In Archiven verschollen: Deutsche Science Fiction unserer Väter (1)
Themen: Film, TV & Presse, Neues |Ich musste diese Woche oft an Doc Acula denken. Nicht nur, weil ich am Donnerstag zum B-Film Basterds Festival fahre, das mal seins war. Ich habe nämlich am Wochenende mit sturem Fleiß die kritikwürdigen, aber dennoch unverzichtbaren Filmlexika aus dem Hahn/Jensen-Dunstkreis durchgearbeitet.
Es ist sicher 20 Jahre her und gehört zu den ältesten Themen, über die ich mit dem Doc damals diskutiert habe – die "lost treasures" des deutschen Genrefilms, die nirgendwo mehr ausgestrahlt oder veröffentlicht werden und von denen man nur im Rahmen der hämischen Besprechungen dieser Bücher lesen kann.
Seit damals hat sich viel getan. Produktionen wie DAS RÄTSEL VON PISKOV hat Pidax der Vergessenheit entrissen und TV-Filme wie DATENPANNE und CHERIE MIR IST SCHLECHT findet man auf YouTube. Zumindest so lange, bis sie wieder spurlos verschwinden wie der Düsseldorfer Actioner DER VIDEOPIRAT, den ich gerade noch rechtzeitig runterladen konnte:
Dem Zweiteiler DREHT EUCH NICHT UM – DER GOLEM GEHT RUM gönnte ich sogar eine ausgiebige Filmverbrechen-Fotostory.
Die meisten dieser Filme sind nicht so schlecht, dass sie lustig sind – sie sind nur dröge, und im Fall deutscher TV-Produktionen der 70er und 80er ist das kein Makel, sondern gewollt. Bleierne Schwere war ein Qualitätsmerkmal, knackige Dialoge und hohes Tempo ein unangemessenes Beten am Hollywood-Altar.
Die Themen spiegeln zudem perfekt den Zeitgeist der 70er und der Science Fiction vor der Blockbuster-Ära, die mit STAR WARS begann: lethargische Dystopien, der Mensch als tumbes Rädchen eines unterdrückenden Systems, allgegenwärtige Überwachung, die Verwaltung als Feind. Kurzum: Deutsche SF war üblicherweise kein Fruchtbonbon, sondern eine Kaper, die es missmutig zu kauen galt.
Dennoch: Ich habe die Besprechungen in meiner Teenager-Zeit so oft gelesen und mir die Filme dazu so fiebrig vorgestellt, dass sie bis heute Lücken in meiner Nerdbildung darstellen, die ich zu schließen trachte. Bei den meisten Produktionen handelt es sich um Fernsehfilme, die vermutlich bis heute in den Archiven von ARD und ZDF auf Wiederentdeckung warten. Sollten die Verantwortlichen jemanden suchen, der die Filmrollen abstaubt und daraus ein schön kuratiertes Programm für die Mediatheken zusammenstellt – hier!
Und so habe ich mich am Wochenende mal wieder auf die Suche gemacht. In ein, zwei Stunden habe ich anhand des SF-Lexikons eine Liste der Filme zusammengestellt, die nie in den digitalen Strömen an mir vorbeigetrieben sind. Dann habe ich die weißen und grauen Quellen, die allen Internet-Usern zur Verfügung stehen, mit Anfragen bombardiert.
Viele konnte ich finden, darüber schreibe ich im Finale dieses Dreiteilers Vierteilers. Aber es gibt weiterhin ca. drei Dutzend Produktionen, die ich nicht auftreiben kann. Mich beruhigt jedoch die Erkenntnis der letzten Jahre, dass Zeit und Geduld das ändern werden – auch wenn es Jahrzehnte dauert.
Hier mal eine Übersicht der aktuell noch verschwundenen Delikatessen mit einigen Informationen, die ich dazu auftreiben konnte. Es sei kritisiert, dass viele der zeitgenössischen Pressefotos der Sender mittlerweile nur noch über Agenturen verfügbar sind, die erhebliche Lizenzgebühren verlangen. Ich würde in diesem Zusammenhang dringlich ein frei zugängliches und kostenfreies Archiv der von den öffentlich-rechtlichen Sendern erstellten Pressebilder anmahnen.
