21
Juli 2025

B-Film Basterds Back in Action! (3)

Themen: B-Film Basterds, Film, TV & Presse |

Der letzte Tag – das klingt schön fatalistisch, fast wie der Titel eines räudigen B-Movies. Mittlerweile ist mein Schlafrhythmus so zerschossen, dass ich erst zum Sonnenaufgang die Augen schließe. Egal, denn das Hotel lässt mich in Frieden ruhen und ich kann stressfrei den Checkout bis 15.00 Uhr hinauszögern.

Die Aussicht ist nicht schlecht und der Weg zum Kino nicht weit:

Dampfig heiß ist es allerdings heute – drinnen wie draußen. Im Kino das kleine Lukenfenster zu öffnen bringt keine Erleichterung. Wir schwitzen uns gemeinsam durch die Vorstellungen. Ein Glück, dass alternde Filmnerds nach Rosen riechen. Kalte Cola aus dem Kino-Café macht es erträglicher.

Once more unto the breach!


Sonntag

THE CREEPING TERROR (1964)

Da ich notorisch die Programme nicht studiere, um frisch ins Kino zu gehen, dachte ich eigentlich, hier käme THE CREEPING FLESH von 1973. Wäre vermutlich auch die bessere Wahl gewesen – THE CREEPING TERROR ist mal wieder so ein kruder Verhau, gedreht als Bildschirmschoner für Autokinos, damit die Teenager beim knutschen nicht abgelenkt werden. Die Mär vom Biest aus dem All, das alle paar Minuten regungslos herumstehendes Partyvolk schluckt, wäre für sich genommen schon lethargischer Drive-In-Rotz, aber den Deckel drauf macht der Erzähler, der die weitgehend abhanden gekommene Tonspur auffangen muss.

Im Rahmen eines solchen Festivals kann man das durchwinken, daheim sollte man tunlichst darauf achten, wenigstens die Festival-Atmosphäre zu simulieren. Das hier ist die vermutlich einzig akzeptable Form, den Film alleine zu konsumieren:

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Atlantis Inferno (1983)

Beim Wunschfilm konnte ich mich nicht durchsetzen – ich wollte natürlich VANESSA mit der backfischigen Olivia Pascal sehen, aber eine knappe Mehrheit entschied sich für ATLANTIS INFERNO. Nicht der ruppigste Deodato, nicht der skandalöseste Deodato, nicht der beste Deodato – aber mit Sicherheit der wahnwitzigste Deodato. Man hat mitunter das Gefühl, eine KI mit der Leistungsfähigkeit eines C64 (der Film ist schließlich von 1983) habe willkürliche Seiten von verschiedenen Schundromanen aus der Bahnhofsbuchhandlung kombiniert. Ein bisschen MIAMI VICE, ein bisschen MAD MAX 2, ein bisschen THE RIFFS, ein bisschen INDIANA JONES, ein bisschen Erich von Däniken, im Schweinsgalopp durchexerziert mit genug Action und Absurdität, um dem Zuschauer jeden Versuch der mentalen Durchdringung zu torpedieren:

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Leider war unsere deutsche Kopie immer dann, wenn’s ans Eingemachte bzw. die Eingeweide ging, schnöde geschnitten. Buhhh!!!

SCREWBALLS – DAS AFFENGEILE KLASSENZIMMER (1983)

Das muss man den jüngeren unter unseren Lesern vielleicht erklären: Nach den Erfolgen von ANIMAL HOUSE, FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH und vor allem PORKY’S kam es Anfang der 80er zu einer Flut pubertärer Highschool-Klamotten, die sich vor allem um drei Dinge drehten: Sex, Sex, und noch mal Sex. Für die Billigfilmer war das ein Geschenk, denn wie Jim Wynorski es mal so schön auf den Punkt brachte: "Brüste sind der billigste Special Effect".

So ist die von Roger Corman ko-produzierte, aber in Kanada gedrehte Softsex-Farce SCREWBALLS ein sehr typischer Vertreter dieses Subgenres. Attraktive Jungs steigen attraktiven Mädels nach, keiner will die Dicke, und der Schuldirektor wird im Stripclub erwischt. Das Ziel aller Bemühungen: endlich die Brüste der Highschool-Schönheit Purity Bush besichtigen. Die Erfüllung des hormonell bedingten Wunschtraums führt augenblicklich zum Nachspann.

Das ist natürlich gröber gestrickt als die Vorbilder und in der Einstellung erheblich schmieriger, zumal sich der Film nicht entscheiden kann, ob er in den 60ern oder 80ern spielt. Ansonsten ist das aber absolut kurzweilige Unterhaltung, zumal viele Heroen der B Movie-Ära der 80er und 90er hier dabei sind: Rafal Zielinski (SPELLCASTER), Jim Wynorski (CHOPPING MALL), Tibor Talacs (THE GATE). Es gab dann auch zwei Fortsetzungen.

