Buchtipp: ES LEBE SPACE 2063 von Christopher Schulze
Themen: Film, TV & Presse |
Full Disclosure: Ich werde in dem Buch von Christopher Schulze wegen meiner Übersetzungen zum Thema SPACE 2063 interviewt und habe von ihm ein Belegexemplar zum Zwecke der Rezension bekommen.
Wow, 30 Jahre ist SPACE 2063 jetzt auch schon wieder her? Um das in Kontext zu setzen – zwischen STAR TREK TOS und TNG lagen keine 20 Jahre. Zwischen INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG und INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS auch nicht. Von PSYCHO bis PSYCHO 2 brauchte es 22 Jahre. Florence Pugh ist keine 30 Jahre alt. Anya Taylor-Joy auch nicht. Die waren nicht mal geboren, als SPACE 2063 ausgestrahlt wurde.
Ich fühle mich gerade unangemessen alt.
Mit seinem Buch zollt Christopher Schulze der in vielen Bereichen bahnbrechenden, aber damals leider gefloppten Serie gehörig Respekt. Der Aufbau ist dabei erwartbar übersichtlich: Entwicklung, Produktion, Themen, Cast & Crew, ein kurzes Interview mit Schauspieler James Morrison und vor allem ein ausführlicher, durch Anmerkungen und Trivia ergänzter Episodenführer, der 110 von den 180 Seiten einnimmt.
Ist SPACE 2063 "Science-Fiction-Kult", wie das Cover tapfer behauptet? Da kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Dem einen sein Kult ist dem anderen sein Kappes, wie ich als Düsseldorfer immer sage. Dass die Serie erstaunlich gut gealtert ist, konnte ich neulich bei einem "rewatch" wieder feststellen.
Das Buch selbst ist flockig geschrieben, in seiner Schwuppdizität leichte Kost und für Fans von Science Fiction-Serien der letzten Generation ausnehmend lehrreich. Es erinnert an die üppigen Sammelbände eines anderen Autors, der allerdings nie dieses Level an Detailreichtum bieten konnte, denn in seiner grauen Steinzeit konnte man das alles noch nicht im Internet nachschlagen…
So weit, so gut.
Der Inhalt ist weitgehend ohne Fehl und Tadel – ich hadere nur mit dem Konzept. Um es bewusst klar und provokant zu sagen: Wer braucht für so etwas ein Buch?
Es ist reiner Text. 180 Seiten. Schwarzweiß all the way. Von einem Verlag, der "in Farbe und Bunt" heißt. Nicht mal die launig-sarkastische Anzeige von Vox zur deutschen Erstausstrahlung wird reproduziert:

Letztlich zahlt man 15 Euro für ein preiswert in Polen gedrucktes Taschenbuch in lesefreundlicher Großschrift. Ohne Fotos, Production Designs, Abbildungen von Skripts und Magazinwerbungen. Eine Ebook-Version gibt es anscheinend nicht.
Ich fürchte, die Zeiten sind vorbei, in denen solche Bücher und Fanzines die primären Informationsquellen waren, die dem Nerd seinen Wissensvorsprung sicherten. Weil sie Multimediales ohne Multimedia aufarbeiten und YouTube sowie das Internet generell einfach schneller, umfangreicher und kostenlos sind.
Retrospektiven wie die von Rowan Coleman erreichen vielleicht nicht die Tiefe des Buches, dank vieler Ausschnitte vermitteln sie aber einen deutlich besseren Eindruck von der Serie:
Wem das nicht reicht, für den gibt es ein ausführliches SPACE 2063-Wiki.
Das ist auch einer der Gründe, warum ich nach 2000 keine solchen Bücher mehr verfasst habe. Sie wirken auf mich fast schon melancholisch… antiquiert.
Aber was weiß ich schon? Leute kaufen sich auch das fünfte Mediabook von DAWN OF THE DEAD und zahlen 200 Euro für ein Foto mit einem besoffenen Nebendarsteller aus einem Uwe Boll-Film. Da steht es mir nicht zu, Sinn und Zweck in Frage zu stellen, denn das müssen die Käufer/Leser entscheiden, von denen ich Christopher eine ganze Menge wünsche. Harte Arbeit gehört honoriert.
Mein Fazit deshalb: Ein gutes Buch für SF-TV-Fans, die noch Bücher kaufen.
Christopher Schulze war neulich auch im "Vorzeitig abgesetzt"-Podcast zu Gast, um über das Buch zu reden: https://vorzeitig-abgesetzt.de/2025/05/01/es-lebe-das-gedruckte-wort/
Mir persönlich war die Serie damals zu militaristisch; aber als junger Teenager lauerte natürlich auch schon das Thema "Wehrdienst" im Hinterkopf – da hatte man auf solches Soldatenzeugs ja aber mal sowas von keinen Bock drauf…
"Von einem Verlag, der "in Farbe und Bunt" heißt."
"preiswert in Polen"
Um das Alt-fühlen abzurunden: Heidi Pršblybzçka ist auch bald 30 Jahre her.