Die Texte habe ich aus dem Lexikon des Internationalen Films, dem Lexikon des Science Fiction-Films, dem SPIEGEL, u.a. griffbereiten Quellen übernommen.
Warum ich mir diese Mühe mache? Weil ich mich gerne für die Obskuritäten einsetze, die Underdogs, denen kein Verleih eine Scheibe gönnt. Ich möchte nicht, dass diese Filme verschollen bleiben. Und ich hoffe, dass ich ein paar von euch auch für sie begeistern kann. Taucht ein in den Wahnwitz (vorwiegend) der 70er!
Gegen das Vergessen! Jetzt wird es super nerdig!
Aktion Abendsonne (1978)
Was vor zwanzig Jahren noch nicht vorstellbar war, dank Privat-TV inzwischen aber durchaus möglich wäre, nimmt diese Farce aufs Korn: Hier zeigen vier Menschen jenseits der 60, wer sie sind und was sie noch können. Nach der Erstsendung 1979 riefen 3000 Zuschauer an, 54 wollten einen “Alten“ aufnehmen.
Alpha und Asphalt (1974)
Eva Markulis, Professorin der Mathematik, in der Welt unserer Enkel lebend, ist
wie alle ihre Zeitgenossen auf das perfekteste genetisch programmiert. Eine Intellektuelle nach Maß, so wie es die Wünsche der Eltern (und die Bedürfnisse der
Gesellschaft) vorsahen, eine Musteranfertigung für den speziellen Gebrauch.
Durch eine genetische Fehlschaltung führt sie jedoch ein Doppelleben. In ihrer illegalen Zweitexistenz versucht sie sich nachts als Prostituierte. (…) "Die Gesellschaft hat im Menschen nichts zu suchen", schreit sie den Justiz-Computer an. Als das positive Urteil ergeht, ist es längst zu spät.
Die "Computerwoche" schrieb in ihrer ersten Ausgabe 1974 (!) dazu:
18. September 1974: Im ZDF wurde unter dem Titel “Alpha und Asphalt” ein computerbezogener Psycho-Thriller ausgeflimmert, in dem eine appetitliche Mathematiklehrerin auch ein Doppelleben als Prostituierte führte – oder andersrum? -, weil der für ihre Existenzprägung verantwortliche Rechner die Gene falsch gemixt hatte. Die Klärung der programmierten Provokation übernahm dann ein Justizcomputer, der wie eine von Nixdorf entworfene Stereo-Anlage wirkte (und imponierte).
Fotos zur Produktion u.a. bei Getty Images.
Die armen Reichen (1971)
Basiert auf einer Geschichte von Frederik Pohl. In einer utopischen Gesellschaft besteht das Privileg der "Reichen" darin, wenig zu konsumieren; die "Armen" müssen hingegen auf Teufel komm raus verbrauchen. Geregelt wird der Konsumterror durch ein Punktesystem. Der "arme" Held löst das Problem, indem er all das, was ihm zuviel ist, von Robotern konsumieren läßt. (…) Die Behörden kommen ihm auf die Schliche, finden seine Idee aber so gut, daß man alle Roboter umfunktioniert. Das irrsinnige System der Verschwendung wird durch eine "progressive Reform" stabilisiert.
Der Atem (1989)
Nach Herbert W. Franke. 1995: Ein Computerexperte arbeitet an der Entwicklung eines Simulationsprogramms, das er einsetzt, um das Gesicht eines Kriminellen "hochzurechnen", der ihn vor vielen Jahren entführt und seine Schwester getötet hat. Er trifft eine junge Frau, die ihren verschwundenen Vater sucht. Bald zeigt sich, daß beide gesuchten Personen identisch sind.
"Erzählerisch zerfahren und sprunghaft montiert, fesselt der Film allenfalls als Versuch, Aspekte der modernen Computer-Animation für den Spielfilm zu nutzen." (FILM-DIENST)
Mit Ankie Beilke, Thomas Gottschalks "love interest" aus BIG MÄC!
