETY und BASKET CASE lassen grüßen.

Aber es ist der letzte Akt, in dem TOGETHER dann leider die Luft ausgeht – wieder mal haben die Macher die richtigen Fragen gestellt, ohne die richtigen Antworten zu finden. Es passiert, was wir lange mit ungutem Gefühl erwartet haben, ohne dass es zu einer wirklichen Erkenntnis oder Erlösung käme. Klappe zu, Affe tot.

Und ja, kaum ein Review kommt ohne die Erwähnung der allerletzten Szene aus, die als eine Art Twist oder Schock dienen soll. Ich schließe mich der Mehrheit der Kollegen an, wenn ich sie für eine katastrophale Fehleinschätzung halte, die nicht nur jede interne Logik des Films torpediert, sondern ein ganzes Fass Würmer aufmacht, das Regisseur/Autor Shanks nicht zu schließen beabsichtigt. Mark Tinta liegt mit seiner Einschätzung ganz richtig:

"… some high school creative writing class-level work there, but it’s all a prelude to the most "Oh, fuck off!"-worthy final shot of the year."

Fazit: Ein nur scheinbar banales Konzept, das schnell komplexe Fragen zum Thema toxische Beziehungen und Co-Abhängigkeit stellt, zum Ende aber in unausgegorenen "body horror" abdriftet und sich mit dem letzten Shot einer (un)verdienten Lächerlichkeit preisgibt.

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P.S.: Michael Shanks ist NICHT der Michael Shanks aus STARGATE SG-1 und meinem Film SUMURU.


F1 – DER FILM

USA 2025. Regie: Joseph Kosinski. Darsteller: Brad Pitt, Damson Idris, Javier Bardem, Kerry Condon, Tobias Menzies, Kim Bodnia, Samson Kayo u.a.

Offizielle Synopsis: Sonny Hayes trägt den Spitznamen „Der Beste, der es niemals geschafft hat“. In den 90er-Jahren galt er als hoffnungsvollstes Talent der FORMEL 1 – doch dann beendete ein Unfall auf der Rennstrecke seine Karriere um ein Haar. 30 Jahre später verdient er sich seinen Lebensunterhalt als umherziehender Gelegenheitsrennfahrer. Eines Tages tritt Sonnys ehemaliger Teamkollege Ruben Cervantes an ihn heran, der mittlerweile Besitzer eines FORMEL 1-Teams ist, das kurz vor dem Aus steht. Ruben überredet Sonny zu einer Rückkehr in die FORMEL 1, um das Team zu retten und einen letzten Versuch zu unternehmen, sich als bester Fahrer der Welt zu beweisen. Sonnys Teamkollege, Nachwuchstalent Joshua Pearce, ist unterdessen fest entschlossen, sein eigenes Tempo vorzulegen.

Kritik: Brad Pitt als Robert Redford in einem Steve McQueen-Film – so habe ich F1 diverse Male im Freundeskreis zusammengefasst. Das ist weniger schnippisch und opak gemeint, als es klingt. F1 erzählt die bekannte Geschichte vom gescheiterten Hoffnungsträger, der eher widerwillig eine letzte Chance nutzen will – nicht für Geld, nicht für Ruhm, nicht mal für die große Liebe. Er tut es, um sein Leben zu rechtfertigen, sein Entscheidungen, seine Niederlagen und Triumphe. It all comes down to this. Erlösung.

So vertraut die bedienten Tropen, so perfekt ist die Inszenierung von TOP GUN: MAVERICK-Regisseur Kosinski – technisch auf dem neusten Stand, aber gleichzeitig bedacht, die physische Gewalt eines Autorennens nicht der leblosen CGI zu opfern. Nie waren die Kameras näher dran, nie konnten wir die heißen Reifen so sehr riechen und den Schweiß der Fahrer. Bei den Boxenstopps zählen Sekundenbruchteile – und wir zählen mit.