PIECES – DER KETTENSÄGENKILLER (1982)

Juan Piquer Simon war ein spanisches Allroundtalent, der im Gegensatz zu vielen südeuropäischen Kollegen in jedem Genre überzeugen konnte: Superhelden, Science Fiction, Horror, Crime, Abenteuer. Für so eine Filmografie muss man sich wahrlich nicht schämen:

Supersonic Man (1979)
Jules Verne’s Mystery on Monster Island (1981)
Pieces (1982)
Extra Terrestrial Visitors (1983)
Dirty War (1984)
Slugs (1988)
The Rift (1990)
Cthulhu Mansion (1990) 

PIECES ist ein ziemlich harter Slasher, der in England sogar Teil der "video nasty"-Kontroverse wurde. Die internationale Koproduktion zwischen Spanien, Italien, den USA und Puerto Rico konnte einen ebenso internationalen Cast aufbieten:   Christopher George, Paul Smith, Edmund Purdom, Linda Day, Jack Taylor und Bruce Le (!). Unter Fans hat er sich einen gewissen Kultstatus erarbeitet, aber da ich nie Slasher-begeistert war, habe ich ihn in den 80ern immer im Videotheken-Regal stehenlassen. Im Jahr 2025 hat sich wenig geändert und um einen vertretbaren Zug in Richtung München zu erwischen, habe ich PIECES erneut ausgelassen. Ich werde nie wissen, ob es ein Fehler war:

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Ein nettes Detail hat mir einer der Veranstalter allerdings verraten: In der präsentierten Langfassung gibt es Szenen, die nie synchronisiert wurden. Statt diese wie üblich zu untertiteln, hat man einfach Dialoge aus anderen Szenen darüber gelegt. Wer aufpasst, hört bestimmte Stellen also doppelt!

Und das war es dann auch mal wieder. Es ist jetzt kurz nach Mitternacht und mein Zug rollt gerade in den Münchner Hauptbahnhof ein. Ich bin hundemüde, aber auch sehr zufrieden. Den Nachklapp schreibe ich morgen.


Nachklapp

Ausgeschlafen ist der falsche Begriff, aber ich bin wach. Gefrühstückt habe ich auch. Katzenscheiße geschaufelt sowieso. Home, sweet home.

Was bleibt? Sicher eins der spannenderen Basterds-Festivals seit Menschengedenken. Der Beweis, dass sehr viele schlechte Filme ein gutes Programm abgeben, wenn die Mischung stimmt – hier war ja von deutscher Avantgarde über den italienischen Psycho-Slasher bis zum Südstaaten-Porno alles dabei. Passt, wackelt (!), hat Luft.

Die Störung durch die Nachwuchs-Feministin bei SOMMER DER LIEBE sehe ich im Nachhinein weniger als Ärgernis und mehr als Bestätigung, dass hier eine Generation von naseweisen Besserwisserinnen heranwächst, die allen tatsächlich relevanten Problemen geschickt ausweicht, um das Ego an längst irrelevantem Altkram zu polieren. Wer 35 Jahre alte Amateurfilme wegen Blackface kritisiert, fragt halt nicht, warum in Dubai Influenzerinnen aus dem Fenster fallen. Aber Hauptsache, man hat "Aktion gemacht".

Für 2026 würde mich freuen, wenn endlich mal die Klimaanlage im Kino wie versprochen funktionieren würde. Wenn die Veranstalter verstärkt in den Archiven von Band, Corman, Hammer und Asylum wühlen würden, um gerade zur Primetime den Unterhaltungswert des Tages zu steigern. Wenn spätestens um 1 Uhr früh Schluss wäre. Aber das sind Niggeligkeiten.

Ich hatte Spaß und das alleine zählt. Dank an alle und "see you 2026!"

 



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Mike
Mike
21. Juli, 2025 13:37

Vermutlich freust Du Dich 2026 auf die Klimaanlage?

VaderRyderwood
VaderRyderwood
23. Juli, 2025 11:34
Reply to  Mike

"Die Klimaanlage" (1989) – Dieser Film erzählt im pseudodokumentarischen Stil, begleitet von einem künstlerischen Soundtrack voller Töne, die abenteuerliche Geschichte eines in der fiktiven afrikanischen Kreisstadt Klimaan gestrandeten deutschen Mobiltelefonvertreters auf der Suche nach seiner gestohlenen Geldbörse. Was wird ihn in dieser Lage erwarten? Rückflugticket, Tod oder die große Liebe? Die Zukunft ist noch nicht im Mais gesteinigt!

Kritiker sind sich einig. Ein Film, von vorne bis hinten in der richtigen Reihenfolge!

PS. Kommentar bitte nicht allzu ernst nehmen

Mencken
Mencken
21. Juli, 2025 22:01

Pieces ist ganz unterhaltsam, in etwa auf einem Level mit Slugs.