Besuch auf einem kleinen Planeten (1971)
Fernsehkommentator Spelding kann es einfach nicht glauben: Sein Freund Tom
Powers, der als General eine Wäschereidivision befehligt, berichtet ihm unter dem Siegel strengster Geheimhaltung, daß über Pennsylvania ein UFO beobachtet worden sei. Kurze Zeit später landet in Speldings Garten ein Wesen mit Namen Kreton, das einem Menschen verblüffend ähnlich sieht.
Dieses satirische Theaterstück von Gore Vidal diente dem Kinofilm von 1960 mit
Jerry Lewis als Vorlage. Liebeneiners Inszenierung liefert eine Fülle komischer
Denkanstöße und glänzt durch schauspielerische Spitzenleistungen.
Besuch aus der Vergangenheit (1975)
Das "Institut für experimentelle Zeit-Raum-Transformation" der DDR hat
eine Zeitmaschine gebaut. Der erste Mensch soll aus der Vergangenheit in die
Gegenwart geholt werden, damit er von seinem Leben in der miesen alten Zeit be-
richten kann. Oberschüler aus Henningsdorf sollen einen Kandidaten auswählen. Man einigt sich auf einen Mann, der nicht berühmt war: den Walzwerker Friedrich.
Erinnert an die Kurzgeschichte "Gianni" von Robert Silverberg.
Der Chef wünscht keine Zeugen (1963)
Eine mysteriöse Geheimorganisation plant den totalen Krieg, um alles Leben zu vernichten. Albtraumkino nach "Wallace"-Rezepten, das auf die Atomangst der Zuschauer spekuliert.
Diesem Film gelang, was nur wenigen seiner Art glückte. Die deutsche Produktion wurde in die USA verkauft und lief dort unter dem Titel NO SURVIVORS PLEASE. Das sagt aber nichts über die Qualität des Films aus, wie sich unschwer den Stimmen der Kritik entnehmen läßt:
"Langweilig, uninteressant" (Alan Frank, THE SCIENCE FICTION HANDBOOK )
Daedalus (1991)
Ein "ausgemusterter" Gen-Wissenschaftler zapft im Jahr 2018 die Computerarchive eines marktbeherrschenden Konzerns an, um die Fehler und Fehlentwicklungen in der Vergangenheit dokumentieren zu können. Dabei wird er zum Spielball der Konzernleitung, die am Ende seine Erinnerung löscht.
Auf Dokumentarmaterial aufgebauter Öko-Thriller, der eindringlich vor den Gefahren des gentechnisch Machbaren warnt und die Blauäugigkeit der Wissenschaftler anprangert, die sich der "reinen Wissenschaft" verpflichtet sehen und eine Verbindung von Forschung und Kommerz leugnen. Ein interessanter, überdenkenswerter Film.
Decoder (1984)
Ein "Decoder" (hier: Tönezersetzer) sucht an seinem Mischpult nach neuen Tönen, um gegen die Berieselung der manipulativen funktionellen Musik ("Muzak") eine akustische Waffe zu finden. Er verbündet sich dazu mit einer Stadtguerilla und überwirft sich mit seiner Freundin, die in einer Peep-Show arbeitet.
Die reizvolle Thematik – mögliche Macht und Kontrollfunktion von Tönen in einem Überwachungsstaat – gerät zu einer formal aufdringlichen Mischung aus Punk-Anarchie und Krimi mit zahlreichen Video- plus Ton-Experimenten, angereichert mit zynischer Tierquälerei. 1984 war das "State of the Art"; in der Rückschau nimmt sich der heute durchaus hörenswerte Film fast schon wie eine Vorwegnahme von Abel Ferraras "King of New York" und eine Reminiszenz an die Second-Hand-Dr. Mabuse-Fantasien der 1960er-Jahre aus.
Eine Version mit spanischen Untertiteln ist auf YouTube verfügbar.
Eine Firma für die Ewigkeit (1983)
Irgendwann in der Zukunft: Deutschland ist unregierbar geworden, das Militär hat die Macht übernommen, niemand arbeitet, jeder lebt sein leeres Leben mit staatlicher "Arbeitsscheuenunterstützung". Nur einer will etwas leisten und scheitert doch. Zwischen Groteske und kafkaeskem Albtraum angesiedelter, formal unzureichender Debütfilm.