Formel 1 wird dabei als hyperkommerzialisierter Zirkus präsentiert, der sich als milliardenschweres Marketing-Vehikel und Werbeplattform gefällt – nur um im gleichen Atemzug die Integrität des Fahrers als das immer noch pochende Herz des Sports zu preisen. These are all distractions, indeed.

Faszinierenderweise präsentiert F1 in seiner mitreißenden Perfektion nicht nur die fast schon tot geglaubten Tugenden Hollywoods wie TOP GUN – er macht auch die selben Fehler. Der mit 61 Jahren noch jungenhafte Brad Pitt wirkt zu frisch für die Rolle des Veteranen, genau wie Tom Cruise. Und wieder wird jedes echte Drama gekonnt umschifft – niemand stirbt, niemand leidet, niemand muss ein wirklich relevantes Opfer bringen. Diese Filme lehren nicht mehr, dass Erfolg Verzicht verlangt – er verlangt nur eisernen Willen. You can have it all. Das kreide ich an, auch wenn es der Unterhaltung keinen Abbruch tut.

Wenn man von seinem Kino nicht erwartet, dass es eine gefällige Moral predigt, Diversität erzwingt, einen massenkompatiblen politischen Standpunkt einnimmt, dann bekommt man bei F1 einen großartigen, spannenden, leinwandfüllenden Blockbuster, den man im größten Kino und mit dem besten Sound genießen sollte. Er ist sehr lang, aber niemals langweilig.

Fazit: Nicht ohne Grund mit Spitznamen wie TOP CARS oder TOP SPEED belegt – wie TOP GUN: MAVERICK vor drei Jahren ein klassischer Hollywood-Blockbuster, der die traditionelle Männlichkeit ebenso feiert wie das traditionelle Filmhandwerk. Steve McQueen und James Garner wären so begeistert wie ich.

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8 Kommentare
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DSFARGEG
DSFARGEG
5. August, 2025 00:18

Ich werde mir Together vermutlich eh nie ansehen – spoiler doch mal bitte den Twist!
EDIT: Anderswo gefunden. Hm. Na ja.

Last edited 5 Monate zuvor by DSFARGEG
DSFARGEG
DSFARGEG
5. August, 2025 16:27
Reply to  Torsten Dewi

Ich sehe gerade nur die Mobile-Version, bei der viele Optionen fehlen, aber bei dir haben die Kommentarfelder doch sonst eine Schwarztextfunktion, oder? Ist die nicht für genau sowas da?

Christian
Christian
7. August, 2025 08:35
Reply to  Torsten Dewi

Dafür bin ich Dir auch sehr dankbar! Es gibt Seiten auf denen ich keine Reviews mehr lese, einfach weil der Verfasser doch immer meint im letzten Satz noch den Twist/ das Ende reinhauen zu müssen.

PabloD
PabloD
5. August, 2025 10:51

Ein 50- oder 60jähriger Typ, der 30 Jahre raus aus der Formel 1 war (also ungefähr zu dem Zeitpunkt aufhörte, als es bei Schumacher gerade so richtig los ging), bekommt ohne Weiteres einen Platz in einem Team der Neuzeit. Und das auch noch als hoffnungsvoller Heilsbringer.

Also bevor ich das glaube, bekommt "Transformers" einen Oscar als bester Dokumentarfilm.

S-Man
S-Man
12. August, 2025 23:05

F1 habe ich mir für das Heimkino aufgehoben und eigentlich einen eher durchschnittlichen Film erwartet. Deswegen habe ich ausnahmsweise auch deine Kritik gelesen. Danke für den Tipp mit dem "besten Sound". Ich hatte gerade Glück, dass er noch einmal nach meinem Urlaub im Kinosaal mit dem besten Sound der Stadt gezeigt wurde. Das Erlebnis hätte ich sonst verpasst, ganz großartig – eben gerade auch wegen des Sounds!