27
Juli 2025

FANTASTIC 4: Spoilerzone

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Okay, weg mit den Samthandschuhen – jetzt wird Tacheles geredet!

Reed Richards: Superhero, scientist, idiot

Fangen wir mit den Sachen an, die ich bereits in der Kritik angesprochen habe: Der Kernkonflikt des Films ist etwas arg an den Haaren herbei gezogen. Ich rede natürlich von der Forderung Galactus', das Kind von Sue Storm auszuliefern, damit er im Gegenzug die Erde in Ruhe lässt. Dieser Trailer verrät das:

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Galactus hätte ganz anders argumentieren können: "Ich werde die Erde vernichten und ihr könnt nichts dagegen tun. Ich bin aber bereit, ein Menschenwesen zu retten, so wie ich Shalla-Bal gerettet habe". Ich bin ziemlich sicher, dass die Fantastic 4 das als alternativlos hätten akzeptieren müssen.

Der Film entscheidet sich stattdessen für eine "Sophie’s choice". Aber dann müsste man es auch so strukturieren, dass es sich plausibel erzählen lässt. Es fängt ja schon damit an, dass Sue hochschwanger an einer extrem gefährlichen Weltraummission teilnimmt. Gerade die Tatsache, dass Reed und Sue das Kind um jeden Preis schützen wollen, macht diese Entscheidung komplett banane. Aber es muss so sein, weil sonst der Plot nicht sitzt.

Reed Richards ist ein Vollidiot. Eine Sache, die man über den schlausten Mann der Erde nicht sagen solle. Er erzählt der Weltbevölkerung ohne Not von Galactus' Ultimatum. Warum? Es hätte vollkommen ausgereicht, bei der Rückkehr zu verkünden "mit dem ist nicht zu reden, wir müssen einen anderen Weg finden". Man muss kein Genie sein, um zu ahnen, dass die Menschen das Schicksal des Planeten höher werten werden als das Kind von Sue Storm. Man kann es ihnen nicht einmal vorwerfen.

Man kann den Critical Drinker für ein zynisches Arschloch halten, aber ich halte ihn oft genug für "spot on", wenn es um die Defizite von Filmen geht – auch hier:

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Das zweite Problem mit Galactus: Für einen Weltenfresser ist er auch nicht schlauer als Reed Richards. Was soll die ganze "I herald GALACTUS!"-Nummer vom Silver Surfer? Warum gibt Galactus den Menschen Zeit, eine Gegenstrategie zu entwickeln? Wäre es nicht erheblich einfacher, die Erde unangekündigt zu überfallen und zu vernichten? Die Aufgabe des Silver Surfer ist es, einen geeigneten Planeten auszuwählen – nicht, diesen vorzuwarnen.

Der ganze Konflikt macht übrigens das Wespennest auf, dass hier das Leben eines ungeborenen Kindes als unfassbar wertig dargestellt wird – in einem Land, in dem jedes Jahr hunderttausende Babys abgetrieben werden. Ist FANTASTIC 4 womöglich ein Plädoyer "pro life"?

The powers that be

Auch das hatte ich erwähnt – selbst wenn ich akzeptiere, dass Reed Richards ein Genie ist, glaube ich die Excelsior-Rakete in dem Augenblick nicht mehr, in dem sie durch kosmische Trümmerfelder navigiert und in den Hyperraum springt. Das bricht mit dem etablierten Level an Technologie des Films. Die Excelsior sollte auf jeden Fall ein Prototyp sein, der die F4 am Ende in das reguläre MCU bringt – aber als schnittiger Space-Porsche auf dem Weg zu Galactus wirkt sie übertrieben.

Die Fähigkeit von Reed, in Rekordzeit einen gigantischen Transporter zu bauen, der entweder die Erde oder Galactus durch den Kosmos beamen kann, scheint weit über den Möglichkeiten, die bis dahin etabliert wurden. Lazy Storytelling, bei dem die Fähigkeiten willkürlich den Anforderungen angepasst werden.