Einladung zur Enthauptung (1973)
In einer fernen Zukunft, die sich durch die "Müdigkeit der Materie" auszeichnet,
in der die Technik zum größten Teil wieder rückgängig gemacht wurde, wartet
Cincinnatus C. auf seine Hinrichtung. Sein Verbrechen ist "gnostische Verworfenheit", eine Art seelische Undurchsichtigkeit: In Wahrheit ist Cincinnatus ein lebendig empfindender Mensch, während seine Zeitgenossen, die ihn beseitigen wollen, stumpfe Menschenattrappen sind.
SPIEGEL: "Ein paarmal an Kafka gedacht" hat Schriftsteller Manfred Bieler bei der TV-Bearbeitung von Vladimir Nabokovs Frühwerk (1938).
Eis (1989)
Versehentlich wird ein junger Mann 18 Tage in einer Gefängniszelle der Gendarmerie seines österreichischen Heimatortes gefangen gehalten, ohne Wasser und Nahrung. Der Versuch, das medizinische Wunder zu erklären, fördert eine unglaubliche Geschichte zutage: Der unschuldige Häftling war als mutmaßlicher Spion von ungarischen Geheimagenten über die Grenze entführt und verhört worden.
Was als makaber-groteske Provinzposse mit treffsicheren satirischen Spitzen beginnt, verliert sich zunehmend in einer unplausiblen Agentenstory.
Eurydike — Die Braut aus dem Jenseits (1974)
Der Atomforscher Tom nimmt via Bildschirm unerwartet Kontakt mit einer Gruppe Menschen auf, die behauptet, Opfer des Abwurfs der Hiroshima-Katastrophe von 1945 zu sein: Die Kraft der Bombe hat sie nicht sterben lassen, sondern in eine andere Dimension geschleudert, wo sie ohne zu altern weiterexistieren.
Ein experimenteller Film, für den Durchschnitts-Spektakel-Fan gewiß keine leichte Kost, aber durchaus des Ansehens wert.
Der Doc hat den Film mal ausführlich besprochen – einen Monat vor seinem Tod.
Evarella (1973)
Evarella ist ein Mordsweib, sie kann alles, sie weiß alles und donnert meist mit
einem überschweren Motorrad durch die Gegend. Ihre Waffe sind ihr Körper und
eine Luftpistole, die kleine Pfeile mit einem Betäubungsgift verschließen kann.
Und diese gebraucht sie ständig, denn sie ist Assistentin bei Zahnarzt Dr. Blanc, nebenberuflich auch Futurologe. Evarella zieht ihren Kittel aus — sie trägt einen aufregenden Raumanzug. Ein Praxis-Roboter blinkt auf, und beide verschwinden im weit aufgerissenen Mund des Patienten.
Geil – der Kurzfilm wurde sogar das Cover der HörZu:
Fräulein Golem (1973)
Man erlaube mir diesen tschechischen Ausreißer. Ein junger Erfinder möchte einen vielseitig nutzbaren Roboter konstruieren. In Gestalt einer attraktiven Frau kommt ihm der Zufall zu Hilfe. Aus der Retorte entsteht ihr äußerlich identisches, aber völlig gefühllos handelndes Abbild. Durch die Doppelgängerin geraten der Konstrukteur, die Frau und ihre Umgebung in Schwierigkeiten.
Die Musik und das Plakat konnte ich finden:
Den Film gibt es auch, aber leider nur in Originalsprache.
Frankies Braut (1983)
Annabelle kann sich an den gestrigen Abend nicht mehr erinnern. Sie wacht in
einem Sanatorium auf. Ein Autounfall! Für einige Zeit müsse sie hierbleiben,
ganz ofFensichtlich habe sie einen Schock erlitten. Annabelle sieht sich um. Merkwürdige Patienten halten sich in diesem Sanatorium auf, das von dem so Vertrauen erweckenden Professor Blohm geleitet wird.
Der Film basiert wohl auf einem Hörspiel von Konrad Hansen, dem Leiter des Ohnesorg-Theaters in Hamburg. Lizensierte Bilder u.a. bei United Archives.
