Aus Archiven gerettet: Deutsche Science Fiction unserer Väter (4)
Themen: Film, TV & Presse, Neues |Durchhalten, das Ende naht! Hier kommt die letzte Ladung an obskuren Genreproduktionen, von denen ich im Lexikon des SF-Films gelesen hatte und die ich dank der Segnung Internet nun auf die Festplatte bannen konnte.
Rausgelassen, weil früher schon behandelt: WIR, DATENPANNE, CHERIE MIR IST SCHLECHT, TERMINUS, DIE STURZFLIEGER, DER GOLEM GEHT RUM u.a.
Gold (1934)
Professor Achenbach und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der Ingenieur Werner Holk, arbeiten – uneigennützig und zum Wohle der Menschheit, wie sie glauben – an einer sensationellen Erfindung. In ihrem riesenhaften Laboratorium sind die modernen Alchimisten dabei, mittels Atomzertrümmerung bei mehreren Millionen Volt Blei in Gold umzuwandeln. Doch es gibt finstere Gegner, die den Erfolg dieser Forschungen um jeden Preis verhindern möchten.
"Kritik" im stramm deutschnationalen und von mir schon vorgestellten Buch VOM WERDEN DEUTSCHER FILMKUNST: "Mit kühnen und grandiosen Bildern über und unter der Erde hat Karl Hartl diesen Film gestaltet, dessen tiefster Gehalt die überwältigende Poesie der modernen Technik ist. Unvergeßlich prägt sich dem Filmbeschauer die Schönheit der Maschinen, der Zauber der elektrischen Strahlen ein. Es klingt das Hohelied der Technik durch den Film, die keine Grenzen menschlichen Geistes und menschlichen Vermögens anerkennen will und aus formlosen Massen der Maschinen von gestern sich zur künstlerischen Formengestaltung von heute entwickelt hat: stählerne Romantik unserer Zeit!“
Falscher Verdacht – Haytabo (1971)
Von Badmovies.de: "Ein Biologie-Professor, der schon nachgewiesen hat, dass Pflanzen Gefühle haben, forscht in Richtung Unsterblichkeit. Eines Tages werden ihm die Aufzeichnungen eines gewissen Professor Sütterlin, eines Forschers aus dem 19. Jahrhundert, zugespielt, der in Sachen Unsterblichkeits-Droge auf einem guten Weg war, nur leider brechen die Notizen ab, bevor Resultate auf den Tisch kommen. Der Professor – der mit fortschreitendem Alter immer größere Angst vor dem Tod hat – entscheidet sich, in Sütterlins bayerischer Heimat mit seinem jungen Eheweib weitere Nachforschungen anzustellen."
Ich würde Hahn/Jensen für die "Kritik"
"Es zieht einem glatt die Schuhe aus! Wirres Geschwafel nach
dem Motto"wie sich Klein-Ulli, unser Künstler, einen SF-Film vorstellt"."
an den Ohren ziehen, aber ich habe vor über 20 Jahren mal in den Film reingeschaut und gebe zähneknirschend zu, dass sie so falsch nicht liegen.
Hier verweise ich ausdrücklich darauf, dass dieser Link zu einer fragwürdigen Webseite mit teilweise pornografischen Inhalten führt!
High Score (1990)
Freddy und seine Freunde schlagen in einer tristen Zukunftswelt aus Neon ihre Zeit in Spielhallen tot. Eines Nachts geraten sie mit einer Motorradgang aneinander. MJ wähnt sich in einem Videospiel und tritt einen Biker von der Straße aus dem Leben. Der traditionelle und instinktbedachte Kommissar Budetsky und sein Partner Harra, ein kalter Computerfreak, heften sich an seine Fersen.
"Gustav Ehmck inszeniert die Clique im Videospiel-Rausch genau so, wie sich Opa die Jugend von heute vorstellt. Game over." (ME/SOUNDS)
Kamikaze – TV-Tod live (1986)
Amazon-Beschreibung: Albert ist alt, einsam und verbittert. Aber auch ein Genie. Seine Tötungsmaschine auf dem Dachboden arbeitet perfekt. Sie hinterläßt keine Spuren – beim Mord per Bildschirm, zur besten Sendezeit. Die Ermittlungen führen den Polizisten Romain in die kalte Welt der Elektronik. Auch Romain ist perfekt, aber hier hilft ihm nur sein Instinkt. Er fordert den Gegner im Fernsehen heraus. Doch die Suche nach dem Psychopathen scheint vergeblich…
Die unentschiedene Regie verschenkt die durchaus gegebenen Möglichkeiten zu einem sozialkritischen Science-Fiction-Krimi; statt einer bissigen Fernsehsatire entstand nur eine kuriose Belanglosigkeit.