Der Weltraum, unendliche Weiten

Die Galaxis ist hier nicht sehr… galaktisch. Jack Kirby, was immer man auch von ihm halten mag, war immer sehr gut darin, in kosmischen Maßstäben zu denken und zu zeichnen. Im Gegensatz zur Erde wirkt das All in FANTASTIC 4 ein wenig zu spießig und zu nah an der Realität. DAS hier ist Kirby-Style:

GUARDIANS OF THE GALAXY, aber auch der erste DR. STRANGE haben die Unendlichkeit deutlich trippiger visualisiert.

Take me to your leader!

Ist es womöglich kein Zufall, sondern ein Zeichen, dass nach SUPERMAN auch FANTASTIC 4 die politische Ebene vollständig ausklammert und der Präsident in die Ereignisse nicht mal telefonisch einbezogen wird?

Das hat doch sooo einen Bart…!

Pedro Pascal hat kürzlich ausgeplaudert, dass er sich seit seinem Milchbubi-Look in WONDER WOMAN 1984 den fusseligen "Bart" nicht mehr abnehmen mag. Mir war nicht klar, dass Schauspieler das einfach so entscheiden können und ich finde auch nicht, dass es zum sehr cleanen Look der F4 und Reed Richards passt.

Noch dusseliger ist allerdings, dass Ben Grimm so etwas wie einen "Steinbart" hat, den er regelmäßig abschleifen muss. Ich lasse das dem Film nur deshalb durchgehen, weil es so oder so keinen Unterschied macht. Es versendet sich.

She’s got the look

Grundsätzlich finde ich alle Mitglieder der F4 im Film hervorragend getroffen. Über den Bart von Grimm habe ich schon gesprochen. Finde ich den Regenbogenschimmer ideal, wenn Sue ihre Kraftfelder erzeugt? Eher nicht, aber das ist eine rein stilistische Entscheidung, die dem Film nichts nimmt.

Es zeigt sich, dass Reed Richards Kräfte visuell den größten Unterhaltungswert besitzen, aber kaum handlungstragend eingesetzt werden können – er ist weder sehr stark noch unverwundbar, weshalb er meisten doch auf "Leader" reduziert wird. Bei Johnny fand ich die Entscheidung interessant und richtig, dass man auch im "flame on!"-Modus das Gesicht des Schauspielers noch erkennen kann.

We’re all DOOMed!

Es war schon lange kein Geheimnis mehr: Die FANTASTIC 4 bringen Dr. Doom mit ins MCU, der als Ersatz für Kang das nächste große Finale AVENGERS: DOOMSDAY einläuten soll. Zwar sehen wir nur die Kutte von hinten in der Nachspann-Szene, aber es ist eindeutig, was hier losgetreten wird. Zumindest einen Blick auf Robert Downey Jr. hätte ich mir gewünscht oder eine Erwähnung der Person im Verlauf des Films (die Existenz von Latveria wird ja verifiziert).

But wait! Unfassbarer Weise wird jetzt schon per KI die Doom-Szene im Nachspann künstlich verlängert, um genau die von mir monierte Abwesenheit von Downey Jr. zu revidieren – das ist vom Look & Feel verdammt nah dran:

Ich sag’s ungern, aber "in echt" hätte ich das für die bessere Alternative gehalten.

Für heute bin ich raus. Macht damit, was ihr wollt.