Das Go! Projekt (1986)
Hamburg in den 90er Jahren: Durch seinen Computer aufmerksam geworden, wittert ein Journalist eine sensationelle Story, in der eine weiße Ratte als erster Biocomputer der Welt eine entscheidende Rolle spielt. Seine Recherchen konfrontieren ihn mit einem Netz von Intrigen und einer Welt, in der Industriespionage an der Tagesordnung ist.
Spannende, nicht immer stimmig inszenierte Zukunfts-Geschichte, die trotz der Themen Gen-Manipulation und Computer-Kriminalität durchaus witzige und ironische Seiten hat. Überdurchschnittliche (Fernseh-)Unterhaltung, der man den postmodernen Schick und das Zuviel an Product Placement nachsieht.
Der grüne Stern (1983)
Der hochintelligente, etwas zwielichtige Gottfried Hofer läßt sich in der (fiktiven)
Stadt Hochheim nieder und bringt es innerhalb kurzer Zeit zum Führer einer Bewegung, die sich schrittweise über das ganze Land ausbreitet und schließlich in
eine Diktatur mündet. Wissend, daß kein Volk eine homogene Masse darstellt, sondern aus unzähligen Minderheitengruppen besteht, versteht er es geschickt, Gesundheitsapostel, Hundebesitzer, Vegetarier und alle möglichen Sektierer, die sich von den etablierten Organisationen nicht recht vertreten fühlen, unter dem Symbol des "Grünen Sterns" zu vereinen.
Nach einem utopischen Roman des Österreichers Hans Weigel, mit deutlichen Parallelen zum Aufstieg Adolf Hitlers (der laut John Lennon"keinen hatte").
Unglaublicherweise findet man den Film nicht, aber die Ansage für ihn:
Hatschi! (1979)
Da kommen zwei seltsame Leuchtpunkte aus dem interstellaren Raum und nehmen in der Nähe einer hiesigen Eisenbahnstrecke menschliche Gestalt an. Die Außerirdischen haben eine Mission. Ihre Vorgesetzten haben durch intensive Beobachtung festgestellt, daß bei den Menschen seit langem ein bestimmtes, mit der Nase verbundenes Organ verkümmert, das die Fähigkeit besaß, Schlacken abzusondern, sogenannten Psycho-Rotz auszuscheiden und das Gehirn von Stauungen, Frustrationen und sonstigem Missverhalten zu befreien.
Persönlich halte ich die Story für eine SF-Variante der US-Komödie HOCHZEITSNACHT VOR ZEUGEN (What’s so bad about feeling good?).
Ich auf Bestellung (1968)
Braling will familiären Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Sein mechanischer
Doppelgänger "Braling II" übernimmt die lästigen Pflichten seiner verkorksten Ehe, er selbst will sich nur noch den positiven Seiten des Lebens widmen.
Nach einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury, die in 50 Jahren mehrfach verfilmt oder als Hörspiel adaptiert wurde, u.a. hier:
Der letzte Kosmonaut (1993)
Eine lakonische Satire auf das Ende der Sowjetmacht (nicht nur) im Weltall: Ein habgieriger Minister, der die letzten Gewinne des pleite gegangenen russischen Raumfahrtprogramms auf sein privates Konto leiten will, treibt ein dubioses Spiel mit einem einsamen Kosmonauten, der seit zwei Jahren mit der schrottreifen Raumstation "Mir" durchs All kreist. Erst durch einen verborgenen Helfer kann der Kosmonaut sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Nachdem gar einige US-Fernsehsatelliten abgeschossen wurden, kommt es zum Skandal.
Erzählt als Weltraum-Komödie, setzt der Film in erster Linie auf aufwendige tricktechnische Sequenzen, während er die innere Dramatik vernachlässigt. Auch die sympathischen Schauspieler, vor allem Barbara Auer als eine Art Ninotschka, die aus dem Verborgenen alles zum Guten lenkt, bleiben letztlich auf der Strecke.