Operation Dead End (1989)
Ein Team von Wissenschaftlern will das Verhalten dreier Versuchspersonen unter extremen Lebensbedingungen in einem strahlungssicheren Haus nach einem Atomstörfall testen. Die beiden Männer und eine Frau sind der Lage nicht gewachsen und erzwingen mit einem Trick den Abbruch des Experiments.
Psychologisierendes Unterhaltungskino mit alibihaftem "Tiefgang"; handwerklich auf ansehnlichem Niveau und nicht ohne Geschick inszeniert, aber allzu plump an gängigen Klischees und Kino-Vorbildern orientiert.
Hört nicht auf den Filmdienst, mir hat er gefallen!
Pankow ’95 (1983)
Ein alternatives Jahr 1995 in der Zukunft, Ost-Berlin, Pankow. Dort sitzt Johann Wolfgang Amadeus Zart als Insasse einer Irrenanstalt fest. Zart hat seine durch den Namen prädestinierte Musiklaufbahn aufgegeben, um stattdessen an seiner großen Theorie über eine zyklische Verschwörung der Jugend über die Generationen hinweg zu arbeiten. Als aufbegehrender Abweichler hat man ihn in der immer dystopischeren DDR aber weggesperrt. Doch auch im Westen scheint nicht alles glattzugehen. Von dort kommt auch das erste, jedoch mit seiner grünen Haut missglückte Retorten-Baby, das sich nun ebenfalls in der Anstalt befindet.
Eine sprunghafte Folge alptraumhafter Bilder über absurde Wirklichkeiten in Ost und West, recht reizvoll als kritisch-satirische Zukunftsvision.
Professor Tarantoga und sein seltsamer Gast (1979)
An einem Seeufer taucht in der Nähe einer jungen Frau plötzlich ein nackter Mann auf einem Baum auf. Er verfolgt sie in ein Lokal, wo er festgenommen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Durch Briefe, die er über die Anstaltsmauer wirft, nimmt er Kontakt zu Professor Tarantoga auf, einem Forscher zum Thema Zeitreisen. Der Mann stellt sich als Novak vor und behauptet, aus der Zukunft zu kommen, was ihn bei den Ärzten und Pflegern noch verrückter erscheinen lässt.
Hahn/Jensen verspotten mal wieder den großen Stanislaw Lem und können sich auch zu keiner brauchbaren Kritik hinreißen lassen:
"Ein Fernsehfilm aus der DDR. Ein echter Brüller."
Kann ich leider nicht verlinken. Eine alternative Geschichte als Hörspiel:
Rote Sonne (1970)
Thomas trampt von Hamburg nach München. Dort trifft er im Nachtclub „Take Five“ seine Ex-Freundin Peggy. Thomas hat noch kein Bett für die Nacht, und Peggy findet Thomas noch immer sympathisch. So nimmt sie ihn nach Feierabend – die Sonne geht gerade auf – mit nach Hause. Die Mitbewohnerinnen ihrer aus vier Frauen bestehenden Wohngemeinschaft sind jedoch nicht erfreut, als sie merken, dass Thomas sich bei Peggy einnistet. Der Grund ist, dass die vier jeden neuen Lover, den eine von ihnen nach Hause mitbringt, bereits nach wenigen Tagen gemeinsam (oder auch in Eigenregie) umbringen, weil sie sich gegenseitig aus Hass gegenüber der Männerwelt geschworen haben, dass keine von ihnen sich je ernsthaft in einen Mann verlieben darf.
Verquaster "Neuer Deutscher Film", wie man ihn von Rudolf Thome erwarten kann/muss. Ich bleibe der Überzeugung, dass Uschi Obermaier immer nur gecastet wurde, weil die beteiligten Männer auf eine Kostprobe der von ihr propagierten "Freien Liebe" hofften. Verständlich ist/war das.
Supergirl – Das Mädchen von den Sternen (1971)
Das Ähnlichkeit des Posters zum vorherigen Film ist kein Zufall. Wieder Thome, wieder die Mär von der verfügbaren, aber dennoch unerreichbaren Superfrau, besetzt mit einem Münchner Schickeria-It-Girl. Da werden mehr die sexuellen Obsessionen der Jungfilmer in Szene gesetzt als tatsächliche Geschichten.