Habe mir gleich mal auf Dailymotion eine Kompilation angesehen: "In där Säniorensändung 'Abwarten und Tä trinken’…"
Bei vielen dieser "gefloppten" Serien heisst es rückwirkend ja immer, sie seien eigentlich nicht gefloppt, sondern nur vom Studio oder Sender schlecht gemanagt worden. Das wohl am häufigsten zitierte Beispiel: Firefly. (hat wohl auch deshalb als Wiedergutmachung einen Kinofilm bekommen). Bei B5 Crusade haben sie nicht mal die Quoten abgewartet, sondern der Serie noch vor der Ausstrahlung den Stecker gezogen, weil der Sender sich mehr auf Sport konzentrieren wollte.
Bei Star Trek Enterprise waren die Quoten wie ich hörte ähnlich wie bei Battlestar Galactica. Die eine Serie gilt als Erfolg (auch wenn sie alle das Ende zerreissen) die andere bis heute als Flop-Serie weil ihr damals nicht wie sonst bei Star Trek üblich 7 Jahre vergönnt waren. Scott Bakula äußerte sich jüngst im Podcast von Dominic Keating und Connor Trineer dazu, und sagte auch dass das Ende vor allem der Studio-Politik hinter den Kulissen geschuldet sei.
Und genauso äußerte sich vor ein paar Jahren James Morrison auf der Fedcon über das Ende von Space 2063. Die Figuren hinter den Kulissen hätten gar nicht gewusst, was sie da für ein Kleinod in ihrem Bestand hatten. Sind all diese Meinungen deiner Meinung nach gerechtfertigt, oder ist es nur ein Versuch vieles im Nachhinein schönzureden? Manchmal stimmt es ja, dass die Bosse nicht wissen, was sie da eigentlich haben.
Z.b. Raumpatrouille Orion war ja im Gegensatz zu den meisten genannten Beispielen hier ja ein gigantischer Quoten-Erfolg, trotzdem waren uns nur 7 Episoden vergönnt. Weil die Bosse der Sender das Konzept der Serie wahrscheinlich gar nicht verstanden haben. Ähnlich äußert sich auch Rick Berman über die Enterprise Zeit, wo einige der anderen "Suits" Ihn fragten, ob man nicht einfach z.b. regelmäßig in den Episoden Rockbands! auftreten lassen könne etc..Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht im Falle Space 2063 ähnlich war.
Ich habe SPACE 2063 immer mehr respektiert als gemocht – der technische Aufwand war bemerkenswert, die Skripts intelligent, aber es war mir alles zu depri, militaristisch und humorlos. Ein Großteil der Zuschauer hat es wohl ähnlich gesehen. GALACTICA hat eine ähnliche Balance ein paar Jahre später zumindest in den ersten Staffeln besser hinbekommen.
Wenn es um die Frage geht, warum Serien eingestellt werden, gibt es selten den einen Grund, sondern meistens eine frustrierend komplizierte Melange aus Abhängigkeiten. Jeder der Beteiligten erzählt die Version, die seinem Wissensstand entspricht und ihn gut aussehen lässt. Gerade Leute wie Berman beherrschen den "corporate speak" perfekt – man könnte ja durchaus argumentieren, dass er für den Niedergang der "zweiten Ära" von STAR TREK ursächlich verantwortlich ist. Bei Science Fiction ist es meistens sehr einfach: Die Serien kosten viel und tun sich im Gegensatz zu Krimis und Arztserien schwerer, ein großes Publikum zu finden. Je höher das Budget, desto höher die notwendige Quote. Da bricht es sehr leicht. Und ich halte das für den Hauptgrund, warum Sachen wie SPACE 2023, ENTERPRISE, EARTH 2, etc. gescheitert sind. Mit GALACTICA ist ENTERPRISE nicht vergleichbar, weil sich ENTERPRISE auf einem großem Network beweisen musste, was immer ein hohes Risiko war. GALACTICA lief auf einem Sender für SF-Fans, das war erheblich einfacher.
Ich habe immer noch ein Trauma von der Absetzung von Earth 2. Als ich den Titel grad gelesen habe, dachte ich direkt „wie schade, dass das alles nie aufgelöst wurde“ und das obwohl ich die komplette Handlung mittlerweile vergessen habe.
„Leute kaufen sich auch das fünfte Mediabook von DAWN OF THE DEAD und zahlen 200 Euro für ein Foto mit einem besoffenen Nebendarsteller aus einem Uwe Boll-Film.“ – Das eigentlich Melancholische hier sind die Doc-Acula-Flashbacks.
Ja. Es ist so eine Woche – ich arbeite an einem Artikel über ein Thema, über das ich oft mit ihm gesprochen habe. Und übermorgen geht es nach Nürnberg zu dem, was mal sein Festival war.
Ich weiss noch, dass ich SPACE 2063 damals echt gerne im Fernsehen geschaut habe. Das Setting und die Charaktere haben mich durchaus angesprochen – und Donwer Ending mit der letzten Episode hat mich ein bisschen traumatisiert.
Und ich glaube, die Retrospektive von Rowan Coleman hab ich noch gar nicht gesehen. Seinen Channel hab ich tatsächlich hier durch den Blog kennen und schätzen gelernt. Aber ich hab schon fast seit einem Jahr nicht mehr reingeschaut *schäm*