Ich liebe dich, ich töte dich (1971)
Die in der nahen Zukunft angesiedelte Idylle eines Dorfes irgendwo in Deutschland wird durch die Ankunft eines neuen Lehrers gestört. Er freundet sich mit dem örtlichen Jagdaufseher an, bricht dann aber aus der Ordnung aus und betätigt sich als Wilderer. Er wird vom Jagdaufseher erschossen.
Einerseits milieuecht in seiner genauen Beobachtung und Dramatisierung der ländlichen Lebenswelt, andererseits allegorisch in seiner pointierten Stilisierung, ist Uwe Brandners Kinodebüt ein exemplarisches Werk des kritischen deutschen Heimatfilms Ende der 60er Jahre. Das düstere Bild der Provinz dient als Modell einer Gesellschaft ohne Freiräume, wo Nonkonformismus zum Verbrechen wird und soziale Kontrolle die Gefühle pervertieren läßt.
Die letzten Tage von Gomorrha (1974)
Eine überquellende Science-Fiction-Oper, ein Albtraum von der totalen Konsumgesellschaft. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die sich zu wehren beginnt, als ihr Partner unterzutauchen versucht in einem monströsen Apparat, der die letzte Konsequenz des Fernsehens oder der gesamten Unterhaltungsindustrie darstellen soll.
Ein Projekt der feministisch-künstlerischen Regisseurin Helma Sanders.
Überzeugender als in seinen politischen Ambitionen ist der Film in den Teilen, in denen die Autorin private Erfahrungen thematisiert.
Das war jetzt erstmal eine Menge Stoff – für mich und für euch. Ich nutze den Sprung in den zweiten Band des Lexikons für eine Pause. Teil 2 folgt zeitnah.
decoder hab ich erst letztens gesehen – der soundtrack ist einfach klasse . FM Einheit von Einstürzende Neubauten spielt da mit und hat auch am Soundtrack mitgewirkt. gibts als dvd un dkommt ende des Monats als Blu-ray.
Jerry Lewis hat mich kurz irritiert bei der Auswahl an deutschen Filmen 😉
zu Besuch aus der Vergangenheit: klingt sehr interessant, komischerweise taucht der in keinem Filmspiegel (DDR Filmzeitschrift) der 70 Jahre auf.
Ich will Evarella sehen und Das Go! Projekt, außerdem Alpha und Asphalt.
Wie immer eine tolle Arbeit, deine Hoffnung die öffentlich-rechtlichen Produkte würden nur in Archiven versauern muss ich leider verschlimmern: Wahnwitzig gute und (historisch wie künstlerisch) wichtige Aufnahmen wurden einfach gelöscht, die MAZ-Bänder überspielt.
Beispiel: ZDF Rock Pop in Concert 1983. https://www.concertarchiv.net/Rockpop-1983-4.htm
Die Konzerte wurden jeweils auf eine Länge von ca. 30-40 Min. geschnitten. Die kompletten, und im Eigentum des ZDF befindlichen Aufnahmen: gelöscht.
Musikhistorisch ein Verlust ohne Entsprechung, finanziert damals mit GEZ-Geldern.
Das ist aber ein etwas extremes Beispiel. Schlimmer war die BBC, die Ende der 60er/Anfang der 70er ganze Serienstaffeln gelöscht hat, um die Magnetbänder weiter zu verwenden. Ich vermute mal, die oben genannten Filme werden sich in den Archiven finden lassen – wenn endlich mal jemand danach sucht.
"Der letzte Kosmonaut", den habe ich damals gesehen. Hatte der Kosmonaut als "Gefährten" nicht einen Hamster oder ein Meerschweinchen? Und ist der Hamster/Meerschweinchen nicht auch gestorben, vergiftet?
Danke für die Zusammenstellung. Besucher von anderen Welten (man stelle sich vor, sie lesen das hier!) werden einige Perlen entdecken. "Der grüne Stern" war, wenn ich das recht erinnere, eines der frühen Werke, die mich als Knirps beeindruckten – so mich meine Erinnerung nicht trügt.
Die Science-Fiction. Geliebtes Tor zur Introspektive. Gefährlich, denn das Licht der Wahrhaftigkeit zieht Motten und anderes Ungeziefer an.
Aber … ein Hoch auf die SF.