Nach all dem Gemäkel habt ihr euch ein wenig Unterhaltung verdient:

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9 Kommentare
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Matts
Matts
28. Juli, 2025 10:28

Ok, ich denke, zu zwei Punkten würde ich mal meinen Senf dazu geben:

  1. Eine "pro life" Message sehe ich bei dem ganzen Dilemma nicht wirklich. Als der eigentliche Konflikt nach der Rückkehr des Teams auf der Erde begann, war Franklin bereits geboren. Galactus´Ultimatum war in keiner Weise von der Frage abhängig, ob Sue in austrägt oder nicht.
  2. Zur Ankündigung des Silver Surfers: Ich bin mir nicht mal sicher, ob Galactus selbst überhaupt irgendetwas darauf gibt. Der scheint sich ja einzig dafür zu interessieren, seinen unstillbaren Hunger zu bedienen. Also sehe ich zwei mögliche Erklärungen. Erstens: Eine der Nachrichten aus dem All, die Johnny übersetzt hat ware doch irgendetwas von wegen "Verabschiedet euch euren Liebsten"? Es könnte also Shala-Bals verdrehte Vorstellung von Gnade sein: Wenn sie schon sterben müssen, sollen sie wenigstens ihren Frieden miteinander machen können. Zweitens: Shala-Bal wurde in ihre Rolle als Herald von Galactus gezwungen, empfindet also definitiv keine Sympathie für ihn. Die Ankündigungen könnten also Ausdruck ihrer heimlichen Hoffnung sein, irgendwann einen Planeten zu finden, dessen Bewohner Galactus tatsächlich besiegen können. Zugegeben: Nichts spricht der Film aus, also sind das nur Vermutungen.
Matts
Matts
28. Juli, 2025 13:48
Reply to  Torsten Dewi

Wird im Film explizit gesagt, dass die Ankündigungen auf Befehl von Galactus geschehen? Ich weiss es grade echt nicht mehr.
Wenn ja, dann … schmecken die Planeten vielleicht einfach besser, wenn sie in wochenlanger Panik mariniert sind.

Endstille
Endstille
28. Juli, 2025 13:30

Sollte es nicht heißen:
Noch dusseliger ist allerdings, dass Ben Grimm so etwas wie einen "Steinbart" hat, den er regelmäßig abschleifen muss. Ich lasse das dem Film nur deshalb durchgehen, weil es so oder so keinen Unterschied macht. Es "versandet" sich.

(Sorry, Mittagessen war nicht lecker…:))

Last edited 5 Monate zuvor by Endstille
S-Man
12. August, 2025 20:20

So, ich schreibe das jetzt direkt nach dem Fall – während ich auf den Beginn von F1 warte.

Ich persönlich war gut unterhalten, dennoch meine Gedanken:

1. Der Silver Surfer ist schon in den Comics als Herold etabliert, wenn ich mich richtig erinnere, oder? Also ist das nur bedingt dem Film anzulasten, aber albern fand ich das schon immer.

2. Ich hab meine größten Probleme mit den technischen Aspekten:
a) "Ihr müsst jetzt alle Energie sparen, damit wir dann die Energie haben." Natürlich kann man anmerken, dass alles andere auch technischer Quatsch ist, aber das hat mich irgendwie tatsächlich gestört. Derartige Energiespeicher gibt es nicht und sind das große ungelößte Problem der Energiewende. Energie lässt sich nicht in nennenswerter Weise einfach "sparen", um sie dann auf einmal freisetzen zu können.
b) "Überlichtgeschwindigkeit" führt unweigerlich zu Fragen der Zeitreisen. Sie landen also auf keinen Fall zu dem Zeitpunkt des "jetzt".
c) …gerade hatte ich das noch… Ist auch egal, war eine ähnliche Niggeligkeit. Am Ende war es doch egal, und der Film war eine tolle Unterhaltung!

Last edited 5 Monate zuvor by S-Man
S-Man
12. August, 2025 23:01
Reply to  Torsten Dewi

Haha, überrascht dich das jetzt wirklich? 😀

S-Man
14. August, 2025 12:26
Reply to  S-Man

PS: Ich habs wieder: c) Aus nur einem einfachen Satz kann man eine komplette Sprache rekonstruieren und fließend (aus)sprechen…

Bin schon wieder weg…