Traumstadt (1973)
Florian und Anna Sand sind ein Münchner Künstlerpaar. Florian arbeitet als Graphiker, doch er fühlt sich durch die Gegebenheiten gehemmt und zunehmend frustriert. Der Traum von einer absoluten künstlerischen Freiheit lässt sich in seinem gegenwärtigen Leben nicht verwirklichen. Seit drei Tagen nun folgt ihm ein mysteriöser Fremder auf Schritt und Tritt, der ihn schließlich anspricht und sich Sand als Agent einer Traumstadt vorstellt. Er versucht Sand und seine Frau als Neubürger mit dem Versprechen zu ködern, dass man dort tatsächlich all seine Wünsche und Träume verwirklichen könne. Das Ziel sei die Vollendung absoluter Freiheit. Florian und Anna treten die langwierige Reise in das geheimnisumwitterte Eldorado fernab von der restlichen Zivilisation an und sind nach der Ankunft, wo sie ein merkwürdiger Zwerg in Empfang nimmt, zunächst sehr beeindruckt von den Möglichkeiten einer solchen visionären Stadt. Das bunte Treiben an diesem optisch barocken und doch kafkaesken Ort mit seinen oftmals skurrilen Figuren, das ein wenig an das Menschen-Panoptikum einer klassischen Fellini-Inszenierung erinnert, fasziniert die Neuankömmlinge.
„Ein breit angelegtes Filmgemälde mit orgiastischen Fantasmen und mondänen Kunstreizen, das der Vorlage Kubins teils getreu folgt, sie teils umdeutet und mit surrealen Bildeinfällen und glänzend inszenierten Happenings umsetzt. Die Überfrachtung mit Symbolen führt die angestrebte Ambivalenz (das Janusköpfige als Freiheitsbegriff) streckenweise freilich in bloße Konfusion.“ (Filmdienst)
Kostete für damalige Zeiten erstaunlich üppige zwei Millionen Mark.
Warum bellt Herr Bobikow? (1976)
Durch eine Organverpflanzung gelingt einem Professor die Verwandlung eines Hundes in einen Menschen, der sich aber zu eigenwillig entwickelt und dadurch den Wissenschaftler zu einer rückverwandelnden zweiten Operation zwingt.
Mit Max von Sydow, Mario Adorf, Vadim Glowna – und der späteren Porno-Queen Ilona Staller, hier noch unter dem Namen "Elena Mercury".
Verfilmung eines Romans von Bulgakow, dessen satirische Elemente durch die vordergründig-realistische Inszenierung weitgehend wirkungslos bleiben. Auch der politisch-gesellschaftliche Konflikt dieser im Rußland der 20er Jahre angesiedelten Geschichte wirkt aufgesetzt.
Warum die UFOs unseren Salat klauen (1979)
Auf der Erde ist es zu einem „Knall“ gekommen, dem die Besatzung eines Raumschiffs, das sich unentdeckt im Orbit befindet, auf den Grund gehen will. Im Zusammenhang mit dem Ereignis steht offensichtlich der ökologisch orientierte und idealistische schottisch-bayrische, in Bayern als Sohn einer Nobel-Nutte aufgewachsene Hobby-Biologe Peter McDonald, dessen Aktivitäten die Außerirdischen zur Analyse auf einem Bildschirm verfolgen.
Ein kleiner Film mit einer unfassbar großen Besetzung: Curd Jürgens, Hildegard Knef, Kurt Raab, Henning Venske und Edgar Froese, dem Gründer der Band Tangerine Dream! Es dürfte niemanden überraschen, dass der hier auf der Liste für eine Fotostory ganz weit oben steht:
Und damit kann ich das Thema "obskurer deutscher SF-Film", über das ich bestimmt schon seit zehn Jahren schreiben wollte, abschließen. Es ist für mich genauso wie für euch eine Art Archiv mit Titeln, die ich mir merken und immer mal wieder nachschlagen werde. Es gilt die Faustregel: was existiert, taucht auch irgendwann auf.
Ich danke allen, die bis hierher durchgehalten haben. Respekt für das Sitzfleisch!
Kamikaze ist glaub ich ein französischer Film, Gold und Die Salatklauer gibst mittlerweile auch als Bluray. Haytabo hab ich mir extra besorgt weil das wohl die ausnahme sein soll "von Constantine gibst keine richtigen schlechten Filme" 😉 Bisher hab ich so den eindruck SCI-Fi in (beiden) deutschland(s) und Kommödien scheinen sich auszuschliessen – die salatklauer mal ausgenommen.
„Traumstadt“ ist auch mal als DVD von Filmjuwelen erschienen… mit recht coolem Cover.
Wie ich bereits erwähnte – ich lege die Regeln nicht so streng aus, da ich sie selber aufgestellt habe.