Finde die Auflistung sehr interessant. Versuche echt das ein oder andere am We zu schauen. Neben dem neuen Superman.
Kleiner Wermutstropfen: Geht das nur mir an meinem Schmardphone so oder hat es es dir bisweilen die Formatierung des Textes zerschossen? Auch sind ein, zwei Tippfehler drin. 😬
Das mit der Formatierung mag an der Umkopierung aus dem gescannten Lexikon liegen. Für alle konkreten Fehlerhinweise bin ich dankbar.
Zu Tippfehlern: Bei Eurydike muss es in Zeile 3 wohl "Kraft" statt "Kraß" heißen"
Eurydike gibt es als Bonusfilm auf der DVD von Nullpunkt – Ich bin Dein Killer:
https://www.ofdb.de/fassung/56330,436603,Nullpunkt/
Den hab ich, soweit ich mich richtig erinnere, seinerzeit noch vom Doc verwichtelt bekommen (und, Schande über mein Haupt, immer noch nicht gesehen).
Das erklärt ja auch, woher er das Ansichtsexemplar hatte.
Und ich habe den Film auch gerade unter seinem Alternativtitel in einer Newsgroup entdeckt!
Ist der im Bild zu „Aktion Abendsonne“ Ernst Stankovski? Meiner Generation bekannt als TV-Moderator des etwas drögen Quiz „Erkennen Sie die Melodie?“ War vor allem Schauspieler.
Ja, das ist selbstverständlich Stankovski.
"Besuch auf einem kleinen Planeten" fand ich als junger SF-Fan ganz witzig, wenn auch ein wenig zu sehr Theater/TV-Spiel… aber: es gab ja kaum SF im deutschen TV
"EIS" fand ich visuell ansprechend und im Zusammenjang des damaligen deutschen Films erfrischend anders und vielversprechend… aber der Regisseur hat danach ja auch "nur" noch TV(Serien) gemacht.
Vom Rest kenn ich zum großen Teil noch nicht mal die Titel
Damit hast du aber schon mal zwei Filme mehr gesehen als ich.
An den 1. erinner ich mich vor allem wegen Peter Fricke, den ich wirklich charmant und witzig fand, bei dem 2. musste ich aucf meine damaligen Notizen zurückgreifen, so wenig ist mir davon in Erinnerung geblieben (war ja auch Anfang 1990)
Meine mich aus dem Eintrag bei Hahn/Janssen zu erinnern, dass bei "Besuch auf einem kleinen Planeten" ein junger Peter Fricke den Außeriridischen spielte. Allein deshalb hätte ich den Film wirklich gerne mal gesehen, ist dann wohl nicht so klamaukig wie die Jerry Lewis-Version, sondern verdient eher die Bezeichnung Satire.
Leider sind mir keine dieser Filme in Erinnerung. Dafür kommt mir einer in den Sinn, allein aufgrund seines bescheuerten Titels, der hier (noch) nicht aufgeführt ist, und der ca. 1980 im Fernsehen gesendet worden sein muss: "Mondcracker". Das bezieht sich natürlich auf "Moonraker". Ich habe keine Ahnung, worum es ging, grob um Raumfahrt. Kennt den jemand?
Lustig, den habe ich gerade vor kurzem auf youtube entdeckt, ist wirklich kurios: https://www.youtube.com/watch?v=EKKAEXE4YE8
Cool, habe ich gleich mal gezogen.
Auja, das war ein herrlicher Käse. Zwei Typen basteln sich eine Mondrakete und werden daraufhin durch die ganze Hype-Vermarktungsmaschine geschleift. Den NDW-Song, mit dem die beiden Hobby-Astronauten sich im Film vermerchandisen lassen, habe ich heute, nach über 40 Jahren, immer noch im Ohr.
Super spannend zu lesen und irgendwie will ich aus rein filmhistorischen Dingen diese Filme nun alle sehen! Spannend auch, dass manche Filme gar nicht bei Letterboxd, TMDB oder IMDB zu finden sind.
Danke. Bitte achte künftig darauf, eine korrekte URL anzugeben. Ich muss das immer händisch korrigieren, weil es für einen Darstellungsfehler sorgt.